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ClockTuner for Ryzen Tutorial – Der CTR in der Praxis mit Hinweisen, Tipps und einer ausführlichen Erklärung

4. Profil Verwaltung

Im „PROFILE MANAGEMENT“ können wir die bisher ermittelten Profile einsehen und ggf. sogar bearbeiten und speichern. Aktuell werden 2 Profile unterstützt, die jeweils aus der VID (V) und der maximalen, stabilen Taktung je CCX bestehen. Falls bei euch CTR beim „START“ nicht gecrasht ist, habt ihr hier bereits unter Profile #1 die ermittelten Werte des letzten Clock Tunings abgespeichert. Dieses Profil ist so bereits einsatzbereit und kann ggf. von euch nachträglich noch angepasst werden.

Diese Möglichkeit des manuellen Anpassens rettet mir und meiner CPU den Allerwertesten, denn hier können wir nun einfach die aus dem Log ermittelten stabilen Werte händisch eintragen und so unser Profil selbst erstellen. Entgegen gängiger User Experience Intuition, können tatsächlich die grau hinterlegten Felder bearbeitet werden, während die weißen Felder gesperrt sind.

Um das Profil nun zur Laufzeit zu speichern, klicken wir auf „UPDATE PROFILE #1“.

Um das Profil permanent zu speichern, damit es auch nach einem Neustart von CTR noch vorhanden ist, klicken wir auf „SAVE / REWRITE PROFILE #1“. Um das Profil zu aktivieren und die Spannung und Taktraten auf eure CPU anzuwenden, klicken wir auf „APPLY PROFILE #1“. Analog können die durchlaufenen Aktionen natürlich auch genauso für „PROFILE #2“ durchgeführt werden.

Nun haben wir effektiv wieder gut gemacht, was uns der Systemcrash vorhin gekostet hat, und die CPU läuft nun mit den höchsten für die Spannung ermittelten Taktraten. Abschließend können wir selbst noch einen Cinebench R20 Run durchführen, um den Leistungszuwachs sichtbar zu machen. Hierfür einfach die Cinebench.exe im CB20 Verzeichnis neben der CTR.exe ausführen und auf „Run“ klicken.

 

Als Ergebnis erhalten wir einen Score von 5387 Punkten. Verglichen mit dem von CTR automatisch ermittelten Ausganswert von 5093 Punkten, ergibt sich ein Leistungszuwachs von 5.8%. Zu beachten ist allerdings, dass der „vorher“ Wert mit Precision Boost Overdrive (PBO) erzielt wurde, das standardmäßig im BIOS aktiviert ist. Durch das Übertakten mit CTR wird allerdings PBO automatisch deaktiviert, weshalb sich der Leistungszuwachs nicht analog zum Taktanstieg niederschlägt. Dies ist aber normal und war zu erwarten.

Leider ist es aktuell noch nicht möglich, manuell erstellte Profile und die Cinebench-Ergebnisse in die Statistik zu übermitteln.

Zu guter Letzt müssen wir noch dafür sorgen, dass auch nach dem nächsten Reboot das Profil auch noch angewandt wird. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Settings statisch ins BIOS übertragen oder CTR beim Systemstart mit starten und das Profil laden lassen. Für letzteres können im Tab „Main“ die Schalter „To tray“ für das Starten von CTR mit dem Betriebssystem, und der Schalter „Autoload profile with OS“ für das Aktivieren des zuletzt verwendeten Profils, aktiviert werden.

Nach einem Klick auf „MINIMIZE“ links in der Navigationsleiste, minimiert sich CTR in den Taskbar Tray und informiert uns per Windows Toast-Benachrichtigung über seinen aktuellen Status. Beim nächsten Reboot werden wir so auch über das automatische Laden des Profils informiert. Nun ist das Clock Tuning mit CTR vollständig eingerichtet und ihr könnt euer System wieder wie gewohnt genutzt werden.

 

5. “stabil” – AVX Light oder mit Zucker?

Für die Paranoiden unter euch oder diejenigen, die sich über die Stabilität ihres Systems in jedem Fall versichern möchten, gehen wir nun noch etwas auf den Test Modul „AVX Light“ ein. CTR verwendet zum Testen der Stabilität das alt bekannte Tool Prime95, das über Steuern von Befehlssätzen und das Definieren von so genannten FFT Größen die Last auf die CPU je Test modulieren kann. „AVX Light“ kombiniert den AVX-Befehlssatz mit relativ großen FFTs und erzeugt damit eine mittelmäßige Last, die den meisten typischen Usecases abdeckt, z.B. Bildbearbeitung mit Adobe Photoshop und die meisten Spiele.

