Grafikkarten Kühlung News VGA

Defekte Pads und zu heißer GDDR6X-Speicher – Silikon-Alarm auf den GeForce RTX 3070 Ti, 3080, 3080 Ti und 3090

Es trifft sicher nicht nur den einen Hersteller, den ich heute anhand eine konkreten Beispiels nennen muss, und auch dann nicht immer mit der gleichen Härte. Wenn jedoch das Pad schon ab Fabrikation eine Schwachstelle in der Zusammensetzung hat, heißer GDDR6X-Speicher und noch eine intensive Nutzung zusammenkommen, dann wird es schon einmal eng. Ganz eng, denn da muss man noch nicht einmal Mining betreiben, denn Rendering oder Folding erledigen das genauso gut. Betrachten jetzt das erste Bild, dann sehen wir auf dieser MSI GeForce RTX 3080 SUPRIM 10 GB sehr fotogene Pfützen, fast so perfekt wie in NVIDIAS schönsten RTX-Demos. Es glänzt und spiegelt um die Wette. Nur dass das kein Wasser ist, sondern reines Silikon und zwar in riesigen Mengen.

Was passiert eigentlich mit den Pads?

Die meisten sehr soften Pads enthalten jede Menge Silikon als Basismaterial, das dann mit speziellen Füllstoffen, die für die spezifischen Wärmeleit- und Formanpassungseigenschaften sorgen, sowie Flammschutzmitteln versetzt wird. Die Konsistenz hängt natürlich von vielen Faktoren ab und es kommt neben dem Inhalt des Pads auch auf dessen Herstellungsverfahren an, wie hoch am Ende der Härtegrad und Silikonanteil ausfällt. Darüber hinaus gibt es auch silikonfreie Pads, solche aus einem Polymer mit niedrigem Elastizitätsmodul, welche mit Glasfaser-  bzw. Kautschukträger (siehe Lairds oder Ziiteks “Brösel”)  oder Pads als unverstärktes Produkt, die eher einer sehr viskosen Paste ähneln und sich fast schon wie Knete handhaben und verformen lassen.

Da die Speichermodule keinen Underfill besitzen, ist zu viel Druck extrem schädlich und führt im schlimmsten Fall auch zum Abreißen der Lötpillen. Wir erinnern uns diesbezüglich ja auch nur ungern an die Space Invaders und NVIDIAs GeForce RTX 2080 Ti. Gleicher Grund und identische Folgen. Das darf auch gern noch einmal gelesen werden, denn es gilt immer noch.

 

Und dass man so softe Pads nutzen muss, liegt an den hohen Toleranzbereichen der Platinen, insbesonders bei der Höhe des Packages mit der GPU. Diese ist oft höher (weil gebogen) als es vorgesehen war und deshalb sind auch die Spalte zwischen Speicher und Heatsink von Karte zu Karte sehr unterschiedlich. Deshalb verwenden die Hersteller mittlerweile diese ultra-soften Pads in einer deutlich größeren Stärke, als es der Idealfall eigentlich erfordern würde. Ist die Biegung stärker, besteht immer noch thermischer Kontakt und im umgekehrten Falle drückt sich eben alles weg. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn sonderlich stabil ist die Beständigkeit der Masse bei den günstigeren Pads nämlich nicht und das Basismaterial (also das Silikon) wird geradezu herausgepresst. Übrig bleiben die Füllpartikel, die dann aushärten und auch reißen können.

 

 

 

Lade neue Kommentare

Gurdi

Urgestein

1,101 Kommentare 600 Likes

Es ist teils einfach nur peinlich was da teilweise abgeleifert wird und dann auch noch zu diesen Wucherpreisen derzeit.
Der Vram auf meiner 70Ti ist auch eindeutig zu heiß, da müsste ich eigentlich auch mal die Pads tauschen.

Antwort Gefällt mir

konkretor

Veteran

153 Kommentare 117 Likes

Frage ist halt, ist das Design so wie es aktuell genutzt wird noch zukunftsfähig.

Es ist ja keine Lösung Karten herzustellen wo klar ist, die sehe ich als Hersteller als bald wieder in der rma. So manch hohe rma Quote hat schon so manchen Hersteller in die Knie gezwungen.

Ich sehe die Pads eher als Notlösung an. Aktuell gibt es kein weg dran vorbei

Antwort Gefällt mir

Megaone

Veteran

157 Kommentare 110 Likes

Wäre schön Igor, wenn du das im Auge behalten kannst. Mittlerweile wird von Käufern von High-End Hardware ( und nicht nur von denen) ein Know-How verlangt, welches nicht mehr feierlich ist. Kaufen, einbauen spaß haben und vergessen ist nicht mehr. Sorry, aber wenn du dich als Kunde nicht mit jedem Sch.. beschäftigst (Kühler, Kühlungen, Ventilatoren, etc,etc) hast du echt gelost. Wenn man sich dann noch die ganzen Influenzer anschaut, die nix Wissen aber zu allem eine Meinung haben, werden Seiten wie Igorslab Hardwaretechnich fast schon überlebenswichtig.

