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High-End-Soundkarte im Test: Kann die EVGA NU Audio im Labor neue Maßstäbe setzen? | igorsLAB

Man kann bei null anfangen und sich mühsam freistrampeln oder man setzt auf langjährige Kompetenz, die man zielgerichtet einkauft. EVGA hat aus gutem Grund Letzteres getan und zusammen mit Audio Note die EVGA NU Audio als Steck-Soundkarte auf den Markt gebracht, die nicht kleckern, sondern klotzen will. Das merkt man dann auch ganz schnell am Preis, denn der der Einstieg liegt hier bei etwas über 285 Euro, noch. Das ist eine Menge digitales Holz, dessen Gegenwert dann aber auch stimmen muss. Aber genau dafür habe ich ja das Labor.

Apropos Audio Note. Das 1991 in UK gegründete Unternehmen blickt mittlerweile auf eine interessante Geschichte zurück, denn man ist bis heute auch den Verstärkerröhren treu geblieben und hat es geschafft, über Jahre immer wieder Trends zu setzen und trotzdem auch Traditionen zu bewahren. Aber keine Angst, die NU Audio ist natürlich zu 100 Prozent röhrenfrei und doch nicht ganz ohne, denn es wird nur das verbaut, was es auch Wert ist, da drauf gelötet zu sein.

Das sind jetzt auch keine PR-kompatiblem Vorschusslorbeeren, sondern nur ein kleiner Vorgriff auf mein Tear-Down, dass ich wie immer gemacht habe. Womit ich schon beim Auspacken angekommen wäre, denn die Box ist ja schnell geöffnet, wenn einen die Neugier umtreibt. Und genau da geht es jetzt weiter.

 

Lieferumfang und Äußeres

Packt man die Soundkarte aus, dann findet man zusätzlich noch einen Cinch-Klinke-Adapter für den Line-Out und einen Klinken-Adapter von 6,3 auf 3,5 mm für den Kopfhörer-Ausgang. Den werden wohl auch die meisten brauchen, wenn sie den Kopfhörer einstöpseln wollen. Einige kleine Hinweisblätter runden den Packungsinhalt ab, der Rest muss heruntergeladen werden, denn ohne Treiber ist der Kopfhörerausgang saft- und kraftlos.

Ja, die Software benötigt man und sie updatet auch die Firmware automatisch. Das ist an und für sich sehr löblich, allerdings hat mir genau dieses Firmware-Update zusammen mit dem Mai-Update von Windows 10 etwas Kummer bereitet, weil danach z.B. der Audio Analyzer von Right Mark nicht mehr lief. Wobei es noch zu klären wäre, ob es nun an der Testsoftware oder der Kombination aus Treiber, Software und Windows liegt. Der Funktionalität der Soundkarte tut es natürlich keinen Abbruch, aber ich kann bei den Messungen später nur die Zahlenwerte vorm Update ausweisen. Die deutlich wichtigeren Messungen mit dem Oszilloskop haben natürlich funktioniert.

Bei der NU Audio von EVGA handelt es sich auf den ersten Blick um eine vermeintlich “normale” PCIe-x1-Steckkarte. Im Detail betrachtet sieht man jedoch, dass die drei 12-Volt-Anschlüsse im Slot nicht genutzt werden, obwohl sie ja bis zu 5.5 Ampere, also 66 Watt liefern könnten. Da hat sich der Hersteller jedoch entschieden, die Versorgung über das Mainboard doch besser der Grafikkarte allein zu überlassen und man setzt stattdessen auf einen normalen SATA-Spannungsversorgungsanschluss am Ende der Platine.

Der Vorteil liegt in der Versorgungssicherheit, denn viele Boards sind bei Stromstärken von über 6 Ampere über den 24-Pin-Anschluss des Mainboards schon an ihrer Grenze angelangt, was das Platinenlayout betrifft. Außerdem verhindert man so das Übersprechen der Spikes von der Grafikkarte auf den Versorgungsstrang der Soundkarte. Es sieht natürlich nicht schön aus, so ein SATA-Kabel im PC frei herumhängen zu haben, aber der Zubehörhandel sollte auch schönere SATA-Verlängerungen anbieten.

Die Vorderseite hat man mit einer metallischen Abdeckung versehen, die neben dem EVGA-Logo noch den eingestanzten Audio-Note-Schriftzug zeigt und die zudem oberhalb der Spannungswandler noch auf Lufteinlässe setzt. Das betrifft auch das Ende der Karte, wo ein luftdurchlässiger Kunststoffabschluss positioniert wurde. An der Oberseite finden wir das EVGA-Logo mit, man ahnt es bereits, RGB-Beleuchtung. Das kann man mögen oder einfach abschalten, je nach Vor- oder Hassliebe.

Wir sehen auch hier schön, dass der RGB-Treiber-Chip (SONIX SLED1734) nicht auf dem eigentlichen PCB sitzt, sondern auf der kleinen Platine on der Abdeckung. Deshalb greife ich dem Tear Down an dieser Stelle auch mal vor, auch wenn es das alles gleich natürlich noch einmal im Detail gibt. Die zweite Aussparung ist dann für den Header des Front-Panels (HD-Audio).

