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ClockTuner for Ryzen Tutorial – Der CTR in der Praxis mit Hinweisen, Tipps und einer ausführlichen Erklärung

 

Einleitung und Disclaimer

Ryzen 5000 ist zwar der neue heiße Scheiß, aber die alten Ryzen 3000 CPUs sind deswegen noch lange nicht schlecht geworden. Ihr habt einen Ryzen 3000 CPU, euch aber bisher nie ins BIOS oder ans Übertakten getraut? Oder eure CPU ist schon übertaktet, aber nur all-core und ihr lasst bisher das Potential der besseren Chiplets ungenutzt? Vielleicht lohnt es sich genau jetzt nochmal alles aus eurer alten CPU herauszukitzeln, und das sogar fast vollautomatisch mit minimalen Eingriffen im BIOS step-by-step, mit dem Clock Tuner for Ryzen (CTR) von 1usmus (Yuri Bubliy).

Das Prinzip ist genauso simpel wie genial: Das Tool testet jeden Compute Core Complex (CCX) einer Ryzen CPU auf seine individuelle Qualität und ermittelt die maximale stabile Taktrate für eine gegebene Spannung. Unter Berücksichtigung eures Kühlers und Mainboards könnt ihr dann entscheiden, ob Ihr mehr Leistung oder weniger Stromverbrauch als Ergebnis wählt. Ich habe mir das CTR Tool geschnappt, zusammen mit einem Ryzen 7 3800X und einer Menge Kaffee, und für euch ein Tutorial erstellt, das euch an der Hand nehmen und Schritt für Schritt zu einer optimal abgestimmten Ryzen CPU führen soll.

Dieses Tutorial basiert auf der CTR Version 1.1 Beta 7 und damit auch den dazu kompatiblen Ryzen 3000 CPUs. Besitzer von Ryzen 4000 und 5000 CPUs müssen noch auf ein kommendes CTR Release warten, das sich aber bereits in Arbeit befindet. Sollten es Änderungen und Neuerungen mit einem kommenden Release geben, werden wir diesen Guide natürlich entsprechend aktualisieren. Hier eine vollständige Liste der momentan (nicht) unterstützten CPUs:

Vorab noch ein paar sehr wichtige Worte der Warnung: Auch wenn euer CPU Modell in der Tabelle gelistet ist, besteht die geringe Chance, dass eure individuelle CPU schlichtweg nicht kompatibel mit den Fehlersuche-Routinen von CTR ist, daher CTR bei Stresstests keine Fehler finden kann und stattdessen das gesamte System abstürzt. Dafür könnt ihr nichts, dafür kann CTR nichts, das ist einfach Lotto. Dieses Phänomen hat mir viele graue Haare verschafft und euch will ich das so gut es geht ersparen. 😉 Glücklicherweise gibt es aber einen Workaround, damit auch für diese CPUs ein CTR Profil erstellt werden kann.

 

Überblick Tutorial-System

Dieses Tutorial basiert auf einem MSI MEG X570 Unify und einer Ryzen 7 3800X CPU (Danke an dieser Stelle an Igor für die Leihstellung!). Auch mit anderen Mainboard-Herstellern, Chipsätzen und CPUs (siehe Tabelle oben) ist CTR kompatibel, ggf. müsst ihr nur ein wenig Transferarbeit leisten, z.B. bei den Einstellungen im BIOS. Solltet ihr euch wo nicht sicher sein oder sich etwas nicht so darstellen wie erwartet, schaut einfach bei uns im Forum-Thread vorbei und fragt, die Community hilft gerne!

Folgend findet ihr noch die gesamten Spezifikationen und ein Bild des Tutorial-Systems.

Testsystem
Hardware:

MSI MEG X570 Unify Mainboard
AMD Ryzen 7 3800X CPU

G.Skill Ripjaws V 2x 8GB 4000 MHz CL15 Arbeitsspeicher
Asus GTX 750 DCSL 2GD5 Grafikkarte

Superflower Leadex Gold 1600W Netzteil
Samsung 860 Evo 500GB (SATA 3, OS) SSD
Windows 10 Pro 64-bit (2004) Betriebssytem

Kühlung:

TechN CPU Waterblock AMD AM4 CPU-Block
Thermal Grizzly Kryonaut CPU TIM

Alphacool NexXxoS ST30 480mm + HardwareLabs Black Ice GTX 240mm Radiatoren
4x Phobya NB-eLoop 120mm 1600rpm + 2x Noiseblocker NB eLoop B12-4 120mm Lüfter
EK D5 PWM Pumpe

Gehäuse:
Open Benchtable
Peripherie:

Benq XL2720 Monitor
KBC Poker 2 (Cherry MX Brown) Tastatur
Zowie FK1 Maus

 

Vorrausetzungen – Software

Folgende Software-Komponenten werden zwingend benötigt:

  • BIOS mit AGESA ComboPI AM4 1.0.0.4 und neuer: Die AGESA Version eures momentanen BIOS könnt ihr am einfachsten mit CPU-Z checken:


    CPU-Z kann hier heruntergeladen werden: https://www.cpuid.com/softwares/cpu-z.html

    Falls euer momentanes BIOS auf einer älteren Version basiert, müsst ihr ein wenig auf die Suche gehen, denn nicht jeder Mainboard Hersteller listet diese Info in den Release Notes seiner BIOS Versionen auf. Generell sollten aber die meisten AM4 BIOS Releases im Jahre 2020 auf AGESA 1.0.0.4 oder neuer basieren.

