Kühlung Lüfter Testberichte

Razer Kunai Chroma 120 mm Gehäuselüfter im Test – Hoffnungslos überteuert, dafür ohne Saft und Kraft

Der heutige Test wurde von vielen Lesern nicht nur angefragt, sondern fast schon mit Nachdruck eingefordert. Also habe ich das Teil für immerhin fast 40 Euro gekauft und war genauso geschockt wie die meisten, die sich über das Produkt so lautstark beschwert hatten. Ein Lüfter, dessen UVP bei ca. 43 Euro liegt und der am Markt kaum für deutlich unter 40 Euro zu bekommen ist, setzt sich ja über den Preis bereits selbst extrem hohe Maßstäbe, die er erst mal erfüllen muss. Dass am Ende trotz der üblichen Leuchtkraft kaum mehr Kühlperformance als bei einem 5-Euro-Lüfter auf der Haben-Seite steht, ist nicht nur deprimierend für den Käufer, sondern wirklich deklassierend fürs Produkt. Zumal er auch die nur halb so teure Referenz nicht schlagen kann.

Hauptsache bunt? Scheinbar schon, aber ich bin echt angefressen. So etwas darf man für diesen Preis einfach nicht bieten, zumal die Verpackung in Bezug auf die Leistungsdaten den Angaben auf der Homepage komplett widerspricht. Vor allem, wenn am Ende beides nicht so recht stimmt. Ein Lüfter, der in manchen Situationen selbst zum Stehen schon 100 Meter Anlauf braucht, ist für 40 Euro und mehr echt ein NoGo. Und da wir ja nicht nur schimpfen, ohne das alles auch belegen zu können, empfehle ich allen, unsere Odyssee über alle Seiten des Test zu verfolgen. Wenn es diesmal ausnahmsweise keine Produktempfehlung ist, dann kann man doch aus so einer Nicht-Kauf-Empfehlung auch so Einiges lernen. Zum Beispiel die Weisheit, dass sich Radiatoren von LEDs nicht beeindrucken lassen und selbst gute OEMs nur das liefern, was der Abnehmer, in dem Falle Razer, auch bezahlt.

Wer es glaubt…

Die Lüfter kauft Razer bei Power Logic ein, einer taiwanesischen Firma mit der Werkbank in China. Power Logic kann richtig gute Lüfter und ist für viele Kunden eine wirklich gute Adresse, es sei denn, man übt sich in Cost-Down. Der Verzicht auf einen klassischen Frame ist ein ärgerlicher Design-Stunt, der zwar optisch ganz nett ist, aber die Performance mit Ansage so negativ beeinflusst, dass schon der Anblick des gerade ausgepackten und noch nicht angeschlossenen Produktes Böses erahnen lässt. Dabei liegt Lüfter mit seinen 25 mm Dicke genau in der Norm, was ihn natürlich am Ende auch vergleichbarer macht. Insgesamt 7 sehr breite Rotorblätter werden allerdings etwas schneller drehen müssen, um den durch den Leuchtring reduzierten Innendurchmesser des Frames zu kompensieren. Irgendwie. Doch dazu kommen wir gleich noch, auch zu den Spaltmaßen, die man von Power Logic kennt.

Der transluzente Leuchtring beherbergt die einzeln ansteuerbaren RGB LEDs, der Rotor ist unbeleuchtet. Der Anschluss erfolgt wie gewohnt über einen 4-Pin PWM-Stecker und den 5V-RGB-Stecker. Also bitte nicht mit Gewalt auf die 12V-RGB-Header der Mainboards prügeln, das geht definitiv schief. Die Kabelherausführung der immerhin drei Flachbandkabel ist ebenfalls analog zu den meisten anderen Lüftern gelöst und stellt somit kein Hindernis dar. Man kann die RGB-Preci-Dips wenigstes kaskadieren, auch wenn die Menge der Kabel bei bis zu acht Lüftern eher lästig ist.

Immerhin, es leuchtet. So wie vergleichbare Lüfter eben auch. Und braucht noch nicht mal einen proprietären Controller bzw. Hub dazu. Das wiederum ist praktisch, hält aber auch die Effektzauberei in Grenzen. Es hat also alles Vor- und Nachteile

Die Rückansicht ist unverdächtig, auch wenn die fetten Streben dem Airflow sicher nicht sonderlich schmecken werden und man auch bei den Geräuschen später noch darauf achten sollte.

Man setzt erstaunlicherweise auf eines der üblichen hydro-dynamisches Gleitlager, die bei Power Logic durchaus auch taugen können. Mehr wäre bei diesem Preis aber sicher drin gewesen, nur es fügt sich leider ins Gesamtbild ein, dass man hier sehr viel Geld viel bezahlt und dafür etwas weniger bekommt.