 

Ein manueller Stresstest mit dem „AVX Light“ Modus kann im Tab „Main“ mit einem Klick auf „CHECK STABILITY“ ausgeführt werden. Das System wird dabei für 20 Minuten am Stück ausgelastet, um Kühler und Spannungswandler vollständig zu erwärmen und die langfristige Stabilität zu testen.  

 

Schafft es unser Clock Tuning den Stresstest zu bestehen, erhalten wir im Log die einfache Meldung „System completely stable!“

Hier muss ich jetzt aber einhakten, denn ganz so einfach wie die Meldung die meisten Nutzer glauben lässt, ist es nicht. Wie bereits erwähnt ist ein „AVX Light“ Workload eben nicht repräsentativ für jeden Usecase. Dass unser System „completely stable“ ist, haben wir also mit diesem Test noch lange nicht nachgewiesen. Nun gibt es nämlich diverse Workstation Anwendungen und sogar einige Spiele, wie z.B. Battlefield 5, die sich definitiv nicht mehr als „AVX Light“ einordnen lassen und für die wir noch einmal mit schwererem Gerät testen müssen.

Da jeder Usecase andere Bedingungen für die Stabilität einer CPU hat, testet man am besten wirklich mit genau dem Stück Software, dass man später auch wirklich verwenden möchte, z.B. Adobe Premiere, Blender etc., frei nach dem Motto: What‘s your „stable“? Wer sich aber sicher sein will, dass seine CPU wirklich immer stabil läuft, komme was wolle, dem bleibt nur die schwere Keule eines synthetischen AVX Stresstests, wie Prime95 oder Linpack Xtreme.

In diesem Fall verwende ich für diesen Test das bereits installierte Prime95, diesmal aber mit AVX und dem „Small FFTs“ Preset, denn damit können wir auch die anspruchsvollsten Anwendungen repräsentieren. Um euch direkt zu spoilern, wenn wir mit unserem mit „AVX Light“ getesteten Profil diesen Test starten würden, würde das System direkt abstürzen. Grob gesagt muss man nämlich nochmal ca. 75-100 mV oben drauf schlagen, um auch bei diesen Workloads stabil zu sein.

Gesagt, getan. Im zweiten Profil übertragen wir die Taktraten für die einzelnen CCXs, erhöhe aber die Spannung um 100mV. Nebenbei gesagt, ist 1350 mV die höchste VID, die euch CTR eintragen lässt, denn höhere Spannungen könnten langfristig eure CPU beschädigen. An dieser Stelle ist auch mal ein Lob an Yuri angebracht, der die Benutzer vor Vertippern oder schlechten Absichten schützt. Nun wieder „UPDATE“, „SAVE/REWRITE“ und „APPLY“ und das Profil mit erhöhter Spannung ist aktiv.

Jetzt starten wir die Prime95.exe, die sich im selben Verzeichnis neben der CTR.exe befindet, wählen bei Torture Test das „Small FFTs“ Preset und lassen AVX unten aktiv. Und Feuer!

Wenn wir jetzt einen Blick auf die Monitoring Sektion von CTR werfen, während unsere Prime95 Worker vor sich hin heizen, sehen wir sofort ganz andere Hausnummern bei Temperatur, Leistungsaufnahme, Stormstärken und damit auch Spannungsfall.

Hier haben wir beispielsweise sofort eine CPU Temperatur von ca. 85°C. Zum Vergleich, im Cinebench R20 haben wir ca. 70°C und im CTR-integrierten „AVX Light“ Stresstest-Modus vergleichsweise kühle 45°C. Das ist wie wenn ihr bisher nur jeden Sonntag ein bisschen in eurem Viertel joggen wart und euch eines Montags in der „BUD/S“ Woche bei den Navy Seals wiederfindet. Auch wenn dieser Vergleich bei unserer typischen Leserschaft wohl etwas weit hergeholt ist, sollte es den krassen Unterschied veranschaulichen.

Meine CPU schafft diese Taktraten bei 1.35V auch nur wegen der Custom Wasserkühlung, wobei Pumpe und Lüfter mit voller Drehzahl betrieben werden. Für 99% von Nutzern mit einem herkömmlichen Luft- oder AIO-Wasser-Kühler würde eine derart hohe Spannung direkt zu Thermal Throttling führen. Also wenn ihr für einen derart schweren Workload stabil sein müsst und trotzdem CTR benutzen wollt, dann lotet vorab schon die maximale Spannung aus, die ihr mit eurem Setup noch kühlen könnt, lasst euch 100 mV Reserve und startet damit als Reference Voltage beim Clock Tuning mit dem „AVX Light“ Modus.

