Prozessor Redaktion Testberichte

Intel Core i9-11900K, Core i7-11700K, Core i5-11600K und Core i9-10900K gegen Zen3 – Last man standing in Silizium

Leistungsaufnahme im Idle

Das ist schwer zu verallgemeinern, denn egal ob Ryzen oder Core, ein kleiner Husten im System und die Wattzahl macht einen Luftsprung. Man kann aber durchaus auch Situationen mit um die 20 Watt (AMD) und etwas unter 30 Watt (Intel) Package-Power beobachten, wobei der Z590 Chipsatz meines Erachtens auch nicht bescheiden bleibt. Das MSI MEG X570 Godlike liegt bei ca. 30 bis 42 Watt, das MSI MEG Z590 liegt so um die 50 Watt+, wenn man Volllast fährt. Im Idle wird das bei beiden kaum viel weniger, vor allem dann nicht, wenn PCIe 4.0 genutzt wird.

Leistungsaufnahme in Anwendungen

Schauen wir uns zunächst mal Cinebench an, was im Multi-Core auch für ähnliche Anwendungen wie Blender oder Luxrender stehen könnte. AMDs Ryzen 9 sind beide keine Kostverächter, aber sie liefern ja auch ordentlich ab. Nur der Core i9-11900K will da nicht ins Schema passen, denn gut gekühlt wird da an Ampere durchgejagt, was das Setting so hergibt. Vor allem ABT ist da ein schöner Kostenreiber. Takt hin oder her, es müsste im Performance-Ergebnis nur ordentlich mit der aufgenommenen Leistung korrelieren, dann würde auch niemand meckern. Nur ist genau das eben nicht der Fall.

Im Single-Core liegt man bei Intel mit den Core i9 und Core i7 deutlich über einem Ryzen 9 5950X, der im Benchmark die Spitze markiert.

Das gilt umso mehr auch für den Multi-Core-Benchmark, der Intels Problem noch besser verdeutlich. Hahn auf, läuft. Ich habe übrigens auch noch einmal mit Chiller und Unlimited getestet – es sind mit ABT fast 390 Watt möglich (was kompletter Unfug ist). Das Lustige ist ja, dass irgendwann nichts mehr skaliert, was man mehr an Energie reinsteckt.

Das schlimmste Szenario ist Prime95 mit oder ohne AVX. Es ist mit richtiger Kühlung wirklich möglich, einen Core i9-11900K bis zu 400 Watt zu prügeln, aber das sind Dinge, die kein Mensch braucht. Bis auf die LN2-Fraktion, aber die sind ja dankenswerterweise in der Minderheit. Ich brauche keine 7 GHz für die Galerie und mehr als 1.5 Volt auf der CPU sind auch arg alltagsuntauglich. Deshalb hebe ich mir diese Prime95- und AIDA-FPU-Zahlen auch für einen anderen Artikel auf. Das spielt ja eh keiner. Apropos Spiele….

Leistungsaufnahme in Spielen

Die nachfolgenden Charts fassen noch einmal alle Messungen zusammen, die ich während der Spiele aufgezeichnet habe. Wir können deshalb auch sehr schön vergleichen, wo welche CPU mit welchem Ergebnis wie effizient (oder auch nicht) zu Werke geht. Genau da aber haben die Intel-CPUs fast immer einen starken Nachteil, denn gerade im Grenzbereich bei voller CPU-Last geht die Leistungsaufnahme exorbitant nach oben. Vergleicht man den Core i9-11900K mit einem nur unwesentlich langsameren Ryzen 7 5800X, dann liegen hier nicht nur Welten, sondern schon kleine Galaxien dazwischen.

Und wer glaubt, das läge an meiner BIOS-Einstellung mit den 288 Watt für P1 und P2, der irrt leider. Setzt man die CPU nämlich auf den Standard-Wert, wird sie zwar im Volllast-Szenario einen Tick langsamer, aber es macht sie nicht effizienter. Da würde nur eine Takt- und Spannungsabsenkung helfen und es ist mit Sicherheit auch ein verwertbares Thema für ein Follow-Up. Gerade Intels ABT merkt man zuerst an der Steckdose und dann (vielleicht) auch in den Anwendungen. Das wiederum macht den Core i9-10900K deutlich interessanter, der auf solche Spielereien verzichtet, zwei Kerne mehr aufweist und am Ende kaum langsamer, dafür meist deutlich sparsamer ist. Intels Streben nach der Leistungskrone beim Gaming mutet da in manchen Situationen fast schon grotesk an, egal, ob nun eine Radeon oder GeForce im Rechner steckt. Und aus meiner Sicht hat man dieses Ziel auch verfehlt.

Im Übrigen ist es auch mal einen Blick wert, die kombinierte Darstellung aus CPU und CPU zu analysieren.  Auch hier ist es schön zu sehen, mit wie wenig Leistungsaufnahme so manch eine CPU eine schnelle Grafikkarte an die Grenzen treiben kann und wie lang (im Gegensatz dazu) so mancher Balken für nichts wird. Das ist dann Crow-Bar-Style und fast schon Bulldozer-Feeling. Ok, ich will fair bleiben, denn hier stimmt zumindest die Gesamtperformance und nur der Stecker glüht still und  leise im Abendwind. Strom-Romantik pur.

Borderlands 3

Shadow of the Tomb Raider

Watch Dogs Legion

Far Cry New Dawn

Leistungsaufnahme als Kurven: alle CPUs, alle Spiele und Auflösungen

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W
WedgeAntilles

Neuling

4 Kommentare 4 Likes

Technisch zweifellos keine Offenbarung und wenig aufregend.
Dafür bekommt man bei RL einen deutlich günstigeren 6-Kerner und einen günstigeren 8-Kerner als bei Zen3.
Was unterm Strich bedeutet, dass ich bei Intel aktuell mehr Frames pro Euro bekomme wenn ich zocken will.

Die Leistungskrone bleibt bei AMD, spätestens wenn man 12 Kerne und mehr braucht führt an Zen 3 ja eh kein weg vorbei.

Wenn ich aber nicht das letzte Frame benötige sondern einen schnellen Spielerechner mit möglichst gutem Preis-Leistungs-Verhältnis möchte, bin ich bei RocketLake genau richtig. Und besser aufgehoben als bei AMD. Auch wenn AMD natürlich "cool" und "angesagt" ist - ob einem das den Aufpreis wert ist muss jeder selber entscheiden.

In wie fern es Sinn macht sich jetzt RL zu kaufen lasse ich dahingestellt - wer warten kann sollte sicherlich auf AlderLake warten.
Aber es gibt ja viele Gründe weswegen halt jetzt zwingend ein neuer Rechner her muss und nicht erst in 9-12 Monaten.

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D
Deridex

Urgestein

1,643 Kommentare 470 Likes

Der 6Kerner scheint tatsächlich deutlich günstiger zu sein und wäre aus meiner Sicht recht gut. Aber bei den 8Kernern lande ich persönlich aufgrund Verbrauch und Kühlung wieder bei AMD.

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Igor Wallossek

Format©

5,321 Kommentare 8,256 Likes

Den Text hätte man früher 1:1 bei AMDs CPU-Launches bringen können. Wie sich die Zeiten doch ändern :D

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ArthurUnaBrau

Mitglied

98 Kommentare 26 Likes

@Igor Wallossek
Zählt es, dass ich PBO und so komplett aushabe und meinen Ryzen einfach mit 4,7Ghz allcore bei 1,25V laufen lassen? ;-)

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K
Kobichief

Veteran

436 Kommentare 86 Likes

Meine Erwartung war, vergleichbare Leistung wie die Ryzens mit niedrigerer oder gleicher Taktgeschwindigkeit.
Da man jetzt aber die Taktraten Vollgas ausreizen muss um Mitzuhalten zu können, scheint entweder die Architektur oder der Backport nicht so geil gelungen zu sein, bzw Einschränkungen und zu viele Kompromisse zu haben. Hoffe mal Intel kriegt das mit der nächsten Generation in den Griff.

