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igor’sLAB rüstet weiter auf: Auf Spurensuche nach (falschen) Inhalten und die Vermessung des Unmöglichen – Keyence VHX7000 und EA-300 im täglichen Einsatz | Ausgabe 1

Man kann eine Menge Dinge für und in etwas investieren. Zeit, Kraft und natürlich auch jede Menge Geld. Wenn man aber letzteres in die Hand nimmt, um einerseits Zeit und Kraft zu sparen und um andererseits Dinge zu testen oder aufzudecken, die die normalen (medialen) Mitbewerber nicht können, dann lohnt sich so etwas durchaus. Immerhin habe ich zwei Standbeine und eines davon ist das Labor. Synergien mit der Webseite sind durchaus gewollt und so ergibt sich am Ende auch eine schöne Win-Win-Situation für meine Leser, die Auftraggeber im Labor und am Ende natürlich auch mich.

Ja, ich habe lange hin und her überlegt, ob ich mir so etwas selbst anschaffe (immer schon den ROI im Auge behalten!) und ich gebe zu, es war anfangs auch mit einigen Bauchschmerzen verbunden. Ganz so günstig ist das nun mal nicht, auch wenn es mich nicht in den Ruin treibt. Aber die monetäre Sicherheit für eine gemütliche Rente bekommt da schon leichte Kratzer. Trotzdem: Augen zu und durch und ja, ich habe es nicht bereut. Ich hätte an dieser Stelle auch Nein schreiben können, die Aussage wäre die gleiche.

Und was macht man nun mit so einem Teil? Das 3D-Profilometer und das leistungsstarke Mikroskop (max. x2000) sind natürlich interessant und werden gern verwendet (ich erinnere nur an Ampere und das Bending der GPU), aber mir ging es primär um die Materialanalyse für die ich nicht aufwändig ein REM + EDX nutzen muss. Vakuum? Brauche ich nicht mehr und man spart ordentlich Zeit. Solange man weiß, worauf man sich einlässt und wo die Grenzen des genutzten Verfahrens liegen, geht das wirklich gut. Und genau deshalb will ich Euch heute mal an ein paar Beispielen zeigen, was außerhalb der Webseite so alles passiert und wofür man so einen netten Apparat noch nutzen könnte (und kann).

Etwas Theorie vorab und der erste Fall: Giftige Adapterkabel und ein echter Schock

Die von mir nun genutzte Laser-induzierte Breakdown-Spektroskopie (LIBS) ist eine Art von Atomemissions-Spektroskopie, bei der ein gepulster Laser auf eine Probe gerichtet wird, um einen kleinen Teil davon zu verdampfen und so ein Plasma zu erzeugen. Die emittierte Strahlung aus diesem Plasma wird dann analysiert, um die Elementzusammensetzung der Probe zu bestimmen. LIBS hat viele Vorteile gegenüber anderen analytischen Techniken. Da nur eine winzige Menge der Probe für die Analyse benötigt wird, ist der Schaden an der Probe minimal. Diese Technik erfordert im Allgemeinen keine spezielle Vorbereitung der Proben. Sogar Feststoffe, Flüssigkeiten und Gase können direkt analysiert werden. Genau das ging mit dem REM + EDX so nicht. Ich musste ja alle Flüssigkeiten vorher rauswaschen (Vakuum!).

LIBS kann mehrere Elemente gleichzeitig in einer Probe detektieren und kann für eine Vielzahl von Proben verwendet werden, einschließlich biologischer, metallischer, mineralischer und anderer Materialien. Und man erhält eine wirkliche Echtzeit-Analyse, was enorm Zeit spart. Da LIBS im Allgemeinen keine Verbrauchsmaterialien oder gefährlichen Reagenzien benötigt, ist es eine natürlich relativ sichere Technik, die auch kein Vakuum benötigt. Wie bei jeder Analysetechnik gibt es auch bei LIBS Einschränkungen und Herausforderungen, aber in vielen meiner Anwendungen, insbesondere wenn Geschwindigkeit, Vielseitigkeit und minimalinvasive Probenentnahme von Vorteil sind, bietet es deutliche Vorteile. Und genau deshalb machen wir jetzt auch einen Cut und kommen zum ersten, wirklich sehr ernsten Beispiel.

