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GPU-Wasserblock Raijintek Samos RX 5700 XT im Härtetest – Preisberecher für 109 Euro inklusive Backplate | Exklusiv-Test

Der heute von mir getestete Raijintek Samos RX 5700 XT ist so neu, dass er noch nicht einmal bei den Händlern gelistet ist. Mein Testmuster hat es auf inoffiziellem Weg von Asien direkt bis ins Labor geschafft, so dass ich Euch heute schon exklusiv ein Produkt vorstellen kann, dass es erst in den kommenden Tagen auch offiziell zu kaufen geben wird. So langsam fühle ich mich schon wie der Prototypen-Onkel, aber auch dieses Produkt ist ja bereits die finale Retail-Version, nur eben ohne Hochglanz-Karton und Gedöns. Allerding kann man auf solche Äußerlichkeiten locker verzichten, denn die Umverpackung fliegt ja eh meist auf den Müll.

Unboxing, Lieferumfang und Montage

Geliefert werden der komplett zusammengebaute Wasserblock mit Terminal, Schrauben, Pads, Wärmeleitpaste und Handbuch sowie zwei Stopfen (“Endstücke”). Der Acrylblock ist frontseitig partiell mit Carbon-Folie (Imitat) beklebt und auf der Unterseite mit einer vorkonfektionierten aRGB-Stripe versehen worden. Hierbei handelt es sich im den üblichen 5-Volt-Anschluss, der sogar auf die runden PreciDips der meisten Motherboards passt.

Der Wasserfluss ist klar definiert, sichtbare Experimente gibt es keine. Das Teil kommt reichlich “old-school” daher und sollte auch ganz ordentlich performen können. Intake und Outtake sind klar gekennzeichnet und sollten auch Ungeübte vor keinerlei Probleme stellen.

Die Gewindeeinsätze sind fest genug, um sich beim späteren Herausdrehen der Schrauben nicht mit zu lösen und die Kühlflächen sind für GPU, RAM, VRM und ein paar weitere Komponenten auch ausreichend vorhanden. Werkzeugspuren sieht man kaum und auch die Vernickelung hinterlässt einen ordentlichen Eindruck. Bei der Pad-Stärke ist Raijintek auf 0,5 mm heruntergegangen, was auch für eine gewisse Präzision des Wasserblocks spricht.

Die M2-Schrauben sind allerdings eine kleine Schwachstelle, denn die Schraubenköpfe sind sehr dünn und das Material ist sehr weich. Mit einem guten Schraubendreher lassen sich diese Köpfe bereits ab 0,5 Nm unbeabsichtigt abdrehen und danach wird der Gewindeeinsatz unbrauchbar, da der Rest der Schraube nicht mehr herausgeholt werden kann. Hier muss Raijintek noch nachbesser und als Käufer wird man aufpassen müssen, es beim Verschrauben mit der Kraft nicht zu übertreiben.

Das unvermeidliche RGB Leuchtmittel in Form eine LED Streifens hat man dankenswerterweise gleich im Boden des Acrylblock mit verklebt. Das stört nicht weiter und kann bei Nichtgefallen auch manuell (allerdings irreversibel) entfernt werden. Die Lichtspielereien sehen recht nett aus, reißen einen aber aber nicht vom Hocker.  Als Anschluss gibt es allerdings nur aRGB, also den mittlerweile üblichen adressierbaren Anschluss, der die älteren 12-Volt-Anschlüsse abgelöst hat. Wer die älteren Standards noch noch nutzen möchte, benötigt einen Adapter oder einen Controller aus dem Zubehör. