Gaming Prozessor Testberichte

AMD Ryzen 9 5900X und Ryzen 5600X im ersten Test – wird Intels 10. Generation jetzt obsolet?

Aktuell konnte ich zwei der neuen Ryzen CPUs mit Zen3-Kern testen, die eigentlich unterschiedlicher nicht sein könnten. Zum einen ist da der Ryzen 9 5900X mit 12 Kernen (24 Threads) quasi als das neue, zweigrößte Wundermittel der Oberklasse und zu anderen der Ryzen 5 5600X mit 6 Kernen (12 Threads), der selbstbewusst das Sparbrötchen-Image an der Laden-Kasse abstreift, dafür aber umso bissiger zubeißt. Zu den heutigen Aufgaben und den Follow-Ups werde ich später noch Genaueres ergänzen.

Update vom 06.11.2020 – 06.30 Uhr

Da ich gestern noch einen Ryzen 9 5950X zugeschickt bekam, der ebenfalls über zwei Dies verfügt, habe ich diesen, quasi über Nacht, ebenfalls durch alle Benchmarks gejagt. Das Problem mit den beiden CCDs ist in Shadow of the Tomb Raider nicht aufgetreten, so dass man hier wohl eher von einem CPU-spezifischen Problem des Samples ausgehen muss. Was sich jedoch bestätigt hat, ist der eklatante Einbruch unter Ultra-HD in Far Cry New Dawn, der mit allen AMD-CPUs auftritt. Allerdings benötigt man schon eine übertaktete GeForce RTX  3090, um dieses Verhalten überhaupt zu bemerken. Eine schwächere Karte, wie z.B. eine GeForce RTX 2080 Super oder 2080 Ti,  schiebt das GPU-Limit soweit nach unten, dass dieser Knick gar nicht auffällt. Zusammen mit dem Ryzen 7 5800X wird es zeitnah ein Update geben.

Originalartikel vom 05.11.2020

Der ganz große Ryzen 5 5950X mit 16 Kernen (32 Threads) und der Ryzen 7 5800X mit 8 Kernen (16 Threads) werden zeitnah in einem Follow-Up vorgestellt, da das Sampling nach dem Zufallsprinzip in zwei Wellen erfolgt. Das steigert zwar die Spannungskurve und die Sichtbarkeit, zehrt aber auch etwas an den Kräften und dient nicht gerade der Übersichtlichkeit.

Die Architektur der neuen CPUs einschließlich alle Folien hatte ich ja bereits ausführlicher thematisiert. Eine deutliche Steigerung der IPC, zusammen mit deutlich mehr Takt, soll Intel auch als Gaming-Champion ablösen können. Der Beweis ist heute fällig. Die Preise fallen wie erwartet aus und man darf am Ende natürlich auch auf die Verfügbarkeit gespannt sein. Für alle hier noch einmal die wichtigsten Folien der Präsentation als PDF zum Durchblättern. Die Bilder sprechen durchaus erst einmal für sich, den Rest werden dann die Tests heute und später beweisen. So, oder so.

Ryzen 5000 Series Desktop Processors

 

 

 

Wichtige Vorbemerkung

Da Intel bedauerlicherweise keine Samples über einem längeren und angemessenen Zeitraum bereitstellen kann (oder möchte) und ich mich auch nicht unter irgendwelche(n) Bedingungen oder Druck setzen lasse, werden ich im heutigen Test lediglich meine selbst erworbenen Core i9-10900K und Core i5-10600K nutzen, die zudem sogar rein zufällig auch die passenden Gegenspieler darstellen. Das schränkt die Vielfalt für die kommenden Tests zwar etwas ein, aber da Intel oberhalb des i9-10900K eh nichts anzubieten hat, ist das sicher noch zu verschmerzen.

Dafür stelle ich den Ryzen 9 3900XT und den Ryzen 3600X als direkte Gegenspieler aus der jetzt abgelösten Generation mit in den Raum , so dass es am Ende dann sechs CPUs sind, die ich im Rahmen dieser Tests näher analysieren werde. Doch um den Test als realitätsnäher zu gestalten und weil mir auch das Feedback der Leser wichtig ist, habe ich diesmal noch etwas variiert und auch mit verschiedenen Settings gearbiietet. Der heutige Artikel wird sich fast ausschließlich mit dem Gaming und der Version als Unterbau für die grafische Ausgabe befassen, den ausführlichen Workstation- und Studio-Test wird es dann geben, wenn alle CPUs hier eingetroffen und aufgetretene Probleme geklärt worden sind. Vorgearbeitet ist schon, trotz krankheitsbedingtem Ausfall und Verzug.

 

Ich habe mich dazu entschlossen, nicht alle Spiele zu benchmarken, dafür aber sehr zielgerichtet und viel ausführlicher als bisher ganz speziell die, welche (schön paritätisch verteilt) den jeweiligen Herstellern exemplarisch am besten lagen. Insgesamt 5 Spiele, dafür in aber allen vier Auflösungen und mit jeder Menge Details bestückt, sollen dann all die Reviews der geschätzten Kollegen ergänzen (nicht ersetzen), die im Team Myriaden von Spielen testen konnten, dabei aber gar nicht auf die ganzen Hintergründe eingehen können. Was ich heute zeigen werde sind die Fälle, wo der neuen Ryzen besonders gut abschneidet, wo er erwartungsgemäß agiert und wo Leistungseinbrüche zu verzeichnen waren, die ich noch genauer erläutern werde.

Speichertakt und Factory OC

In der Vergangenheit konnte man es eigentlich kaum jemandem Recht machen, die einen wollten realitätsnahe Tests mit höher getaktetem Speicher (wie es viele User anhand der XMP-Profile bei den Intel-CPUs ja auch tun), die anderen schwören bei Vergleichen auf die Spezifikationen für den Takt der Speichercontroller. Und darf man bei Intel den Enhanced Turbo aktivieren und was ist mit dem PBO bei AMD? Fragen über Fragen und am Ende kann man es auch niemandem Recht machen.

Deshalb teste ich die beiden neuen Ryzen und auch die zwei adäquaten Intel CPUs doppelt. Einmal mit dem Takt, den der jeweilige Hersteller für den Speichercontroller vorschreibt (DDR4 3200 für AMD bzw. 2933/2666 für Intel) und einmal so, wie es die neuen Ryzen CPUs maximal stabil hergeben. Der Ryzen 9 5900X lief dabei mit einem FCLK von 2000 MHz so dass diese CPU und der Intel Core i9-10900K auch zusätzlich mit DDR4 4000 getestet werden konnten. Der Ryzen 5 5600X schaffte nur einen FLCK von 1933 bis 1967 MHz stabil, so dass er und der Core i5-10600K mit DDR4 3934 liefen (ich nennen das in den Charts vereinfacht DDR4-3900). Zum Einsatz kommt hier ein Paar Corsair Vengeance RGB Pro DDR4 4000 mit passendem Profil, das aber auch auf der Intel-Plattform knuffig lief.

Die alten Ryzen 9 3900XT und 3600X laufen mit DDR4 3600, was zwar auch noch ein gewisses OC darstellt, aber es ist in vielen Situationen fast schon zu vernachlässigen, denn das eigentliche Spiel läuft ganz woanders ab. So hart es klingen mag, aber mehr als Deko sind die Ryzens der 3. Generation jetzt nicht mehr, solange man nicht in Ultra-HD spielt und dann die Grafikkarte nach Hilfe schreit. Doch ich will den Tests ja nicht vorgreifen. Interessanter ist welchen maximalen Vorteil so ein Ryzen 9 5900X aus dem zieht, was man gern als einfaches Speicher-OC mit hinterlegten Profilen betrachtet. Der Ryzen 5 3600X fällt dann im Rahmen seiner Möglichkeiten sehr ähnlich aus, erreicht aber die Spitzenwerte nicht ganz.

