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Aqua Computer high flow NEXT im Test – Viel mehr als nur ein genauer Durchflussmesser. Nur sprechen kann er noch nicht.

Mit dem Aqua Computer high flow NEXT gibt es quasi seit diesem Jahr das Schweizer Taschenmesser für Custom-Loops mit jeder Menge Funktionen und Akkuratesse für knapp 70 Euro.  Erinnert sich noch jemand an den Test der ganzen Durchflussmesser und das grandiose Versagen der ganzen Display-Spielzeuge, die noch nicht einmal für eine Schätzung taugten? Da habe ich mich seinerzeit ja nicht nur über die fehlende Qualität geärgert, sondern das fast schon als Abzocke gebrandmarkt.

Und jetzt kommt ein weiteres Teil in Bunt mit Display und RGB? Weit gefehlt, denn die heute getestete Komponente taugt. Nur muss ich das erst einmal im Detail erklären, denn es lohnt sich durchaus.

Aqua Computer setzt beim high flow NEXT erneut aufs bewährte und etwas günstigere Turbinen-Prinzip, jedoch mit 2 Magneten und zwei zweckmäßig gewählten Hall-Sensoren. Zusammen mit der aufwändigen Lagerung und einer Kalibrierung ab Werk will man eine Genauigkeit von +/- 2.5% über den gesamten Messbereich von 40 bis 1000 l/h schaffen. Das klappt, soweit kann ich es schon einmal spoilern, schon ganz gut (stellenweise sogar noch viel genauer), allerdings nur dann, wenn die Positionierung wirklich ideal ist. Waagerecht eingebaut und ohne direkt angeschraubte Winkelstücke im Flow kann man diesem Teil also trauen ohne den selbstmörderischen Helikopterflug der Testkandidaten unterm Wohnzimmersofa aus 2020 zu wiederholen.

Lesetipp: Barrowch FBFT03 gegen Thermaltake Pacific TF1 und Aqua Computer High Flow im Test – Durchfluss-Sensoren für die Custom-Loop Wasserkühlung mit zwei Totalausfällen

Lieferumfang und Funktionalität

Ok, kommen wir zum Lieferumfang. Man bekommt den Durchfluss-Sensor, ein USB-2-Anschlusskabel für den internen Hub am Motherboard und eine Art Schnellstartanleitung. Den Rest sollte man sich von der Homepage herunterladen und ggf. ausdrucken, denn der Funktionsumfang ist schon erheblich. Mehr gibt es, rein äußerlich sichtbar, zwar nicht, aber die Werte stecken ja sowieso im Inneren des high flow NEXT..

Womit wir elegant bei dem angekommen wären, was das teil so alles kann. Und das ist durchaus eine Menge. Natürlich kann man erst einmal den Durchfluss in l/h messen, also die Primäraufgabe schlechthin erledigen. Dafür hat man das Ganze ja letztendlich auch gekauft. Zur Turbine hatte ich ja schon etwas gesagt und die Details hat der Hersteller auch auf YouTube in einem Video verewigt. Das muss ich alles hier nicht noch einmal wiederkäuen. Fakt ist auch, dass man das anfängliche Produktionsproblem nach einem Rückruf gut im Griff hat und der Durchflussmesser nun absolut unhörbar agiert.

Die Temperaturen misst er ebenfalls genau, was ich mit einem Gegentest gut belegen konnte. Das klappt sogar noch unterhalb der 20 °C und mehr als 45 °C konnte ich mangels Absicht (und Möglichkeiten) sowieso nicht messen. In diesem Bereich liegen die Abweichungen nun unterhalb des Toleranzbereiches meiner eigenen Ausrüstung. Passt also bestens und es misst vor allem auch sehr schnell. Zu den Daten dieses Temperatursensors könnt Ihr weiter unten im eingefügten Datenblatt gern noch mehr lesen. Wichtig ist ja am Ende nur, dass es genau genug funktioniert. Genau das aber tut es.

