Gaming Prozessor System Testberichte

Quartett Infernale aus Ryzen 5 5600X, Ryzen 7 5800X, Ryzen 9 5900X und Ryzen 9 5950X – Welcher Ryzen-Typ seid Ihr und was sollte man sich als Gamer wirklich leisten?

Nachdem die beiden anderen AMD CPUs mittlerweile auch noch eingetroffen sind und ich mir kurzfristig noch eine Ersatz-CPU für den Ryzen 9 5900X besorgen (und dann auch kaufen) konnte, habe ich den gesamten Launch-Artikel überarbeitet und auch um die fehlenden Einträge ergänzt. Damit hätten wir dann das Quartett aus den Ryzen 5 5600X, , Ryzen 7 5800X, Ryzen 9 5900X und Ryzen 9 5950X jetzt auch komplett und können uns fragen, welche CPU man wirklich zum Spielen braucht und wo die Vernunft endet, weil dann schon der Wohlstand eintritt und danach der Übermut anfängt. Gut, haben möchte man ja gern alles, aber ob man es wirklich auch braucht? Antworten? Die gibt es, keine Angst!

Die Architektur der neuen CPUs einschließlich alle Folien hatte ich ja bereits ausführlicher thematisiert. Eine deutliche Steigerung der IPC, zusammen mit deutlich mehr Takt, soll Intel auch als Gaming-Champion ablösen können. Der Beweis ist heute fällig. Die Preise fallen wie erwartet aus und man darf am Ende natürlich auch auf die weitere Verfügbarkeit gespannt sein. Denn eines hat sich ja auch gezeigt: die Teile waren in Stückzahlen vorhanden und auch gleich wieder weg, als hätte man in Dubai um 12 Uhr mittags ein Vanilleeis in die Sonne gehalten. Firmen wie Mindfactory schrieben vom “besten Verkaufsstart ever, ever, ever”. Na also.

Für alle hier noch einmal die wichtigsten Folien der Präsentation als PDF zum Durchblättern. Die Bilder sprechen durchaus erst einmal für sich, den Rest werden dann die Tests heute und später beweisen. So, oder so.

Ryzen 5000 Series Desktop Processors

Vorbemerkung

Da Intel bedauerlicherweise keine Samples über einem längeren und angemessenen Zeitraum bereitstellen kann (oder möchte), sondern die CPUs aktuell nur als Giveaways in sozialen Netzwerken sponsert und ich mich auch nicht unter irgendwelche(n) Bedingungen oder zeitlichen Druck setzen lasse, werden ich im heutigen Test lediglich meine selbst erworbenen Core i9-10900K und Core i5-10600K nutzen, die zudem sogar rein zufällig auch die passenden Gegenspieler darstellen. Das schränkt die Vielfalt für die kommenden Tests zwar etwas ein, aber da Intel oberhalb des i9-10900K eh nichts anzubieten hat, ist das sicher noch zu verschmerzen. Und Intel darf man höflich mit auf den Weg geben, dass sich das Business nicht nur allein über das Influencen generiert. Das ging schon auf Twitch reichlich schief.

Dafür stelle ich den Ryzen 9 3900XT und den Ryzen 3600X als direkte Gegenspieler aus der jetzt abgelösten Generation mit in den Raum , so dass es am Ende mittlerweile acht CPUs sind, die ich im Rahmen dieser Tests näher analysieren werde. Denn um den Test als realitätsnäher zu gestalten und weil mir auch das Feedback der Leser wichtig ist, habe ich diesmal noch etwas variiert und auch mit verschiedenen Settings gearbeitet. Der heutige Artikel wird sich fast ausschließlich mit dem Gaming und der Version als Unterbau für die grafische Ausgabe befassen, den ausführlichen Workstation- und Studio-Test wird später noch geben, wenn das neue Testsystem mit dem Ryzen 9 5950X fertig ist und auch die noch verbliebenen Probleme geklärt worden sind. Vorgearbeitet ist schon, trotz krankheitsbedingtem Ausfall und Verzug.

