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Launch der NVIDIA GeForce RTX 3070 auf den 29. Oktober verschoben – ein Tag nach der AMDs Präsentation der Radeon RX 6000 | Editorial

Natürlich lässt es sich gut spekulieren, warum und weshalb NVIDIA einen derartigen Move so kurz vom geplanten Launch am 15.10.2020 vollzieht. Wenn die hauseigenen Spione ganze Arbeit geleistet haben sollten, dann könnte NVIDIA mit einer bereits auch schon physisch vorhandenen Karte kontern, deren Auslegung man z.B. noch kurzfristig dem Mitbewerberprodukt angepasst hat (BIOS, Taktraten). Womit dann indirekt ja auch bestätigt wäre, wo sich eine der neuen RDNA2-Karten von AMD bei der Performance einsortieren könnte. Außerdem könnte man auch noch über den Preis spekulieren, aber das wäre zum jetzigen Zeitpunkt eher müßig. Dass ich mich nicht gestern gleich an der News-Schlacht beteiligt habe, hatte neben zeitlichen aber auch inhaltliche Gründe.

NVIDIA selbst begründet die Verschiebung, fast schon erwartungsgemäß, mit einer Erhöhung der Verfügbarkeit für den Endkunden. Zitat:

Production of GeForce RTX 3070 graphics cards are ramping quickly. We’ve heard from many of you that there should be more cards available on launch day. To help make that happen, we are updating the availability date to Thursday, October 29th. We know this may be disappointing to those eager to purchase a GeForce RTX 3070 as soon as possible, however this shift will help our global partners get more graphics cards into the hands of gamers on launch day. The GeForce RTX 3070 delivers incredible performance and features, including NVIDIA Reflex and Broadcast, for $499. Across a variety of ray-traced and rasterized DirectX and Vulkan titles, the GeForce RTX 3070 delivers similar or faster performance than the GeForce RTX 2080 Ti (which sold for twice the price) and is on average 60% faster than the original GeForce RTX 2070. via NVIDIA

Das liest sich erst einmal gut und sollte sich auch noch zusätzlich auf den Faktor Zufriedenheit positiv auswirken können, wenn die gehypten und von den willigen Käufern sehnsüchtig erwarteten Produkte in einer ansprechenden und ausreichenden Stückzahl dann auch verfügbar sein sollten. Denn eines darf man ja nie aus den Augen lassen: die aktuell utopischen Preise für die GeForce RTX 3080 und RTX 3090 resultieren aus einer Warenverknappung, den Gesetzmäßigkeiten der marktorientierten Preisbildung und damit auch den Begehrlichkeiten der Händler. Denn nicht NVIDIA oder die Boardpartner haben die Preise angehoben, sondern der liebe gute Handel, egal ob Online-Händler oder Tresengeschäft. Das sind nämlich die wahren Gewinner der aktuellen Preisspirale, mal abgesehen von ein paar Verrückten, die auf eBay & Co die ganz große Trade-Show abziehen (möchten).

So gut, so logisch. Last-Minute Informationsgewinn bei Team Grün, Präsentations-konforme Reaktion auf den Mitbewerber am 28.10.2020 und das Fluten des Marktes mit einem passenden Produkt, bevor der Mitbewerber das ganze Paket dann selbst auf die Straße bekommt – so könnte Marketing also funktionieren, wenn alles ideal abläuft. Doch man sollte auch NVIDIAs Lernkurve nicht unterschätzen bzw. niemals außer Acht lassen, das man aus Fehlern lernen kann, wenn es um die beiden vorangegangenen Launches der GeForce RTX 3080 und RTX 3090 geht.

 

Ob man sich diesmal bewusst im letzten Moment dann doch lieber noch einmal etwas mehr Zeit schenkt? Der in der Praxis kaum erprobte 8-nm-Prozess von Samsung,  das Packaging der anderen Chips mit allen Schwierigkeiten vom Forecast bis hin zur präzisen und verlustfreien Fertigung der Packages (man erinnere sich bitte an AMD und Vega), die Probleme mit den Lastspitzen durch einen etwas zu forschen Boost, die als Folge sichtbar gewordenen leichten Design-Schwächen mancher Boardpartnerlösungen sowie Netzteilschutzschaltungen und ein blitzschnell nachgereichter Treiber, der die wichtigsten Kritikpunkte dann wieder einigermaßen gut beseitigt – man wird dies alles nicht nur auf einen einzigen Punkt zusammenreduzieren können.

