Motherboard Prozessor Testberichte Workstation

AMD Ryzen 9 7950X und Ryzen 7 7700X im Gaming- und Workstation-Test – Mit Zen 4 beginnt zusammen mit dem Sockel AM5 eine neue Ära

Ein heißes Eisen und die Crux mit der Wärmestromdichte

Ich kann schon einmal spoilern, dass übermorgen zum Thema Kühlung noch ein Special kommen wird, bei dem ich auch den IHS und die Hotspots untersucht habe. Doch allein dieses Thema ist viel umfangreicher, als dass man es einfach so in einen Launchartikel packen sollte, der ja eh schon vor Informationen fast platzt. Dann lieber einen eigenen Artikelstatus, damit diese wichtigen Dinge nicht im allgemeinen Grundrauschen untergehen. Deshalb kommen wir noch einmal auf mein Testsystem zurück, das meine Laborwasserkühlung nutzt, die mit bis zu zwei Alphacool Eiszeit 2000  Chillern und etwas über 20 Litern Wasser im Reservoir für nahezu konstante 20 °C Wassertemperatur sorgen kann.

Ich habe alle CPUs mit einem neuen Alphacool Core One Black Prototype gemacht, zu dem ich zwar noch nicht allzu viel schreiben darf, der aber seine Sache bisher ordentlich erledigt hat. Damit ist auch klar, dass keine der CPUs in irgendein thermisches Throttling geraten sind und auch die neuen Ryzens ihren angekündigten Takt stets halten konnten. Und genau hier liegt das Problem, denn selbst eine gute 360er AiO-Kompaktwasserkühlung wird bei Dauerlasten wie Blender an ihre Grenzen getrieben. Selbst einen Ryzen 7 7700X mit einem Luftkühler unter solchen Bedingungen zu betreiben wird arg sportlich.

Der Ryzen 7 7700X braucht unter Volllast fast 100 Watt weniger als der Ryzen 9 7950X und kommt trotzdem auf sehr ähnlich hohe Temperaturen. Das liegt natürlich auch an der kleineren IHS-Fläche, dessen höherer Dicke und der gestiegenen Wärmestromdichte durch den neuen Node auf den Dies, weil sich immer mehr abzuführende Verlustleistung auf immer weniger Fläche konzentriert. Ich habe zu diesem Thema auch noch ein sehr spezielles Video angefertigt, dass es übermorgen ebenfalls mit im Artikel geben wird.

Die Erstellung der Aufnahmen an der ungekühlten CPU war zwar etwas tricky, aber das erzähle ich Euch dann übermorgen noch ganz genau. Hier ist schon einmal ein Screenshot aus dem Video, das den kompletten Erwärmungsprozess der CPU mit einer cleveren Superposition und einer speziellen Oberflächenbeschichtung des Ryzen 7 7700X zeigt. Mehr will ich da erst einmal gar nicht spoilern. Hinsehen und staunen:

Was die Temperaturen als solche betrifft, dann kann man beim Gaming natürlich mit einer “normalen” AiO noch ganz gut hinkommen. Man verliert zwischen 90 und 97 °C Package-Temperatur zwar in der Summe beim Rendern auch schon einmal rund 100 bis 200 MHz Takt, aber das hält sich gerade noch so  in Grenzen. Beim Gaming sollte man stets unter 90 °C bleiben können, was kaum oder keine spürbaren Takteinbußen mit sich bringt. Eine gute Wasserkühlung mit nicht mehr als 30 °C Wassertemperatur sollte auch unter Last die 90-Gard-Marke nicht überschreiten, es sei denn, der Wasserblock taugt nichts. Im Gaming liegt man dann mit 70 bis 75 °C (oder darunter) im tiefgrünen Bereich. Zum Thema Luftkühler schreibe ich dann auch noch etwas.