Ein weiteres Gimmick, das eigentlich gar keines ist, ist die Auswertung der elektrischen Leitfähigkeit der Kühlflüssigkeit in µS/cm! Normales, vorgeklärtes Leitungswasser beginnt bei ca. 200 bis 300 µS/cm, was ich hier zur bildlichen Darstellung mal verwendet habe (Wasserhahn de luxe Chemnitz). Zum Vergleich bietet reines destilliertes Wasser eine Leitfähigkeit von nur 20 µS/cm, speziell demineralisiertes (VE-Wasser) sogar 10 µS/cm  an, was beides natürlich für unsere Zwecke im Wasserkreislauf deutlich besser geeignet ist.

Denn die Leitfähgkeit wird durch ionisch gelöste Stoffe (Ionen) beeinflusst. Salze, Säuren und Laugen zerfallen in positiv geladene Kationen und negativ geladene Anionen. So zerfällt z. B. Kochsalz (NaCl) im Wasser zu Natrium-Ionen (Na+) und Chlorid-Ionen (Cl-). Das sogenannte VE-Wasser besitzt eine besonders geringe Leitfähigkeit, da etwa nur jedes Milliardste Wasser-Molekül (H2O) in die Ionen H+ und OH- zerfällt. Doch es reicht auch normales destilliertes Wasser, zumal die Leitfähigkeit auch beim Kontakt mit Luft und durch Korrosionsschutz-Zusätze wieder leicht steigt. Man kann es natürlich auch übertreiben.

Da nicht jeder Nutzer ein wandelndes Kompendium ist, der die einzelnen Werte wie ein Kompendium im Kopf hat, zeigt die Wasserqualität analog dazu die bewertete Variante an. In meinem Leitungswasser-Test ist hier mit 0% auch die absolute Schamgrenze erreicht. Das muss definitiv ausgetauscht werden. So gesehen ist die optische Bestandsaufnahme der aktuellen Qualität gut, um sich auflösende Bauteile zu erkennen.

Man kann das Display als nette, exklusive Anzeige ohne weitere Auswertung nutzen, da auch hier alle Daten angezeigt werden. Dann muss man das Teil lediglich über das mitgelieferte USB-Kabel am internen USB 2.0 Anschluss anschließen (Achtung, Polung beachten!) und mit den Drucktasten auf der Oberseite konfigurieren. Wer es zusätzlich noch genauer möchte: Es gibt an der Rückseite auch noch Anschlüsse der Sensoren und den für den Aqua-Bus. Mit der Aqua Suite lässt sich das Ganze zudem elegant  steuern und sogar noch weiter konfigurieren, die Lizenz gibts zum Gerät mit dazu. Und die RGB-Fetischisten werden jubeln: am RGB-Ausgang lassen sich ganze LED-Stripes anschließen. Falls das Motherboard sich auf bis zu 2 Ampere am Hub umschalten lässt (Power USB), dann gehen da bis zu 10 Watt als Lichtsäule.

So, das soll an dieser Stelle erst einmal reichen, denn ich schreibe hier ja einen Test und kein Handbuch oder PR-Texte fürs Marketing. Ich spare mir deshalb an dieser Stelle auch die manuelle Erstellung einer Tabelle mit abgeschriebenen Hersteller-Daten und bette stattdessen das Dokument von Aqua Computer gleich im Original ein:

53293 - high flow NEXT

 

Und abschließend auch noch das Handbuch, damit man sich vorm Kauf schon mal informieren kann, ob es sich auch für einen selbst samt des Aufwands wirklich lohnt. Wobei der Preis schon arg verlockend ist. Kleiner Tipp: beim Hersteller ist es aktuell immer noch mit am günstigsten.

high_flow_NEXT_de

 

Aqua Computer Durchflusssensor high flow NEXT (53293)

Caseking.de29.09.202184,90 €*Stand: 26.09.21 15:24
*Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt zzgl. Versandkosten und ggf. Nachnahmegebühren, wenn nicht anders beschriebenmit freundlicher Unterstützung von www.geizhals.de

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RedF

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Das ding kommt auf meine "will ich haben" Liste.

