Grafikkarten Testberichte

Treiber-Krieg: Wie Nvidia mal eben so mit links AMDs Marketingfolien pulverisiert und kräftig draufzahlt | Retro

Bereits vor 10 Jahren gab es Diskussionen um Marketingfolien, Treiber und Zertifizierungen. Neu ist das also alles nicht. Und ich gebe es ja zu, ein wenig provozierend sollte der Titel damals schon ausfallen. Aber er spiegelt eben auch sehr gut wieder, was einem als Tester ganz schnell und ungewollt passieren kann, wenn er ohne Vorahnung zwischen die Fronten zweier Weltanschauungen gerät. Doch immer schön der Reihe nach. Ich bereitete damals nämlich gerade passend zum Thema die neuen Workstation-Grafikkarten-Charts 2013 vor. Insgesamt 67 Einzelcharts mit 21 Grafikkarten (davon sieben Consumer-Karten zum besseren Vergleich) sollen dabei einen noch besseren Überblick über die Leistungsfähigkeit von insgesamt vier verschiedenen Grafikkarten-Architekturen bieten. Und dann kam das, was ich nun im Folgenden mal wieder aus meinen Archiven herausgekramt habe.

An dieser Stelle setze ich nun nahtlos mit dem Original fort und für den damaligen Auszug mussten 10 Karten und ein Benchmark erst einmal reichen, denn das Problem ist ein recht spezielles.

1. Ausgewogenheit – Solidworks 2013 soll es richten

Ohne das Ergebnis vorweg zu nehmen: In vielen Pro-Anwendungen sind aktuell immer noch die leistungsstärkeren Exemplare der älteren Quadro-Karten mit Fermi-Architektur führend. GCN hat im Workstation-Bereich enorm aufgeholt und in einigen Anwendungen sogar die Leistungskrone erobern können, doch für eine wirkliche Ausgeglichenheit stand unsere frisch zusammengestellte Benchmarksuite noch nicht. Interessant, dass mich AMD selbst unlängst auf Solidworks 2013 verwiesen und auch mit entsprechenden Marketingfolien angefüttert hat. Warum also nicht dem neuen Stern im FirePro-Sonnensystem mal einen Besuch abstatten? In den Folien liest sich das Ganze so:

 

2. Probleme mit dem Benchmark und die Sache mit der Zertifizierung

Hier muss ich jetzt zunächst einmal etwas ausholen. Dass man im Pro-Sektor im Allgemeinen für die jeweilige Anwendung nur durch den Hersteller zertifizierte Treiber nutzt, das weiß und beachte ich. AMD gibt auf den erwähnten Folien für die eigenen Tests dazu “Nvidia driver 307.45, 311.15” an. Da ich eigentlich die jeweils neueren Treiber nach Möglichkeit bevorzuge, der 311.15 jedoch nicht aufzutreiben war, verwies mich Nvidia auf den ähnlichen 311.35. Die Solidworks-Homepage: Bei FirePro-Karten ist alles im grünen Bereich:

Dazu muss man noch ergänzen, dass Dassault für Solidworks auf seiner Homepage z.B. für eine Quadro K4000 sogar einen 310.90 angab, auf der Nvidia-Homepage selbst aber nur eine wesentlich ältere Version gelistet war. Chaos pur. Es wäre sicher alles gar nicht weiter aufgefallen, hätten nicht technische Probleme zu einer Verzögerung der Benchmarks geführt und mich gezwungen, noch einmal mehrere Treiber-Versionen gegeneinander zu testen.

Dabei fiel mir auf, dass bei den neueren Nvidia-Treibern verglichen mit den alten Leistungszuwächse von über 100% zu verzeichnen waren. Da jedoch in den ersten Durchläufen mit Solidworks 2013 und dem SPECapc-Benchmark für alle Karten im Vergleich zu einer Referenzmessung sehr geringe Werte gemessen wurden, hatte mich AMD zu einem Telefon-Call gebeten, bei dem es aber interessanterweise nicht mehr um mein eigentliches Benchmarkproblem ging, sondern einzig und allein darum, ja nur mit zertifizierten Treibern zu testen.

Vom Prinzip her muss man AMD an dieser Stelle sogar Recht geben, denn man wird in der Praxis sehr wohl keine nicht zertifizierten Treiber nutzen. Die Zertifizierung durch den Softwarehersteller garantiert nämlich die volle Funktionalität mit allen Programmfeatures, auch wenn SPECapc im Benchmarkdurchlauf Funktionen “freicheatet”, die sonst eben nur zertifizierten Treibern vorbehalten sind. Trotzdem war das verbal sehr dominant formulierte Beharren auf die zertifizierte Version schon recht auffällig, zumal die zwei oben abgebildeten Benchmarks aus den Folien eine absolute Ausnahmestellung suggerieren möchten, die sogar sehr real ist, wenn man wirklich die vorgegebenen alten Nvidia-Treiber nutzt.