 

Sonderfälle und abschließende Gedanken

Man soll ja nicht pingeliger als der Papst sein und auf Glitches rumhacken, aber nun habe ich schon dreimal erlebt, dass CTR beim Clock Tuning anscheinend versehentlich die maximale VID von 1.55 V anfordert. CTR bemerkt dies auch sofort, bricht alle Stresstests ab und fordert über das Log bei euch einen sofortigen Neustart an, aber einen kleinen Herzinfarkt bekommt man trotzdem beim ersten Mal, besonders mit einer geliehenen CPU 😅. Zur Referenz, insgesamt habe ich diese CPU Mainboard Kombination durch knapp hundert CTR Läufe gejagt, davon wurde einmal der Multiplikator nicht auf alle Kerne angewandt und dreimal die maximal VID gesetzt.

Nun ist eine so hohe Spannung zwar erstmal unschön, führt aber noch nicht zu Schäden, solange keine Last an der CPU anliegt. Beheben ließen sich solche Glitches bisher immer, indem man nochmal auf „START“ klickt, da CTR ja dann wieder die richtigen Werte für VID und Takt über den Ryzen Master anfordert. Eine definitive Ursache konnte Yuri bisher keine finden, eine mögliche Ursache sind aber BIOS Unterschiede zwischen Mainboard Herstellern. Und eigentlich sollte man von solchen Phänomenen nicht überrascht sein, wenn die Hardware von Software gesteuert wird, die auf potentiell instabiler Hardware läuft; da kann schon mal ein Bit flippen. Trotzdem hoffe ich hier noch auf einen nachhaltigen Fix, entweder in der Ryzen Master API oder in einem kommenden CTR Release.

Wenn wir schon bei zukünftigen Releases sind, so soll auch bald ein „AVX Heavy“ Modus, ein Recovery Modus für Systemabstürze und verbesserte Fehlersuche-Routinen für bessere Kompatibilität in CTR integriert werden. Und wenn wir uns andere Tool ansehen, die Yuri in den letzten Jahren für Ryzen entwickelt hat, wie z.B. den DRAM Calculator for Ryzen, dann sind wir mit dem aktuellen 1.1 beta7 Release noch lange nicht am Ende der CTR Entwicklung angekommen.

Aber auch wenn wir die Zukunftsmusik mal bei Seite, so ist CTR schon heute ein geniales Tool, um die Leistung oder Effizienz von Ryzen CPUs zu optimieren und damit auch normalen Nutzern die Vorzüge des Übertaktens zu eröffnen. Egal ob mit Single-CCX-Fußhupe oder Fadenreißer-Monster, das Prinzip bleibt das gleiche und es funktioniert bereits erstaunlich gut. Eigentlich ist es ja auch nichts anderes als das, was man beim manuellen Übertakten machen würde, nur eben mit Hilfe statistischer Daten optimiert und nahezu voll automatisiert.

Neben den bereits erwähnten Features sind auch noch zahlreiche andere Ideen in der Pipeline, auf die wir uns mit kommenden Releases freuen dürfen, und mit den vor der Ladentür stehenden, heiß begehrten Ryzen 5000 CPUs wird Ryzen Clock Tuning mit Sicherheit nicht an Relevanz verlieren. Auch wenn sich für den ein oder anderen, der Spaß am manuellen Übertakten, die Idee von automatischem Clock Tuning vielleicht erst mal befremdlich darstellt, so kann man die Vorteile nicht leugnen, die CTR nicht nur für Enthusiasten sondern auch für alle Ryzen CPU Besitzer mit sich bringt. Um es mit den Worten von Yuri aus dem Forum-Thread zu sagen: „Es beginnen wirklich rosige Zeiten!“

Apropos, wenn ihr Fragen oder Ideen zu CTR oder diesem Tutorial habt, oder auch einfach nur eure Erfahrungen und Ergebnisse mit der Community teilen wollt, dann schaut gerne im Forum Thread vorbei (unten als Kommentarfunktion verlinkt). Die Community und Igor freuen sich über jedes neue (und aktive) Mitglied!

Offizielles Download des aktuellen CTR auf igorsLAB