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Acer Predator GM7 1 TB NVMe SSD im Test – Exotische Mittelklasse in hocheffizient und extra-kühl

Leistungsaufnahme und Temperaturen

Ich hatte es ja bereits geschrieben, dass man die SSDs fast schon ungekühlt nutzen kann. Im Leerlauf sind es rund 700 mW, die ich am Adapter messen kann. Im Normalmodus (Workstation-Workloads, Gaming) genehmigt die die gesamte SSD keine 2,5 Watt, was ein absoluter Spitzenwert für eine PCIe-4-SSD ist. Die maximal 4.43 Watt im Peak (typisch 3,8 bis 4 Watt) beim Dauerkopieren sind auch nichts, was einem Angst einflößen dürfte. Das thermische Throttling soll bei rund 90 °C einsetzen, aber das konnte ich selbst ohne Kühler nicht einmal ansatzweise erreichen. Bei rund 68 °C im Stresstest war Schluss mit der weiteren Erhitzung und normal sind es beim Gaming keine 45 °C. Ohne Kühler wohlgemerkt. Allein durch eine einfache, rückseitigen Kühlung, fällt die Temperatur um bis zu 9 Grad.

Controller und NAND-Speicher

Biwin setzt als Controller auf einen MAP1602A von Maxio. Hierbei handelt es sich um eine Ausgründung von JMicron, die seinerzeit auch schon einmal diverse SSD-Controller hergestellt hatten. Dieser hochinteressante Controller setzt bereits auf den 12-nm- Node von TSMC und einen ARM Cortex-R5-Kern samt Co-Prozessoren. Er verfügt über vier Kanäle und ist komplett DRAM-frei, was letztendlich auch zu Effizienzsteigerung beiträgt. Im Gegensatz zu anderen DRAM-losen PCIe 4.0-Controllern, wie Letztens auf der von mir getesteten Corsair MP600 GS, verfügt dieser über einen 2400 MT/s-Bus, was wohl ebenfalls noch der Effizienz zu gute kommen sollte und Phison durchaus ärgern dürfte.

Zum Controller ist nicht viel bekannt, aber unterstützt er sowohl Trim- als auch S.M.A.R.T.. Wie andere Controller auch, nutzt er Active State Power Management (ASPM), Autonomous Power State Transition (APST) und den L1.2 Ultra-Low-Power-Status. Eine thermische Drosselung ist implementiert, ist aber nicht weiter von Belang, da der Controller in den meisten Anwendungsfällen nicht zu heiß wird. Das erkennt man auch daran, dass man im Gegensatz zu vielen anderen Modellen auf einen integrierten Nickel-Kühlkörper verzichten kann. Viel mehr an Daten bekommt man aber leider nicht, denn die öffentliche Zugänglichkeit der Informationen ist schon arg limitiert.

Ich schrieb es ja schon mehrmals, dass die SSD auf einen dedizierten DRAM-Cache verzichten muss. Sie greift stattdessen via Host-Memory-Buffer (ab Windows 10) auf den normalen System-RAM des Rechners zu. Das kann man durchaus machen, denn im Normalfall reicht selbst dieses standardmäßige NVMe-Feature, um das Fehlen eines eigenen DRAM-Caches auszugleichen. Was da aber sporadisch passieren kann, werden wir beim AJA-Streaming gleich noch sehen.

Der Maxio Controller kommuniziert mit dem NAND über vier sehr schnelle NAND-Flash-Kanäle mit bis zu 2400 MTps (normal sind 1600 MTps) und unterstützt Kapazitäten von bis zu 4 TB. Unser Muster enthält einseitig zwei NAND-Module. Dieser von Biwin gebinnte und gelabelte Flash ist 3D-TLC von YMTC. Die vierlagige 128-Layer-Variante auf meiner SSD ist nicht einmal die neueste Ausbaustufe, aber diverse politische Spielereien verhindern wohl momentan, dass man den Platzhirschen wie Micron mit eigenem (und noch effizienterem) 232-Layer RAM gefährlich werden könnte. Nur gehören solche Diskussionen nicht hierher. Aber es ist schon ärgerlich. MAGA und so…

Dieser Flash verfügt zumindest über die ältere Xtacking-Technologie und hat als neuere Iteration auch schon ein anderes 2×2-Layer-Layout als das ursprüngliche 128-Layer-Design. Es handelt sich genau genommen um eine bekannte Wafer-on-Wafer-Technologie, um separate CMOS-Schaltkreise auf einem umgedrehten Flash-Array (FlipChip) zu verbinden. Gewisse andere Flash-Hersteller setzen die CMOS stattdessen unter das Speicherarray. Das Design von YMTC bietet zudem Vorteile in Bezug auf die Chipdichte und die Effizienz, ist aber etwas in der Produktion dadurch auch deutlich aufwändiger.

