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Arbeitsspeicher optimieren: der RAM-OC Guide für Intel Rocket Lake und Z590 – Tipps, Tricks und Benchmarks | Tutorial

Empfehlungen und Fazit

Was wir eben in den Daten ablesen konnten, möchte ich nun nochmal in ein paar prägnante Empfehlungen für den RAM-OC mit Rocket Lake zusammenfassen, wobei mit OC natürlich auch XMP gemeint ist.

Ranks: Mehr Ranks sind immer besser, sofern man dafür keine Einbußen bei der Geschwindigkeit machen muss, Stichwort Silizium Lotterie beim IMC. Und sogar dann kann der Vorteil mehrerer Ranks schwerer wiegen als Taktvorteile von bis zu 1000 MHz. Aber das ist ja eigentlich kalter Kaffee und war schon für vorherige CPU-Generationen der Fall, wie wir in der Vergangenheit bereits zeigen konnten: Performance-Steigerung für Gamer: Single-Rank, Dual-Rank und Quad-Rank beim Speicher erklärt und verglichen | Praxis mit Benchmarks

Gearing: Wenn man nicht selbst an der Taktschraube dreht, sondern einfach nur ein XMP Profil lädt, sollte man den niedrigeren funktionieren Gear wählen. Wenn man sich aber selbst an das Einstellen der Taktrate traut, kann ein Abwägen und vielleicht sogar ein Underclocking durchaus Sinn machen, z.B. wenn man ein DDR4-3800 XMP Kit, für dessen Betieb man Gear 2 bräuchte, stattdessen eine Stufe langsamer mit DDR4-3733 mit Gear 1 betreibt. Man gewinnt dadurch einiges an Latenz und je nach Spiel oder Applikation auch bis zu ca. 5% an Performance.

Reference Clock: Wenn man eine bestimmte Taktrate erreichen möchte, bleibt einem oft keine Wahl bei der Reference Clock, denn nur die wenigsten Taktraten lassen sich tatsächlich sowohl mit 133 MHz als auch mit 100 MHz erreichen. Hat man aber die Wahl oder stellt man den RAM-Takt selbst ein, empfiehlt sich die Reference Clock 133 MHz. Denn damit kann man bei selben Takt mit einer niedrigeren QLCK Ratio auskommen und somit die Belastung auf den IMC reduzieren.

SA (System Agent) Voltage: Während bei vorherigen Generationen oft die Devise galt „Viel hilft viel!“, benötigt der neue Rocket Lake IMC einige hundert mV weniger System Agent Spannung für den selben RAM Takt. So liegt hier ideale Bereich in meinen Tests bei 1,25 – 1,3 V, sogar für RAM-Taktraten jenseits der 5 GHz. ASRock löst dies gut im BIOS des Z590 PG Velocita mit einer maximalen Auto SA-Spannung von 1,28 V. Sollte es bei anderen Board-Herstellern mal etwas mehr sein und das Board nicht posten, empfiehlt sich sogar ein manuelles heruntersetzen der SA Spannung in den eben genannten Bereich.

VCCIO Memory Voltage: Diese Spannung ist neu bei Rocket Lake und wurde aus der SA Spannung vorheriger Generationen ausgegliedert. Das POST- und Memory Training-Verhalten kann man damit zwar nicht beeinflussen, aber ein Anheben der Spannung kann helfen, um einen RAM OC für Stresstests und den täglichen Gebrauch zu stabilisieren. Aktuell ist aber das Auslesen dieser Spannung mit Software Tools wie HWinfo noch nicht möglich.

VCCIO Voltage: Diese Spannung hatte auf RAM-Übertaktungen in meinen Tests keinen Einfluss. Bei vorherigen Generationen konnten mit dieser Spannung höhere Taktraten beim Cache bzw. Ring der CPU stabilisiert werden, aber da wir diesen Teil der CPU im heutigen Test beim Standard 4 GHz Takt belassen haben, erübrigt sich das. Unabhängig davon, wird bei meiner speziellen CPU der Cache-Takt ohnehin zuerst durch die Kernspannung limitiert.

Wie ich zwischen den Zeilen schon erwähnte, ist das heute getestete DDR4-4000 des Mainstreams bei weitem nicht das Limit an RAM-Takt für Rocket Lake. Ganz im Gegenteil, Intel hat beim Speichercontroller wohl sogar größere Schritte nach vorne gemacht als bei den CPU-Kernen. Und so lassen sich mit dem richtigen RAM-Kit und einem 2-DIMM Mainboard sogar problemlos Taktraten jenseits von DDR4-5000 betreiben.

Mit dem ADATA XPG D50 Spectrix Xtreme 4800 CL19 Kit, das wir vor kurzem im Test hatten, lässt sich sogar DDR4-5600 mit Timings 22-30-30-50 betreiben, und das wohlgemerkt ohne Hacks in Windows und mit relativ moderaten 1.65 V RAM-Spannung. Wenn man nun noch bedenkt, dass die Z590 Plattform und ihre BIOS-Versionen noch in den Kinderschuhen stecken, kann man gespannt in die Zukunft blicken. 

Umso mehr hat es mich als Enthusiast erfreut, dass ASRock mit dem angekündigten Z590 OC Formula wieder nach der absoluten Speerspitze beim RAM-OC mit der neuesten Intel Plattform greifen wird. Passend dazu haben diverse Arbeitsspeicher-Hersteller auch schon weitere Single- und Dual-Rank Kits mit Hynix DJR ICs und XMP-Taktraten von über DDR5-5000 angekündigt. DDR5-Taktraten und Timings mit DDR4 schon heute, Rocket Lake macht’s möglich!