  • Windows 10 64-bit, Build 1909 oder neuer: Welche Architektur und Version eure Windows Installation hat findet ihr in den Windows Settings unter System -> About:

  • .Net Framework 4.6 oder neuer: Um zu checken, ob diese oder eine neuere Version installiert ist, kann einfach folgendes Powershell Statement ausgeführt werden:
    (Get-ItemProperty "HKLM:SOFTWARE\Microsoft\NET Framework Setup\NDP\v4\Full").Release -ge 393295

    Falls die Ausgabe „True“ lautet, ist die benötigte Version bereits installiert.
    Falls die Ausgabe „False“ lautet, kann die aktuelle Version von .Net Framework unter folgendem Link nachinstalliert werden: https://dotnet.microsoft.com/download/dotnet-framework/thank-you/net48-offline-installer
    Sollte bereits diese oder eine aktuellere Version installiert sein, gibt der Installer Bescheid und bricht ab.

  • Ryzen Chipsatz Treiber: Die aktuellste Version bekommt Ihr direkt bei AMD: https://www.amd.com/en/products/chipsets-am4
  • Ryzen Master 2.3: Diesen könnt ihr ebenfalls direkt bei AMD herunterladen: https://www.amd.com/en/technologies/ryzen-master
    Die installierte Version könnt Ihr in den Windows Settings unter Apps checken:

  • Wichtig: Nach der Installation müsst ihr euer System einmal rebooten, damit die Treiber für die AMD Tools geladen werden können. Abschließend müsst ihr Ryzen Master einmal manuell starten, eure Seele an AMD verkaufen und Ryzen Master wieder schließen.

 

Voraussetzungen – BIOS

Die aufgeführten BIOS-Einstellungen sind Minimalanforderungen, damit CTR korrekt funktionieren kann. Da aber diverse andere Faktoren die Stabilität eines Systems und damit das Ergebnis des CTR beeinflussen können (z.B. IF Clock, CPU Power Limit, C-States etc.), empfiehlt sich ein CMOS Clear bzw. Laden von Optimized Defaults. Wem seine aktuellen BIOS Einstellungen am Herzen liegen, der kann sich bei den meisten Mainboards diese vorher in eine Profil speichern.

BIOS-Einstellungen, die zwingend gesetzt sein müssen, sind folgende:

  • CPU-Multiplikator: Auto
  • CPU-Spannung: Auto
  • LLC: Hier variieren die Settings je nach Mainboard Hersteller, Yuri empfiehlt folgende um einen möglichst geringen Spannungsabfall ohne Overshoot zu erreichen:
    • MSI: LLC 3
    • Gigabyte: in den meisten Fällen Turbo, aber es kann auch Auto sein.
    • ASRock: Auto oder LLC 2 liefern die besten Ergebnisse, wobei ASRock; wichtig ist, dass CTR mittelmäßig kompatibel mit ASRock-Mainboards ist, da alle LLC-Modi einen anormal hohe Vdroop aufweisen
    • Biostar: Ebene 4+
    • ASUS:
      • LLC: 3 oder 4
      • Phasenmodus: Standard
      • Modus Strombelastbarkeit: 100%
  • Stabile RAM-Übertaktung oder stabiles XMP: Wie man seinen RAM auf Stabilität testet, würde den Rahmen dieses Tutorials sprengen. Im Zweifel empfiehlt es sich, die aktuellen Settings in ein BIOS Profil zu speichern und die RAM Einstellungen auf Default bzw. Auto zurückzusetzen.
  • SVM-Modus (Virtualisierung): deaktiviert

Voraussetzungen – Human

Was Ihr neben den genannten technischen Tools auf jeden Fall mitbringen solltet, sind etwas Zeit, Geduld eine verlässliche Koffein-Quelle eurer Wahl und ein Quentchen Experimentierfreude. Außerdem solltet Ihr euer System nicht benutzen und alle anderen Applikationen schließen, während CTR die Eigenschaften eurer CPU auslotet. Zum einen könntet ihr das Ergebnis verfälschen und zum anderen im schlimmsten Fall bei einem Absturz des Systems sogar Daten verlieren. Also lasst dann mal für ein paar Minuten euren Ryzen PC mit CTR alleine, geht eure Haustiere oder Kinder ärgern, oder macht nen Spaziergang (falls ihr dürft), tut Leib und Seele gut. 😉

 

Installation CTR

Die aktuelle Version des CTR bekommt ihr immer bei uns auf der Website: https://www.igorslab.de/der-ultimative-clocktuner-for-ryzen-ctr-einfuehrung-bedienungsanleitung-und-download/3/

Diese herunterladen und an einem Ort eurer Wahl auspacken.


Nun noch Cinebench R20 herunterladen und den Inhalt in das CB20 Verzeichnis innerhalb des CTR Verzeichnisses auspacken. Das sollte dann so aussehen:

Cinebench durch Klick auf die Cinebench.exe einmal manuell starten, nochmal die eigene Seele verkaufen und Cinebench wieder schließen.

Das war’s auch schon, CTR ist nun einsatzbereit und schon kann es los gehen!