Den Kunden wird es am Ende allerdings freuen, wenn er ein stabiles Produkt wirklich im Regal finden und zeitnah auch erwerben kann. Wenn danach das Kaufobjekt auch noch stabil und zur Zufriedenheit funktioniert, dann sind all die Probleme, die im Hintergrund von den betreffenden Firmen (noch) zu lösen sind, absolut vergessen und vergeben. Man wird noch nicht einmal mehr danach fragen. So gesehen, ergibt jede Zeit, die man sich (und damit den Kunden) schenkt, einen Sinn und Mehrwert. Nur das mit der alleinigen Reduzierung auf die Verfügbarkeit mag ich nicht so recht glauben. Nur wird danach keiner mehr fragen, wenn der Launch dann so klappt wie erhofft und beabsichtigt.

Es setzt das Team Rot jetzt wieder etwas unter Druck und das Belauern wird wohl damit gleich in die nächste Runde gehen. Ob und inwieweit man bei AMD am 28.10.2020 auf diesen Launch-Move eingehen wird und ob sich dann schon etwas zwischen den Zeilen herauslesen lassen wird, das bleibt natürlich abzuwarten.

Und sonst? Das Herzstück der NVIDIA GeForce RTX 3070 ist der GA104-Grafikprozessor, der auf dem 8-nm-Node von Samsung basiert, 392,5 mm² misst und über 17,4 Milliarden Transistoren verfügt, was immerhin noch fast 93 % der Transistoren eines Turing TU102 entspricht. Gleichzeitig ist der GA104 nur ungefähr halb so groß wie der TU102, was auf eine sehr hohe Dichte hindeutet. Für die GeForce RTX 3070 hat NVIDIA insgesamt 46 SM-Einheiten aktiviert, was zu insgesamt 5888 CUDA-Kernen neuer FP32-Lesart führt.

Was den Speicher betrifft, so verfügt die GeForce RTX 3070 über 8 GB GDDR6-Speicher mit einer Geschwindigkeit von 14 Gbps. Zusammen mit einem unbeschnittenen Speicherinterface von 256 Bit ergibt sich eine kumulative Bandbreite von 448 Gbit/s. Die NVIDIA GeForce RTX 3070 Founders Edition wird ebenfalls über einen einzelnen 12-poligen Micro-Fit 3.0-Anschluss betrieben.

  GeForce RTX 3060 (Ti) GeForce RTX 3070 GeForce RTX 3080 GeForce RTX 3090
GPU GA104-200 GA104-300 GA102-200 GA102-300
Process Node Samsung 8nm Samsung 8nm Samsung 8nm Samsung 8nm
Die Size 395.2 mm2 395.2 mm2 628.4 mm2 628.4 mm2
Transistoren 17.4 Mrd. 17.4 Mrd. 28 Mrd. 28 Mrd.
CUDA Cores 4864 5888 8704 10496
TMUs/ROPs TBA TBA 272 / 96 328/112
Tensor/RT 152 / 38 184 / 46 272 / 68 328 / 82
Basis-Takt
TBA 1500 MHz 1440 MHz 1400 MHz
Boost-Takt
TBA 1730 MHz 1710 MHz 1700 MHz
FP32 Compute TBA 20 TFLOPs 30 TFLOPs 36 TFLOPs
RT TFLOPs TBA 40 TFLOPs 58 TFLOPs 69 TFLOPs
Tensor-TOPs TBA 163 TOPs 238 TOPs 285 TOPs
Speicher 8 GB GDDR6 8 GDDR6 10 GB GDDR6X 24 GB GDDR6X
Interface 256-bit 256-bit 320-bit 384-bit
Durchsatz 14 Gbps 14 Gbps 19 Gbps 19.5 Gbps
Bandbreite 448 Gbps 448 Gbps 760 Gbps 936 Gbps
TGP 180W? 220W 320W 350W
Launch 11/2020 ? 29.10.2020 17.09.2020 24.09.2020

 

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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