Grafikkarten Kühlung News Testberichte

Alphacool Eisschicht – ultra-softe Wärmeleitpaste, die in alle Ecken kommt, sich flachmacht und den unnötigen Druck wegnimmt

Wer die letzten Monate aufmerksam auf igorsLAB mitverfolgt hat, wird sicher auch immer wieder einmal die Wärmeleitpads bemerkt haben, auf die ich seit Langem schwöre. Spätestens seit Nvidias Speicher-Fiasko mit den RTX 2080 Ti, den mehr oder weniger lustigen Space Invaders und der Erklärungssuche wissen wir nun auch, ws man tun kann, damit die Speichermodule nicht abklappen oder zu sehr drückende Kühler keinen Schaden mehr anrichten können.

Gut, Alphacool hat dieses Pads natürlich auch nicht neu erfunden und so mancher Hersteller von Kühlkomponenten schwört (wie auch Nvidia als Grafikkartenfabrikant) schon seit Jahren auf diese ultra-soften Pads. Am Ende ist es ja eigentlich eher gepresste Wärmeleitpaste, die im Inneren von hauchdünnen textilen Fasern durchsetzt ist, damit die Form gehalten werden kann. Man umgeht mit dieser Kombination das “Ausbluten” von Silikonöl der altbekannten Soft-Pads, was nicht nur eklig aussieht, sondern auch schädlich für die Lebensdauer ist.

Die Krone der Wärmeleitfähigkeit wird man mit den (für den Endkunden) neuen Pads natürlich nicht erreichen können, das ist technologisch (und auch preislich) nicht so einfach machbar. Nur braucht man wirklich deutlich mehr als 3W/m*K, wenn sich durch den Einsatz in der Praxis dieser Parameter als nur einer von vielen erweist? Auf Nachfrage an Alphacool war zu hören, dass man auch noch leitfähigere Pads und jede Menge anderer innovativer Produkte plant, doch da ist momentan kaum mehr zu erfahren. Wer lässt sich schon gern in die Karten schauen?

Alphacool hat dabei einen cleveren Weg beschritten, der den an sich schon teuren Einkauf natürlich deutlich einfacher gestaltet. Indem man die eigenen Produkte, wie z.B. die Wasserblöcke ebenfalls damit beglückt, erreicht man Abnahmemengen, die man so als reiner Endkundenvertrieb kaum erreichen wird. Nur dann lässt sich dieses Material auch so einkaufen, dass man als Endkunde im Zubehörhandel davon profitieren kann. Denn genau diese Pads sind bereits im Einkauf recht teuer. Und dass sich Firmen wie MSI lieber halbe Pads auf den Speicher kleben, anstatt diese Pasten-Pads zu verwenden liegt schlicht und ergreifen daran, dass nicht jeder Controller den Vater Theresa geben mag. Gut, aber eben auch nicht günstig.

 

Die Wirkungsweise – Speichermodule und flache Pads

Alphacool startet, auch einkaufsbedingt, mit zwei Materialstärken. Die flacheren 0,5 mm Pads sind hierbei auch die sinnvolle Untergrenze dessen, was an Schichtdicke minimal noch einen Sinn ergibt, auch technologisch in der Produktion. Schauen wir uns einmal die Ausgangslage an. Sehr leitfähige Pads sind meist nicht soft genug, um sie in alle Ritzen drücken zu lassen. Technologisch bedingte Fertigungstoleranzen sorgen zudem dafür, dass diese Pads sogar unter Druck oft genug nicht soft genug sind, um z.B. den Kühlerboden wie vorgesehen zu verschrauben, so dass hier ungewollte Abstände entstehen können.

Das wieder kann sich sich negativ auf Bereiche wie die GPU auswirken, deren Wärmeleitpastenschicht dann zu dick wird. Oder aber es passt mit sehr viel Druck am Ende doch, aber dann hat man exakt diesen unnötigen Druck auch auf den Bauelementen, was aufgrund deren Verlötung (Reflow, Balls, Abstände zur Platine) sehr gefährlich werden kann (siehe Nvidia).

