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Windows 10 hängt nach der Neuinstallation beim Hochfahren? Workaround für fehlerhaften Partitionsmanager im Setup | Praxis

Wer kennt ihn nicht, den hässlichen Moment, wenn man denkt man hat das Windows-Setup soweit fast abgeschlossen und dann hängt der neue Bolide plötzlich fest? Man hat die SSD entsprechend partitioniert, die Partition für die Installation festgelegt, alles drauf gespielt, das Setup startet die Dienste, meint alles vorbereitet zu haben und bleibt dann nach dem nächsten, fälligen Reboot einfach und immer wieder an der gleichen Stelle hängen? Bewegt man die Maus, sieht man den Cursor, aber die netten kleinen Kreise der Fortschrittsanzeige sind wie eingefroren (siehe Bild)?

Das Ganze ist mir gestern bereits zum zweiten Mal passiert und ich bin damals, beim ersten Mal, glatt verzweifelt. Ich habe Stunden damit versenkt, das Setup fertig stellen zu können und bin anfangs doch immer wieder gescheitert. Das Problem ist dabei aber weder mein PC im Allgemeinen, noch die SSD im Speziellen. Das Problem liegt an Windows selbst und den Unzulänglichkeiten des Partitionsmanagers im Installer. Was war genau passiert? Ich hatte gestern für meinen neuen Gaming-Table zwei SSDs herausgesucht, bei denen aber dann leider wieder dieses Problem auftrat. Bei beiden wohlgemerkt.

Auf einer SSD befand sich bereits eine ältere Windows 10 Installation (2019), jedoch nicht im UEFI-Modus und die andere war ein günstiger Kauf aus einem Warehaus-Deal, die auf den ersten Blick noch unverdächtig aussah. Während mir der Partitionsmanager bei der benutzen SSD die  alten Partitionen anzeigte, wies die ganz offensichtlich refurbishte SSD eine einzige Partition aus, die wohl ursprünglich zum Speichern von Daten angelegt wurde. Ein typischer Warehouse-Deal eben, wo man auch gebrauchte Dinge untergeschoben bekommt. Beides waren jedoch keine SSDs aus einem UEFI bzw. GPT System.

Wenn man die alten Partitionen löschte und dann die neue, UEFI-konforme Partitionierung vornahm, sah alles noch völlig unverdächtig aus (siehe Symbolbild unten)

Die Installation lief erst einmal fehlerfrei und unverdächtig weiter. Dienste wurden gestartet und alles “vorbereitet”. Immer nach dem dann fälligen Reboot und bevor Windows dann die Installation mit den üblichen Abfragen nach Nutzer, System und Klimbim fortsetzen konnte, war Schluss mit Lustig. Freeze de luxe! Und nun? Wenn man nicht zufällig noch eine, wirklich unbenutzte SSD zur Hand hat, wird man wohl erst einmal verzweifeln. Die Annahme, dass der Partitionsmanager des Windows-Setups nämlich wirklich alles zurücksetzt und neu aufteilt, ist leider falsch.

Workaround auf die harte Tour

Wenn man keine kostenpflichtigen Programme zum Zurücksetzen und Partitionieren besitzt, jedoch die Möglichkeit hat, eine kleinere oder zumindest gleich große SSD mit einem Freeware-Tool seiner Wahl zu klonen, dann hat man faktisch schon gewonnen. Dabei ist es egal, ob man die Systemfestplatte eines anderen UEFI-Systems oder im Ernstfall sogar eine leere Daten-SSD klont, Hauptsache es wird erst einmal alles einschließlich des alten MBR (Master Boot Record) überschrieben!

Danach kann man mit dieser SSD die ganz normale Windows-Installation vornehmen und vor allem auch erfolgreich abschließen. Ich gebe zu, der Fehler ist etwas ausgefallen, da die Konstellation mit einem alten CSM-System oder einer verhunzten Gebraucht-SSD eher selten auftritt. Aber wenn man einmal vor dieses Problem gestellt wird, dann ist die Lösung wirklich arg tricky. Allerdings braucht man auch für diesen Workaround erst einmal einen zweiten PC. Im Notfall (und damit spare ich mir immer den lästigen Einbau) hat man ja ein externes NVMe-Laufwerksgehäuse für den USB-C zur Hand. Das spart Nerven und vor allem auch Zeit.

Und wer sich fragt, was ich da so Wichtiges mit “alten” SSDs zusammengebaut habe (ja auch ich kaufe meine SSDs zur privaten Nutzung selbst), dem mache ich bei dieser Gelegenheit gleich noch Appetit auf den Erfahrungstest mit dem Samsung Odyssey G9 (auch so ein Amazon “Schnäppchen”) in meinem neuen alten Gaming-Table, mit dem ich neuerdings nicht nur spiele (wenn mal Zeit bleibt), sondern auch rendere. Deshalb steckt Dort auch ein wassergekühlter und übertakteter AMD Threadripper 3970X mit schön viel RAM drin. Die RGB-Illumination lässt sich per Knopfdruck übrigens einfach stilllegen.

