Grafikkarten Testberichte VGA

Sapphire RX 5700 XT Nitro Plus im Test – mit weniger Gewicht sprintet es sich besser (bis an die Spitze)

Eines muss man Sapphire ja wirklich zugestehen: in Sachen Kühlung macht ihnen kaum einer was vor, wenn es um AMD-Karten geht. Vorausgesetzt man ist auch bereit, für diese Leistung einen gewissen Aufpreis gegenüber den hauseigenen Normalo-Karten wie der Pulse zu zahlen. Die heute getestete Sapphire RX 5700 XT Nitro Plus zeigt nämlich eines ganz deutlich: Gewicht und Kühlerfläche allein machen noch keinen Testsieger. Gewusst wie und wo dagegen schon. Doch genug mit der Spoilerei, denn ich will dem Rest ja nicht unnötig vorgreifen. Also bitte brav alles lesen.

Die Karte fällt durch ihre drei Lüfter (2x 9,5 cm, 1x 8,5 cm) auf, die zudem mit unterschiedlicher Größe und Drehrichtung aufwarten, doch dazu später beim Tear-Down und der Kühlerbeschreibung mehr. Diese Lüftergestaltung kennen wir so, oder so ähnlich, ja von älteren Modellen der MSI Lightning (z.B. R9 290X) und einigen Modellen von Palit bzw. Gigabyte. Aber es fällt ins Auge.

Um das Ganze letztendlich ein wenig übersichtlicher zu gestalten und auch etwas mehr auf den Punkt zu bringen, habe ich die Gliederung der Artikel zwar weitgehend beibehalten, setze aber auch diesmal mehr auf Tabellen mit übersichtlicher Darstellung der Ergebniswerte und Spezifikationen, die später auch einen besseren Vergleich der Karten untereinander gewährleisten.

Technische Daten und Bildergalerie

Das Drei-Lüfter-Design ist auf den ersten Blick nicht extrem auffällig, sondern eher zeitlos, was durchaus gefallen kann. Der matt-schwarze ABS-Deckel mit dem Honigwabenmuster wird beflankt vom gleichen Material im Metallic-Look. Soweit, so unaufgeregt. Leben kommt in die Bude, wenn man den Strom zuführt. Dann erweckt man die vielen auf der Platinen-Rückseite aufgelöteten SMD-LEDs zu ihrer wahren RGB-Pracht. Ausschalten geht natürlich auch, es ist ja noch nicht Weihnachten.  Steuern kann man das mit der Sapphire-eigenen TriXX-Software, die sich im Notfall auch dem Motherboard unterordnet, wenn man die LED extern befeuern möchte.

Passend dazu die versprochene Übersicht der wichtigsten Features

Länge (Außenkante Slotblende bis Ende der Karte) 30,8 cm
Einbauhöhe (Oberkante PCIe-Slot bis Oberseite der Karte) 12,6 cm
Einbautiefe vorn (Kühleraufbau bis Platinenunterseite) 4,4 cm
Einbautiefe hinten (Platine bis Außenseite der Backplate) 0,5 cm
Gewicht 1143 g
Kühlerabdeckung Anthrazit, Metallic
ABS Spritzguss
LED (Logo, Lichtstreifen)
Ausgänge 2x DisplayPort 1.4
2x HDMI 2.0
Besonderheiten Dual-BIOS , mit optionalem Software-Switch

Einen ersten Überblick zu den weiteren technischen Daten verschafft uns GPU-Z:

Software und die guten alten Power Play Tables

Sapphire bietet zwei BIOS-Versionen, dessen Details ich gegenüberstellen möchte. Das Default-BIOS lässt bis zu 220 Watt GPU-Power zu, was man auch kräftig ausnutzt. Dazu gesellt sich ein etwas eingebremstes BIOS, das aber immer noch über den Daten der Referenz liegt. Betrachten wir zunächst die Leistungsaufnahme und den Stromfluss zur GPU. Das Default BIOS 1 liegt bei 220 Watt für die GPU, das BIOS 2 hingegen bei “nur” 195 Watt. Analog dazu fällt der maximale Stromfluss von 189 auf 171 Ampere, also in etwa auf das Niveau der Referenzkarte.