Vor allem die Probleme mit dem Druck auf die Komponenten kann man damit recht einfach umgehen. Und zusätzlich gewinnt man in den gefüllten Lücken auch noch zusätzliche Kühlfläche. Das Zeug heißt ja nicht umsonst Gap Filler.

 

Die Wirkungsweise – größere Abstände und dickere Pads

Mit einem Millimeter wird es jetzt dicker. Neben der Geschichte mit dem Druck zählt hier nur Eines: Fläche, Fläche und nochmals Fläche. Schauen wir uns auch hier noch einmal das Schema an: Die Oberfläche eines MOSFETs ist arg begrenzt und man wird mit den herkömmlichen Pads am Ende nur Hotspots kühlen können. Der Rest der heißen Platine einschließlich der Zwischenräume und anderer (passiver) Komponenten bleibt jedoch ungekühlt.

Setzt man jetzt wieder diese weichen Knetmassen-Pads ein, füllen sich die Zwischenräume und sogar die Platinenoberseite einschließlich der niedrigeren Bauelemente wird in den Kühlvorgang mit eingebunden. Mit etwas Glück und Überlegung kann man die Kühlfläche so signifikant vergrößern und zudem auch den Druck auf die Komponenten gegen null fahren. Auch die Abstände zur Platine lassen sich wie gefordert realisieren und es wird auch nicht durchbiegen oder sich auf Dauer verziehen.

Niveau-Ausgleich – Nie wieder halbe Pads!

Das Beispiel mit der MSI RTX 5700 Evoke (und nicht nur dieser) samt der halben Wärmeleitpads hat auch mich interessiert und so habe ich die ultra-soften Pads auch an diesem Beispiel mal ausprobiert. Die Ausgangslage mit den unterschiedlich hohen Kühlflächen war ja eindeutig (und ärgerlich):

Dabei wäre die Lösung doch sowas von einfach gewesen! Nun ja, es kostet halt mehr, als clever halbierte Pads. Auch wenn es für eine niedrigere RAM-Temperatur durchaus förderlich gewesen wäre:

 

Zusammenfassung und Fazit

Dass diese Pads ab und zu bereits einzelnen Produkten verschiedener Hersteller beilagen, ist ja kein Geheimnis, Zum Beispiel hat Bitspower diese Art Pads auch schon verwendet, um z.B. bei den GeForce RTX auf der sicheren Seite zu sein. Doch im Endkundenmarkt war auch dort nie etwas zu bekommen. Im wilden Denglisch könne man jetzt kombinieren: Industrie meets Endkunde. Klingt bescheiden, ist aber für den Verbraucher ein satter Mehrgewinn. Und ich darf mich freuen, dass endlich mal eine der Firmen, denen ich wegen dieser Pads die Ohren abgekaut habe, endlich gehandelt hat.

Alphacool bringt diese Pads als 10 cm x 10 cm große Abschnitte als Eisdecke mit vorerst zwei Dicken (0,5 und 1 mm) und einer Wärmeleitfähigkeit von 3 W/m*K auf den Markt. Höhere Stärken und Wärmeleitfähigkeiten werden sicher folgen, wenn der Kunde das Produkt auch annimmt. Denn auf die Wärmeleitfähigkeit allein kommt es nicht an, denn mit cleverem Einsatz erreicht man in der Gesamtrechnung mit etwas Glück sogar einen niedrigeren Wärmewiderstand als mit nur punktuell wirkenden Hochleistungs-Pads. Man muss es wirklich im Zusammenhang sehen, sonst endet man recht fix als Marketingopfer. Das ist dann wie mit den Super-Pasten, aber das hatten wir ja unlängst.

Für die Fernseher unter den Lesern: Hier noch das Video mit neuem, animierten Bot und einer neuen, Green-Room-freundlicheren Tisch-Stuhl-Kombi:

 

 

 

Danke für die Spende



Du fandest, der Beitrag war interessant und möchtest uns unterstützen? Klasse!

Hier erfährst Du, wie: Hier spenden.

Hier kann Du per PayPal spenden.

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.