Testberichte

Im Test vor 5 Jahren: AMD A10-7890K fürs Budget-Gaming mit Freesync | Igors Retro

Übertaktung: CPU, GPU oder doch beides?

Eins können wir schon vornweg stellen: Die Übertaktung der CPU, die stabil bis zu 4,5 GHz möglich wäre, bringt im Betrieb als APU mit Nutzung der Grafikeinheit (fast) nichts. Warum dies so ist, werden wir gleich noch untersuchen. Viel wichtiger ist es jedoch, dass man die integrierte Grafikeinheit von ihren regulären 866 MHz bis auf 1040 MHz (und mehr) stabil übertakten kann. Die so hinzugewonnene Mehrleistung ist nicht nur mess- sondern auch sobjektiv deutlich spürbar, zumal wir als Arbeitsspeicher schnellen DDR3-2400-RAM nutzen.

Leistungsaufnahme in verschiedenen Situationen

Zunächst messen wir einmal die Lasten, die bei sehr unterschiedlicher Aufgabenstellung entstehen. Dabei sehen wir sehr deutlich, dass die APU – wenn keinerlei Grafiklast anliegt – locker auch schon einmal die 125-Watt-Marke knacken kann! Auch wenn Prime 95 die Spitzen der Leistungsaufnahme bis auf 128 Watt treibt: Selbst bei echten Anwendungen wir einer auf allen vier Threads laufenden Photovoltaiksimulation zu Sonneneinstrahlung und Verschattung kommt man locker über 123 Watt in den Spitzen und ca. 117 Watt im Durchschnitt! Da bleibt von den angepeilten 95 Watt als TDP-Angabe nicht mehr viel übrig.

Doch halt! Was ist denn bei den Spielen passiert? Theoretisch müsste man ja erwarten, dass hierbei neben der CPU- ja auch noch die GPU-Last ordentlich ins Kontor schlägt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall, denn man erreicht mit Hängen und Würgen nur noch Werte zwischen ca. 90 und 100 Watt!

Um dies zu verstehen, muss man die Wirkungsweise der Leistungsaufnahmekontrolle bei den APUs kennen. AMD senkt nämlich bei starker GPU-Auslastung, bei der die iGP dann schon einmal bis zu 50 Watt für sich beansprucht, die Verlustleistung der CPU dramatisch. Dies erreicht die sogenannte “Power Control” durch eine extreme Taktabsenkung des CPU-Teils! Um dies zu veranschaulichen, haben wir einmal eine Session mitgeloggt und festgestellt, dass aus den feierlich beworbenen 4,1 GHz Basistakt und 4,3 GHz Turbotakt ganze drei (!) GHz übrig bleiben! Da kann man dann auch manuell im BIOS übertakten, wie man möchte: Wenn die GPU an ist, geht der Takt runter – Ende Gelände:

Allein diese Grafik veranschaulicht deutlich, dass zwischen der A10-7870K und der A10-7890K in Spielen kaum Leistungsunterschiede auftreten können, denn der nominell höhere Takt der A10 7890K löst sich beim Einsetzen der GPU so ziemlich in Wohlgefallen auf. Interessanterweise hat jedoch das Übertakten der integrierten Grafik keinen Einfluss auf den Takt! Und genau aus diesem Grund haben wir so viel Wert auf diese  Übertaktung gelegt und den CPU-Takt links liegen lassen.

In einzelnen Werten stellt sich die Leistungsaufnahme der A10-7890K in verschiedensten Situationen dann so dar:

Wenn wir wirklich einen Unterschied gemerkt haben, dann war es der, dass sich die Grafikeinheit der A10-7870K nicht ganz so hoch und stabil übertakten ließ wie die unseres Musters der A10-7980K. Ob und inwieweit dies jedoch wirklich am verbesserten Herstellungsprozess liegt, das kann man mit nur zwei Testmustern nicht pauschal beurteilen. Für die nachfolgenden Tests der APU nutzen wir unseren Online-Gaming-PC, dessen Leistungsdaten sich im Detail so darstellen:

Leistungsaufnahme
Messverfahren:
berührungslose Gleichstrommessung am PCIe-Slot (Riser-Card)
berührungslose Gleichstrommessung an der externen PCIe-Stromversorgung
direkte Spannungsmessung am Netzteil
Aida64 Extreme Engineer zur Sensorüberwachung
Messgeräte:
2x HAMEG HMO 3054, 500 MHz Mehrkanal-Oszillograph mit Speicherfunktion
4x HAMEG HZO50, Stromzangenadapter (1 mA bis 30 A, 100 KHz, DC)
4x HAMEG HZ355, Tastteiler (10:1, 500 MHz)
1x HAMEG HMC 8012, Digitalmultimeter mit Speicherfunktion
Gaming-Performance
Testsystem:
AMD A10-7890K, AMD A10-7870K, AMD A10-7850K
Wraith Cooler
Asus A88X-Pro
2x 8 GByte Radeon Memory DDR3-2400
1x Crucial BX200, 240-GByte-SSD
Kolink KL 400 80+ Bronze
Aerocool GT-RS ATX Cube
Windows 10 Pro (alle Updates)

Intel-Vergleichssysteme:
Core i7-6700K auf MSI Z170A Gaming M7
Core i3-4160 auf MSI Z97A Gaming 6
Intel Boxed Cooler
2x 8 GByte Corsair Dominator DDR3-2133

Treiber:
AMD: Radeon Software 15.301 B35 (Beta-Treiber für die Presse, Februar 2016)
Intel: Beta 15.40.18.4380 vom 09.02.2016

Fertig zusammengebaut sieht unser Online-Gaming-Cube, der auch die Intel-Mainboards zur direkten Vergleichbarkeit beherbergen musste, dann so aus:

Lade neue Kommentare

Alkbert

Veteran

441 Kommentare 211 Likes

Auch wenn Kaveri und Godovari eher klingen wie zerstrittene Völker aus dem Babylon 5 Universum sieht man doch auch in der xten Iteration der Technologie, dass sich performancemäßig und rein auf die Kernleistung bezogen seit dem Phenom 2 x6 und nachfolgend dem Bulldozer leider nichts mehr getan hat. AMD steckte damals in einer ähnlichen Sackgasse wie zuvor schon einmal Intel mit dem Pentium 4 und der Netburst Architektur - mit dem Unterschied, dass für AMD zur Abwendung der Pleite dringend ein "Blockbuster" her musste.