Kabel für Computernetzteile werden oft nicht genauer betrachtet, es sei denn, man prüft zumindest den Querschnitt. Und man setzt voraus, dass es sich ja eh um reines Kupfer handelt. Doch Kupfer ist teuer und viele der Abbauverfahren und Kupfererzquellen sind weder sicher noch sauber. Wie wenig, das sehen wir gleich noch und begreifen, warum solche Kontrollen immens wichtig sind, auch für die Gesundheit der Kunden. Ich habe mich hier im Auftrag durch einige Netzteile gewühlt und dort die Kabel getestet. Im Idealfall, und da muss ich die Hersteller bzw. Anbieter generell loben, sieht das alles schön und sicher aus. Exemplarisch ein Adapter-Kabel von Cablemods: Außen die dünne Schicht Zinn und dann kommt in der Tiefe nichts weiter als reines Kupfer. Ich habe Euch links mal dokumentiert, wie sich der Laser auch optisch bei jedem Schuss weiter in die Tiefe frisst.

Und nun kommen wir zum technischen Vollbrand. Ich habe mir überlegt, wo ich ein Gegenbeispiel herbekomme. Fündig geworden bin ich ganz am Schluss bei einem hornalten eBay-“Gaming”-Netzteil. Mit tollem 750 Watt Aufdruck und hochgelabelter Linkworld-Platine (5 Volt und 3.3 Volt als Schwerpunkt). Das Netzteil war an sich schon ein potentieller Brandbeschleuniger, daher vermutete ich auch keine ordentlichen Kabel. Und Volltreffer! Jetzt schaut Euch das mal an, das ist sogar hochgiftig! Mal abgesehen von den Verunreinigungen mit Schwefel und Eisen, der Arsengehalt ist regelrecht kriminell! Und die einzelnen Drähte waren extrem spröde und brüchig, Kunststück.

Dabei ist Arsen ist ein Element, das in vielen Kupfererzen natürlich vorkommt. Arsen ist allerdings hochgiftig und langfristige Exposition kann zu einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen führen, einschließlich Hautproblemen, Krebs und negativen Auswirkungen auf das Nervensystem. Wenn Kupfer mit Arsen kontaminiert ist, kann dies seine elektrischen Eigenschaften beeinträchtigen, was besonders problematisch ist. Zudem können Arsenverunreinigungen in Kupferlegierungen zu einer verringerten mechanischen Festigkeit führen. Daher ist es oft notwendig, Kupferprodukte auf Arsen zu testen, um sicherzustellen, dass sie den spezifizierten Standards entsprechen.

Um diese Probleme zu überwinden, müssen Raffinerien Methoden verwenden, um Arsen möglichst vollständig aus dem Kupfer zu entfernen wie oxidative Prozesse oder den Toowong-Prozess. Das wiederum verursacht natürlich höhere Kosten. Und hiermit schließt sich der Kreislauf, denn es kann schon vorkommen, dass besonders günstige Produkte auf verunreinigtes Kupfer setzen. Das aber darf es nicht sein und ich fühle mich auch in einem gewissen Grad herausgefordert, dabei zu helfen, dass so etwas erkannt wird, bevor die Produkte zum Kunden kommen.

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Case39

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2,542 Kommentare 962 Likes

Du baust deine Stellung, als erste Anlaufstelle für tiefergehende Hardwareanalyse im Netz aus...irre und Hut ab😳

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Alexander Brose

Moderator

832 Kommentare 589 Likes

Das wird richtig spannend, was da alles so ans Tageslicht kommen wird 😁

Bin schon ziemlich gehyped auf das Wärmeleitpasten Round-Up und was sich sonst noch alles spannendes mit dem Gerät anstellen lässt.

Grüße!

