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Tester in Gefahr: Wieviel Watt überlebt der 12-Pin-Connector der NVIDIA GeForce RTX 3080 und RTX 3090 ohne zu schmelzen?

Die Diskussionen, welchen Stromfluss diverse 6-, 8- oder jetzt sogar 12-Pin-Buchsen überleben ist so alt wie diese Buchsen selbst. Doch während man im Laufe der Jahre immer wieder mal das eine oder andere Experiment dazu sehen konnte, ist der 12-Pin Micro-Fit 3.0 Anschluss neu. Das wiederum weckte natürlich die menschliche Neugier und genau an dieser Stelle kommt jetzt mein langjähriger Freund Aris Mpitziopoulos mit ins Spiel bzw. sein Labor. Mit Aris verbindet mich nicht nur die langjährige Zusammenarbeit bei meinem vorigen Publisher, sondern auch der der rege Gedankenaustausch bei diversen Projekten, die vielleicht (noch) nicht so sehr in der Öffentlichkeit stehen.

Da liegt es sicher nahe, Ihn und seine Projekte Cybenetics und Powenetics einmal näher vorzustellen, wobei man sich Powenetics schon einmal genauer anschauen sollte, denn eigentlich kennt Ihr das Prinzip ja schon von meinem Shunt-Messaufbau, der übrigens ja auch nicht zufällig so aussieht, wie er aussieht. Doch wir wollen nicht abschweifen und uns heute erst einmal der Frage widmen: Wie viel Watt (bzw. genauer Ampere) überlebt sie eine 12-Pin-Geschichte vor der potentiellen Kernschmelze? Oder eben auch nicht, aber genau das hat Aris ja herausgefunden.

So, also das auf dem Bild sind mein Freund Aris und ein ziemlich massives 12-Pin zur PSU Kabel samt der Idee, genau diese Steckverbindung einmal auf Herz, Nieren und eventuelle Brandblasen zu testen. Das Equipment dazu ist in Aris’ Labor vorhanden, das Kabel selbst stammt von Seasonic und wurde ja schon durch die Medien ausführlich beschrieben. 

Ich schrieb ja schon, dass Seasonic hier richtig dickes Kabel verwendet hat, das auch in der fertigen Ausführung ordentlich Gewicht (und Kupfer) mit sich bringt. Wer verglüht zuerst? Das massive AWG16-Kabel oder doch die Buchse samt Stecker?  Laut Spezifikation sind es 9-Ampere pro Rail und damit bei 6 stromführenden Leitungen dann 54 Ampere bzw. 648 Watt insgesamt.

Für den Messaufbau nutzt Aris entsprechende Widerstände, für jede Rail genau einen. Hier handelt es sich um 150-Watt-Modelle, was zwar etwas grenzwertig erscheint, aber aufgrund der Montage mit Kühlern auf zwei großen Aluminium-Strang-Platten sogar noch deutlich mehr vertragen kann, solange das Experiment nicht über Stunden geht. Für heiße Luft ist also schon einmal gesorgt.

Das Ganze muss natürlich auch angeschlossen und verkabelt werden. Und so kommt das Seasonic-Kabel auf der anderen Seite an eine Spezialplatine, die faktisch ein modulares Netzteil simuliert, das die beiden 8-Pin-Anschlüsse des Seasonic-Kabels aufnimmt.

Für die Messung kommen kalibrierte Typ- K-Sensoren zum Einsatz, denn die kleine Flir ist zwar as IR-Kamera ein nettes Tool zum oberflächlichen Überprüfen diverser Kabel- und Kontaktoberflächen, aber in den Buchsen selbst kann man damit ja leider nichts messen. Denn es interessieren ja in erster Linie die Steckkontakte der Buchse sowie der Stecker als solcher. Der Rest sind interessante Oberflächlichkeiten.

