Motherboard System Testberichte

AMDs B550 am Maximum: Gigabyte B550 Vision D im Review – etwas speziell, aber auch wohltuend anders

Gigabyte legt mit dem B550 Vision D ein B550-Motherboard auf, das mit aktuell reichlich 260 Euro eher im edleren Oberhaus wildert und zum Teil fast schon doppelt so teuer ist, wie die billigsten X570-Boards. Hatte ich beim Gigabyte B550 Aorus Master noch Bauchschmerzen, den Preis irgendwie plausibel zu erklären, liegt die Sache beim Gigabyte B550 Vision D ein klein wenig anders. Man verzichtet hier (lobenswerterweise) auf die Splittung des PCIe 4.0 der GPU und hat stattdessen Intels Titan Ridge-Controller im Schlepptau, den man recht clever angeschlossen hat. Doch dazu gleich mehr.

Der fast schon perfekte Ausschluss von Motherboard-RGB (die Header gibt es natürlich noch) und die Voreinstellung auf simples Weiß beim aRGB harmoniert sehr gut mit dem sehr schlicht und zeitlos gehaltenen Äußeren und der Ausrichtung auf eher semi-professionelle Kunden. Das Styling ist von der Schachtel über das UEFI samt Startbildschirm bis hin zum Board selbst erfrischend anders. Ob dies dann allerdings den Aufpreis rechtfertigt, oder ob da noch andere Features zum Tragen kommen, muss das Review klären.

Normalerweise würde man auf so einem Board natürlich einen Ryzen 5, Ryzen 7 oder gar Ryzen 9 erwarten, weshalb ich natürlich wiederum den Ryzen 9 3900X nutze, man gönnt sich und seiner IR-Kamera ja sonst nichts und ich bleibe damit auch weiterhin vergleichbar. Dazu kommen noch 64 GB Patriot Viper DDR4 3600 Blackout Edition (2x 32 GB) für die Performance-Tests und einfacherer DDR4 3200 im Labor bei den Belastungstests. Der Patriot-RAM RAM läuft auch mit den ausgelobten DDR4 3600 CL18-20-20-40 noch absolut stabil, kann man also lassen.

Damit teste das Board bis an gewisse Grenzwerte, zumal wohl kaum ein Käufer eines solchen Boards am Ende soweit gehen wird. Aber es ist immer gut zu wissen, dass man es könnte, wenn man wollte. Und, das kann ich jetzt schon spoilern, auch ein R9 3950X wird hier noch stabil performen, sogar mit extremen OC, allerdings mit einem Cut bei 135 Watt. Wer nicht gerade alle ausgelobten X570-Features nutzen möchte, nicht alle High-Speed-USB-Anschlüsse braucht und z.B. mit maximal einer PCIe 4.0 M.2 NVMe-SSD, einer weiteren PCIe 3.0 NVMe SSD und maximal 6 SATA-Anschlüssen hinkommt, der könnte mit so einem B550-Modell unter Umständen sogar glücklicher werden, als mit dem X570 samt lautem Chipsatzlüfter.

Das Board läuft natürlich nur mit den Ryzen ab der 3. Generation, wobei die 3000er APUs leider ausgeschlossen sind, weil dort ja am Ende nur Zen+ drinsteckt. Was auch fehlt, ist der zusätzliche 8-Pin EPS-Anschluss, so dass man mit dem einem 8-Pin auskommen muss. Das wird beim Extrem-Übertakteten eines Ryzen 9 3950X vielleicht wenig sportlich werden, reicht aber im Normalfall mehr als aus. Die Spannungswandler sind übrigens viel besser, als man es anhand des Datenblatts vermuten würde, aber dazu gleich noch mehr beim Teardown und den Infrarot-Messungen.

Der interne 20-Pin-Header für den USB Type-C am Front-Panel moderner Gehäuse ist zwar ein nettes und gern gesehenes Feature, er fehlt aber leider. Wer mit dem Preisanspruch der gehobenen Mittelklasse antritt, müsste diesen Header einfach liefern. Hier liegt das Fehlen jedoch woanders begründet. Außerdem kann man mit diesem Board auch eine der kommenden Renoir-APUs verwenden, während auf dem X570-Board der HDMI-Ausgang und Display-Port fehlt.w

Was anders ist, sind die beiden USB-Type-C Buchsen am I/O. Auch wenn Gigabyte das nicht extra bewirbt, man hat analog zu ASRock dieses Board einfach mit dem bereits erwähnten Titan Ridge Controller von Intel versehen und diesen an der CPU und dem Chipsatz gleichermaßen angeschlossen. Damit kann man Thunderbolt 3 vollumfänglich nutzen (sogar für Monitore), was die 40 GB/s auch belegen. Das übliche RGB ist natürlich mit an Bord und adressierbarer 5 Volt aRGB-Header sowie der 12 Volt Analog-Header dürfen da natürlich genauso wenig fehlen, sonst weint vielleicht noch jemand.

Was akzeptabel ist, ist die restliche Anzahl an USB-Ausgängen. 4x USB 3.2 (2x Gen1 und 2x Gen2) und 2x USB 2.0 waren allein zwar etwas arg mager, aber die beiden Thunderbolt Buchsen kompensieren das natürlich. Zusätzlich bietet man gleich zwei 1 GB/s Ethernet-Anschlüsse, wobei sich der Sinn außerhalb der B2B-Welt mit mehreren Netzwerken für den allein arbeitenden Endkunden nicht ganz so erschließt. Der PS/2-Anschluss ist zudem ein nettes Gimmick für alle, die noch passende Eingabegeräte besitzen, aber eigentlich gar nicht mehr zeitgemäß. Die Neugierigen finden hier auch noch einmal alle Features und Daten:

Specs

 

Für alle Spitzfindigen sei hier noch die Anmerkung gestattet, dass Motherboard-Tests jeweils mindestens 3 Tage dauern, zwei bis drei zum Testen und bis zu einen Tag fürs Schreiben. Wenn man sie richtig macht. Deshalb ziehen sich solche Tests auch schon mal über Wochen hin, weil ich sehr viele Dinge zeitversetzt erledigen muss. Es sind bereits weitere Bords hier im Labor eingetroffen und ich werde auch diese noch Schritt für Schritt testen. Auf ein Roundup habe ich deshalb trotzdem erst einmal verzichtet. Wollte man dies mit nur 4-5 Boards in der nötigen Tiefe realisieren, wäre fast der halbe Monat rum. Und genau den habe ich leider nicht.

Gigabyte B550 Vision D

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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