Gut das meine 3090 AORUS MASTER eine vernünftige Kühlung hat und 4 Jahre Garantie.

Antwort 7 Likes

Igor Wallossek

Format©

5,995 Kommentare 9,425 Likes

Nur dass die Influencer von vorn bis hinten gepampert werden und sich unsereiner die Testobjekte hingegen hart erarbeiten und mühsam besorgen muss. Das schränkt einen natürlich etwas in der Breite ein, aber es spornt auch an. Ich sehe es daher eher sportlich.

Gut ist, dass die Hersteller mittlerweile zuhören, zumindest die meisten. Es gibt aber auch welche, die schicken lieber ihre fünfte PR-Kolonne los, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, dafür kommen andere sofort mit dem R&D oder den passenden Produktmanagern. Unstrittig, was mir lieber ist. :D

Antwort 13 Likes

ArthurUnaBrau

Veteran

188 Kommentare 75 Likes

Boah, was bin ich froh, dass ich wieder zu AMD gegriffen habe. Wollte eigentlich von meiner Vega64 zu ner 3080 wechseln, war aber aus und die Vega machte mucken, also griff ich im Dezember 20 zur 6800.
Anscheinend alles richtig gemacht!

Antwort 2 Likes

e
edddy777

Neuling

4 Kommentare 0 Likes

Hallo Igor,
bin nach diesem Artikel noch etwas nervöser als davor… hab seit Weihnachten letzten Jahres eine 3080 Gaming X Trio und die Speichertemperatur laut HWInfo peakt am Anfang immer auf ca. 102°C und pendelt sich dann bei ca. 96-98°C ein.
Ist das schon ein abnormales Verhalten oder „erst“ wenn die Karte wie im Artikel auf 110°C Speichertemperatur geht und dann throttled?
Würdest du außerdem empfehlen präventiv die WLP durch die Alphacool 11W/(m*K) (https://www.igorslab.de/waermeleit-...aturstuerze-des-heissen-gddr6x-bis-auf-50/)zu ersetzen damit man damit Ruhe hat und deutlich geringere Temps oder sind das bereits von dir im Artikel beschriebene „zu harte Pads“?

Ziemlich viele Fragen von nem MSI Besitzer daher danke schonmal :)

Antwort Gefällt mir

Klicke zum Ausklappem
P
Pokerclock

Neuling

5 Kommentare 1 Likes

Weniger mit WL-Pads als mit WL-Paste sind mir solche Dinge schon öfters bei anderen Board-Partnern aufgefallen. Speziell bei Manli-Karten (Zotac und Inno3D evtl auch? Speziell die RTX 2080 Ti Gallardo und manche RTX 2070-Modelle) zeigen sich nach kurzer Zeit extrem hohe Hotspot-Temps, die ich mir nur durch vorab auf den Kühler aufgetragene WL-Paste mit schlechter Wärmeleitfähigkeit und/oder nicht richtigem Auftragen, erklären kann. Rein von der Konsistenz her würde ich diese als super-frisch beurteilen. Ein einfacher Austausch durch z.B. die Arctic MX-2 und schon verschwinden diese extremen Hotspot-Temps. Beim Distri wird mit Rücksprache beim Einkauf abgewiegelt, da die Karten angeblich nicht defekt seien und ich so oder so mehrere Wochen drauf warten müsste bis die wieder zurückkommen. Also was macht man in der Zeit des Grafikkartenmangels? Man tauscht halt selbst. Die neuen 3000er haben die Problematik aktuell nicht mehr.

Antwort Gefällt mir

Klicke zum Ausklappem
O
OICW

Mitglied

18 Kommentare 2 Likes

Habe eine MSI 3090 Trio und frag mich grad ob ich die Pads selber tauschen darf ohne Garantieverfall? Habe die Hersteller die es erlauben nicht im Kopf.

welche Stärke an Pads und Anzahl würde ich dafür brauchen?

Antwort Gefällt mir

³N1GM4

Mitglied

59 Kommentare 9 Likes

Vielleicht mag Igor ja mal dieses Zeug ausprobieren?
K5 Pro:

Das wieder zu entfernen könnte sicher auch spaßig werden. ;)

Antwort 2 Likes

Klicke zum Ausklappem
Case39

Urgestein

1,959 Kommentare 569 Likes

Diese Problem müsste dann bei Palit/ Gainward, ebenfalls bestehen?!

Antwort Gefällt mir

Danke für die Spende



Du fandest, der Beitrag war interessant und möchtest uns unterstützen? Klasse!

Hier erfährst Du, wie: Hier spenden.

Hier kannst Du per PayPal spenden.

About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

Folge Igor auf:
YouTube   Facebook    Instagram Twitter

Werbung

Werbung