Die Rückseite ist nicht abgeschirmt, weil der Hersteller wohl meinte, man bräuchte dies nicht zu tun. Solange die Soundkarte oberhalb oder weit unterhalb der Grafikkarte sitzt, mag das sicher auch so sein, aber was ist, wenn man nicht genügen Platz für einen größeren Abstand findet? Genau das werde ich nachher auch mal nachmessen. Die Platine kommt übrigens, wie so oft bei EVGA, von Victory Giant, einem langfristigen Partner von EVGA für die Platinenfertigung aller möglichen Dinge.

Die Anschlüsse der Karte sind überschaubar und völlig ausreichend, analoge 5.x Ausgänge braucht eh keiner mehr. Wir finden zwei analoge Klinkeneingänge mit jeweils einer 3,5-mm-Klinkenbuchse für den Line-In und das Mikrofon. die Ausgange sind hier deutlich interessanter, denn EVGA hat den analogen Line-Out komplett vom Kopfhörerausgang getrennt. Dazu gibt es noch den obligatorischen SPDIF als optischen Ausgang. Das war’s und es reicht mehr als aus.

Zu den am Kopfhörerausgang möglichen Ausgangsleistungen und Spannungen (alles RMS) für verschiedene Impedanzen werde ich später in den Messungen noch sehr interessante Werte bieten können und auch ohne vorab zu spoilern kann ich schon mal einstreuen, dass diese Karte so manchen Mitbewerber mit eine Geste von Nonchalance verblasen kann. Das liegt auch an der Bestückung, aber dazu komme ich ja gleich noch.

 

Software

Das mit der Software ist noch etwas in Bewegung, aber die letzten Versionen sind inzwischen schon brauchbar und stabil. Die geschilderten Probleme treten nur im Zusammenhang mit einer einzigen Testsoftware auf, so dass man durchaus entspannt Entwarnung geben kann, auch nach dem Mai-Update. Was mir persönlich gut gefällt ist der Umstand, dass man keinen festen Gain-Schalter hat, der den Verstärkungsfaktor des Verstärkers um einen festen Wert anhebt, sondern man für den Kopfhörer-Ausgang zusätzlich zum Master-Regler, der für beide Ausgänge gilt, faktisch noch den Nachbrenner stufenlos zünden kann.

Das ist insofern wichtig, als dass es bei hochohmigen Kopfhören bis in die letzten Grenzbereiche geht und es auch die erste interne Soundkarte ist, die z.B. einen Beyerdynamic T1 über die Vollaussteuerung hinaus befeuern könnte. Das wiederum sollte man tunlichst vermeiden, aber es ginge, wenn man denn wollte. Und allein das hat schon einen gewissen Unterhaltungswert. Gut, der Beyerdynamic A20 ist da noch einen Zacken sportiver, aber die Zerstörung der Hardware ist ja auch das Letzte, was man beabsichtigt.

Der Mikrofoneingang ist recht empfindlich und der verbaute Cirrus-Logic-Chip ist rauschfrei genug, um auch Kleinstkondensator-Mikros noch verständlich und rauscharm anzukoppeln. Nahimic und den virtuellen Surround-Sound kann man mögen und nutzen, aber mit gescheiten Kopfhörern geht das auch so. Die restlichen Spielereien im DSP sind klassenüblich und es fehlt nichts, eine Art Komprimierung fürs Micro inklusive. Der 10-Band-Equalizer ist zudem noch fein genug aufgegliedert und man speichert am Schluss alles auch optional in verschiedene Profile.

Damit bin ich mit der Einführung auch fast schon durch, denn der geneigte Audio-Kenner wird auch beim Blick aufs Datenblatt keine frostige Schockstarre erleiden. Das passt wie die berühmte Faust aus Auge, was diesmal wohl auch den Preis rechtfertigt. Fake-Angaben und PR-Geblubber habe ich diesmal auch nicht gefunden. Danke dafür!

Spezifikationen und Daten

Audio DSP:
  • XMOS xCORE-200
  • Native DSD Support (bis x256)
Playback:
  • Bis zu 384kHz, 32bit (Stereo)
  • Bis zu 192kHz, 24bit (Optical)
Aufzeichnung;
  • Bis zu 384kHz, 32bit (Line-In)
  • Bis zu 192kHz, 24bit (Mic-In)
Eingänge:
  • Stereo Line-In (3,5 mm Klinke)
  • Mikrofon (3,5 mm Klinke)
  • Mikrofon Front Panel (Header)
Ausgänge:
  • Stereo Line-Out (RCA Chinch L+R)
  • Digitaler Ausgang (SPDIF 5.1)
  • Line-Out Front-Panel (Header)
Kopfhörerausgang:
  • 6,3 mm Klinke (mit 3,5-mm-Adapter)
  • 16 – 600 Ohm Impedanz
  • Zusätzlicher Gain-Regler
  • Max. 8 Vrms (600 Ohm)
  • Max 250 mA (32 Ohm)
DNR / SNR:
  • 123dB (Stereo Playback)
  • 121dB (Line-In Recording)
RGB-Beleuchtung: Verschiedene Modi incl. Audio-Steuerung
Komponenten:
  • DAC – AKM AK4493
  • ADC – AKM AK5572
  • OP-AMP (Headphone) – ADI OP275 (austauschbar)
  • OP-AMP (Line Out) – ADI AD8056 (austauschbar)
  • Kondensatoren – WIMA, Audio Note(UK), Nichicon
  • pannungsregler – TI TPS7A47/TPS7A33 ultralow-noise
Sonstiges
  • PCIe x1 Gen2
  • 1x SATA Power

 

EVGA NU Audio 5.1, PCIe x1 (712-P1-AN01-KR)

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Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.