 

Was bedeutet eigentlich dynamischer pSLC Cache?

Kommen wir nun zu einem etwas technischeren Detail, das den meisten so gar nicht im vollen Umfang bekannt sein dürfte. Über pSLC-Cache ist ja schon viel geschrieben worden, das muss man gar nicht noch einmal im Detail durchkauen, maximal noch als kleine Auffrischung. Here we go…

Um die Schreibgeschwindigkeit zu erhöhen, wird gern der sogenannte  “Pseudo-SLC Cache” (pSLC) in Consumer-Produkten genutzt, wobei man ihn mittlerweile auch in diversen industriellen Lösungen findet. Hierfür wird ein Teil der NAND-Kapazität als SLC-Speicher konfiguriert, in dem nur ein Bit pro Zelle gespeichert wird. Dementsprechend kann dieser Speicher sehr schnell beschrieben und gelesen werden. Da es sich nicht um dedizierten, also keinen echten SLC-Speicher handelt, wird er pseudo SLC genannt. Ein solcher Cache kann für alle Speichertypen verwendet werden, die mehrere Bits pro Flash-Zelle speichern, also wie hier beim TLC drei Bits. Der pSLC Cache nutzt bei dem einen Bit zudem eine deutlich höhere Spannung, was eine gewisse Sicherheit bietet und damit besser ist als Fast Page.

Die Verwendung von pSLC-Cache bietet einen Geschwindigkeitsvorteil, vor allem dann, wenn das Speichermedium nicht mit Lese- oder Schreibzugriffen zwischen dem dem Schreiben größerer Datenmengen beschäftigt ist. Diese Leerlaufzeiten werden vom Speichermedium genutzt, um Daten aus dem Cache in den TLC-Bereich zu verschieben.

Figure 1 – Pseudo SLC Cache (pSLC)

Doch die Nachteile des pSLC kennt jeder. Wenn der schnelle pSLC-Cache nämlich voll ist, sinkt die Geschwindigkeit deutlich ab, da weitere Schreibzugriffe auf das auf das Speichermedium erst den pSLC freimachen müssen, indem man ältere Daten aus dem Cache in den TLC Speicher verschiebt. 

Doch was bitte versteckt sich jetzt hinter “dynamischem pSLC Cache”?  Dynamischer pSLC-Cache hat zwar mittlerweile auch seinen Weg in industriellen Speicherlösungen gefunden, aber nur mit sehr harten Einschränkungen. Im Gegensatz zum statischen pSLC-Cache werden bis zu 100 % des NAND-Flash dynamisch als pSLC-Cache genutzt, je nachdem, wie voll das Speichermedium ist. Der Cache kann also bis zu 1/3 der Gesamtspeichergröße umfassen

Die Schreibgeschwindigkeit des Speichermediums hängt allerdings nicht nur von der Datenmenge ab, die ohne Unterbrechung geschrieben wird, sondern auch vom Füllstand des Speichers. Und genau das macht die Schreibgeschwindigkeit im Lebenszyklus nur schwer vorhersagbar.

Figure 2 – Dynamic pSLC Cache and Performance (based on Swissbit study)

Von einer dynamischen Änderung der Konfiguration von Flash-Blöcken als pSLC- oder TLC-Speicher wird von den NAND-Flash-Herstellern aus Gründen der Zuverlässigkeit zwar abgeraten, aber im Consumer-Bereich, wo die Temperaturfenster nicht so sehr von Belang sind, sieht man das durchaus etwas entspannter.

Alle Hersteller von dynamischen NAND-Speichermedien Medien, auch Micron, wechseln nach einer festgelegten Maximalanzahl von Programm- und Löschzyklen dauerhaft in den TLC-Modus zurück. Davor erreicht das Speichermedium die besten Werte vor allem bei kurzen Schreibvorgängen, die nicht die gesamte Kapazität benötigen. Nach einer gewissen Nutzungszeit wird das Medium jedoch dauerhaft verlangsamt, das darf man nie ausblenden. Der E18 von Phison beherrscht die dynamische Änderung der Konfiguration von Flash-Blöcken recht gut, aber die Physik überlisten kann er auch nicht.

Wann man dann das Ende der tollen Cache-Performance erreichen wird, ist hier so ein Ding mit Unwägbarkeiten. Nach reichlich 75 GB im Stück war erst einmal Schluss mit der Herrlichkeit und bei etwas mehr als 80% der Kapazität liegt man nur noch auch mittelmäßigem SATA-Niveau. Das wird man in der Praxis so zwar kaum hinbekommen, aber im Stück vollzuschreiben und das vielleicht auch öfters, sollte man besser lassen.

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Derfnam

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Ich frag mal ganz doof: wird sowas vorher nicht ausgiebig getestet? Als (vermeintlich) fertiges Produkt ist das schon verwirrend bis anmaßend.

