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Greift AMD jetzt nach der Krone? Radeon RX 6900 XT 16 GB im Test mit Benchmarks und einer Technikanalyse

Zusammenfassung der Gaming Performance: Rasterization

Je nach Auswahl und Zusammenstellung der Spiele liegen die Radeon RX 6900 XT und die GeForce RTX 3090 FE mehr oder weniger eng beisammen. In WQHD sind es in diesem Fall nur wenige Prozent Vorteil für die NVIDIA-Karte, der aber auch größer oder kleiner hätte ausfallen können. Es sind aber trotzdem stets weniger als 5 – 7 Prozent, wenn man die AMD-Spiele herausrechnen würde. Und dann gibt es ja auch noch SAM. Vor allem niedrigeren Auflösungen und wenn man eher in CPU-Flaschenhals driftet, kann dieser smarte Speicherzugriff fast schon Wunder bewirken.

Es kann in einem Spiel einschlagen wie eine Bombe, aber in anderen Spielen auch fast nichts bringen, wenn es gar nicht benötigt wird. Aktiviert man SAM und normalisiert die Ergebnisse, dann legt die Radeon RX 6900 XT  ordentlich zu und der Zuwachs durch SAM beträgt im Durchschnitt so um die 5 Prozent. Auch hier gilt die Einschränkung, dass es immer auf die Auswahl der Spiele ankommt, ob und wie AMD einen Vorteil aus SAM ziehen kann, denn es schwankt zwischen keinem und bis zu 12 Prozent Zuwachs, je nach Anwendungsfall.

Die Auswertung mit der GeForce RTX 3090 FE zeigt, dass deren Vorsprung nicht einmal drei Prozent beträgt, also fast nichts. Es ist gut, dass AMD der Versuchung widerstanden hat, dass per Brechstange und eine höhere Leistungsaufnahme zu kompensieren. Über 50 Watt weniger sind da eine deutlich eindrucksvollere Ansage als die erzwungene Leistungskrone.

Geht man auf Ultra-HD, dann sieht man erstaunliche Dinge, denn die Radeon RX 6900 XT fällt auch mit SAM deutlicher hinter eine GeForce RTX 3090 FE zurück. Das lässt sich auch in Einzelspielen gut beobachten und es stellt sich die Frage, ob die Radeon in UHD stärker einbricht, oder die GeForce in QHD eher gehandicapt war. 

In Prozenten liegt hier die GeForce RTX 3090 FE sogar noch weiter vor der RX 6900 XT als in WQHD, denn es sind nunmehr über 8 Prozent. Das ist noch kein Drama, aber doch spürbar.

Uns bleibt als Erkenntnis, dass es zwischen der Radeon RX 6900XT und der GeForce RTX 3090 FE bei der Performance nur einen kleinen Nachteil für die Radeon-Karte gibt, der aber ohne SAM sicher etwas größer ausgefallen wäre. Da dieses Feature quasi nichts kostet (außer es zu implementieren), haben auch NVIDIA und Intel bereits angekündigt, die Resizeable BARs in Zukunft und in eigener Interpretation ebenfalls nutzen zu wollen. Einmal mehr bedauerlich ist es, dass SAM nur auf den aktuellen Zen3-CPUs in Verbindung mit den B550- oder X570 Motherboards und einigen aktuellen Intel CPUs mit Z490-Motherboards laufen kann, obwohl es technisch sicher auch anders und vor allem auch Generationen-übergreifender lösbar gewesen wäre. Das ist schade, aber es würde mich nicht wundern, wenn es hier noch weitere Upgrades geben wird.

Die RX 6900 XT ist am Ende im oberen Bereich im Kampf um die Leistungskrone zwar nicht die allerschnellste, dafür aber die vernünftigste und effizienteste Interpretation, wenn es um die Leistungsaufnahme geht.

Zusammenfassung der Gaming Performance: DXR

Kommen wir nun zum Raytracing. Um auf den Radeons zumindest Frameraten mit 60 FPS und besser zu erreichen, muss man die Auflösung oder die Qualität der Effekte meist doch etwas einschränken. Um aber auch optisch ein Urteil fällen zu können, sollte man es bei den Effekte trotzdem nie zu niedrig einstellen. Genau deshalb habe ich auch nur in 1080p getestet. Hier vermisst man generell und sehr schmerzlich Dinge wie DLSS 2.0. die die Strahlen-Show hätten beschleunigen können. AMD ergeht es mit den RX 6000er Karten gefühlt wie NVIDIA vor 2 Jahren mit Turing: schöner sterben im Spiel, dafür aber in Zeitlupe.

Ja, es geht durchaus auch mit DXR und wenn man die Settings nur weit genug reduziert, dann auch im spielbaren Bereich, vor allem eben auch bei der Radeon RX 6900 XT. Aber so richtig überzeugend ist es immer noch nicht, wenn dann selbst eine GeForce RTX 3070 ohne DLSS der RX 6900XT im Nacken sitzt. Ich habe bewusst ein altes Spiel, ein etwas neueres und ein ganz neues Spiel getestet – es war stets die gleiche Problematik. Ohne DLSS wird man derzeit mit Raytracing sogar bei NVIDIA nicht vollumfänglich glücklich, wenn man in WQHD oder sogar Ultra-HD spielen möchte. Mit den Radeon-Karten gehen diese Auflösungen meist nur noch im Schneckentempo.