Man erreicht bei den neuen Ryzen bis zu knapp 7% Leistungssteigerung für bis zu 800 MHz mehr Takt.. Die Leistungsaufnahme der CPU steigt mit weniger Limitierung um bis zu 23%, die der GPU um knapp 3%. Das habe ich im Idealfall und bei 720p erreicht, im Normalfall wird sich dies deutlich niedriger auswirken. Aber ca. 5% sind beim Ryzen auch auf Full-HD eigentlich immer drin. Ein Benefit, den man mitnehmen sollte. Alles ab WQHD relativiert sich dann wieder, weil nun die Grafikkarte immer mehr zum limitierenden Glied in der Kette wird.

Bei Intel sieht es zwar auf den ersten Blick noch etwas extremer aus, allerdings kommt neben dem Speicher-OC jetzt ja auch noch der “Enhanced Turbo” hinzu, den man ohne schlechtes Gewissen wirklich als Werks-Cheat sehen kann und der weit über PBO hinausgeht, solange man bei AMD nicht auf vordefinierte Leistungsprofile setzt. Allerdings resultieren die fast 1000 MHz mehr Speichertakt und der Enhanced Turbo nur in reichlich 9% mehr Performance im günstigsten Fall, dafür aber mit fast 30% mehr Leistungsaufnahme der CPU in 720p, weil sich der Flaschenhals etwas zum Ausguss aufweitet. Dazu kommen fast 6% mehr Leistungsaufnahme der GPU. Passt auch in etwa zum Zugewinn bei AMD, jetzt, mit Zen3.

Die Messung der Leistungsaufnahme und anderer Dinge erfolgt hier im Speziallabor auf einem redundanten und bis ins Detail identischem Testsystem dann zweigleisig mittels hochauflösender Oszillographen-Technik…

…und dem selbst erschaffenen, MCU-basierten Messaufbau für Motherboards Grafikkarten (Bilder unten), wo am Ende im klimatisierten Raum auch die thermografischen Infrarot-Aufnahmen mit einer hochauflösenden Industrie-Kamera erstellt werden. Zusätzlich kommt NVIDIAs PCAT-System zum Einsatz.

Die einzelnen Komponenten des Testsystems habe ich auch noch einmal tabellarisch zusammengefasst:

Test System and Equipment
Hardware:

MSI MEG X570 Godlike
AMD Ryzen 9 5900X DDR4-4000 CL18-22-22-42 / DDR4-3200 CL16-18-18-36
AMD Ryzen 5 5600X DDR4-3900 CL18-22-22-42 / DDR4-3200 CL16-18-18-36
AMD Ryzen 9 3900XT DDR4 DDR4 3600 CL18-19-19-39
AMD Ryzen 9 3600X DDR4 DDR4 3600 CL18-19-19-39

MSI MEG Z490 Unify
Intel Core i9-10900K DDR4 4000 CL18-22-22-42 / DDR4-2933 DDR4-2933 CL16-18-18-36
Intel Core i9-10600K DDR4 3900 CL18-22-22-42 / DDR4-2666 DDR4-2933 CL16-18-18-35

2x 16 GB Corsair Vengeance RGB Pro

MSI GeForce RTX 3090 Gaming X
1x 2 TByte Aorus (NVMe System SSD, PCIe Gen. 4)
1x 500 GB Toshiba RC500
1x Seagate FastSSD Portable USB-C
Be Quiet Dark Power Pro 12 1200W

Cooling:
Alphacool Eisblock XPX Pro
Alphacool Eiswolf (modified)
Alphacool Subzero
Case:
Raijintek Paean
Monitor: BenQ PD3220U
Power Consumption:
Oscilloscope-based system:
Non-contact direct current measurement on PCIe slot (riser card)
Non-contact direct current measurement at the external PCIe power supply
Direct voltage measurement at the respective connectors and at the power supply unit
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, 500 MHz multichannel oscilloscope with memory function
4x Rohde & Schwarz HZO50, current clamp adapter (1 mA to 30 A, 100 KHz, DC)
4x Rohde & Schwarz HZ355, probe (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012, HiRes digital multimeter with memory function

MCU-based shunt measuring (own build, Powenetics software)
Up to 10 channels (max. 100 values per second)
Special riser card with shunts for the PCIe x16 Slot (PEG)

NVIDIA PCAT and FrameView 1.1

OS: Windows 10 Pro (all updates, current certified drivers)

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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