Nun bekommt die ganze Geschichte Strom und wir sind schon mal gespannt. Ein erstes Experiment hatte ja ergeben, dass die ausgelobten knapp 650 Watt schaffbar waren, also kommt noch ein Schippchen obendrauf. Satte 63 Ampere auf 12 Volt gibt das Labornetzteil nun in den Aufbau, also imposante 756 Watt! Genau das wird jetzt auch einprogrammiert und für den Test stabil geliefert!

Starten wir das Experiment. Der 12-Pin-Stecker (blau) liegt bei reichlich 60 °C nach bereits wenigen Sekunden, die beiden Messfühler an der Bank liegen bei moderaten 34 bis 37 °C noch in der Aufwachphase.

Nach wenigen Minuten sind wir beim 12-Pin bereits bei 120 °C,  während die beiden anderen bei 51 bzw. 61 °C liegen. Die Kabel oberhalb der Verbindung liegen übrigens laut Flir bereits bei reichlich 200 °C und etwas darüber!

Die nachfolgende Thermografie zeigt noch einmal alle Messpunkte am Stecker, wobei der Stecker selbst mit 144 °C nicht gefährdet war, das Material kann das gerade noch so ab. Was man allerdings riecht, ist die Ummantelung der Kabel, denen die 280 °C bereits extrem zusetzen. Flammpunkt? Da müsste man Seasonic fragen. Verkohlt ist noch nichts, abgetropft auch nicht, was für die Qualität der einzelnen Leitungen und der Ummantelung spricht. Aber grenzwertig ist dies allemal. Und bitte: bloß nicht nachmachen!

Gut für den kommenden Winter ist so etwas allemal und anfassen sollte man auch die Widerstände nicht. Und wer sich jetzt über die gelben Fingernägel wundert, Aris ist auch ein kleiner Scherzkeks (ok, es war seine Frau).

Schauen wir uns nun noch einmal die Protokollierten Verläufe der Temperaturmessung an. Die blaue Kurve ist der Messfühler im Stecker, was sich ziemlich genau auch mit den IR-Werten deckt, die anderen beiden Kurvendie bank, die nie über 90 °C heiß wurden.

Fazit und Zusammenfassung

Damit hat das heutige Experiment eigentlich sogar zwei Dinge bewiesen: Erstens ist der 12-Pin-Anschluss mit dem Micro-Fit 3.0 extrem leistungsfähig und würde im Zeitraum von vielleicht maximal 10 Minuten wohl auch die 750-Watt-Bombe locker überleben. Womit Zweitens auch die Eignung selbst für OC-Versuche bis 450 Watt durchaus belegt wäre. Demzufolge ist der Desing-Stunt von NVIDIA mit dem Türmchen-Stecker alles andere als riskant. Da funktioniert also alles so wie auch geplant. Somit auch Entwarnung für alle Angshasen und Schwarzmaler.

Was wir ganz nebenbei noch gesehen haben: die zwei 8-Pin-Stecker, bei denen ja am Ende auch nur jeweils 3-Kontakte für den Stromfluss zuständig sind und nicht vier, schaffen die 750 Watt mit einer wahren Geste von Nonchalance, so dass man die früher schon einmal gemessenen 400 Watt pro 6+2 Steckverbinder vollends bestätigen kann. Solange man nicht gerade China-Böller mit Zwirnsfaden-Kabeln nutzt, ist man mit dem 12-Pin oder 2x 6+2 Pin also auch bei den großen Ampere Karten noch auf der sicheren Seite.

Abschließend möchte ich noch etwas Werbung für Aris’ Projekt und seinen YouTube-Kanal machen, der übrigens mittlerweile ein Partner-Kanal von meinem ist. So viel Zeit (und Ehre) muss am Ende dann noch sein und vielleicht bekommt ja auch er noch ein kleines Abo für seine jahrelange, sehr aufschlussreiche Arbeit extra. Gönnen würde ich es ihm. Wir haben auch noch viele spannende Ideen und so können sich auch Synergien entwickeln, auf deren Ergebnisse Ihr in Zukunft noch gespannt sein dürft. Soviel für heute aus dem Labor, denn das Leben geht ja weiter. Auch ohne Kabel und viel Strom.

 

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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