3. Ich frage Nvidia und ernte erst einmal Staunen

Angesprochen auf den Umstand, dass kein wirklich performanter, aktueller Treiber für Solidworks 2013 zertifiziert ist, bekam ich von Nvidia die Antwort, “dass man diese Anwendung wohl irgendwie aus dem Fokus verloren hätte”, die Zertifizierung aber sofort nachholen und forcieren werde. Da diese Zertifizierung mittlerweile sehr kurzfristig nachgeholt wurde, habe ich erneut gebenchmarkt und durchaus sehr bemerkenswerte Ergebnisse verzeichnet: Der jetzt frisch zertifizierte Treiber 311.50 sorgt nicht nur für wesentlich bessere Ergebnisse der Quadro-Karten, sondern führt in vielen Bereichen zu mehr als einer Verdopplung der Ergebnisse. Womit man mal wieder zwei Dinge gelernt hätte: PowerPoint-Folien sind meist den Strom nicht wert, der zur Erstellung benötigt wurde, und was heute gilt, kann sich morgen schon dermaßen ins Gegenteil umkehren, dass man glaubt, sogar zum Stehen noch Anlauf zu brauchen.

Auf den nächsten zwei Seiten nehme ich (in gekürzter Form) ein paar Ergebnisse aus dem großen Workstation-Special vorweg um zu zeigen, wie eine verschlampte Zertifizerung zu Freudenausbrüchen auf der Gegenseite führen kann und wie schnell sich so eine heile Welt auch wieder zerstören lässt.

 

Kommentar

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w124

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Moin,

immer wieder spannend zu sehen wer da mit wem klüngelt. Man konnte das ja auch schon bei deinem Test der Radeon Pro W6800 sehen, welche Software mit welcher Karte gut performt.

Und auch aktuell mit der neuen RTX A6000 Ada fragt man sich dann automatisch wieder, ist die Karte wirklich so eklatant besser als die alte, oder liegt es auch wieder an der Software.
Bin hier die Tage über einen Vergleich gestolpert

Das stimmt einen doch schon sehr fraglich.

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Megaone

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Naja, die AMD Folien, gerade bei neuen Produktpräsentationen waren schon immer sehr speziell.

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Derfnam

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7,517 Kommentare 2,029 Likes

Wer war denn damals der Experte bei AMD? Captain Obvious?

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T
TheSmart

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431 Kommentare 216 Likes

Naja das man mit guten Treibern gestern wie heute, eklatante Leistungs -und Qulaitätsunterschiede erzeugen kann, das man merkt man ja immer wieder.
Ich sage nur Intel-Grakas^^ Als die raus kamen waren die Treiber so schlecht programmiert, das man hätte meinen können, man hätte dafür einen Script-Kiddie engagiert. Und demetsprechend war auch die Leistung. Und jetzt..verbessert sich das kontinuirlich.
Oder als anderes Beispiel.. die Treiber von den XTX Karten. Da liegt noch immer einiges im Argen. Vor allem, was den Stromverbrauch im Odel angeht. Wobei man da natürlich hoffen muss, das sie es mit der Software sowas wieder repariert bekommen.

Aber ich habe das auch schon in einem anderen Rhread geschrieben bei dem es um Softwarelösungen von Nvidia ging.. letzten Endes wird wohl in Zukunft die Software bzw Firmware der Karten die Zukunft ausmachen. Denn man muss schauen, wie man aus den Karten das maximale herausbekommen kann.
Hardware technisch ist dann wohl auch irgendwann Ende Gelände angesagt.. außer es soll eine 6-Slot-Graka werden mit 1000 W Stromverbrauch^^

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onyman

Veteran

241 Kommentare 128 Likes

Haha, an den Artikel kann ich mich sogar noch erinnern. :)

Allerdings verbinde ich das auch mit einem Vergleich zwischen überraschend ähnlichen Profi- und Gamerkarten. Aber das habe ich dann wohl falsch abgespeichert.

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N
Nemesis

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23 Kommentare 4 Likes

Ki Anwendungen sind im ganz großen Stil im kommen. Was mich so ungeheuer aufregt ist AMDs Politik in Sachen ROCm. Klar gibt es AMD Kompatibilität aber ROCm heißt eben LINUX weil Windows ist für AMD kein wirklich relevantes Betriebssystem. Da ist NICHTS. Nun mögen die Leute eben ein einfach zu bedienendes Betriebssystem. Das ist das große Loch in AMDs Pro Segment, selbst WENN sie bessere Karten abliefern würden.

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S
Shinzon

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11 Kommentare 6 Likes

Naja, AMD hatte ja nicht ganz unrecht. Mit den verfügbaren Treibern sah NV ziemlich alt aus. Hättest du NV nicht explizit darauf angesprochen, wäre wohl von Seiten NV nix gekommen.

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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