Audio Audio/Peripherie Kopfhörer Soundkarten Testberichte

Beyerdynamic Impacto Universal als mobiler Kopfhörerverstärker und DAC im Test – Brauchbarer Klang für einen zu hohen Preis

Dass die kleinen mobilen DACs und Kopfhörerverstärker nicht mit stationären Geräten mithalten können, sollte einem auf Grund der Größe und der damit einhergehenden technischen Limitierungen durchaus bewusst sein. Aber da ich selbst einige Schallwandler aus dem Hause Beyerdynamic sowie auch den A20 als Kopfhörerverstärker besitze, war ich auf den Vergleich durchaus gespannt. Immerhin bewirbt man den Impacto Universal auch als ein speziell auf das eigene Produktportfolio abgestimmtes Gerät.

Beim Testmuster handelt es sich um ein Retail-Produkt, das privat gekauft und mir von der Community ungeöffnet und originalverpackt zur Verfügung gestellt wurde. Da ich derartige Geräte selbst gern nutze, war ich umso gespannter, ob es einen Unterschied zu ähnlich gestrickten Geräten mit gleichem Chip gibt, die man im gut sortierten Online-Handel übrigens bereits ab ca. 80 Euro bekommt. Denn Eines muss man auch voranstellen, wenn es gleich um die Bewertung von Optik, Haptik und Funktionalität geht: mit 379 Euro ist der Impacto Universal definitiv kein Billigangebot. Da liegt die Latte schon verflixt hoch.

Was ist eigentlich “Hi-Res Audio”?

Dieses nahezu wertlose Schein-Label klebt momentan so ziemlich inflationär auf allem, was auch nur einen Stecker hat. Für alle Interessierten: es handelt sich nicht um HRA (High Resolution Audio), aber die Ähnlichkeit ist sicher nicht ganz unabsichtlich so gewählt worden. Ein Schelm, der… Die JAS (Japan Audio Society) als federführende Organisation hinter dem von Sony vor Jahren erstmals auf einem eigenen Plattenspieler genutzten Hi-Res-Label schreibt z.B. für analoge Geräte vor, dass bei Verstärkern (um die es ja geht) eine “performance of 40 kHz or above” zu erreichen sei. Dieses Label wird auch nicht “verliehen”, sondern man muss dafür bezahlen. Man kauft es sich also einfach zu.

Darüber hinaus sagt die JAS auch nichts zur eigentlichen Wiedergabequalität und den geforderten Parametern, sondern man schraubt lediglich die Obergrenze des Frequenzbereiches auf das Doppelte herkömmlicher Verstärker nach oben, ohne jedoch irgendwelche Toleranzgrenzen vorzugeben. Was dann am Ende wirklich gut klingt, darf nämlich jede Firma ganz für sich allein entscheiden: “Listening evaluation process is added and final decision as Hi-Res Audio product to be proved according to each company’s sound evaluation standard“. Also im Grunde absolut wertlos und schade um die Druckfarbe. Dass sich ein so traditionell orientiertes Unternehmen solchen Marketing-Stunts andient, war die erste Enttäuschung.

Lieferumfang und Zubehör

Der Einsatz des Impacto im mobilen Bereich lässt sich auch am Zubehör festmachen. Dabei gibt es sogar zwei Versionen: den Impacto Essential, der nur mit Android-Geräten mit USB-OTG sowie PCs und Laptops funktioniert für 329 Euro und den Impacto Universal aus diesem Test für stolze 379 Euro, der zusätzlich mit mobilen Apple-Geräten kompatibel ist und der noch ein Akkupack mitgeliefert bekommt. Neben den beiden Apple-Kabeln erhält man ein USB-A auf C-Kabel (Notebook, PC) bzw. ein reines USB-C-Kabel (Android, PC, Notebook). Passend dazu gibt es das Li-Ion Akku-Pack mit den angegebenen 2.85 Wh.

Darüber hinaus sollte man sich, wenn man keine passenden Kopfhörer von Beyerdynamic besitzt, noch den Zusatzadapter gönnen, der sich in die beiden Klinkenstecker am Ausgang wieder zu einem 3.5-mm-Stereo-Ausgang zusammenfasst. Die passen zwar auch ohne Adapter direkt in Kopfhörer wie meinen Amiron Home oder T5 und ersetzen damit das lange Anschlusskabel, aber diese beiden Kabel sind mit den knapp 40 cm dann wiederum etwas zu kurz. Das wird beim Sitzen im Flugzeug am ausgeklappten Tisch hängen bleiben und abreißen, wenn der Träger das asiatische Gradekörpermaß erheblich überschreitet. Die 10 cm mehr wären sich auch noch drin gewesen.

