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Grafikkarten-Probleme bei EVGA trotz Firmware-Update – Marketing vs. technische Vernunft

Ich gebe zu, der Titel klingt schon etwas martialisch, aber man muss sich das alles schon einmal auf der Zunge zergehen lassen. Denn all das, was EVGA proprietär mit der nunmehr dritten ICX-Generation mehr oder weniger sinnvoll an Sensoren platziert und auswertet, ist technisch gesehen mittlerweile nicht nur überholt, sondern auch so ungenau, dass man den Sinn des Ganzen wirklich hinterfragen muss. Dabei waren die ersten Schritte im Jahr 2017 wirklich sehr vielversprechend und vor allem notwendig , da es kaum Überwachungsmöglichkeiten bestimmter Komponenten gab und man das alles natürlich auch sehr werbewirksam verkaufen konnte. Doch die Zeit läuft weiter und genau da liegt das Problem. Doch fangen wir erst einmal in der Jetzt-Zeit an…

Dass mir EVGA natürlich keine der potentiell betroffenen Karten als Testmuster schickt, ist sicher nachvollziehbar, aber für so etwas gibt es ja auch die Community und treue Leser rund um den Globus. Informationen und Nachtests lassen sich so natürlich verzögern, aber eben auch nicht ausschließen. In diesem Fall geht mein Dank sogar bis nach Brasilien (!), denn die neuen Erkenntnisse sind durchaus interessant. Gut auch, dass HWInfo64 mittlerweile auch die ICX-“Sensoren” erfassen kann und so geht der zweite Dank explizit an Martin Malik, den Macher hinter dieser genialen Software. Wer noch nicht weiß, worum es geht, sei schnell noch auf die vorherigen News verwiesen:

Lese-Tipp: EVGA GeForce RTX 3080, RTX 3090 und (nicht nur) New World – wenn durch Designfehler die Grafikkarte Amok läuft

Nach dem Firmware-Update ist vor dem Firmware-Update

Mittlerweile verteilt EVGA ein Firmware für die betroffenen Karten mit dieser ICX-Hardware so dass es interessant war, erst einmal den üblichen Vorher-Nachher-Vergleich zu ziehen. Und ich hatte es ja oft genug betont, dass die sichtbaren Probleme mit der Lüftersteuerung und den utopisch hohen Drehzahlen keine Auslesefehler des Tachosignals sind, sondern primär andere Gründe haben muss. Schauen wir uns zunächst einen Screenshot mit HWInfo64 vor dem Firmware-Update an. Dass hier manche Werte anders aussehen, weil auch die Obergrenze der verwendeten Variablen eine kleinere ist, können wir dabei natürlich ignorieren. Was jedoch bedenklich stimmt, ist das, was man ab und zu unter Volllast aus den ICX-Registern auslesen kann. Die Lüftersteuerung reagiert demnach auf komplett absurde Temperaturwerte der insgesamt 9 Sensoren, obwohl solche Werte technisch unmöglich sind.

Die höchste, unter Idealbedingungen überhaupt messbare Flammentemperatur beträgt etwa 6000 °C und die Flamme einer Kerze schafft gerade einmal 1400 °C. Mit über 6.500 °C liegt das, was das System glaubt gemessen zu haben, also meilenweit daneben. Die PWM-Zahl mit 255% liegt wahrscheinlich daran, dass man hier im Programm nur ein Byte zum Speichern nutzt, der festgelegte Wert jedoch noch deutlich höher sein könnte – auch der für die Drehzahlen. Aber man sieht auch, dass in diesem Moment der Wahnsinns, die Limits der GPU erreicht worden sind. New World schafft das in den Menüs ja locker.

Und dann kam das Firmware-Update. Auf den ersten Blick sahen die Werte aus GPU-Z oder dem MSI Afterburner etwas normaler aus, aber das Aufheulen der Lüfter blieb. Zeit genug, um erneut die ICX-Sensoren abzufragen. Gleiche Last, gleiches Problem, aber etwas andere Rückgabewerte in den Registern. Nur ist das, was man jetzt auslesen kann, immer noch nicht real. Werfen wir mal einen Blick auf die neue Messung:

Der Verlauf der  Wertermittlung zeigt nette Spikes auf fast allen Sensoren, die sich in dieser Form nicht durch normale Auslesefehler erklären lassen.

Fakt ist, dass die neue Firmware im Hinblick auf die Rückgabewerte nur reine Kosmetik ist, aber das eigentliche Problem auch nicht lösen kann. Hier ist EVGA wirklich gefordert, das entweder abzustellen oder die nicht funktionierende Steuerung des ICX-Moduls abzuschalten und die deutlich besseren Werte von NVIDIA zu nutzen. Denn die gibt es mittlerweile. Wie das geht, zeige ich auf der nächsten und übernächsten Seite.

