Grafikkarten Netzteile Praxis Testberichte

GeForce RTX 3090, RTX 3080 und RTX 3070 mit Core i9-10900K gegen 11x be quiet System Power 9, Pure Power 11, Straight Power 11 und Dark Power Pro 12! | Update

Die Idee, Netzteile nicht nur synthetisch an der Chroma, sondern einfach einmal im üblichen Setting eines möglichen Anwenders zu testen, ist eigentlich gar nicht einmal so abwegig, scheitert jedoch meist an der Menge der Testobjekte. Und wo bekommt man diese Netzteile dann doch her? Vom Hersteller! Und damit sich dieser genau zu diesem Schritt des Massentests überwindet, muss man ihn de facto sehr freundlich zu einer Challenge motivieren. Wenn man vom eigenen Produkt so überzeugt ist, kann ja eigentlich nichts schiefgehen, oder vielleicht doch? Schaun’ wir mal. Be Quiet! hat sich als erste Firma breitschlagen lassen, unseren Informationshunger zu stillen. Danke dafür und ich habe jetzt die Arbeit.

Allerdings muss man trotz aller Neugier, was denn wohl wann abschaltet, auch fair bleiben und nicht gleich das günstigste Einstiegsmodell mit der fettesten Grafikkarte und CPU im maximalen OC stressen, denn genau das würde in der Realität ja auch keiner machen. Naja, fast nie, denn es soll ja Zeitgenossen geben, die das Netzteil immer erst am Schluss (des Budgets) in den Warenkorb packen und dann damit klarkommen müssen, welcher finanzielle Spielraum einem noch bleibt. Unterstützen muss man das natürlich nicht, auch wenn es solche Fälle immer mal wieder gibt.

Das Testsystem

Gemessen wird auf einem MSI MEG Z490 Unify, auf dem nicht nur 32 GB DDR4 4000 Vengeance Pro RGB von Corsair stecken, sondern auch ein (wahlweise) bis an die Grenze des Sinnvollen übertakteter Intel Core i9-10900K, der zwar in der heutigen Zeit die Unvernunft pur ist, sich dadurch aber als Testobjekt (im wahrsten Sinne des Wortes) wirklich wärmstens empfiehlt. Zusammen mit einer schnell aufgebauten Custom Loop (Alphacool XPX, Eisball und NexXxos 240 UT60, 2x be quiet! Silent Wings 2). Alternativ habe ich das Ganze mit einem noch nicht releasten AMD Ryzen der nächsten Generation getestet, den ich aus Gründen des NDA zwar nicht näher bezeichnen darf, der es aber auf einem MSI MEG 570 Godlike genauso gut tut.

RAM und Peripherie bleiben gleich. Zur besseren Realitäts-Abbildung habe ich in einem zweiten, finalen Test dann noch zusätzlich noch weitere Verbraucher angeschlossen und damit z.B. die Last mit externer Festplatte (sowas soll ja auch noch als Datengrab genutzt werden), simuliert.

Insgesamt kann man die Leistungsaufnahme des Intel-Systems unabhängig von der genutzten Grafikkarte (das vergleichbare AMD-System ist deutlich sparsamer, kann aber wegen des NDAs nicht aufgeschlüsselt werden) mit allen Komponenten einschließlich der gesamten angeschlossenen Peripherie und der ganzen Spannungswandlerverluste folgendermaßen ansetzen:

Components & Board Intel AMD
Gaming ohne OC 48 weniger
Gaming mit OC 54 weniger
Torture ohne OC 58 weniger
Torture mit OC 69 weniger

Bemessung der durchschnittlichen Leistungsaufnahme und der Spikes

Ich setze hier, weil es bis auf die GPU (de facto Gleichstand) immer die höchsten Werte generierte, ausschließlich das Intel System an, das selbst bei den Durchschnittswerten immer zum Teil recht deutlich vorn lag. Damit man das richtig einordnen kann, muss man allerdings zwei Dinge wissen: die durchschnittliche Leistungsaufnahme von CPU und GPU über einen bestimmten Zeitraum UND die auftretenden Lastspitzen mit mindestens 20 ms Dauer, die dann ebenfalls zu einer Abschaltung führen können.

Für diese Worst-Case-Betrachtung nutze ich zunächst die MSI GeForce RTX 3090 Gaming X Trio. Betrachten wir jetzt einmal die Lasten auf CPU und GPU als Kurvenverlauf samt Zeitleiste über den gesamten Benchmark:

In Balken betrachtet generiert sich das Ganze dann so:

Außerdem bitte ich zu berücksichtigen, dass bei einem kurzzeitig bis auf auf 250 Watt geprügelten Core i9-10900K auch das Motherboard abschalten kann, wie es Kollegen z.B. bei einem Asus Z490 Strix-E Gaming (exemplarisch) bei einigen Netzteilen feststellen konnten. Da dann jedoch fast immer der Rechner neu startete, sollte es eigentlich nicht an der Schutzschaltung des Netzteils liegen, denn wenn die ausgelöst hat, bleibt das System definitiv aus. Hier kann es dann nämlich durchaus auch komplexer werden, wenn z.B. das Power-Good-Signal durch das Motherboard entzogen wird. Da müsste man dann die relevanten Spannungen auf dem Board messen.

Im Übrigen war das von mir gewählte Setting mit The Shadow of the Tomb Raider durchaus in der Lage, die CPU in kurzen Spitzen auch mal bis auf 207 Watt zu jagen, allerdings war immer gerade dann die Grafiklast wieder etwas niedriger, so dass sich in der Summe kein extrem hoher Gesamtwert ergab. Außerdem muss man ja auch die Zeitintervalle betrachten, wo ich alles unter 20 ms mangels Relevanz weggefiltert habe.

GPU & CPU RTX 3090
Average Peak-Load (20-30 ms)
Gaming ohne OC 528 W (48 + 480) 634 W
Gaming mit OC 546 W (54 + 492) 665 W
Torture ohne OC 623 W (58 + 565) 669 W
Torture mit OC 679 W (610 + 69) 722 W

Für die MSI GeForce RTX 3080 Gaming X Trio kann man vom jeweiligen Wert im Average und Peak ca. 30 Watt abziehen, für die MSI GeForce RTX 3070 dann ca. 130 Watt, um einen repräsentativen Wert zu erhalten. Allerdings werden wir sehen, dass wir dies am Ende gar nicht vollumfänglich benötigen werden. So gerüstet, können wir nun den DJ spielen, und Netzteil für Netzteil durchtauschen. Also umblättern bitte!

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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