Funktionalität

Das magnetisch anclipbare Akku-Pack ist beim Betrieb am Smartphone eigentlich ein Muss. Es soll angeblich auch ohne gehen, aber am P30 Pro war dies nicht möglich, trotz USB OTG. Da braucht es dann schon ein voll aufgeladenes Pack, um den Sound auch wirklich nutzen zu können. Dann wiegt das Ganze zwar ca. 50 Gramm (statt 12 Gramm) ohne Kabel, ist aber  immer noch angenehm leicht. Beyerdynamic  schreibt von ca. 5 Stunden Akkubetrieb, die man sogar erreicht, wenn man eher leise hört. Sonst sind nach den reichlich 4 Stunden Ladezeit ca. 3.5 Stunden Party-Betrieb möglich. Mehr geht nicht und eine Schnelladefunktion gibt es leider auch nicht.

Der Korpus ist als Monoblock ausgeführt, d.h. es ist alles komplett verklebt bzw. verschweißt und später mit Rubber-Coating überzogen worden. Haptisch ist dies aus meiner Sicht eine Katastrophe, optisch leider auch. Man sollte das untenstehende Bild wirklich einmal vergrößern, um die Problematik zu verstehen. Das Gerät auf dem Foto wurde in exakt diesem Zustand aus der Verpackung entnommen und ich möchte nicht wissen, wie das dann nach einer Woche aussieht. Es fasst sich auch reichlich klebrig an, was haptisch in dieser Preisklasse eigentlich ein NoGo ist. Noch einmal zur Erinnerung: 379 Euro werden hierfür fällig und es ist die zweite Enttäuschung.

Die Bedienung über das hintergrundbeleuchtete Tastenfeld ist intuitiv und selbsterklärend, der Rest klassenüblich.

Die Technik im Inneren: der ESS SABRE9018Q2C

Den Chip von ESS, der einen leistungsfähigen DAC und einen einigermaßen brauchbaren Kopfhörerverstärker enthält, kennen wir schon aus vielen Anwendungsgebieten bis hin zu guten Motherboards. Er ist so konzipiert, dass sich die Außenbeschaltung zudem auf ein Minimum reduziert. Neben dem relativ günstigen Preis von unter 8 USD kann man so mit sehr wenig Aufwand Komplettlösungen für deutlich unter 20 USD Herstellkosten realisieren, wenn man es beim Tooling nicht gerade übertreibt. Der ESS SABRE9018Q2C ist vor allem als DAC wirklich gut, denn es ist ein hochleistungsfähiger 32-Bit, 2-Kanal Audio-D/A-Wandler mit integriertem Kopfhörerverstärker und Ausgangsschalter.

Dieser SOC wurde für audiophile, portable Anwendungen wie Mobiltelefone und digitale Musikplayer, Heimelektronik wie Blu-ray-Player, Audio-Vorverstärker und A/V-Receiver sowie für professionelle Anwendungen wie Aufnahmesysteme, Mischpulte und digitale Audio-Workstations konzipiert. Die Architektur und der Time Domain Jitter Eliminator ermöglichen recht ordentliche DNR-Werte von bis zu 121dB und einen THD+N von -115dB. Der DAC kann bis zu 32-Bit 384kHz PCM-Daten über I2S sauber verarbeiten und es werden sowohl synchrone als auch ASRC-Modi (asynchrone Abtastratenwandlung) unterstützt. Das ist gut.

Der Kopfhörerverstärker liefert immerhin die üblichen 2 Volt an 250 bis 600 Ohm, also ca. 7 mW. Das reicht zwar weder am T5, noch am Amiron Home für eine saubere Vollaussteuerung, aber mobil und für unterwegs reicht das allemal. Die 50 mW an 32 Ohm sind akzeptabel, aber auch keine Offenbarung des kleinen Chips, wenn man den Preis im Hinterkopf behält. Denn ein Sabaj DA3 setzt auf eine sehr ähnliche Platine, bietet noch ein OLED Display, das wertigere Gehäuse und kostet nicht einmal 90 Euro. Gut, ohne Akku natürlich. Dafür gibt es aber 2 Ausgänge.