Getragen wird alles von einem runden, schwarzen Rahmen, der optisch auf den ersten Blick keine Geheimnisse verbirgt, jedoch nicht bündig an den Auflageflächen abschließt und damit z.B. auf Radiatoren zum Versagen führen muss. Nicht alles, das schön anzusehen hat, muss auch der Funktion zuträglich sein. Das ist aber eigentlich schon lange bekannt. Wir sehen auf dem unteren Bild sehr deutlich, was mit einem Teil der auf den Radiator gepressten Luft passiert. Bei Lautsprechern wäre das z.B. ein akustischer Kurzschluss beim Bass. Wer es nicht glaubt: einfach mal die sinnlosen Öffnungen temporär mit Knete verstopfen und die Performance steigt sofort! Optischer Spielkram also.

Der PWM-geregelte Lüfter schafft ein gemessenes Drehzahlband von 0 bis bis 2200 U/min und setzt dabei auf einen Fan-Stop. Bei einer PWM Regelung geht der Lüfter also aus, was aufgrund der Lautstärke nicht ungelegen kommt. Geliefert wird der Lüfter samt der vier M5-Schrauben und alternativer Gummi-Nippel. Die Entkopplung zum Gehäuse erfolgt über Gummihülsen, die jeweils in die vier Löcher eingepresst wurden. Da die Enden leicht überstehen, funktioniert das sogar mit den M5-Schrauben noch recht ordentlich.

Die Spaltmaße von 1,7 bis maximal 1,9 mm zwischen Rotor und Frame sind Power-Logic-typisch gut und Oberflächenbearbeitung ist nicht zu beanstanden, auch wenn im Inneren des Leuchtrings die 18 LED so aufgelötet wurden, dass man dunkle Absätze sieht. Die Leistungsaufnahme fällt bei vollen Drehzahlen mit 3,36 Watt (Messung) für den Lüfter (ohne RGB) relativ hoch, aber noch nicht zu extrem aus. Aber zu den ganzen Details komme ich gleich noch, denn dazu gibt es einen extra Absatz.

 

Formfaktor 120 mm
Stärke 25 mm
PWM Ja
RGB aRGB (Außenring)
Entkoppelt Ja
Farbe Frame Schwarz
Akzentfarbe Keine
Farbe Rotor Schwarz
Gewicht in g 182 Gramm
min. Drehzahl 0 U/min
max. Drehzahl 2200 U/min
Volumenstrom m3/h 110.4
Volumenstrom CFM 65.5
statischer Druck mmH2O 2.47
Schalldruck dBA 35 dBA
Life Time hrs 60.000

Auf der nächsten Seite seht Ihr zunächst, wie und was wir testen und warum. Das Verständnis der Details ist ungemein wichtig, um später die Ergebnisse auch objektiv einordnen zu können. Die Unterschiede zwischen vielen Modellen stecken nämlich eher im Detail und DEN besten Lüfter für alle Situationen kann es eigentlich nur schwerlich geben. Es gibt in jeder Situation ein gewisses Optimum und natürlich auch gute Allrounder. Doch die haben meist so ihren Preis. Wer ganz konkret z.B. mit 60-mm-Radiatoren plant, kann aber vielleicht auch Geld sparen, indem er sich für seinen Einsatzzweck das beste Modell wählt, das vielleicht als Gehäuselüfter gar nicht so gut abschneidet. Und vice versa natürlich.

 

Kommentar

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Pascal Mouchel

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Ich muss ehrlich sagen das war mit Abstand der schlimmste Lüfter denn ich bis Dato in der Box hatte.

Selbst der Wingboost 3 der eine Gurke war hat besser Performance gezeigt wie der Razer Kunai.

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ssj3rd

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Hier reicht es ja quasi schon die Überschrift zu lesen, ohje…

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Martin Gut

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Auch als Gehäuselüfter kann das Probleme machen. Bei Silent-Gehäusen mit etwas engen Lufteinlässen und Staubfilter muss man den Lüfter rund herum auch abdichten, damit er nicht nur eigene Luft aussen herum wieder ansaugt. Luft interessiert sich leider nicht für unsere geplante Luftführung sondern nimmt den bequemsten Weg.

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Igor Wallossek

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Luft ist fieser als Wasser, nur meist unsichtbar :D

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Denniss

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Design vor Funktion geht selten gut. Dazu gepaart mit einem absurden Preis.
An eurer stelle würde ich das "Not Approved" aber komplett in Rot machen.

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ApolloX

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Schöner Titel, ich nehme euch beim Wort ;-)

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Martin Gut

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6,158 Kommentare 2,515 Likes

Das Verhalten von Wasser spüren wir im Alltag immer wieder. Damit kennen wir uns aus. Die Luft spüren wir kaum und sehen sie nicht. Das Gespür für Aerodynamik fehlt uns deshalb weitgehend. Da sind uns die Vögel immer noch weit voraus (wie diese jungen Kohlmeise).