Das Motherboard wurde uns von ASRock unverbindlich zu Verfügung gestellt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es erfolgte zudem keine Einflussnahme auf die Tests und deren Ergebnisse.

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FritzHunter01

Moderator

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Hallo Xaver,

mega geiles Review! Vielen Dank im Namen der Community für die investigative Arbeit!
Etwas überrascht war ich schon, dass der 3200 MHz CL14-14-14-36 hier so extrem gut abliefert. Klar, die Timings sind sehr wichtig, aber das es so einen Unterschied macht, das hatte ich nicht auf dem Schirm...

Aber gut zu wissen, denn 3200 CL14 bekommt man "noch" recht günstig. Warnung an alle, die Preise für Ram werden weiter steigen, somit solltet ihr jetzt zuschlagen!

MfG
Fritz

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B
BloodReaver

Mitglied

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Hallo,

Sehr interessantes Review! Auch von meiner Seite vielen Dank. Vor allem so rasch nach release :)

Eine Frage, mein 11900K sollte morgen bei mir Zuhause ankommen. Bereits im Februar habe ich mir das Ramkit F4-4000C16D-32GTZR bestellt.
Einfach aus dem Grund, dass ich nicht das Risiko eingehen wollte am Ende noch auf den Ram zu warten aufgrund der aktuellen Situation.

Was würdest du empfehlen - den Ram mal im XMP Profil (Gear 2) einzustellen oder ihn mit 3733MHZ (Gear 1) mit etwas schärferen Timings zu betreiben?
Welche Programme würden sich da am besten eignen - dies mal zu testen? Sorry was Ram-OC angeht weiss ich wo der XMP Button ist, mehr nicht :D

Mainboard ist das MSI MEG Z590 ACE.

Danke im Voraus :)

Gruss

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FritzHunter01

Moderator

214 Kommentare 140 Likes

Aus dem Artikel geht klar hervor, dass Timings wichtiger sind als MHz...

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skullbringer

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Ganz so einfach ist es leider nicht, da sich wirklich jede Applikation und jedes Spiel anders verhält bzgl. seiner Vorlieben an RAM und CPU. Für solche, die niedrigere Latenzen eher bevorzugen wäre natürlich ein Underclocking sinnvoll, etwa auf 3733 CL14, andernfalls würde 4000 CL16 im Gear 2 mit höherer Latenz aber auch höherem Durschsatz besser performen.

Da dein Kit F4-4000C16D-32GTZR aber Dual-Rank ist hast du damit schon einen Vorteil beim "Multitasking", wodurch sich ein Großteil des Latenznachteils von Gear 2 egalisieren würde.

Meine Empfehlung: Mit dem XMP Profil solltest du in jedem Fall 95% der Leistung aus dem Kit bekommen. Wenn dir die restlichen 5% an Leistung auch noch haben möchtest, hilft nur benchmarken und selber messen, für genau die Games oder Applikationen, die du eben nutzt.

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B
BloodReaver

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B
Bambina

Mitglied

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So ganz erschließt sich mir der Sinn (oder Unsinn ?) des neuen Speichercontrollers der 11xxx CPUs noch nicht. Auf der Vorgängerplattform lief doch auch Speicher schneller als 3733 MHz noch im 1:1 (gear1 ) modus, auch wenn es da noch nicht so hieß. Oder liege ich da falsch?

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skullbringer

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143 Kommentare 122 Likes

Im Prinzip stimmt das schon, aber der IMC seit Skylake war relativ groß (physikalisch auf dem Package) und ineffizient. Um Platz und Powerbudget für die neuen größeren Cypress Cove Kerne zu schaffen, musste Intel ja eh schon 2 Kerne abschneiden und den IMC kam jetzt eben auch unters Messer.

Da passt die Analogie mit dem Automobil wieder, Stichwort "Downsizing" - Verbrauch und Platz sparen und mit technischen Innovationen dann die Leistung mindestens wieder auf das vorherige Niveau steigern.

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Bambina

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52 Kommentare 21 Likes

Okay. Ich sehe es trotzdem als Rückschritt, da läßt man einen Teil der Performance durch die neuen Kerne wieder liegen. Ein Schitt vor, ein halber zurück.

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B
BloodReaver

Mitglied

24 Kommentare 7 Likes

Moin moin,

Hab mein System zusammengebaut. Als erstes hab ich mal einen Aida64 Benchmark gestartet. Was sagst du über die Werte?
Hab halt leider nur die Trial version.

View image at the forums

Grüsse & schöne Ostern :)

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skullbringer

Veteran

143 Kommentare 122 Likes

Knapp 60 GB/s Read sind für DDR4-4000 XMP Plug-and-Play schon ziemlich gut. Lass dich von dem etwas höheren Latenz-Wert nicht beunruhigen, denn der Test reagiert ziemlich sensibel auf andere Hintergrund-Prozesse. Und den Vorteil von Dual-Rank könntest du bei AIDA64 eh nur im Copy-Test sehen.

Besseren DDR4 als diesen 4000 CL16 DR B-Die gibt's momentan nicht auf dem Markt, also alles richtig gemacht! 👍

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Xaver Amberger (skullbringer)

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