Notebooks Tech Testberichte Workstation

Mit dem Notebook arbeiten und kreativ gestalten – der Workstation- und Studio-Gegentest im portablen Einsatz

Irgendwie sind wir jetzt doch zufällig und eher unbewusst bei den Laptop-Wochen angekommen, aber das Bild fügt sich ja nett zusammen. Hatten wir gestern noch ein Apex 15 von XMG im Test und uns dort Gedanken um insgesamt 6 mögliche CPUs gemacht (“Ein Barebone gegen 6 CPUs – Welcher Ryzen-Prozessor passt am besten ins XMG Apex 15?“), sorge ich heute mal für den Beweis, dass man in vielen Kreativ- und Produktivbereichen eher auf die GPU setzt, statt auf den Prozessor. Hardware-beschleunigte Funktionen in Anwendungen, die sich optimal parallelisieren lassen, findet man mittlerweile immer häufiger.

Drehen wir den Spieß einmal um, setzen auf eine etwas einfachere CPU und suchen die perfekte Balance zwischen CPU- und GPU-Rechenpower in einem möglichst flachen Notebook mit Ultra-HD-Display und Touch-Funktion. Das dafür genutzte Razer Blade Pro 17 mit der GeForce RTX 2080 im Max-Q-Design (die Variante mit 90 Watt TBP) und einem Intel Core i7-10875H CPU (2.30 GHz) ist insofern interessant, als dass man einerseits ein 120-Hz Display für Ultra-HD bekommt und es andererseits auch als Touchpanel und Zeichenbrett dienen kann. Dafür muss man dann allerdings Spiegelungen in Kauf nehmen, die es durch cleveres Aufstellen zu vermeiden gilt.

Das Max-Q-Design sollte man allerdings nicht mit einem dedizierten Chip verwechseln, auch wenn es sich hier ums gleiche Silizium handelt. Hatten wir gestern noch einen Barebone mit einer “echten” GeForce RTX 2070 Refresh, ist es heute eine GeForce RTX 2080, die mit einem extrem begrenzen Power Limit agieren muss. Der Hubraum wurde auch beim Max-Q nicht beschnitten, nur die Benzinpumpe agiert deutlich verhaltener. Der Effizienz kommt das natürlich bestens entgegen, bleibt nur die Frage offen, was dies in der Praxis für Auswirkungen mit sich bringt. Aber genau dafür habe ich ja den heutigen Test, der exemplarisch zeigen soll, wo die Reise in Zukunft durch die GPU-Unterstützung mit AI und CUDA hingehen kann.

Notebooks mit Dynamic Boost und Studio-Zertifizierung

Für alle RTX Studio-Laptops legt NVIDIA die Latte relativ hoch, jedoch nicht zu hoch. Vorausgesetzt werden mindestens eine GeForce RTX 2060 (bzw. Quadro RTX 3000 oder besser), ein Intel Core i7 (H-Serie) oder höher, mindestens 16 GB, eine schnelle SSD ab 512 GB und ein ordentliches Display mit Full-HD- oder Ultra-HD-Auflösung. Dass man hier momentan ausschließlich auf Intel-CPUs setzt liegt sicher auch mit daran, das AMD Dynamic Boost, obwohl quelloffen, leider komplett ignoriert.

Denn es ist am Ende (das sehr gut funktionierende) Gegenstück zur SmartShift-Technologie von AMD, die man in den Ryzen Mobile 4000 APUs findet. Beide Technologien wurden entwickelt, um die Tatsache auszunutzen, dass in vielen Laptop-Designs die GPU und die CPU ein gemeinsames Wärmebudget haben, typischerweise weil beide über den gleichen Satz von Heatpipes gekühlt werden. In der Praxis geschieht dies in der Regel, um es OEMs zu ermöglichen, relativ dünne und leichte Systeme zu bauen, bei denen die Kühlkapazität des Systems mehr als die TDP entweder der CPU oder des Grafikprozessors allein, aber weniger als die gesamte TDP dieser beiden Prozessoren zusammen beträgt.