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G
Guest

Das war leider zu erwarten, danke für diese "Offenbarung" @Pascal Mouchel und @Igor Wallossek
Und wie versprochen habe ich auch gleich mal 15€uronen gespendet.
Und dann frage ich mich nur noch, wie die das mit ihrer 319,-€ teuren AIO erklären, auf denen diese Lüfter zum "Einsatz" kommen.
So übel daneben, wie die Angaben auf dem Datasheet zur Realität sind, ist schon echt verwegen.

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ipat66

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767 Kommentare 632 Likes

….oder einfach das sehr kurze und verständliche Video anschauen !
Was ein fröhlicher Auftakt in den Tag...:)
Danke Pascal.

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Thy

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1,842 Kommentare 743 Likes

Da bewahrheitet sich mal wieder der alte Spruch: "Form should follow function." Wenn nur das Marketing nicht wäre, was alles schön bunt, leuchtend und funky-designed haben möchte, auch wenn es die Funktion stört. Die Hauptfunktion eines Lüfters ist doch, wie es der Name schon andeutet, Luft zu bewegen und das möglichst effektiv und nicht, wie ein Weihnachtsbaum zu leuchten und stylish auszusehen.

Ich bleibe bei meinen beige-erdfarbenen Lüftern der alpenländischen Marke, da weiß ich, was ich habe.

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R
Random Horst

Mitglied

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Schon erschreckend, aber leider (offenbar) bezeichnend für Razer.
Die Produkte haben bei mir keinen guten Eindruck hinterlassen. Nach dem dritten Maustastendefekt innerhalb von 6 Monaten gab es dann keine Naga Maus mehr.
Einmal ist keinmal. Zweimal ist echt unglücklich, aber dreimal ein "Montagsprodukt" spricht eher für eine (sehr) schlechte Qualität bzw. geringen Anspruch an die eigenen Produkte und rechtfertigen die preisliche Oberklasse nicht.

Gibt es eigentlich eine Datenbank für die ganzen Lüftertests, die man einsehen darf?
Wäre interessant beim nächsten Um-/Neubau mal gezielt nach einem für den Einsatzzweck optimierten Lüfter schauen zu können. :)

So halte ich es auch aktuell. (y)

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P
Pokerclock

Veteran

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Razer glaubt schon lange Apple zu sein, nur eben mit weniger Haptik, Image und Kriegskasse. Als nächstes kommen von denen auch RGB.Fanzy-beleuchtete Rollen für 850 € und Monitorständer für 1.100 €.

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Denniss

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1,199 Kommentare 363 Likes

Hatte von Razer mal so ne supertolle Gaming Maus (geschenkt bekommen). War eigentlich nicht schlecht von der Haptik und Funktion aber wenn da nach etwa 2 Jahren die Maustaster anfangen zu spinnen ist das nicht so schön für die scheinbar damals schon teuren Teile.
Einzig das Alu-Mauspad habe ich noch aber selbst da waren nach etwa 2 Jahren die kleinen antirutsch-Gummimatten hin/lose/weg. Mit kleinen Gummifüßen lässt sich sowas aber beheben.

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Pascal Mouchel

Moderator

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Bissel Spaß muss sein aber das hat gepasst mit dem Spruch

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D
Deridex

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Ich hätte nicht mit diesem Ergebnis gerechnet.

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Pascal Mouchel

Moderator

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Vielen Dank für die Spende da freut sich der Chef 😊

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D
Dezor

Veteran

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Was für eine Luftpumpe. Also genau genommen Nicht-Luftpumpe.

Falls ich mir noch einen Test wünschen darf: Ich plane eine aktive Lüftung für mein Schlafzimmerfenster und habe da den Arctic F12 im Blick, den es beispielsweise bei der Gedankenfabrik im 5er Pack für gut 3€/Lüfter gibt. Bei meinen Eltern werkeln davon 18 Stück ausblasend im Kellerfenster und sorgen effektiv für einen kontinuierlichen Luftaustausch im Raum. Die Frage die sich mir stellt: Was ist die günstigere und effektivere Lösung, F12 oder P12? Also was von beiden bewegt mehr Volumen im Betrieb ohne Gegendruck?

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Igor Wallossek

Format©

7,953 Kommentare 13,674 Likes

Mach mal ein paar Bilder vom Kellerfenster der Eltern! Das wäre doch mal was für einen Praxis-Test (voller Ernst) :D

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D
Dezor

Veteran

476 Kommentare 201 Likes

Hier ist ein Bild aus der Bauzeit, mehr habe spontan nicht. Mittlerweile ist das rechte Fenster auch bestückt und der Rand außen mit Gaffatape abgeklebt. Da sowieso ein Vorhang davor hängt, ist die Optik sch**egal, nur die Funktion ist wichtig. Und die ist gegeben.

Wenn niemand im Keller ist, wird das ganze herausgenommen und das Fenster wird zu gemacht. Und außen ist noch ein Fliegengitter hinter Metallgitter. Das schützt vor Insekten, insbesondere größeren mit 8 Beinen.

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Danke für die Spende



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Igor Wallossek, Pascal Mouchel

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