Prozessor Testberichte

Intels Comet Lake-S CPUs der 10.Generation zeigen sich – vorerst aber nur auf dem Papier

Gut, rein technisch betrachtet ist Comet Lake-S ja eigentlich die Generation 9.5 und nicht die Zehnte, denn die wirklichen Änderungen betreffen eher den Sockel und das Chipset und eher weniger das eigentliche Stück Silizium. Dass man aber zusammen mit dem ebenfalls heute offiziell gelaunchten Z490-Chipset dann doch so etwas wie eine kleine Evolution hinbekommt, könnt Ihr im Artikel Intels neuer 490 Chipsatz im Detail und in der Praxis mit einem Z490 I Aorus Ultra von Gigabyte lesen, der ebenfalls gerade online gegangen ist.

Den separaten Artikel habe ich deshalb geschrieben, weil ich den Chipsatz, auch im Hinblick auf die nachfolgende 11. Generation, schon deutlich spannender finde. Denn aktuell, und da komme ich auf Comet Lake-S samt des neuen Flaggschiffs Core i9-10900K zurück, sucht Intel sein Heil in der hektischen Flucht nach vorn. Oder, besser und korrekter ausgedrückt, in der Flucht nach oben – zumindest, was die Taktzahlen betrifft. Man wirbt mit bis zu 5.3 GHz und dem Umstand, dass immer noch rund 60% aller Spiele auf Single-Cores optimiert sein sollen. Man vergisst dabei aber sicherlich nicht ganz uneigennützig, dass der Trend eindeutig in eine andere Richtung geht.

Der Core i9-10900K ist mit seinen 10 Kernen respektive 20 Threads durchaus eine technische Meisterleistung, was das Optimieren des alten Fertigungsprozesses und die erreichten, doch sehr hohen Taktraten (unter bestimmten Bedingungen) betrifft. Dass man dafür alle verfügbaren Register ziehen musste, ist natürlich selbstverständlich, denn man ist bei Intel einfach an eine Grenze angelangt, die man mit dieser Prozess-Struktur nicht mehr durchbrechen kann. Im Gegenteil, es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie weit es Intel trotz allem damit noch geschafft hat.

Not mach bekanntlich erfinderisch und so sucht man nach dem letzten Quäntchen, das sich noch irgendwie optimieren ließe. Ergo wird der Die noch einmal flacher, während die Stärke des Substrats gleich bleibt. Um aber mit dem Rest des Sockelüberbaus wie den Kühlern kompatibel zu bleiben, wird der Heatspreader entsprechend dicker. Intel glaubt, dass Kupfer der bessere Wärmeleiter sei und hofft sie die Summe aller Wärmewiderstande bis zur CPU-Oberfläche des IHS zu reduzieren. Das kann durchaus einen Sinn ergeben, wenn man sich AMDs Erfahrungen mit der Kühlbarkeit der aktuellen Ryzen-CPUs anschaut.

Kraft kommt von Kraftstoff, so dass man die CPU ordentlich aufgepumpt und mit Energie vollpumpt. Diue nachfolgende Folie zeigt den Performance-Zuwachs aus Intel-Sichtweise, wobei man natürlich auch erwähnen muss, dass man nun den einzelnen Leistungsklassen mehr Kerne/Threads und auch mehr Takt spendiert. Dann sind die Zuwächse, wie unten in der Folie zu sehen, auch plausibel. Aber es ist im Umkehrschluss fast schon amüsant zu betrachten, wie stark AMD mit seinen aktuellen Ryzen-CPUs den Mitbewerber Intel unter Druck gesetzt haben muss, dass dieser über seinen ewigen Schatten springt und sowohl bei den Specs zubuttert als auch im Gegenzug die Preise eher streich(el)t. Das nennt sich dann freier Markt und ordentlicher Wettbewerb – Danke dafür!

Das Cherry-Picking bei den in der Präsentation gezeigten Spielen fällt relativ kurz aus und es bleibt wirklich abzuwarten, ob es den Intel-CPUs wirklich so einen Benefit verschafft, wie hier grafisch dargestellt wurde.

Das betrifft auch Intels Beispiel der Unreal Engine, denn eine Plattform wird es sich kaum leisten können, CPU-exklusive Features  so einzubauen, dass es für den Mitbewerber unmöglich wird, solche Spiele dann erfolgreich zu meistern. Das schreit, auch auf lange Sicht hin, regelrecht nach einem Test.

Intel fasst die bekannten Neuerungen auf einer Folie noch einmal zusammen, wo auch der neue Speicher-Support bis DDR4 2933 beworben wird (was den meisten eh nur ein müdes Lächeln aufs Gesicht zaubern dürfte), die neue Turbo Boost Max Technologie nicht fehlen darf, der Smart Cache erwähnt wird und die restlichen Features des Z490-Chipsatzes wortlos mit in die Aufzählung einfließen. So gesehen blieb und bleibt die Sensation natürlich aus.

Nennen wir es einmal fair Evolution statt Revolution. Wo deutlich man die Leistungsklassen teilweise aufgemotzt hat, zeigen abschließend noch die drei Folien mit der Auflistung aller demnächst verfügbaren CPUs der 10. Generation:

Die Stromsparvarianten dürfen natürlich auch nicht fehlen, hier sind sie:

Das Video zum Z490-Chipsatz gibt es hier:

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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