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³N1GM4

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Wie sehr beinflusst es denn die Messgenauigkeit? Kannst du dazu noch ein Diagramm basteln?

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big-maec

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Überlege Dir was du noch anschliessen möchtest und Bestell dir die nötigen Kabel gleich mit. Es gibt ja noch Kabel für diverse Möglichkeiten. Vor dem Kauf ins Handbuch schauen. Ansonsten bestellst du 2 mal, so wie ich.

Ich war Überrascht was alles in dem kleinen Gehäuse passt. Genial auch das ein Piezo-Piepser verbaut ist.

Aber Krach(Piezo) machen kann er schon.

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RedF

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Habe ja schon die Quadro. Stellt sich nur die frage ob ich das ding über Aquabus oder USB anschließe. Wenn das teil sowieso an den usb muss kann ich mir das Aquabus kabel warscheinlich sparen.

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big-maec

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Hab nur den high flow NEXT im Rechner über USB und da wird er als Gerät erkannt. Müsste man mal schauen was alles über den Aquabus geht.

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Opa-Chris

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Danke für den super Test, @Igor Wallossek. Es ist doch immer schön, wenn ein Kauf im Nachhinein noch durch Tests bestätigt wird.

Der high flow Next hat mir gut gezeigt, dass meine Test-Erweiterung der Eisbär Aurora mit einem zusätzlichen Alphacool NexXxoS ST30 Full Copper X-Flow 360mm zwar noch gut funktioniert hat, der GPU-Block von Watercool dann aber doch zu viel war. Mit 23 l/h sammelt sich die Wärme dann schön im Wasser.....bei sommerlichen Temperaturen will ich das dann so nicht mehr ausprobieren.

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DHAmoKK

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Hmm... mal vormerken für das nächste Upgrade, aktuell habe ich ja den normalen high flow schon im Einsatz. Aber das mit der Wasserqualität interessiert mich.
Das einzige, was an AC nervt, ist die elendig Abhängigkeit der Firmware zur Software. Hat man zum konfigurieren mal das Farbwerk über USB dran, lädt die aktuellste Software, gibt es direkt ein Firmware Update, sonst geht's nicht. Hängt man das Teil später per aquabus dran und muss mal Windows neu installieren, funktioniert natürlich die ältere Software nicht mit der neusten Firmware, da ich die Aquaero schon länger besitze und die Lizenz nur bis 2019 geht. Da gibt es definitiv Verbesserungpotential.

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Dark-Noir

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Leider kann die AquaSuite immer noch nicht Mainboard Lüfter steuern und AquaComputer plannt auch nicht das zu implementieren (soweit ich weiß), da ich kein extra Fancontroller und noch mehr Kabel haben möchte, bleibe ich bei meinem billig China Durchflusssensor der einfach am Mainboard angeschlossen wird...

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M
Martin Gut

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3,864 Kommentare 1,352 Likes

Für einen Programmierer mit den nötigen Kenntnissen wäre das kein so grosser Aufwand. Als Hobbyprogrammierer und ohne Insiderinformationen habe ich eine Woche pröbeln müssen, um die Lüfter auf der Grundlage von Openhardwaremonitor selbst nach der Temperatur von CPU und GPU zu regeln. Aber um einen solchen Sensorwert direkt oder aus der Herstellersoftware aus zu lesen, fehlen einem natürlich die Informationen und der Quelltext.

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Dark-Noir

Neuling

7 Kommentare 2 Likes

Gibt genug Software die das kann, immerhin bezahlt man die AquaSuite Software ja jährlich, also wenn neue Mainboards heraus kommen wo es anders funktioniert muss man halt eine neue Version kaufen, wäre ja ok. Aber garkein Support für Mainboard Lüfter etc. ist bei so einer Software einfach arm...

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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