    

Auch die Lüfterkurven unterscheiden sich deutlich und es bleibt bereits hier zu vermuten, dass der Greta-Modus sparsamer und leiser, dafür aber leicht heißer ausfallen könnte. Wir werden sehen…

    

Die Default-Schalterstellung beim BIOS (also Stellung 1 in Richtung  Slot-Blende) lässt den sogenannten Software-Switch zu, der zwischen Primär- (Schalter 3, maximale Power) und Sekundär-BIOS (Schalter 2, weniger Power) umschalten lässt, ohne den BIOS-Schalter mechanisch zu betätigen. Man muss nur nach dem Wechsel in der Software neu booten. Hier nutzt die TriXX-Software den gleichen Ansatz wie unser MorePowerTool, denn es werden anstatt eines kompletten BIOS-Loads nur die Soft Power Play Tables in der Registry überschrieben. Die  Aussage der Message-Box ist also eigentlich falsch, denn zugrunde liegt das Standard-BIOS mit den abweichenden Vorgaben per Soft-Mod:

Ein paar Screens zur TriXX-Software und dem getriXXten Boost mit der virtuellen Auflösung zeigt die nachfolgende Galerie:

Die Tabelle gibt noch einmal einen schönen Überblick über die restlichen technischen Daten der aktuellen und der älteren Vergleichsmodelle:

Karte AMD Radeon
RX 5700 XT
Sapphire
RX 5700 XT Nitro+
AMD Radeon
Vega 64
AMD Radeon
RX 5700
AMD Radeon
Vega 56
Architektur (GPU) Navi 10 Navi 10 Vega 10 Navi 10 Vega 10
CUDA Kerne / SP 2560 2560 4096 2304 3584
(40 CU) (40 CU) (64 CU) (36 CU) (56 CU)
Textureinheiten 160 160 256 144 224
Textur-Füllrate (Gtexels/s) 304.8 326.2 395,8 248,4 330
Basis-Takt (MHz) 1605 1432 1274 1465 1156
Boost-Takt (MHz) 1755 (typisch)
1905 (max.)
2064 (max.) 1546 1625 (typisch)
1725 (max.)
1471
Speicher 8 GB GDDR6
14 Gbps
8 GB GDDR6
14 Gbps
8 GB HBM 8 GB GDDR6
14 Gbps
8 GB HBM
Busbreite (Bit) 256 256 2048 256 2048
Speicherbandbreite (GB/s) 448 448 483,8 448 410
ROP 64 64 64 64 64
L2-Cache 4 MB 4 MB 4 MB 4 MB 4 MB
TGP/TBP 225 W 250 W 295 W 185 W 210 W
Mrd. Transistoren 10,3 10,3 12,5 10,3 12,5
Die-Fläche (mm²) 251 251 495 251 486
Node 7 nm 7 nm 14 nm 7 nm 14 nm
MultiGPU DX12/Vulkan DX12/Vulkan CF DX12/Vulkan CF

 

Testsystem und Messmethoden

Das Testsystem und die -methodik ist bekannt, aber da ich mittlerweile hier in Deutschland unabhängig teste, wurde das Testsystem auch noch einmal aufgerüstet, ohne auf die ehemaligen US-Kollegen Rücksicht nehmen zu müssen.

Interessierten bietet die Zusammenfassung in Tabellenform schnell noch einen kurzen Überblick:

Testsysteme und Messräume
Hardware:
Intel Core i9-9900 KF
MSI MEG Z390 ACE
2x 8GB KFA2 HoF DDR4 4000
1x 1 TByte Patriot Viper (NVMe System SSD)
1x Seagate FastSSD Portable USB-C
Seasonic Prime 1200 Watt Titanium Netzteil
Kühlung:
Alphacool Eisblock XPX
5x Be Quiet! Silent Wings 3 PWM (Closed Case Simulation)
Thermal Grizzly Kryonaut (für Kühlerwechsel)
Gehäuse:
Lian Li PC-T70 mit Erweiterungskit und Modifikationen
Modi: Open Benchtable, Closed Case
Monitor: Eizo EV3237-BK
Leistungsaufnahme:
berührungslose Gleichstrommessung am PCIe-Slot (Riser-Card)
berührungslose Gleichstrommessung an der externen PCIe-Stromversorgung
direkte Spannungsmessung an den jeweiligen Zuführungen und am Netzteil
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, 500 MHz Mehrkanal-Oszillograph mit Speicherfunktion
4x Rohde & Schwarz HZO50, Stromzangenadapter (1 mA bis 30 A, 100 KHz, DC)
4x Rohde & Schwarz HZ355, Tastteiler (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012, Digitalmultimeter mit Speicherfunktion
Thermografie:
1x Optris PI640, 2x Xi400 Infrarotkameras
Pix Connect Auswertungssoftware mit Profilen
Akustik:
NTI Audio M2211 (mit Kalibrierungsdatei)
Steinberg UR12 (mit Phantomspeisung für die Mikrofone)
Creative X7, Smaart v.7
eigener reflexionsarmer Messraum, 3,5 x 1,8 x 2,2 m (LxTxH)
Axialmessungen, lotrecht zur Mitte der Schallquelle(n), Messabstand 50 cm
Geräuschentwicklung in dBA (Slow) als RTA-Messung
Frequenzspektrum als Grafik
Betriebssystem Windows 10 Pro (1903, alle Updates), Treiber aktuell

 

 

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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