 

Ich habe mich dazu entschlossen, nicht alle Spiele zu benchmarken, dafür aber sehr zielgerichtet und viel ausführlicher als bisher ganz speziell die, welche (schön paritätisch verteilt) den jeweiligen Herstellern exemplarisch am besten lagen. Insgesamt 5 Spiele, dafür in aber allen vier Auflösungen und mit jeder Menge Details bestückt, sollen dann all die Reviews der geschätzten Kollegen ergänzen (nicht ersetzen), die im Team Myriaden von Spielen testen konnten, dabei aber gar nicht auf die ganzen Hintergründe eingehen können. Was ich heute zeigen werde sind die Fälle, wo der neuen Ryzen besonders gut abschneidet, wo er erwartungsgemäß agiert und wo Leistungseinbrüche zu verzeichnen waren, die ich noch genauer erläutern werde.

Speichertakt und Factory OC

In der Vergangenheit konnte man es eigentlich kaum jemandem Recht machen, die einen wollten realitätsnahe Tests mit höher getaktetem Speicher (wie es viele User anhand der XMP-Profile bei den Intel-CPUs ja auch tun), die anderen schwören bei Vergleichen auf die Spezifikationen für den Takt der Speichercontroller. Und darf man bei Intel den Enhanced Turbo aktivieren und was ist mit dem PBO bei AMD? Fragen über Fragen und am Ende kann man es auch niemandem Recht machen.

Deshalb teste ich die beiden neuen Ryzen und auch die zwei adäquaten Intel CPUs doppelt. Einmal mit dem Takt, den der jeweilige Hersteller für den Speichercontroller vorschreibt (DDR4 3200 für AMD bzw. 2933/2666 für Intel) und einmal so, wie es die neuen Ryzen CPUs maximal stabil hergeben. Die beiden Ryzen 9 5900X  und 5950X liefen dabei mit einem FCLK von 2000 MHz, so dass diese CPUs und der Intel Core i9-10900K auch zusätzlich mit DDR4 4000 getestet werden konnten. Die Ryzen 5 5600X und Ryzen 7 5800X schafften nur einen FLCK von 1933 bis 1967 MHz stabil, so dass diese und der Core i5-10600K mit DDR4 3934 liefen (ich nennen das in den Charts vereinfacht DDR4-3900). Zum Einsatz kommt hier ein Paar Corsair Vengeance RGB Pro DDR4 4000 mit passendem Profil, das aber auch auf der Intel-Plattform knuffig lief.

Die alten Ryzen 9 3900XT und 3600X laufen mit DDR4 3600, was zwar auch noch ein gewisses OC darstellt, aber es ist in vielen Situationen fast schon zu vernachlässigen, denn das eigentliche Spiel läuft ganz woanders ab. So hart es klingen mag, aber mehr als Deko sind die Ryzens der 3. Generation jetzt nicht mehr, solange man nicht in Ultra-HD spielt und dann die Grafikkarte nach Hilfe schreit. Doch ich will den Tests ja nicht vorgreifen. Interessanter ist welchen maximalen Vorteil so ein Ryzen 9 5900X aus dem zieht, was man gern als einfaches Speicher-OC mit hinterlegten Profilen betrachtet. Der Ryzen 5 3600X fällt dann im Rahmen seiner Möglichkeiten sehr ähnlich aus, erreicht aber die Spitzenwerte nicht ganz.

Man erreicht bei den neuen Ryzen bis zu knapp 7% Leistungssteigerung für bis zu 800 MHz mehr Takt.. Die Leistungsaufnahme der CPU steigt mit weniger Limitierung um bis zu 23%, die der GPU um knapp 3%. Das habe ich im Idealfall und bei 720p erreicht, im Normalfall wird sich dies deutlich niedriger auswirken. Aber ca. 5% sind beim Ryzen auch auf Full-HD eigentlich immer drin. Ein Benefit, den man mitnehmen sollte. Alles ab WQHD relativiert sich dann wieder, weil nun die Grafikkarte immer mehr zum limitierenden Glied in der Kette wird.

