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Myth busted: PCBs der GeForce RTX 3090 Ti sind NICHT kompatibel zum AD102 “Ada”

Die Platinen der GeForce RTX 3090 Ti sind NICHT kompatibel zum AD102 “Ada”, das möchte ich hier voranstellen. Doch wie kann man zu diesem voreiligen Schluss kommen? Nachdem ich eine News zur Pin-Kompatibilität zwischen dem GA102 und dem AD102 geschrieben hatte, wurde spekuliert, ob wir bei den Boards der GeForce RTX 3090 Ti bereits die Platinen der neuesten Generation sehen. So schön das Ganze vielleicht auch sein mag, es stimmt leider so nicht ganz. Auslöser für diese Spekulationen sind (neben meiner damaligen News) die Platinen einiger GeForce RTX 3090 Ti, bei denen man aufgrund von freien Lötplätzen im Bereich der Spannungswandler auf noch größere Wattzahlen geschlossen hat. Das ist verlockend und scheint plausibel, aber es trifft doch etwas daneben.

Betrachten wir einmal die Platine der von mir getesteten MSI GeForce RTX 3090 Ti SUPRIM X. Im Vergleich zu manch anderen GeForce RTX 3090 Ti (wie z.B. der Zotac RTX 3090 Ti AMP Extreme Holo) hat MSI hier alle Spannungswandler bestückt, also 24 für die GPU (NVVDD) und 4 für den Speicher (FBVDDQ). Dass man beim fertigen Produkt auch schon mal einzelne Spannungswandler weglässt, ist aber völlig normal und dient auch der Kostenersparnis.  Oder aber man weiß von vornherein, dass man nicht alle benötigt und nutzt die möglichen Varianten im Vorfeld der Entwicklung, um die Hotspots am Kühler zu optimieren.

Auf der hier gezeigten Platine sehen wir, dass z.B. im Bereich der Spannungswandler jede Menge Polymer-Kondensatoren fehlen, die man bei höheren Leistungsaufnahmewerten zur Stabilisierung der Ausgangsspannung im Spannungswandler nutzen kann. Das Prinzip des Schaltnetzteils will ich hier nicht schon wieder erklären, aber die Kondensatoren werden z.B. nach den Spulen angeordnet, führen gegen Masse und wirken wie ein kleiner Akku, der die in den Spulen abgespeicherte und später wieder freigegebene Energie puffert und glättet. Das, was wir hier als Fehlstelle interpretieren ist aber rückseitig noch komplett bestückt. Der Hersteller verzichtet also über die maximal mögliche Kapazität durch Parallelschaltung, denn diese Bauelemente gibt es ja nur bis zu einer bestimmten Größe. Es fehlt im Bereich der 1,8 und 1,2 Volt Erzeugung auch noch eine der Kleinspannungen, aber das ist ein anderes Thema.

Jetzt könnte man spekulieren, dass hier bereits für den AD102 und die bis zu 600 Watt vorgebaut wurde, was aber auch nicht korrekt ist. Ich schrieb ja bereits, dass es für den GA102 ein 600W-BIOS gibt, mit dem man auch die Platine der GeForce RTX 3090 Ti (und später auch Ada) als sogenanntes „test vehicle“, also als reines Versuchsobjekt zum Sammeln von Erfahrungen nutzen kann. Trotzdem wird der AD102 hier nicht laufen. MSI hat z.B. auf der Platine auch schon mit PCIe 5.0 und dem 12+4-Anschluss der Stromversorgung experimentiert, was die Reste des nicht verlöteten Jumpers belegen, mit dem man zwischen 450 und 600 Watt umschalten konnte.

NVIDIA hat die Boardpartner sehr restriktiv angewiesen, die Leistungsaufnahme der GeForce RTX 3090 Ti irreversibel auf 450 Watt zu begrenzen („hard wired“) und am Ende wäre jeder Verstoß gegen diese Vorgabe auch ein echter Vertragsbruch. MSI hat den Jumper auf der finalen Karte nicht verlötet und ein Versuch meinerseits, das einfach einmal durch eine Masse-Brücke zu übergehen (grounden) hat keinerlei Auswirkung auf die Leistungsaufnahme gezeigt. Logischerweise. Dazu kommt auch, dass die Platinen der GeForce RTX 3090 Ti noch nicht der finalen Spezifikation des neuen PCIe 5.0 Standards entsprechen.

Es gibt natürlich auch jetzt bereits Bereiche auf der Platine, die denen der neuen Designs nahezu 1:1 entsprechen. Dazu gehört zum Beispiel der Bereich der Speicher und seiner Stromversorgung. Auch die 24 Spannungswandler für die GPU und er Controller sind gesetzt, genauso wie der Wegfall des zweiten PWM-Controllers für die nicht mehr existierende MSVDD. Im Gegensatz dazu kommen einige weitere Regelkreise für Kleinspannungen hinzu und auch diverse Schaltungen, die der GA102 nicht benötigt. Auch wenn man Fragmente des neuen Designs auf diesen Platinen bereits erkennen kann, der AD102 wird darauf nicht laufen. Es ist und bleibt eine reine GA102-Spielwiese.

Das begründet sich im Übrigen auch darin, dass die Platinen der GeForce RTX 3090 Ti bereits im letzten Jahr fertig gestellt wurden, die Boardpartner jedoch erst im Februar 2022 die kompletten neuen Platinen-Designs für die kommende Generation erhalten haben. Deshalb fehlen auf den aktuellen Platinen auch noch wichtige Details. Ja, der GA102 wird auch in den neuen Evaluierungsboards für Ada (eingeschränkt) laufen, aber abwärtskompatibel ist er leider nicht.

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Die PCBs der GeForce RTX 3090 Ti sind NICHT kompatibel zum AD102 “Ada”, das möchte ich hier voranstellen. Doch wie kann man zu diesem voreiligen Schluss kommen? Nachdem ich eine News zur Pin-Kompatibilität zwischen dem GA102 und dem AD102 geschrieben hatte, wurde spekuliert, ob wir bei den Boards der GeForce RTX 3090 Ti bereits die (read full article...)

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Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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