Antwort 1 Like

Mcr-King

Mitglied

19 Kommentare 6 Likes

also ich hatte vor dem i5 6600 einen A10-3870K der ging recht gut auf 4,4GHZ mit Monsterkühler, auch der A10-7850K von meinem Dad ging wie ein Zäpfen mit OC, klar wahr der i5 massive überlegen hat aber auch dass doppelte gekostet.

Antwort Gefällt mir

a
alles_alles

Urgestein

662 Kommentare 155 Likes

Ich kann dem so nicht zustimmen. Dazu muss man wissen, was war die Architektur Bulldozer eigentlich und was machte diese einen anderen Entwicklerzweig hatte. Bulldozer war aus dem Server Bereich und war einer der ersten CPUs mit einer Modularen bauweise und ein Vorgänger des Chipletdesign, dass wir heute bei ZEN kennen. Die IPC war besser und die Effizienz der Technik war besser als bei Phenom. Allerdings hatte die Technik das Problem, dass es zwar entsprechende Cores besaß aber auch Funktionen geteilt hatte. In Anwendungszenarien wie Anwendungen oder Serverbereiche hatte, dass Design vorteile. Heiß wurden diese nur wenn man Sie extrem übertakten konnte. Und bis heute ist der FX unter den Topprozessoren was Übertakungsfähigkeiten angeht. Ja das FX design stammt aus der Server gegend und war darauf ausgerichtet einen hohen Datendurchfluss bewältigen zu können. Man konnte aber immerhin mit starkem übertakten etwa bei 5,3 ghz schon in die Nähe eines ryzen 1200 im standardtakt an die IPC rankommen.

Die AMD A CPUS holten die beste IPC in Zusammenhang mit der Effizienz aus der Bulldozer Technik raus. Hier lernte AMD wie man die heutigen Starken APUS baut und wie sowas schnell funktioniert. Ein Athlon 845 kam sehr nah an die IPC eines Ryzen 1200 am Ende ran. Etwa 25 % fehlen hier noch. Beim ursprünglichen Bulldozer waren es über 50 % an IPC die fehlten. Die Entwicklung zu Carrizo und FM2+ ebnete AMD den Weg für AM4 und Ryzen. Carrzio mit bristol ridge war im Überrigen die letzte Weiterentwicklung.

Im Prinzip vereinigt AM4 das beste von AM3 mit dem von FM2+ . Ein Ryzen 4750g hat im Prinzip fast eine Grafikleistung einer 1050ti und einen immens Starken cpu der besser und effizienter ist als der 3600 ryzen. Ohne Die Entwicklung von FM2+ wäre das ganze nicht möglich gewesen und ohne AM3 Modulbauweise ebenfalls nicht.

Antwort 2 Likes

Klicke zum Ausklappem
Alkbert

Veteran

441 Kommentare 211 Likes

Leuchtet ein. Im "Tagesbetrieb" hatte ich zwischen meinem 1090T, dem FX 8150 und meinem letzten A10 allerdings leider keine Sprünge sehen können. Weder beim Rendern, noch beim Zocken noch im "allday" Desktop Betrieb.

Antwort Gefällt mir

D
Denniss

Urgestein

719 Kommentare 150 Likes

RAM in den falschen Steckplätzen - Autsch. Selbst bei DDR3 und speziell bei besonders hoch taktendem war das schon wichtig. Stichwort Signalreflektionen.

Antwort Gefällt mir

Carcasse

Mitglied

50 Kommentare 22 Likes

Da ist die Aushilfe schuld gewesen. Es musste schnell gehen, der Fotograf hatte wenig Zeit....;)

Antwort Gefällt mir

N
Nelinius

Neuling

4 Kommentare 0 Likes

In mein zweit Rechner werkelt immer noch ein A10-7850K mit eine Ati R9 290X. So schlecht fand ich es nicht. Habe nur als der Ryzen 3000 raus kam auf ein Ryzen 7 3700x gewechselt und da ich noch eine RX 580 rum liegen hatte ist sie aktuell noch in mein System. Gibt eben keine Grafikkarte zur Zeit zu ein vernünftigen Preis.

Antwort Gefällt mir

a
alles_alles

Urgestein

662 Kommentare 155 Likes

Es gab nur Bedingt Anwendungsgebiete wo diese Technik schneller war. Immerhin hat Sie Effizienter gearbeitet als der Phenom II. Sonst hatte ich sehr lange einen 7850k im Einsatz und war sehr zufrieden mit der APU aber auch mein kleiner A4 1200 oder A4 5050 liefen sehr gut .

Antwort Gefällt mir

B
BlackArchon

Mitglied

23 Kommentare 11 Likes

Im Artikel steht, dass der A10-7870K ein Kaveri wäre. Das stimmt aber nicht, das ist auch schon ein Godavari.

Antwort Gefällt mir

Danke für die Spende



Du fandest, der Beitrag war interessant und möchtest uns unterstützen? Klasse!

Hier erfährst Du, wie: Hier spenden.

Hier kannst Du per PayPal spenden.

About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

Folge Igor auf:
YouTube   Facebook    Instagram Twitter