Bei Intel sieht es zwar auf den ersten Blick noch etwas extremer aus, allerdings kommt neben dem Speicher-OC jetzt ja auch noch der “Enhanced Turbo” hinzu, den man ohne schlechtes Gewissen wirklich als Werks-Cheat sehen kann und der weit über PBO hinausgeht, solange man bei AMD nicht auf vordefinierte Leistungsprofile setzt. Allerdings resultieren die fast 1000 MHz mehr Speichertakt und der Enhanced Turbo nur in reichlich 9% mehr Performance im günstigsten Fall, dafür aber mit fast 30% mehr Leistungsaufnahme der CPU in 720p, weil sich der Flaschenhals etwas zum Ausguss aufweitet. Dazu kommen fast 6% mehr Leistungsaufnahme der GPU. Passt auch in etwa zum Zugewinn bei AMD, jetzt, mit Zen3.

Die Messung der Leistungsaufnahme und anderer Dinge erfolgt hier im Speziallabor auf einem redundanten und bis ins Detail identischem Testsystem dann zweigleisig mittels hochauflösender Oszillographen-Technik…

…und dem selbst erschaffenen, MCU-basierten Messaufbau für Motherboards Grafikkarten (Bilder unten), wo am Ende im klimatisierten Raum auch die thermografischen Infrarot-Aufnahmen mit einer hochauflösenden Industrie-Kamera erstellt werden. Zusätzlich kommt NVIDIAs PCAT-System zum Einsatz.

Die einzelnen Komponenten des Testsystems habe ich auch noch einmal tabellarisch zusammengefasst:

Test System and Equipment
Hardware:

MSI MEG X570 Godlike
AMD Ryzen 9 5950X DDR4-4000 CL18-22-22-42 / DDR4-3200 CL16-18-18-36
AMD Ryzen 9 5900X DDR4-4000 CL18-22-22-42 / DDR4-3200 CL16-18-18-36
AMD Ryzen 7 5800X DDR4-3900 CL18-22-22-42 / DDR4-3200 CL16-18-18-36
AMD Ryzen 5 5600X DDR4-3900 CL18-22-22-42 / DDR4-3200 CL16-18-18-36
AMD Ryzen 9 3900XT DDR4 DDR4 3600 CL18-19-19-39
AMD Ryzen 9 3600X DDR4 DDR4 3600 CL18-19-19-39

MSI MEG Z490 Unify
Intel Core i9-10900K DDR4 4000 CL18-22-22-42 / DDR4-2933 DDR4-2933 CL16-18-18-36
Intel Core i9-10600K DDR4 3900 CL18-22-22-42 / DDR4-2666 DDR4-2933 CL16-18-18-35

2x 16 GB Corsair Vengeance RGB Pro

MSI GeForce RTX 3090 Gaming X
1x 2 TByte Aorus (NVMe System SSD, PCIe Gen. 4)
1x 500 GB Toshiba RC500
1x Seagate FastSSD Portable USB-C
Be Quiet Dark Power Pro 12 1200W

Cooling:
Alphacool Eisblock XPX Pro
Alphacool Eiswolf (modified)
Alphacool Subzero
Case:
Raijintek Paean
Monitor: BenQ PD3220U
Power Consumption:
Oscilloscope-based system:
Non-contact direct current measurement on PCIe slot (riser card)
Non-contact direct current measurement at the external PCIe power supply
Direct voltage measurement at the respective connectors and at the power supply unit
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, 500 MHz multichannel oscilloscope with memory function
4x Rohde & Schwarz HZO50, current clamp adapter (1 mA to 30 A, 100 KHz, DC)
4x Rohde & Schwarz HZ355, probe (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012, HiRes digital multimeter with memory function

MCU-based shunt measuring (own build, Powenetics software)
Up to 10 channels (max. 100 values per second)
Special riser card with shunts for the PCIe x16 Slot (PEG)

NVIDIA PCAT and FrameView 1.1

OS: Windows 10 Pro (all updates, current certified drivers)

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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