 

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Phelan

Mitglied

58 Kommentare 41 Likes

Ja eigentlich unverständlich. Zumal wir ja hier nicht von 200€ OEM Karten reden wo jeder Cent wichtig ist..

Marketing versteht blos 2 Sachen.

1. Wenns die Leute nicht kaufen
2. Wenn ihn die QS hohe Reklamationsquoten um die Ohren haut.

Also von anderen Herstellern kaufen oder
Die Karten ganz normal benutzen und bei hochdrehenden lüfter nicht "retten" oder Rücksicht darauf nehmen sondern normal weiter Spielen.
Die defekte Karte dann reklamieren.

Eigentlich sind die Amoklaufenden Lüfter ansich eine Rekla-Grund.

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konkretor

Veteran

153 Kommentare 118 Likes

Hut ab für denjenigen der so ne Kostbarkeit wie aktuell ne Graka um den halben Globus verschickt. Nicht ganz ohne Risiko.

Igor aufpassen nicht das sie dir noch mit einem Arbeitsvertrag drohen bei deinen Lösungen.

Wenn ich Brasilien höre muss ich immer an die Tante denken die dort ne Plantage hatte. Kam immer mit dem Bananen Flieger, da günstiger wie mit dem normalen Flugzeug.

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M
Martin Gut

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4,221 Kommentare 1,527 Likes

Es ist leider oft so, dass die ersten die eine fortschrittliche Lösung erarbeiten dann auf dem erreichten Stand stehen bleiben. Eine halbwegs brauchbare Lösung wird mit allen Mitteln beibehalten solange es möglich ist.

Andere die später einsteigen erarbeiten eine bessere Lösung nach den aktuellen technischen Möglichkeiten und überholen so die Pioniere von vorher.

So wundert man sich beispielsweise dass momentan die grössten Solaranlagen in China, Afrika und sogar in arabischen Ländern die genug Erdöl hätten gebaut werden. Bei uns in Europa wird dagegen praktisch nichts mehr gebaut.

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e
eastcoast_pete

Veteran

229 Kommentare 55 Likes

Wenn EVGAs Marketing Leute in Sachen thermales Management eine echte Differenzierung zur Konkurrenz suchen, könnten sie es z.B. versuchen, ihre Karten mit hochwertigen Fuji Poly Pads und anderen höherwertigen Kühllösungen auszustatten. Andere Hersteller machen das wohl zur Zeit nicht, und zumindest einige potentielle Käufer fänden sowas daher interessant - ich zum Beispiel. Arg viel teurer als die Sensoren, die sie am besten weglassen würden, wird das auch nicht sein.

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D
Deridex

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1,709 Kommentare 532 Likes

Wenn ich richtig das richtig gesehen habe und n Igor seine Bilder korrekt sind, werden hier an einem Spannungsteiler mit einem Temperaturabhängigen Widerstand analoge Spannungswerte erzeugt, welche die Temperatur wiedergeben. Und das auf einer Karte auf der >300W Leistung geschalten werden. Wenn das wirklich so ist, wundern mich die Spitzen bei den Messwerten recht wenig. Allerdings ist das nach wie vor eine Vermutung, die nur auf den Bildern vom Igor basiert.

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wild

Mitglied

15 Kommentare 3 Likes

vielen dank für die klare analyse. weiter so!

(y)

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z
zeutan

Mitglied

31 Kommentare 3 Likes

Ja, das ist tatsächlich so: die Einheiten sind andere, die Mathematik bleibt.
Schön zusammen gefasst unter:

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ssj3rd

Mitglied

32 Kommentare 11 Likes

Welche 3090 Custom gilt den zur Zeit als die leiseste? Die TUF?
Werde wohl doch von meiner FE wechseln die ab 60 Grad teilweise völlig außer Rand und Band gerät, die Lautstärke ist dann ohrenbetäubend von den Lüftern…

Evga ist für mich nach vielen Artikeln hier absolut tot und Geschichte.

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pedi

Veteran

135 Kommentare 38 Likes

ist kein wunder, dass dich EVGA aus dem verteiler geschmissen hat, so wie du in letzter zeit gegen EVGA feuerst.
alle anderen hersteller sind perfekt und natürlich fehlerfrei, ist ja logisch.
nein, ich habe keine EVGA karte, sondern eine 60,-€ Nvidia GeForce GT 710.

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Igor Wallossek

Format©

5,997 Kommentare 9,428 Likes

Andere bekommen auch Kritik, siehe MSI und die Pads. Im Übrigen besteht das auf Gegenseitigkeit, da ich seinerzeit Bedingungen wie Netzteiltests mit Schönfinden als Voraussetzung für ein Sampling abgelehnt habe. Das nur mal am Rande. So etwas hat noch nie ein anderer Hersteller versucht. 😁

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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