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Sharkoon B1 Stereo Headset im Test – Preiswert, günstig oder billig?

Mit um die 60 Euro gestartet, ist das Sharkoon B1 mittlerweile bereits für unter 40 Euro zu haben. Und wenn man Sharkoons Philosophie folgen mag, dass nicht kaputt gehen kann, was erst gar nicht erst dran ist und das alles auch noch (auch optisch) akzeptabel verpackt wird, dann darf man schon gespannt sein. Dass man für diesen Preis keinen akustischen oder technischen Überflieger erwarten kann, sollte schon jetzt klar sein, aber was bekommt man wirklich für kleines Geld?

Lieferumfang

Man findet im Inneren des Kartons eine ordentliche Hartschalenverpackung für unterwegs, das Headset samt Ansteckmikrofon, ein Anschlusskabel mit Kontrolleinheit, welches das fest angeschlossene und 1,1 m lange Kabel mit dem 3,5-mm-Multifunktionsklinkenstecker verlängert und in zwei separaten 3,5-mm-Klinkensteckern für das HD-Audio endet, sowie eine Art Handbuch. Das alles kann man lassen, auch wenn die Hartschalengeschichte Budget bindet, das man anderswo sicher besser hätte einsetzen können.

 

Optik und Haptik

Ok, 40 Euro Straßenpreis und analoger Anschluss bedeuten auch, dass es keinerlei RGB-Schnickschnack gibt. Das muss nicht negativ bewertet werden, im Gegenteil. Die mattschwarzen Schalen der Ohrmuscheln werden von schwarz lackiertem Lochmetall abgedeckt, auch wenn die Muscheln komplett geschlossen sind. Hier findet lediglich eine optische Perforation statt, mehr nicht. Der Rest, also die Ohrpolster und fast der komplette Bügel, sind mit PU-Lederimitat bespannt.

Das alles wirkt auf den ersten Blick schlicht und bis hierher auch noch nicht einmal schlecht und allzu billig. Haptisch ist das alles zwar dann doch schon eine kleine Erdung in Richtung Boden der Tatsachen, aber solange man den Kaufpreis im Hinterkopf behält, wird man auch diese Erkenntnis überstehen. Man sieht auch die notwendigen Einsparungen, jedoch erst auf den zweiten Blick. Bis hierher ist der Fahrplan also pflichtbewusst eingehalten worden.

 

Tragekomfort und Funktionalität

Der Preis ist heiß, die Ohren sind es nach einer reichlichen Stunde aber auch. Das liegt einerseits daran, dass der Bügel direkt in der Ohrmuschen endet und keinerlei Gelenke besitzt. Außerdem ist der gesamt Bügel recht verwindungssteif, so dass im ungünstigsten Falle die Ohrmuschel samt Polster vorn in Richtung Gesicht eng anliegt und das Hinterteil luftig nur touchiert. Das dies dann weder perfekt sitzt noch übermäßig gut klingen kann, ist sicher kein Geheimnis der Sonderklasse.

Das Kopfband ist innen ausreichend gepolstert und es drückt auch nach längerem Tragen des (ohne Kabel) 320 Gramm schweren Headsets eigentlich nichts. Man sieht aber auf dem Foto unten sehr schön, was diese sehr weiche, aber auch mit Nachdruck aufliegende PU-Couch ausmacht: sie ist eine Schweißtreiberin allererster Güte. Aber sie lässt sich dafür leicht mal zwischendurch abwischen oder sogar abwaschen. Dann passt es auch für Total-Hygieniker wieder.

Die Ohrpolster sind ausreichend weich, allerdings auch reichlich unkonturiert. Sie lassen sich recht einfach abnehmen und auch reinigen, was durchaus ein Pluspunkt ist. Trotzdem ist die etwas uninspirierte Füllung nicht geeignet, dieses geschlossene System wirklich auf jedem Kopf auch vollumfänglich abzuschließen, was reichlich schade ist. Hier hätte man besser auf den Hartschalen-Koffer verzichtet und dem B1 ein vertikales Gelenk spendieren können. Dann wäre der Sitz nämlich wirklich gut gewesen.

Der kleine Lautstärkeregler im Kabel-Controller tut was er soll, mehr aber auch nicht. Man wird ihn sicher auch intuitiv finden können, was nicht selbstverständlich ist. Der Gleichlauf ist, vor allem im Anfangsbereich, aber eher  nicht so prall. Der Mute-Schieber an der Rückseite ist sehr griffig, gut zu ertasten und zu erreichen.

Die Gesamtlänge beider Kabel ist mehr als ausreichend, wobei die 1,10 m bis zum TRSS-Stecker, an dem man dann das PC-Kabel anschließen kann für einen Solo-Betrieb am Smartphone zu kurz ist, wenn man über 1,75 m groß misst. Dann ist der Weg bis zu Gesäßtasche schon zu lang.