Sound-Check: klein, fein aber nicht wirklich einzigartig

Egal, ob nun Kopfhörer der eigenen Marke oder nicht, der ESS-Chip liefert den gewohnt guten Sound an fast allen Impedanzen. Da sich die Charakteristik über die Außenbeschaltung leicht anpassen lässt, hat man eine leicht höhenlastige, aber nie zu schrille Wiedergabe, die durchaus überzeugen kann, wenn man diese Spielart denn mag. Allerdings passt der Impacto eher zum leicht dumpfen Amiron Home, beim T5 klingen ab einem gewissen Lautstärkepegel vor allem die Hochtonbereiche ab ca. 4 KHz aufwärts stellenweise dann doch sehr gequält bis metallisch.

Es fehlen einfach die Luftigkeit und die Reserven eines guten externen Kopfhörerverstärkers, denn der kleine Amp des ESS-Chips kämpft bei höheren Pegeln bereits mit einem leichtem Pumpen, wenn kurze, trockene Bässe in die Quere kommen. Kesselpauke und Streicher zusammen vertragen sich nur schaumgebremst und hier sollte man es, auch im Hinblick auf eine wirklich saubere Wiedergabe, einfach bei mittleren Lautstärken bewenden lassen. Das ist natürlich meckern auf sehr hohem Niveau, aber das muss man bei weit über 300 Euro für das Ticket dann auch abkönnen.

Zusammenfassung und Fazit

Auf der Haben-Seite stehen die (leider etwas zu kurze) direkte Verkabelung für die eigenen Produkte und der DAC samt seiner Fähigkeiten. Der integrierte Kopfhörer-Verstärker ist akzeptabel, der Akku samt Laufzeit eher Mittelmaß. Die Ladezeit ist allerdings recht hoch, eine Quick-Charge-Funktion findet man nicht. Die Konnektivität ist gut, die mitgelieferten Kabel sind zweckmäßig und ausreichend. Bis hierhin hätte also alles gut enden können, denn obwohl eher günstige Elektronik verbaut wurde, passt alles noch zusammen.

Was aber wirklich fragwürdig ist, ist das instabil wirkende kleine Kunststoffgehäuse mit dem sehr einfachen und haptisch abstoßenden Rubber-Coating als Überzug. Das ist ein Schmutzfänger pur, denn der Impacto ist bereits Out-of-the-Box zugestaubt und verkrümelt wie eine Fusselrolle. Bei einem derartig hohen Preis hätte man hier eine wertigere Umsetzung erwarten können. Vergleicht man den Impacto mit dem sonstigen Qualitätsanspruch des Herstellers, dann kann ich das Gebotene erst recht nicht verstehen. Hier hätte man beim chinesischen Supplier auf einem besseren Qualtitätsmanagement bestehen und auch einmal Kontrollen vornehmen müssen.

Da Beyerdynamic die Pressearbeit wieder selbst erledigt, hat mir auch der jahrelange Kontakt zur ehemaligen Presseagentur nichts genutzt. Die PR in Heilbronn war innerhalb von drei Wochen leider nicht für ein klärendes Telefon-Gespräch erreichbar und es gab auch keine Vertretung im eigenen Haus. Deshalb veröffentliche ich den Test jetzt ohne vorherige Rücksprache trotzdem, obwohl so etwas nicht mein Stil ist. Es ist schade, aber nicht zu ändern. Empfehlen kann man den Impacto, egal in welcher der beiden Ausführungen, zumindest für den avisierten Preis definitiv nicht. Hier setzt man den guten Markennamen auf ein fast schon belangloses OEM-Produkt und garniert die ganze Sache noch mit einem komplett nutzlosen Label. Um die 100 Euro wären ok, aber weit über 300 Euro sind es nicht.

Und jetzt kommt die gute Nachricht, ganz zum Schluss

Der Impacto Essential ohne Akku-Pack wird aktuell für schlappe 49 Euro als B-Ware im hauseigenen Outlet verkauft! Das wiederum ist geradezu ein Schnäppchen für alle Onboard-Sound-Geschädigten, das ich eher zufällig noch entdeckt habe, als der Artikel schon fertig war. Für knapp 50 Euro relativiert sich das Kritisierte natürlich, denn es reduziert den Impacto auf die verbaute Elektronik. Und die geht für 50 Euro voll in Ordnung!

 

Danke für die Spende



Du fandest, der Beitrag war interessant und möchtest uns unterstützen? Klasse!

Hier erfährst Du, wie: Hier spenden.

Hier kannst Du per PayPal spenden.

About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

Folge Igor auf:
YouTube   Facebook    Instagram Twitter