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Alphacool Eiswolf 2 mit GPX-A für die Sapphire RX 6800XT und RX 6900XT Nitro+ im Test – Besser als die Toxic?

Es gilt das Gleiche, wie schon beim Test des Modells für die GeForce RTX 3080 Referenz: Der Markt der All-in-One Wasserkühlungslösungen für Grafikkarten ist, im Vergleich zu den CPU-Kühlern, immer noch reichlich überschaubar, obwohl der mögliche Zugewinn gegenüber der Luftkühlung deutlich höher ausfällt. Höhere Boost-Steps und ein geringeres Betriebsgeräusch sind da nur ein Teil der Belohnung, denn auch alle anderen Komponenten der Grafikkartenplatine profitieren von einer solchen Kühlung.

Da das Produkt erst am 29.04.2021 offiziell zu einer UVP von 244.99 Euro gelauncht wird, die Einzelteile aber schon hier im Lager liegen, habe ich frecherweise genau das gemacht, was man als gelernter DDR-Bürger meistens noch recht gut kann: ich habe mir das Baukasten-System von Alphacool zunutze gemacht und in Eigeninitiative einfach so eine eine Radeon-Karte kühltechnisch selbst durchgewolft. Fetzt, soviel kann ich schon mal spoilern, denn ich hatte ja noch den Rest-Tinnitus von der Asetek-Fiepe auf der Sapphire RX 6900XT Toxic im Ohr.

Die Alphacool Eiswolf 2 ist eine echte Vollkupfer-Lösung ohne Aluminium im Kreislauf, deshalb war es recht einfach, genau das zu tun, was man mit Baukastenkomponenten so tut, wenn die Lager im Handel leer sind und das eigene Archiv gut gefüllt ist: Einen 360er-Slim-Radiator kombiniert man mit den neuen Alphacool-Lüftern und komplettiert parallel dazu mit der Pumpeneinheit der Eiswolf 2 (die passt hier für fast alle aktuellen Kühlblöcke) einen handelsüblichen GPX-A Wasserblock für die Sapphire RX 6800XT / 6900XT Nitro+. In meinem Fall war es die als Aurora vertriebene RGB-beleuchtete Acryl-Variante. Terminal ab, Pumpe drauf – Wasserkreislauf!

Lieferumfang und Unboxing

So, ich tue jetzt mal so, als hätte ich als ganz Glücklicher, so eine Komplettlieferung bekommen. Was fühlt man dann so als Endkunde? Vor dem Anpacken kommt ja schließlich auch immer erst einmal das Auspacken (ok, ich tu jetzt mal so). Und was finden wir im österlichen Karton? Den komplett vormontierten und befüllten Wasserblock samt Pumpe und dem 30 mm dicken 360-mm-Radiator (Alphacool NexXxoS), drei PWM-geregelte aRGB-Lüfter von Alphacool (max. > 2000 U/min, neues Modell), Wärmeleitpaste und -Pads, Schrauben für den Kühlblock und die Lüfter sowie zum Befestigen des Radiators, einen Splitter für die Lüfteranschlüsse und das Handbuch.  Ok, die Karte braucht man natürlich auch noch.

Damit ist auch klar, dass die Pumpe ungeregelt bleibt, was gut ist. Denn die DC-LT 2 hört man trotz oder wegen der ca. 2600 U/min nicht und der Durchfluss ist in der aktuellen Interpretation wirklich optimal. Die zwei Schnellverbinder würden es erlauben, weitere Kühlblöcke oder einen zweiten Radiator einzubinden, der TPV-Schlauch ist zwar etwas starr aber damit auch vorm Knicken geschützt und zudem materialbedingt auch nicht sonderlich anfällig für Diffusionseffekte. Die beiden drehbaren 90°-Winkel helfen dann beim Finden der richtigen Position.

Wichtig zu wissen: Die meisten geregelten Mainboardanschlüsse für die Lüfter stehen per Default nur auf 60% DC, so dass die Pumpe nur noch mit 1800 bis 2000 U/min läuft, je nach Board. Hier muss man wirklich erst im BIOS prüfen und sicherstellen, dass die Pumpe am entsprechenden Lüfter-Anschluss (Fan-Header) auch wirklich 12 Volt erhält und damit auch die volle Drehzahl von 2600 U/min leisten kann. Lauter wird sie dadurch nicht, aber die Performance des Kühlkreislaufes steigt signifikant!

 

Wer wegen eines Umbaus oder aus anderen Gründen mal Nachfüllen möchte, findet am Ende des Radiators einen Stopfen, der den Einlass verschließt. Den Schraubendreher bekommt man ebenfalls gleich mitgeliefert. Wer nach 1-2 Jahren mal die Flüssigkeit tauschen möchte, kann dies recht einfach tun. Der der Einlass ist gleichzeitig auch ein Auslass. Zum Ablassen kann man auch den Druckausgleich erzwingen, indem man einen der Schnellverbinder löst und den Zapfen nach innen drückt. Das gibt übrigens auch beim Befüllen, um die Luft herauszubekommen.