Fakt ist aber, dass eine gute Kühlung und eine ordentliche Wärmeleitpaste die Grundvoraussetzung dafür sind, dass man den Ryzen mit seinem sehr ungewöhnlichen IHS auch gut gekühlt bekommt. Dass der IHS so dick ausfällt liegt übrigens auch daran, dass AMD sich hier leider auch etwas der Kühlerkompatibilität angedient hat, damit bei einer eigentlich flacheren CPU der Anpressdruck wieder stimmt. Sonst hätte man die meisten Mounting-Kits nämlich austauschen müssen. So aber passt alles wie gehabt und auch die massive Backplate ist im Gegensatz zu Intels doch sehr biegsamen Sockel 1700 ein Garant gegen das Verbiegen und Wölben der CPU. Das ist gut für den Endkunden und schlecht für die Anbieter irgendwelcher Zusatztools wie Frames.

Der originale Lotes-Sockel, denn ich vor geraumer Zeit ja bereits vorgestellt hatte, setzt auf eine massive Platte, die ich auch in der Realität und dem Einsatz mit vielen CPU-Wechseln für absolut brauchbar und zielführend halte. Ich habe leider auf manchen Boards anderer Hersteller auch schon wieder mit Sicken stabilisiertes, dünneres Stahlblech gesehen, aber diese Art von Cost Down lehne ich ab, da es auch bessere Optionen gibt. Ich kann den Käufern nur raten, vorher auch mal einen Blick auf die Backplate des Sockels zu werfen. Zumindest bei den X670E- und X670-Boards ist so eine Sparmaßnahme eigentlich nicht zu akzeptieren.

Wer gern noch einmal mehr zum Sockel nachlesen möchte den verweise ich auf meinen älteren, exklusiven Artikel vom Januar, wo bereits alles drin stand:

AMDs Sockel AM5 v2 im Detail – Was bei Ryzen besser läuft als bei Intels Sockel LGA-1700 für Alder Lake | Exklusiv

 

 

261 Antworten

Kommentar

Lade neue Kommentare

SpielerZwei

Mitglied

17 Kommentare 2 Likes

Und los geht's ;)!

Antwort 2 Likes

ianann

Veteran

338 Kommentare 235 Likes

Merci x1000!
Seite Eins: "Dass ich heute mit dem Ryzen 9 5950X und dem Ryzen 7 7700X vorerst nur zwei CPUs im Testfeld habe" - das soll sicher 7950X heißen, oder?

Antwort Gefällt mir

M
Moeppel

Urgestein

883 Kommentare 314 Likes

Bisher sehen alle Reviews recht stark nach einer 5800X3D Show aus, wenn man nicht gerade Verwendung für einen 7950X hat bzw. ins Zeit ist Geld Segment fällt 😉

Werde wohl erst RDNA 3 und 4K Benchmarks abwarten, oder gar 7000er 3Ds, wenn nicht gänzlich aussetzen.

Antwort 3 Likes

Megaone

Urgestein

1,834 Kommentare 1,729 Likes

"Preis von 840 Euro inkl. MwSt. (UVP) zeugt von AMDs neuem Selbstbewusstsein."

Das zeigt eher das die Krankheit an der NVDIA leidet ansteckend ist, und womöglich zur Pandemie wird. :cool:

Leider ist keine Impfung in Sicht.

Was im übrigen auch wenig Hoffnung für andere kommende Produkte läst.

Antwort 2 Likes

G
GenFox

Mitglied

33 Kommentare 15 Likes

Eigentlich wollte ich meiner 2080Ti mal endlich ein Upgrade vom Ryzen 2600 auf Zen 4 gönnen.
Das scheint sich durch den neuen Sockel/Ram/CPU-Wasserblock wohl eher doch nicht zu lohnen, wo doch beim 5800X3D, bei ähnlicher Gaming-Leistung, der gesamte Unterbau (AM4/DDR4/CPU-Wasserblock) bestehen bleiben könnte.