Auf diese Weise können OEMs, wie in diesem Fall Razer, für unterschiedliche Szenarien optimal angepasste Profile entwickeln, wo man jeweils der einen oder anderen Komponente mehr Spielraum zubilligt. Wenn sich also beide Prozessoren ein gemeinsames Kühlsystem teilen, warum also nicht ihre Leistungsgrenzen erhöhen und dann das Wärmebudget des Systems auf intelligente Weise aufteilen?  Dynamic Boost ist eine generische Lösung, die auch auf mehreren Plattformen funktioniert, während AMDs SmartShift allein und proprietär für die Kombination von AMD-APUs und -Grafikprozessoren entwickelt wurde, um das AMD-Ökosystem und ihre Plattformkontrollstruktur zu pushen (und abzuschotten). Dynamic Boost könnte also sowohl mit Intels Core-Prozessoren als auch mit AMDs Ryzen-Prozessoren eingesetzt werden, nur will AMD dies nicht. Deshalb gibt es  also nur eine Intel-CPU im Razer Blade Pro 17 und keinen Ryzen.

Treiber als solide Grundlage: Studio-Treiber vs. Game Ready

Ich nutze für die Tests des Notebooks nicht die aktuellsten GameReady-Treiber, sondern bewusst NVIDIAs Studio-Treiber. Die enthalten zwar nicht die allerneuesten Game-Gimmicks, sind aber stabil und entsprechen weitgehend auch dem, was NVIDIA für die Quadro-Karten bereitstellt, von den zertifizierten Applikationen, die auf Quadro-hardware setzen (müssen) mal abgesehen. Diese Treiber wurden aber mit vielen Anwendungen aus dem Kreativbereich getestet, so wie man es eben auch von den Workstation-Treibern erwartet.

Das Ganze mache ich übrigens fairerweise auch mit AMDs Radeon-Pro-Treibern, die sich im Kern durchaus ja ebenfalls für die Consumer-Karten nutzen lassen. Denn auch hier steckt der Teufel oft im Detail und so manchen Crash kann man somit von vornherein vermeiden. Das gilt für beide Lager, egal ob nun Grün oder Rot. Blau hat ja (noch) nichts und auf die integrierte Grafik des Notebooks greife ich bewusst nicht zurück, da es sich einfach nicht lohnt. Außerdem müsste ich dazu die Max-Q-Lösung lahmlegen, was keinen Sinn ergäbe.

Testsystem und Vergleichswerte

Das Notebook wurde freundlicherweise von Razer und Notebooksbilliger leihweise zur Verfügung gestellt und mittlerweile auch wieder zurückgeschickt, Verpflichtungen jeglicher Art bestanden und bestehen somit nicht. Wichtig war es, mit einem geeigneten Produkt einen portablen Gegenpol zu den ganzen bisher getesteten Desktop-Lösungen zu schaffen und dies im Rahmen der jeweils verwendeten Plattformen dann auch vergleichbar zu halten, weil mein eigenes Notebook leider noch auf eine Intel-CPU der 9. Generation setzt.

Das Desktop-System kennen wir ja noch von allen anderen Workstation-Tests in 2020:

Test System and Equipment
Hardware:

AMD Ryzen 9 3950X
MSI MEG X570 Godlike
2x 16 GB Patriot Viper Black RGB DDR4 3600
1x 2 TByte Aorus (NVMe System SSD, PCIe Gen. 4)
1x 500 GB Toshiba RC500
1x Seagate FastSSD Portable USB-C
Seasonic Prime 1300 Watt Titanium PSU

Cooling:
Alphacool Eisblock XPX Pro
Alphacool Eiswolf (modified)
Thermal Grizzly Kryonaut
Case:
Raijintek Paean
Monitor: BenQ PD3220U
OS: Windows 10 Pro (2004, all updates, current certified drivers)

Danke für die Spende



Du fandest, der Beitrag war interessant und möchtest uns unterstützen? Klasse!

Hier erfährst Du, wie: Hier spenden.

Hier kann Du per PayPal spenden.

About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

Folge Igor auf:
YouTube   Facebook    Instagram Twitter