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Igor Wallossek

1

10,393 Kommentare 19,343 Likes

Nenne es einfach Flucht nach vorn :D

Mit etwas Background und Polster kann man das durchaus riskieren, denn ich habe weder ein Haus noch irgendwelche Autos abzubezahlen. Ich habe seit Jahren stets mehr übrig gehabt als ausgegeben, da kann man so eine Sonderausschüttung schon mal machen. Manchmal zahlt sich Sparsamkeit eben auch aus. Ich bin zwar kein Schwabe, aber fast. Und ich sehe es als Geldanlage, auch für meine Kinder (immer in der Hoffnung, dass mal einer übernimmt) :D

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Nulight

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245 Kommentare 165 Likes

Du wirst den Herstellern ( besonders der Pfuschfraktion ) das fürchten lehren ! ;)

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echolot

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1,059 Kommentare 810 Likes

Arsen mit Spitzenhäubchen. Es war das Netzteil. Jetzt weiß man womit einem die Schwiegermama um die Ecke bringen will.
@Igor Wallossek Es wird ja immer besser. Da schlägt das Ingenieurherz gleich eine oder zwei Taktraten schneller.

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Igor Wallossek

1

10,393 Kommentare 19,343 Likes

Lass die Gute nur lange genug an den Kabeln lutschen :D

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P
ParrotHH

Veteran

178 Kommentare 191 Likes

Schön!

Ich hatte eine Weile lang meine ganzen Plattenspieler-Nadeln mit billigen USB-Mikroskopen untersucht, weil ich wissen und sehen wollte, wie unterschiedliche Nadelschliffe wirklich aussehen, und ob die Papierform sich in der Realität überhaupt wiederfindet.

Sah dann z. B. so aus (eine originale hyperelliptische Shure-Nadel aus den späten 70ern):

View image at the forums

Um eine günstige Lösung zu finden, die ansatzweise funktioniert, musste ich recht viel Geld ausgegeben ... :D

Mit Deinem Equipment wäre das bestimmt ein Spass!

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echolot

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1,059 Kommentare 810 Likes

Eine richtig gute Nadel war schon dmals unbezahlbar. Und zwar nur die Nadel!

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konkretor

Veteran

311 Kommentare 321 Likes

Ich freu mich auf solche Dinge abseits des Mainstreams

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M
MD_Enigma

Mitglied

81 Kommentare 43 Likes

Je älter die Männer, desto teurer das Spielzeug. +1 Like

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Case39

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2,542 Kommentare 962 Likes

Dein Nachwuchs kann nicht anders als später zu übernehmen😉
Vorausgesetzt das sie sich für die Thematik interessieren/ interessieren werden.

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M
Michael20

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10 Kommentare 1 Likes

@Igor Wallossek Wie sieht es mit den Emissionen aus die daraus entstehen, absaugung/Filter? Wie groß/klein ist den die Messstelle?

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p
pinkymee

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74 Kommentare 71 Likes

... und mich würde interessieren, was Dein Baumarkt dazu meint, wenn Du ihn mit dem fehlenden Vanadium konfrontieren würdest?! Eine mögliche Reaktion könnte sein: ".... dann geh doch zu Netto!" .... wobei ich mir bei deren Sortiment auch nicht so sicher wäre, ob man da nicht das Gleiche bekommt ;) Im Grunde ist es dennoch Betrug, .... oder?

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F
Furda

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663 Kommentare 372 Likes

Sehr cooles "Spielzeug". Die Menge an Dinge, die man damit unter die Lupe nehmen kann, ist unendlich.

Dieser Apparat macht Euch einen grossen Schritt noch professioneller, durch sehr genaue Messwerte und Einblicke, die fast alle Anderen so nicht liefern können.

Eine sehr gute Investition fürs Standbein und nebenbei mit vielen neuen interessanten Dingen für die Leserschaft. Genaueste Analysen, welche Spreu von Weizen hoffentlich weiter trennen werden und letztlich allen Konsumenten zu Gute kommen.

Last but not least, als Tüftler hat man an so einem Apparat sicher jede Menge Freude und Motivation, welche die Investition auch ein Stück weit problemlos wett macht.

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Starfox555

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1,484 Kommentare 750 Likes

Ja, das ist ein wahrhaft beeindruckend schönes Spielzeu... äh Arbeitsutensil. Und es hätte/hat auch sehr viel Potenzial, so auch z.B. durch das Ausstellen von entsprechenden Zertifikaten (als kalkulatorisch planbare Größe), um seine Anschaffungskosten entsprechend zu armotisieren.