Antwort 5 Likes

ianann

Veteran

338 Kommentare 235 Likes

Vielen Dank für die gewohnt hervorragende Durchführung und Bewertung des Testparcours! Insgesamt eine gute Leistung, wenn man sich allerdings zu Gemüte führt dass man für ein neues System eben nicht nur die CPU, sondern zusätzlich ein Board und neuen RAM benötigt, puh - sportlich - fragt man sich dann doch, ob es einem die Mehrperformance "wert" ist. Bin mal gespannt wo die AM5 Bretter am Ende preislich landen. Schade finde ich, dass bis auf die paar "Workstation/ Creator"-Boards immer mehr Military-blab-bling-gefahren wird, anstatt mal wieder ein schlicht anmutendes Mainboard anzubieten.

Antwort 4 Likes

konkretor

Veteran

312 Kommentare 321 Likes

sehr schön auch LTspiceXVII zu sehen.

Danke für den Test

Antwort Gefällt mir

HerrRossi

Urgestein

6,824 Kommentare 2,256 Likes

Danke für den Test! Für mich bedeutet das: viel Geld nicht ausgegeben.

Die Anwendungsleistung ist natürlich über alle Zweifel erhaben, aber da ich den 5590X nur sehr selten auslaste, reicht der mir noch ein Weilchen. In Gaming ist Zen 4 zwar auch schneller, aber da ich hier eher durch die Grafikkarte gebremst werde, muss ich auch dafür nicht unbedingt wechseln. Für Cities Skylines könnte ich zwar mehr Power brauchen, aber es geht auch so. Vllt. sollte ich dafür einfach mal den 5800X3D testen.

Bei Poisson und SRMP fehlen aber die neuen CPUs!?

Antwort 2 Likes

D
DavyB

Mitglied

52 Kommentare 34 Likes

Gehöre dann doch wohl eher zu jenen die sich deutlich mehr an Leistung erhofft haben. Im Teillast Bereich kaum schneller als das "Current Gen" Team Blau Sortiment und das bei doch etwas mehr Verbrauch, höherer Temperatur und höheren Anschaffungskosten. Über Workload will ich nicht urteilen, dass der mit der Kernanzahl nach oben hin skaliert dürfte klar sein. Zumal ich als niederer Programmierer (3tes Semester im Informatik Studium) noch nicht in die Situation gekommen bin dass ich eine derartige Kernanzahl wirklich sinnvoll brauchen/nutzen könnte. AMD ist zumindest im CPU Bereich auf Intel Preis Niveau angekommen. Hier macht es keinen Unterschied was man sich holt, teuer sind beide.

Bleibt zu hoffen dass das nicht auch bei den GPUs Schule macht (vor allem Stromverbrauch und Temperatur) sonst wird dort ausschließlich nach Feature Umfang gekauft (Vor allem hier muss AMD liefern). Bei den Preisen gehe ich davon aus dass auch dort auf Nvidia Niveau angehoben wird.

Antwort 2 Likes

G
Guest

Ganz schöne Ballermänner.
Naja. Nichts, was mich mit einem ohnehin massiv zuwenig genutzem 5900X vom Sofa hochholt.
Aber man muss zugeben, dass die neuen Teilchen doch ganz gut abgehen.
Kommt immer drauf an, von welcher Plattform man kommt und was man braucht. Die Abwärme- und Kühlproblematiken werden allerdings also weiterhin Foren über Foren füllen :D. Schon ganz schön heftig, was die beiden Hersteller da ab Werk an Auto-Overclocking par Excellence rausballern. Das ist echt einfach unglaublich. Overclocker vor 15-20 Jahren, ach was 10 Jahren waren wohl höchst selten so "mutig". Da wird rausgeballert, was geht.

Antwort 1 Like

mer

Veteran

228 Kommentare 127 Likes

Danke.
Ich wart auf den 7800X3D.
Und dann wart ich wahrscheinlich weiter auf den 8800X3D 9800X3D.

Antwort Gefällt mir

Lagavulin

Veteran

240 Kommentare 211 Likes

@Igor Wallossek
Vielen Dank für den fundierten, aussagekräftigen Test und die vielen technischen Infos!

Mich würde noch interessieren, welche Temperatur über stundenlangen Betrieb für einen 7950X noch „gesund“ ist. Du schreibst „Beim Gaming sollte man stets unter 90 °C bleiben können“. Beim 5950X gab es eine Aussage von AMD, dass 80 Grad auf Dauer kein Problem sind (ich weiß aber nicht, ob AMD mit 80 Grad sichergehen wollte, falls jemand 24/7 rendert).