Auch hier noch einmal alles in Prozenten mit der GeForce RTX 3090 als 100-Prozent-Marke. SAM kann bei der RX 6900 XT  nicht mehr so sehr helfen und es sind  mit SAM ca. 1.7  Prozent mehr als ohne. Aber man liegt sogar in 1080p mit der RX 6900XT fast 26 Prozent hinter der RTX 3090 FE zurück. Da wird sich AMD noch einmal dransetzen müssen, denn wirklich performant ist das noch lange nicht.

Ich weiß nicht, ob es nur eine Täuschung der Sinne war, aber rein subjektiv hatte ich, vor allem in Metro Exodus (Kampagne) in geschlossenen, dunklen Räumen mit vielen kleinen Lichtquellen das Gefühl, dass beim DXR-Ergebnis der Radeon-Lösung etwas fehlte bzw. die Effekte etwas einfacher ausfielen. Auch manche Reflexionen und Schatten waren nicht völlig identisch, obwohl gerade die Funktion des Raytracings als solches dies eigentlich impliziert hätte.  Control sah etwas besser aus und vor allem in Watch Dogs Legion hat die Optik leicht zulegen können. Ob überhaupt etwas und wenn doch, was genau fehlt, müsste man noch einmal im Detail testen, denn dafür blieb, wie fast immer, leider keine Zeit mehr.

Performance im Produktivbereich

Wer hier die passenden Tests vermisst, dem muss ich, bei aller Euphorie über die Gaming-Performance, erst einmal eine kleine Ernüchterung nachreichen. Ich war froh, dass mit dem dritten BIOS des Motherboards die Gaming-Tests auch mit SAM und UEFI-only stabil und fehlerfrei liefen. Dazu hatte ich ja bereits einen extra Artikel. Allerdings möchte ich hier nicht den Stab über die neuen Karten und manche Probleme mit dem Unterbau brechen, die oft genug auch unter den noch nicht ganz perfekten Treibern leiden.

Wenn wieder etwas Luft ist, werde ich natürlich auch AMDs ProRender in Blender testen und vielleicht auch einmal einen Qualitätsvergleich der Ausgaberesultate mit CUDA, OptiX und der CPU machen. Aber die liebe Zeit…

Zusammenfassung und Fazit

Abseits von der bereits erfolgten Bewertung der Performance bleibt erneut ein sehr positiver Eindruck von der technischen Umsetzung der neuen Radeon-Karten im Referenzdesign. Eine sehr gut bestückte und designte Platine trifft hier auf einen sehr effizienten Chip, der die Überlegenheit der Fertigung bei TSMC einmal mehr belegt und sich zu behaupten weiß. Die Lastspitzen bei der Leistungsaufnahme sind bei den Radeons ein deutlich kleineres Problem und sollten auch einfachere Netzteile nicht vor unlösbare Probleme stellen. Dazu kommt das sympathische LC-Filter im Eingangsbereich, das man nicht genug loben kann.

Die Kühlperformance und die damit verbundene Geräuschentwicklung sind sehr gut. Die Radeon RX 6900 XT mit einer UVP von 999 Euro ist sicher eine interessante Offerte, muss aber über die Verfügbarkeit erst noch beweisen, dass man hier kein reines Halo-Produkt für Lisas Galerie vorgestellt hat. Die Effizienz ist gegenüber der ohnehin schon guten RX 6800 XT noch einmal gestiegen, was aber im Gegenzug auch auf eine sehr strikte Selektierung der Chips hinweist. Ob so etwas dann massentauglich ist, muss sich ebenfalls erst noch zeigen.

Sie ist aber derzeit für reine Gamer eine gute und vor allem sparsamere Alternative zur GeForce RTX 3090, die sie zwar in der Summe nie überholen, mit SAM jedoch im Nahfeld ordentlich ärgern kann. Das geht aber nur solange gut, bis DXR ins Spiel kommt. Auch das ist noch mit der Radeon RX 6900 XT nutzbar, aber man muss mangels einer DLSS-Alternative und wegen der geringeren RT-Leistung schon deutliche Einschnitte akzeptieren. Wen das alles nicht berührt, weil er seine Prioritäten in der reinen Rasterization sieht, der kann hier bedenkenlos zugreifen, wenn es denn die Verfügbarkeit überhaupt hergibt.

Wegen der ganzen Unwägbarkeiten, auch beim Feature-Set vergebe ich für die RX 6900 XT keinen expliziten Kauftipp, wohl aber den Performance-Booster, denn diese Karte ist wirklich schnell und dabei auch günstiger und deutlich effizienter als das Mitbewerberprodukt. Bleibt unterm Strich das Fazit, dass AMD endlich wieder aufgeschlossen hat. Technisch gesehen, hat AMD also bis auf DXR richtig prall geliefert. Jetzt muss das mit dem Liefern auch noch im Handel klappen und es bleibt auch die einzig wahre Unbekannte.

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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