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DrDre

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Wird wie so oft sein, der Kunde ist im Endeffekt der Tester.

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Derfnam

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7,517 Kommentare 2,029 Likes

Meinetwegen, aber dann auch zu nem Testpreis. Gelb wär zudem schön ;)

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e
eastcoast_pete

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1,572 Kommentare 900 Likes

Interessant mag sie schon sein, die SSD, aber mit den doch durchwachsenen Ergebnissen doch (zu) teuer. Eigentlich schade, denn gerade der 2 TB Bereich interessiert mich im Moment schon, da die 512 GB und 1 TB SSDs etwas voll werden, trotz regelmäßigem Auslagern auf das Datengrab (6 HDDs).

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Igor Wallossek

1

10,316 Kommentare 19,116 Likes

Sagen wir es mal so: bisher gibts weltweit wohl nur 4 Reviews überhaupt. TH US testet nur synthetisch... Nur steckt der Teufel eben im Detail. So CrystalDisk Mark-mäßig ist ja alles prfekt. Nur eben nicht in der Workstation...

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P
Phelan

Veteran

198 Kommentare 173 Likes

Naja diese SSD ist sicherlich nicht für Workstation gedacht.

Sachen "weglassen" macht man ja um eine preiswerte und oder sparsame SSD bauen zu können.
Im nomalen PC wird man das schlicht nicht bemerken und in Notebooks ist geringer Verbrauch oft höherwertig als maximale Performance.

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big-maec

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870 Kommentare 509 Likes

Sieht man auch schon an dem geringen TBW Wert.

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b
blaubaer

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Ja, das stimmt!
Ich bin aber gespannt, wieviel sich bei einem ev. "Nachreifetest" mit aktualisierter Firmware noch verändern wird.
Persönlich stehe ich den DRAM-less SSDs vor allem wegen der nachlassenden Leistung durch Alterung/Abnutzung etwas skeptisch gegenüber, aber es ist für mich auch schwer, das für meinen use case einzuschätzen.

@Igor Wallossek, auf Seite 2 im Kapitel "Was bedeutet eigentlich dynamischer pSLC Cache?" wurde wohl was verschluckt:
"Die Verwendung von pSLC-Cache bietet einen Geschwindigkeitsvorteil, vor allem dann, wenn das Speichermedium nicht mit Lese- oder Schreibzugriffen zwischen dem dem Schreiben größerer Datenmengen."

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M
Massaker

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Ich würde sagen - ein Copy&Paste-Fehler. Zieht sich aber schon durch die ganzen Reviews letzte Zeit, siehe: MSI, Kioxia, Corsair usw...
P.S.: fehlt wohl "...beschäftigt ist."

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Alkbert

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Also als reine Datengräber bin ich mit meinen Fanxiang SDD´s sehr zufrieden.
jeweils 2 TB, TLC Nand und 125 Euro das Stück. Zack Bumm Fertig. Es gibt schnellere, Bessere und solche, wo man sogar den Namen aussprechen kann. Aber ich bin zufrieden und habe die in einem 8 TB Array laufen (Als PCIe 16 Karte mit Port Bifurcation)

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Reminder

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44 Kommentare 26 Likes

Was mich bei dieser SSD doch abschreckt ist nicht etwa der prognostizierte Preis, wenngleich auch hier gilt: für ein paar € mehr gibt's auf dem Markt besseres, sondern wie schon genannt der im Vergleich zur Konkurrenz doch sehr niedrige TBW-Wert. Klar, auch 800 Tb muss man erst mal zusammen bekommen, aber wenn ich sehe dass selbst auf meinem verhältnismäßig wenig genutzten Rechner die System-SSD binnen 3 Monaten über 5 TBW zusammen bekommen hat, wird jemand mit viel Workload wohl nicht allzu lange Freude an dieser SSD haben. Zudem sehe ich den TBW-Wert durchaus auch als eine gewisse Form von "Qualitätsmerkmal". Ja, da steckt gerne auch Marketing dahinter, aber wenn Hersteller A 2.400 TBW zusichert, weckt das dennoch mehr Vertrauen, als wenn wie hier der Hersteller gerade einmal 800 TBW zusichern mag.

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Alkbert

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947 Kommentare 723 Likes

Für mich sind die SSD´s "Verschleißteile" und zwar weniger von dem TBW sondern eher von der Kapazität. Ich prognostiziere den 2 TB Teilen bei mir keine 2 Jahre, dann sind die allesamt rausgeflogen und durch 4 TB NVME´s ersetzt. Insofern schrecken mich die 800 TBW net wirklich.

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Derfnam

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7,517 Kommentare 2,029 Likes

Da bin ich ja mal gespannt, ob du den Namen der 4 TB-Dinger aussprechen kannst ;)
Für Spiele oder als Datenlager sollten die 800 langen. Aber für solche Teile ist mal das Wort 'unrund' erfunden worden.

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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