Antwort Gefällt mir

S
Staarfury

Veteran

257 Kommentare 206 Likes

Der 7950 scheint im Workstation Bereich schwer zu toppen.

7700/7600 könnten es aber schwer haben, ihren Preis gegen die kommende 13er Generation zu rechtfertigen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Intel nicht noch die Watt-Brechstange verbiegt...

Antwort 1 Like

M
Moeppel

Urgestein

883 Kommentare 314 Likes

Laut anderen Outlets ist es von AMD beabsichtigt, dass die Teile auf ihre 95°C tJunction Temperatur kommen und damit das beste/höchste für sich rausholen. Das benennt AMD selbst auch ganz klar so. Zen 4 läuft in erster Linie in eine Temperaturwand, bevor irgendetwas anderes limitiert.

Wie man dazu steht, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Ein der8auer Delidding zeigte bereits erhebliche Verbesserung in der Kühlung, was nicht heißt, dass ich diesen Weg empfehlen würde.

Kurzum: Die Teile werden heiß und es ist beabsichtigt, dass sie es werden und wurden um die Tatsache herum designed. So zumindest offizielle Verlautbarungen ;)

Antwort 1 Like

S
Staarfury

Veteran

257 Kommentare 206 Likes

Ist ja eigentlich nur der alte Preis des 5950 mit der neuen Wechselkursrealität.

Aber das neue Selbstverständnis von AMD hat sich ja schon vor 2 Jahren gezeigt, als man es nicht nötig hatte, eine Zen 3 CPU unter 300 Euro anzubieten.

Antwort Gefällt mir

Haru

Veteran

117 Kommentare 65 Likes

Bin ich hier gefühlt der einzige, der wirklich enttäuscht von Zen 4 ist?

Mit ach und krach kommt man an den 12900k ran, macht das Teil teurer und dank der Hitze deutlich unattraktiver?

Nee lass mal. Da bin ich ja mal auf Raptor Lake gespannt.

Antwort 3 Likes

ric84

Mitglied

63 Kommentare 30 Likes

Wie immer hat Igor und sein Team die meisten Balken im Angebot, danke für den ausführlichen Test :)

Ich werde mir wohl mal im Sale einen 5800x3D gönnen, der hält ja super mit, vor allem beim zocken.

Antwort 2 Likes

P
ParrotHH

Veteran

178 Kommentare 191 Likes

Na ja, ich gehe hier zunächst mal nur von einer Erstverschlimmerung aus... ;)
Das wird sich m. E. eher einrenken als die GPU-Preise, denn der Markt für Gamer ist ja nur eine Enthusiasten-Nische des PC-Marktes.

Erstaunlich finde ich den vergleichsweise kleinen Schritt, den eine jeweils neue Prozessorgeneration - im Vergleich zu GPUs - für den Benutzer bringt. Für 20 - 30% mehr Leistung lohnt es sich m. E. jedenfalls nicht, die "alte" Hardware zu entsorgen. Wer noch eine CPU aus der Generation Zen 2 im Gehäuse stecken hat, bekommt hier vielleicht wirklich einen echten Gegenwert, aber selbst dann kauft man vielleicht besser einen 5800X3D, und freut sich noch ein/zwei Jahre über eine - im Wortsinne - preiswerte Plattform, bevor man alles neu kauft.

Antwort Gefällt mir

HerrRossi

Urgestein

6,824 Kommentare 2,256 Likes

??? Der 7950X liegt doch 7% vor dem 12900K:

View image at the forums

Antwort 2 Likes

Danke für die Spende



Du fandest, der Beitrag war interessant und möchtest uns unterstützen? Klasse!

Hier erfährst Du, wie: Hier spenden.

Hier kannst Du per PayPal spenden.

About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

Folge Igor auf:
YouTube   Facebook    Instagram Twitter

Werbung

Werbung