Die Muscheln sind  verschraubt und lassen uns auch verlustlosen Blick ins Innere werfen. Dazu komme ich aber gleich noch beim Tear Down. Was man von außen jedoch sieht, ist der 40-mm-Treiber, der sich hinter der Abdeckung verbirgt und nur mit etwas Gaze abgedeckt wurde. Die umlaufende Rille nimmt den Rand der Ohrpolster auf und eingefädelt werden diese von unten (auf dem Bild links)

 

Mikrofon

Der ansteckbare Mikrofonarm ist in der verwendeten Form samt Memory-Funktion hingegen gut gelöst, denn man erwischt die perfekte Stellung relativ schnell und einfach. Der Pop-Schutz ist eine nette Dreingabe aber eigentlich fast schon überflüssig. Zumal er die Höhe noch weiter nach unten drückt, aber dazu kommen wir gleich noch.

Das Anstecken erfolgt unproblematisch und auch sicher, was die Richtung und die Halterung betrifft. Allerdings traue ich den Bachen in dieser Preisklasse keinen Meter über den Weg und kann nur empfehlen, das Einstecken und Abziehen nun nicht gleich dreimal täglich zu üben. Besser einfach drin stecken lassen, dann geht da auch so schnell nichts kaputt.

 

Tear-Down und Sounding

Die Stunde der Wahrheit zeigt sich erst nach dem Aufschrauben, das war schon immer so. Der 40-mm-Neodym-Treiber sitzt nicht noch einmal in einer abgeschlossenen Kapsel, sondern die gesamte Ohrmuschel dient als fetter Resonanzraum. Was das für Folgen haben kann, sehen wir gleich auf der nächsten Seite im CSD-Spektrum. Merke: nicht immer hilft viel auch viel. Dazu kommt auch noch, dass die Frontabdeckung zwei Löcher aufweist, was zum Druckausgleich, aber auch zu unberechenbaren Resonanzen führt.

Die Zugentlastung des Anschlusskabels ist über einen simplen Knoten gelöst, was in dieser Preisklasse natürlich nicht unüblich ist. Man sieht auch sehr schön, dass das Headband nur mit zwei Schrauben am weißen Einsatz in der Muschel festgeschraubt wurde. Das ist klassisches Cost-Down, aber der Preis ließ auch nichts anderes vermuten.

Der kleine Treiber besitzt nicht nur einen etwas zu geringen Hub, sondern ist zudem auch reichlich unempfindlich. In den Spezifikationen schreibt Sharkoon etwas über eine Empfindlichkeit von 103 dB, vergisst dabei aber die Bezugsgröße, so dass man nicht weiß, ob das nun bei einem Milliwatt zugeführter Leistung oder einem Volt RMS anliegender Spannung gemessen wurde. Ich tendiere eher zu Letzterem, denn der Treiber erreicht verzerrungsfrei kaum die 100 dB-Grenze.

Die Verkabelung samt Lötqualität ist ok, aber nicht gut. Auch nicht in dieser Preisklasse. Dass Massekabel extrem lang und frei hängend in gestückelt verlötet werden, habe ich so auch noch nicht allzu oft gesehen. Mit etwas Pech schaben dann diese Teile bei heftigeren Schalldrücken irgendwann auch mal am Gehäuse, was man durchaus auch hören könnte. Dieser Fehler ist beim Test natürlich nicht aufgetreten, aber wirklich abwegig ist das nicht, weil ich es schon mal an einem Arctic-Headset hatte.

 

Bevor wir aber nun zum eigentlichen Test in der Praxis kommen, noch schnell einmal alle Daten und Herstellerangaben in tabellarischer Form:

Kopfhörer
Frequenzbereich: 20 – 20000 Hz (Herstellerangabe ohne Angabe des Toleranzbereiches)
Impedanz: 32 Ω
Empfindlichkeit bei 1 kHz: 103 dB ohne Angabe der Bezugsgröße
Lautsprecher Durchmesser: 40 mm Neodym
Mikrofon
Gemessener Frequenzbereich: 50 – 10000 Hz
Empfindlichkeit bei 1 kHz: -40 dB ± 2 dB
Signal-Rausch-Abstand: Keine Angabe
Impedanz: 2.2 kΩ
Sonstiges: Abnehmbar, Popschutz
Anschlüsse
Kabel 1x 3,5-mm-Klinkenstecker (TRRS) 110 cm
2x 3,5-mm-Klinkenstecker (Kopfhörer, Mikrofon)
Kabel-Kontrolleinheit mit Lautstärkeregler und Mute-Funktion
Textilummantelte Kabel

 

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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