So. z.B. bei der genauen Analyse von Rückständen in AIOs oder custom WaKüs abhängig, oder auch unabhängig von deren Betrieb mit unterschiedlichen Coolanten und dessen genaue Ursachenbestimmung. (Korrosion, Flussmittel, Schlacken, Verunreinigungen etc.)

Für die Erkenntnisgewinnung von der genauen Zusammensetzung eines Produktes und somit auch der belegbaren Analyse von dessen chargenabhängigen Abweichungen, und ein sich daraus resultierendes abweichendes Konsumentenerlebnisses, ergeben sich belegbare Fakten mit dem Potenzial ungeahntes 👻 zu generieren.

Auf eine Analyse der Wärmeleitpasten und auch auf eine bei manchen Pasten so feststellbare chargenabhängige Abweichung ihrer Zusammensetzungen bin ich auch sehr gespannt. Gerne auch mit so einer tollen Datenbank wie bei den Case Fans.

Für das 3D-Profilometer ergäbe sich bsplw. gerade im Bezug auf die Kontaktflächen von Heatspreader und Kühlkörper im kalten und ausgedehnten Zustand eine sehr gute Möglichkeit zur Betrachtung und Bestimmung der Gesamt-Spaltmaße zwischen den jeweiligen Auflageflächen. So auch im erwärmten ausgedehnten Zustand zum Vergleich der Abweichungen von Materialien mit unterschiedlichem Wärmeausdehnungskoeffizienten und dessen Einfluss auf die Gesamt-Spaltmaße zwischen Heatspreader und Kühlkörper. Leider dabei aber ohne den Einflussfaktor des Anpressdruckes auf die Gesamt-Spaltmaße im kalten und erwärmten Zustand.

Bestimmt auch unterhaltsam eine Arsen-charts Datenbank 😎

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Psion3er

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40 Kommentare 0 Likes

Wow. Ich liebe das Messen und Messgeräte. Content pls!
Damit, Igor, bist du mein Technik-Bookmark #1 geworden.

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k
kleinstblauwal

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58 Kommentare 25 Likes

Da schlägt mein Herz als Chemiker, der sich viel mit ortsaufgelöster Materialanalyse beschäftigt hat, höher.

Falls du nicht schon jemanden mit passendem Hintergrund an der Hand hast und bei den angekündigten weiteren Anschaffungen Input brauchst, kannst du mich gerne anschreiben.

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e
eastcoast_pete

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1,635 Kommentare 953 Likes

Zunächst einmal: Gratuliere, und Cool! Das Cadence ist schon ein tolles Instrument, und auf die Tests und Ergebnisse freue ich mich jetzt schon!
Ein Vorschlag (und bitte): Vorweg, ich weiß daß Du aus guten Gründen nicht "All Youtube, All the Time" machst bzw machen willst. Eine Vorstellung des Cadence und was es kann im Video wäre a. allgemein interessant, und b. eine Ansage der Untersuchungen, die da kommen werden.
Abschließend, die "Flucht nach vorne" ist mM die beste Richtung - andere nennen das auch einfach Fortschritt. Qualität statt Quantität!
Was bei Massenproduktion auch von Inhalt ohne QC passieren kann, hat man ja kürzlich bei LTT gesehen; Igorslab ist da die Antithese. Fundierte Analysen statt seichte Unterhaltung - deswegen komm ich ja immer wieder hierher!

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Igor Wallossek

1

10,393 Kommentare 19,343 Likes

Den qualifizierten Ratschlag eines Chemikers kann ich immer gebrauchen. Ich bin alles andere als ein Universalgelehrter und auf vielen Fachgebieten zudem krasser Autodidakt. Meine Chemiekenntnisse enden leider mit dem Abitur, wobei die Grundlagen der organischen Chemie bei mir auch damals schon gegen null tendierten. Das hat mich nicht die Bohne interessiert und ich kapiere Vieles davon bis heute nicht. :D

Man muss ja schon auf die chemischen Elemente schauen und was beim Plasma dann zu eng beieinander liegt. Da hat man dann bei zu viel Empfindlichkeit im Rauschen plötzlich Gallium neben dem Alu. Auch LIBS hat seine Grenzen, die man aber kennen muss. Das ist für mich mal wieder teilweise Neuland und steile Lernkurve in einem. :D

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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