 

 

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McHunter

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17 Kommentare 2 Likes

Hmmm... warum nicht einfach ein Linux LIVE System (Knoppix/LinuxMINT o.ä.) von USB oder CD/DVD starten und dann mit dem dort vorhandenen Partitionsmanager denn MBR und alles andere auf der SSD Plätten?

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komatös

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39 Kommentare 16 Likes

Also ich prüfe und bearbeiten grundsätzlich alle HDDs/SSDs, ob neu oder gebraucht, vor dem permanenten Einbau. Dafür braucht man keine teure Bezahlversion eines Partitionsmanagers. Hier reicht z. B. der AOMEI Partition Assistent.

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Martin Gut

Urgestein

4,030 Kommentare 1,423 Likes

Das erinnert einem an die Momente, in denen man im BIOS 3 mal von CSM auf UEFI und wieder zurück stellt und immer wieder bootet. Und plötzlich geht, was vorher mehrmals nicht geklappt hat. o_O

Dafür habe ich noch Paragon Partition Manager 2012 rum liegen. Ich weiss nicht mehr, was der gekostet hat, aber es hat sich für mich schon längst gelohnt.

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meilodasreh

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59 Kommentare 7 Likes

Ich fürchte, das Problem werden relativ viele Nutzer "älterer Gurken" bekommen, wenn Windows11 als upgrade-Version breit verfügbar wird.
Als IT-affiner Mensch, der regelmäßig mal die einschlägigen Fachmagazine "blättert", bekommt man ja mit, daß Win11 den alten BIOS/Legacy boot modus nicht mehr unterstützen wird, und ein einfaches Umschalten auf UEFI bei alten Systemen und bestehender Win10-Installation nicht so einfach möglich ist...aber der 08/15 Nutzer, der das upgrade von Microsoft unter die Nase gerieben bekommt, weiß das sicherlich nicht.

Bleibt zu hoffen, daß die Installationsroutine das vernünftig im Vorwege abprüft, und nicht einfach drauf los installiert, und dann wie von Igor beschrieben unfertig stehen bleibt, ohne vor und zurück.

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komatös

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39 Kommentare 16 Likes

Hier darfst Du mal nachschauen ob deine "alte Gurke" noch unterstützt wird.

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Igor Wallossek

Format©

5,827 Kommentare 9,059 Likes

Weil die Hürde für ded, der dieses Problem erstmalig sieht und nicht lösen kann, sicher mindestens genauso hoch liegt. Knoppix dürften 2% der User kennen, falls überhaupt. Hier geht es ja nicht um Freaks, sondern Otto Normaluser :)

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Igor Wallossek

Format©

5,827 Kommentare 9,059 Likes

Mein aktueller Threadripper samt RTX 3090 ist leider nicht geeignet :D

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McFly_76

Veteran

327 Kommentare 93 Likes

Alle wichtigen "Werkzeuge" bietet mir Hiren's BootCD PE auf 'nem USB Stick ;) https://www.hirensbootcd.org/download/

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QuFu

Veteran

142 Kommentare 44 Likes

Ich hatte neulich auch eine Hand voll solcher SDDs ominöser Herkunft bekommen, die sollten hauptsächlich zu USB-SDDs umfunktioniert werden. Schon die Datenträgerverwaltung von Windows konnte damit nichts sinnvolles machen. Ich nehme dann aber meist DISKPART, um da mit der Brechstange alles runterzuwerfen. Das geht schnell und erfordert keine extra Programme. Und außerdem ist es auch noch in dem Windows PE vom Windows-Setup enthalten, mit Shift+F10 also gleich im Setup verfügbar.

Die Verteilung im Screenshot sieht für mich aber sehr verdächtig aus, da die Reihenfolge der Partitionen völlig durcheinander ist. EFI (System) sollte am Anfang stehen und Recovery am Schluss. Wer zur Partitionerung eines Windows-Datenträgers mehr wissen will, hier offiziell von MS was dazu. Dort gibts sogar ein DISKPART-Skript für solche "schweren" Fälle, hab ich aber noch nicht ausprobiert.

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Göran

Mitglied

57 Kommentare 8 Likes

Also wenn du nur die Paritionstabelle löschen willst, dann boote irgendein Live-Linux. Führe dd if=/dev/zero of=/dev/diessd bs=1M count=16.
Damit werden die ersten 16MB mit Nullen überschreiben. Eigentlich sollte das erste MB reichen, aber mit 16 MB ist man auf der sicheren Seite :).
Wichtig! sicherstellen dass das richtige Device angesprochen wird. Am besten im Bootlog schauen. Wenn nur eine Festplatte verbaut ist, brauch man natürlich nicht schauen.

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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