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Elgato WAVE:3 im Test – Solides USB Podcast Mikrofon im Labor und in der Praxis

Man kann der Marke Elgato bisher wirklich nicht nachsagen, dass man für die, zugegebenermaßen etwas üppigen Preise, nur aufgehübschtes Gaming-Geraffel bekommen würde. Fast alles hatte bisher Hand und Fuß, auch wenn man sich natürlich auch monetär selbstbewusst nach oben hin orientiert. Nun muss es also ein Podcast-Mikrofon sein. Angekündigt wurde das Ganze mit recht viel Aufwand, die Mitbewerber sind  auch nicht ohne.

Egal ob nun das bereits getestete Blue Yeti (X), ein HyperX Quadcast oder USB-Mikrofone von Razer und Audio Technika – die Armada vergleichbarer Produkte ist so lang wie der Nil. Preislich liegt das auch so ziemlich eng beieinander, so dass sich die UVP von knapp 160 Euro für das Elgato WAVE:3 dann auch irgendwo in der Mitte bewegt. Das Meiste findet man hier von 120 bis 200 Euro und was dann die Straßenpreise betrifft, da entscheidet eh wie so oft dann die Tagesform.

Viele Mikrofone treten mit ähnlichen technischen Daten an, zumindest auf dem Papier. Zumindest da hat sich Elgato ein wenig bewegt und bei den Specs etwas nach- oder besser vorgelegt. Ob das überhaupt nötig ist und wo sich die Grenzen von Marketing, Nutzen und Fledermaus-Religion treffen, überschneiden und nie treffen werden, das muss das heutige Review klären. Zumal ich das Mikrofon mit in die Chamber genommen und auch dort getestet habe. Doch fangen wir mal mit dem Elementaren an und beginnen zunächst alles auszupacken

Lieferumfang und Zubehör

Man bekommt in der Box das gebrauchsfertige Mikrofon, vormontiert auf einem sehr soliden Tischständer mit einem ausreichend schweren Fuß, einen Schwenkarm-Adapter, eine Schnellstartanleitung und ein ca. 2.32 Meter langes  USB-Type-C-Kabel. Das ist ist wiederum ein Alleinstellungsmerkmal, denn alle anderen Mikrofone nutzen Type-B, mini-USB oder micro-USB. Mehr gibt es nicht ab Werk, da muss man dann schon noch die Aufpreisliste beim Zubehör für sich entdecken. Pop-Schutz und Schwenkarm (“Boom”) kosten dann extra.

Technische Spielerei oder echter Mehrwert? Die Specs!

Elgato wirbt für das WAVE:3 mit einem Frequenzumfang von 70 Hz bis 20 KHz und ohne es spoilern zu wollen, das passt sogar. Selten, aber wahr. Man verwendet die üblichen 1,7-cm-Elektret-Kapseln mit geeigneter Vorspannung und Nieren-Charakteristik. Der maximale Schalldruckpegel wird mit 120 dB angegeben. Düsenjet-Liga. Den Dynamikumfang gibt man mit 115 dB an, wobei hier der Clipguard die Spitzen abschneidet. Doch dazu gleich mehr.

Das Elgato WAVE:3 bietet eine solide Auflösung von 24 Bit (meistens nutzen USB-Mikrofone 16 Bit) und im Gegensatz zu den meisten Mitbewerbern auch noch eine recht hohe maximale Abtastrate (Samplingrate) von 96 kHz (statt 48 KHz). Für Laien übersetzt heißt das nichts anderes, als ein theoretisch möglicher Dynamikumfang von 144 dB (der aber auf 115 dB beschränkt wird) und dazu ein theoretisch möglicher Frequenzbereich von 1 Hz bis 48 kHz. Nutzt man nämlich die hier maximal mögliche Abtastrate von 96 kHz, dann müssen auch die Antialias- und Rekonstruktionsfilter nicht mehr so extrem steilflankig und damit invasiv sein, was hilfreich sein kann (aber für Laien kaum hörbar ist).

Man erweitert damit zwar eben nicht nicht den hörbaren Frequenzraum, kann aber durch die sanftere, nicht-invasive Auslegung der Filter sehr gut Verzerrungen und Phasenfehler vermeiden. Der reproduzierte Klang wird somit durchaus besser. Alles oberhalb der Abtastraten von 96 kHz wird allerdings zum Hi-Fi für Fledermäuse. Die theoretisch erreichbaren 48 KHz Obergrenze für den Frequenzumfang wird man allerdings nie brauchen, da dies die Elektretkapsel ja eh nicht schafft. Aber immerhin kann ich noch bis zu 22 KHz messen, auch wenn der Hersteller “nur” 20 KHz angibt. Für die Sprachaufzeichnung ist aber selbst das alles noch viel zu viel.

Windows ist übrigens standardmäßig eh nur auf 48 kHz Abtastrate eingestellt und ich bin mir sehr sicher, dass die Wenigsten überhaupt wissen, wo es den Zuschlag auf 96 kHz überhaupt zu holen gibt und wofür der am Ende überhaupt gut ist. Dazu muss man nämlich in die Windows-Systemsteuerung wechseln und danach in die Eigenschaften des Wiedergabegerätes. Hier kann man dann auch manuell auf die 96 KHz Samplingrate umschalten. Der Normalanwender wird jedoch den Unterschied zwischen den 48 KHz und 96 KHz kaum hören, wenn überhaupt.

Optik, Haptik und Funktionalität

Beginnen wir mal mit dem Äußeren. Der Korpus besteht im unteren Drittel aus matt-schwarzem Kunststoff, der Rahmen auch. Der obere Teil ist vorn und hinten mit schwarz beschichtetem Lochmetall abgedeckt. Haptisch geht das durchaus in Ordnung, optisch eigentlich auch. Zumindest sind die Spaltmaße perfekt, auch wenn sich Metall natürlich wertiger anfasst. Die Front beherbergt das Control-Panel für das Mikrofon (Gain), den Kopfhörer-Pegel und den Chat-Mixer.

Geregelt wird alles über den Drehregler, der durch Klicken die einzelnen Funktionen durchschaltet und dann auch die betreffende LED-Pegelanzeige aktiviert. Alle LEDs leuchten angenehm weiß, sogar der Ring des Drehreglers. Der wird allerdings rot, wenn man oben am Mikrofon die kapazitive Schaltfläche für die Mute-Funktion leicht berührt. Alles wirkt hier durchdacht und ist zudem wirklich intuitiv bedienbar. Man darf also das Gehirn für andere Aufgaben einsetzen.

 

Kommen wir nun zur Rückseite, wo es um die Anschlüsse geht.  Der USB-C-Anschluss dient sowohl der Datenübertragung, als auch der Speisung mit der Versorgungsspannung. Daneben findet man noch eine normale 3,5-mm-Stereo-Klinkenbuchse, an die man einen Kopfhörer anschließen kann. Die Funktion als Kontrollmonitor ist praktisch und das, was man dann noch so zusammenmischen kann, erkläre ich später im Abschnitt mit der Software.

Es ist wirklich erstaunlich, was man alles über ein eigentlich so ein triviales Teil wie ein Mikrofon schreiben kann, ohne in den PR- und Marketing-Sprech zu verfallen. Obwohl die Versuchung natürlich groß ist. Aber der Artikel ist weder bezahlt noch habe ich einen direkten persönlichen Nutzen davon, außer dass es Spaß macht, wieder einmal ein hoffentlich brauchbares Mikrofon zu testen. Das hatten wir nämlich lange nicht mehr.

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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