Apropos Schnellverschlüsse, so ließ sich auch der Radiator schnell und schmerzlos ersetzen (und nachbefüllen). Ok, einen Schönheitspreis verdienen die Teile nicht, aber sie sind ungemein praktisch. Eine kleine Zusatzbemerkung zur Erweiterung möchte ich dann allerdings auch noch loswerden:

Die kleine Pumpe schafft zwar sehr restriktive Kühler wie den GPX-A noch mit Bravour, aber in Verbindung mit einem CPU-Wasserblock beraubt man sich schnell der Performance. Hier passen Systeme, die die gleichen Schnellverschlüsse nutzen wie z.B. die neuere Eisbär oder Eisbär Pro mit eigener Pumpe viel besser ins System. Mit zwei Pumpen kann man dann sogar noch einen zweiten Radiator nutzen, ohne beim Durchfluss zu starke Abstriche machen zu müssen.

 

 

Technisch gesehen ist das alles bisher absolut brauchbar und zudem völlig ausreichend, um einen Umbau samt ordentlichem Ergebnis zu realisieren. Der vernickelte Kupferblock des Kühlers ist recht sauber verarbeitet, gefährliche Grate gibt es ebenso wenig, wie die ehemals so ungeliebten Werkzeugspuren. Die Abstandshalter (Gewindehülsen) sitzen fest genug und die Passgenauigkeit geht absolut in Ordnung.

Also wer möchte, hier gibt es endlich das Datenblatt für Detailverliebte, das in dieser und jenen Form für alle Modelle gleichermaßen gilt (Bis auf die Pads):

DE_Eiswolf2_Datasheet

 

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Arnonymious

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54 Kommentare 23 Likes

Schöner Selbstbau, irgendwann baue ich vielleicht auch mal eine GPU auf Wasser um, aber irgendwie ist mir das mit der vielen Flüssigkeit im Rechner suspekt geblieben, auch wenn ich mir der Vorteile durchaus bewusst bin.
Beim Thema WLP hoffe ich, dass sie bei Alphacool wenig bis gar keine Superspreader haben - ich kann immer machen was ich will, irgendwie/-wo/-wann patze ich mich an. 😏

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RX480

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34 Kommentare 16 Likes

Sehr schönes Review, eigentlich traurig, das so Wenige mit ner 6900ref den Artikel lesen.
Gerade die Idee mit dem gemeinsamen Loop Eisbär+Eiswolf hatte sich schon mit der R7 bewährt, weil meist net gleichzeitig Volllast
auf CPU+GPU anliegt.

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blazethelight

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30 Kommentare 13 Likes

Schöner Test. Besten Dank. 🤗
Die Temperaturen entsprechen in etwa der AIO von EK auf meiner 6900XT (EK-Quantum Reaction AIO RX 6800/6900 D-RGB P240 - AMD Radeon Edition).
Richtig schade finde ich es doch jedoch, dass bis auf Asus (Strix LC) kein Hersteller bei den AIOs den / die internen Fan Header des Referenz Modells nutzt (die GPU Blöcke besitzen keine Aussparung / Anpassung). Dadurch kann man höchstens über die CPU Auslastung / CPU Header das ganze regeln lassen, aber leider nicht über eine Fan Curve im WattMan. Auch Drittanbieter Software wie der Argus Monitor können meine on Board Steuerung nicht abgreifen oder regeln.

Mal ein Eindruck (muss aber noch einmal umbauen):

View image at the forums

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RedF

Urgestein

831 Kommentare 278 Likes

Schau dir Mal die Aquacomputer Quadro an. Mit der Quadro und der Aquasuite kannst du das regeln.

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Igor Wallossek

Format©

5,373 Kommentare 8,315 Likes

Ich sehe bei den 1100 U/min und den ca. 30 dBA gar keinen Grund, etwas zu regeln :)

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ArthurUnaBrau

Veteran

116 Kommentare 32 Likes

Sowas war mal mein ursprünglicher Plan für mein Upgrade. Jetzt habe ich eine leise und kühle Merc 319 6800 laufen, dafür ist aber meine CPU (5800X) die heiße und Lautstärke erzeugende Komponente...

