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Die besten Workstation- und Creation-Grafikkarten 2020 (Juni-Update)

Moderne Schaltnetzteile sollten bei den fließenden Strömen, wie sie Grafikkarten erzeugen, eigentlich keine Schwierigkeiten haben und Ich konnte bei keiner einzigen Karte und in keiner der unterschiedlichsten Lastsituationen wirklich sensationell hohe Ströme messen. Spikes bis ca. 20 Millisekunden sind jedoch vorhanden, keine Frage, denn das liegt nun mal auch in der Natur der Sache bei Anwendungen mit sehr unterschiedliche Lastwechseln. Es ist beileibe kein Geheimnis, dass AMDs Grafikkarten in größeren Intervallen schalten als die vergleichbaren Nvidia-Karten. Aber es ist ja nun auch wieder nicht so grobschlächtig, dass hier über viele Millisekunden hinweg exorbitant hohe Ströme anlägen. Genau dies weiß nämlich auch Power Tune sehr sicher zu verhindern.

Wie ich bereits mehrfach ausführlich nachgewiesen habe, existieren durchaus auch kurzzeitig höhere Lasten im Millisekundenbereich, die bei ungünstig entworfenen oder nicht zweckmäßig bestückten Netzteilen bereits zu unerklärlichen Abschaltungen führen können. Da hilft dann allein die vom Grafikkartenhersteller oder den Reviewern gemessene TBP (Typical Board Power) für eine stabile Auslegung des Systems nicht wirklich weiter. Dieser Punkt wird allerdings leider sehr oft vernachlässigt, wenn es um die richtige Kalkulation und Bemessungen von Netzteilen geht.

Wozu ich jedoch raten würde, Reserven hin oder her, ist eine emotionslose und in der Praxis auch deutlich differenzierte Betrachtung der möglichen Leistungsaufnahme bzw. das Fließen von Strömen an den einzelnen Rails. Die reine TBP (Typical Board Power) als Grundlage für eine Netzteilberechnung zu nehmen, wäre reichlich blauäugig und es zeigt sich plötzlich, warum Grafikkartenhersteller oft deutlich höhere Werte veranschlagen. Das ist keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Netzteilindustrie, sondern reine Vorsicht.

Spitzen mit Intervallen zwischen 1 bis 20 ms können bei sehr schnell reagierenden Schutzschaltungen (OPP, OCP) vor allem bei Multi-Rail-Netzteilen zu unerwünschten Abschaltungen führen, obwohl die durchschnittliche Leistungsaufnahme noch in der Norm liegt!  Man kann ohne ein wirklich detailliertes Review auf diesem Gebiet natürlich sehr schlecht abschätzen, wo die Leistungsspitzen liegen und wie lang die Intervalle der Spitzenwerte überhaupt sind. Die Einbeziehung der Transienten ist aber unerlässlich für den sicheren Betrieb, denn wenn die Hersteller von Netzteilen eines mit spitzem Stift kalkulieren, dann sind es die teuren Kondensatoren.

Zusammenfassung

Die kurzzeitige Leitungsaufnahme von aktuellen Grafikkarten liegt zum Teil erheblich höher als die als Durchschnitt angegebenen Werte oder das, was die Chiphersteller als Typical Board Power bezeichnen. Diese Werte sind Durchschnittswerte über einen eher großen Intervall. Je nach Qualität der Sekundärseite eines Netzteils kann die kurzeitige Last (1 bis 10 ms) deutlich höher liegen.

Ich würde also empfehlen, bei Leistungsaufnahmebereichen der Grafikkarte zwischen  150 und 200 Watt TBP um die 50 Watt mehr Spielraum mit einzukalkulieren und darüber bei High-End-Systemen ab ca. 200 Watt einfach noch zur Sicherheit stets 100 Watt Reserve draufzuschlagen, wenn keine genauen Tests existieren. Damit sollten die Eigenheiten von AMD- und Nvidia-Karten gut abgedeckt werden.

 

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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