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R
RX Vega_1975

Veteran

449 Kommentare 43 Likes

@Igor Wallossek

Wie Wahr du da zitierst was Einst mal war :)
So wie bei Karl May.

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Freiheraus

Mitglied

19 Kommentare 29 Likes

Dass die Leerlaufleistungsaufnahme und Teillast(1Kern)leistungsaufnahme trotz monolithischem Design so gestiegen ist, ist wohl dem hohen Takt und breitem Design und evtl. PCIe 4.0 geschuldet. Ich bin auf den Vergleich mit Ryzen 5000G aka Cezanne gespannt, das könnte effizienztechnisch noch deutlich unangenehmer für Intel werden, wobei der wiederum nur PCIe 3.0 bieten wird.

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M
MoGas

Mitglied

10 Kommentare 9 Likes

Shadow of the Tomb Raider in 720p. Ich dachte zuerst, die x-Achse ist gekürzt...
Das sieht echt übel aus für Intel :eek:

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O
Oberst

Veteran

136 Kommentare 34 Likes

Der 6-Kerner hat aktuell einen Preisvorteil von 40€, was schon eine Hausnummer ist. Allerdings kann man beim AMD aufgrund des niedrigen Verbrauches vielleicht ein billigeres Board nehmen, auf dem einfachere VRMs sind. Das kompensiert den Preisvorteil des Intel zu Teilen wieder. Und der AMD ist dabei noch etwas schneller (je nach Spiel mal mehr, mal weniger), insofern ist im Endeffekt der Vorteil für Intel vermutlich nicht so hoch, wie man meinen würde, aber durchaus da.
Es gibt übrigens auch noch andere Gründe, die in die Kaufentscheidung eingehen. Wer bisher ein B450 Board mit Ryzen2k hat und aufrüsten will, der wird kaum auf Intel wechseln. User mit LGA1200 werden eher nicht auf AMD switchen und für manche Leute zählen noch andere Faktoren.
Im Endeffekt hat man wieder einen schönen Zweikampf, wobei sich, wie Igor schon geschrieben hat, diesmal die Vorzeichen gedreht haben. AMD hat die modernere Fertigung und vermutlich deshalb auch die Nase vorne. Aber zum Glück nicht so weit, dass sie sich zurück lehnen können. Und jeder User kann das kaufen, was ihm gefällt, ohne von anderen Usern gleich Kopfschütteln zu ernten... Das war nicht immer so.

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C
Capsaicin

Veteran

184 Kommentare 84 Likes

Das ist ja schon fast enttäuschend. Nachdem Intel über die letzten 5 Jahre die gleiche Technik (Skylake, 14nm) immer wieder einfach nur neu aufgebrüht und damit enorme Leistungssprünge gemacht hat (4C -> 10C, 4,2GHz -> 5,3GHz Turbo), ohne dabei exorbitant teurer zu werden (den 10850K gibt's für 380€), bringen sie jetzt einen wenig schnelleres, neues Prozessor-Lineup, der die bisherigen Vorteile gegenüber den Ryzens zunichte macht: Geringe Leistungsaufnahme im Idle (für die ganze Plattform) und die teils gute Effizienz bei leichten Workloads (z.B. Spiele in hohen Auflösungen). Bleiben als Pro-Argumente vor allem AVX-512 und ein paar andere Features, und der Preis.
Nicht, dass Intel ein besseres Produkt nötig hätte, um Umsatz und Gewinn zu steigern...

Allerdings, für eine 14nm-CPU ist es trotzdem ein erstaunliches Stück Technik. Auf dieser Basis darf man gespannt sein, was Alder Lake auf den Tisch bringt mit nochmals neuen Kernen und besserer Fertigung.

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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