Netter Test, vielleicht komme ich in der Zukunft noch mal drauf zurück ;-)

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blazethelight

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30 Kommentare 13 Likes

@Igor Wallossek:
Ich meinte damit auch nicht, dass mich die Lautstärke stört (höre weder die Lüfter noch die Pumpe - ist daher in diesen Bezug meckern auf hohem Niveau), sondern einfach das EK und andere Anbieter für AIOs, die Chance dazu verpasst haben, die Out of the Box User Expierence zu verbessern.
Auch den internen ARGB Header nutzt EK nicht sondern lässt ein extra Kabel dafür aus dem Kühlblock hängen (geht natürlich trotzdem mit nem dazu gekauften Cooler Master ARGB Controller oder bei unterstützen Mobos direkt am Mobo selbst).
Dass EK auch am Terminal gewinkelte Anschlüsse hätte verbauen können, damit die Schläuche direkt neben dem Block verlegt werden können, muss ich leider auch ansprechen.
Bin natürlich selbst Schuld, wenn ich zu dem damals einzigen zu kaufenden AIO Kühler gegriffen habe mit Apotheker Preisen.
An der Optik und die Qualität kann ich ansonsten nichts aussetzen (ich mag einfach kein Plexi).
Auch die Single Slot Blende ist gut gelöst und die Abmaße des Blocks empfinde ich als sehr angenehm (kleiner Fußabdruck).

Testet du den ggfls. auch noch oder steht der Aufgrund des Preises oder wegen des Herstellers nicht auf deiner Testagenda?

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ro///M3o

Veteran

190 Kommentare 101 Likes

Klasse Test noch vor der Vorstellung, vielen Dank @Igor Wallossek :)

Seit paar Jahren schon setze ich größtenteils auf Alphacool und bin jedes Mal positiv überrascht. Bei vergleichsweise gleichem bzw. eher niedrigerem Preis oft eine bessere Leistung. Der größte Vorteil für mich, wie Igor es in diesem Test wieder einmal aufgezeigt hat, ist eben der große Baukasten mit hochwertigen Teilen aus dem Custom Bereich und die Einfachheit. Semi Custom AIO also.

Die Eiswolf 1 habe ich selbst auf der Vega64. Durch den HBM Speicher ist das natürlich perfekt. Die Optik in mattem Schwarz und den massiven Aufbau finde ich sehr ansprechend. Die Leistung ist top und genau so kaum hörbar.

Die Eiswolf 2 ist zwar nun sehr flach aber dafür leider Bauart bedingt ziemlich hoch bzw. breit gebaut da die Pumpeneinheit nun an den Portanschluss des regulären Kühlblocks gewandert ist. Wenn nun das PCB an sich ebenfalls sehr breit gebaut ist, was viele OC Modelle und erst recht die premium Modelle sind, könnte es mit der zusätzlichen Breite eventuell Probleme in Gehäusen geben. Sollte man beachten.

Die Idee anstatt Portanschluss eine Pumpeneinheit zu verwenden finde ich Klasse und eine logische und vor allem nachhaltige Weiterentwicklung zu der Eiswolf 1. So kann man die einfach mit der nächsten Karte und Full Cover Kühler weiterverwenden. Sehr gut. Bei der Eiswolf 1 ist es nämlich ein semi passiv mitgekühlter Aluminium Rahmen der zwar massiv aufgebaut ist aber einen minimalen Luftzug im Gehäuse für gute Temperaturen benötigt. Gut, das haben die Meisten auch. Die stattliche und „massive“ Optik im dualslot Design mit den großen Kühlfinnen des Eiswolf 1 werde ich jedenfalls schon sehr vermissen. Hat was von einem Badboy :cool:

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Alphacool

Hersteller-Account

220 Kommentare 196 Likes

@blazethelight
Ich kann dir sagen warum niemand den internen Fanheader bei den GPUs nutzt, weder für die Lüftersteuerung noch für die Beleuchtung. Viele Kühler passen auf mehrere PCBs und deken damit diverse Versionen der Karten ab. Nun ist es so, dass es bei den Anschlüssen nicht eine Norm gibt, sondern auch mal andere Anschlüsse verbaut werden können. Es gibt auch oft keine passenden Adapter für einige Anschlüsse oder man müsste diverse Adapter beilegen. Dann muss auch am Kühle selbst oft ein größeer Cutout gemacht werden, wodurch der ganze Kühleraufbau komplexer ausfallen kann. Das sind alles so kleine Probleme mit denen man sich nicht herumschlagen kann und will. Denn auch die Grafikkarten-Brands ändern sehr sehr gerne mal Bauteile auf den Platinen was nicht selten zu einer Inkompatiblität führen kann.
Das sind alles Probleme die man einfach nicht an der Backe haben will.

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blazethelight

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30 Kommentare 13 Likes

@Alphacool:
Danke soweit für die Erklärung(en) dazu.
Das kann man natürlich nachvollziehen.

Aber ich dachte gerade bei der AMD RX 6000 Serie wäre das Layout identisch, oder vertue ich mich da (6800 / 6800 XT & 6900 XT)?

Normalerweise sollten Fan Header genormt sein. Aber wenn AMD in diesem Fall einfach Änderungen ausführen würde, wäre das in der Tat natürlich ein Problem.

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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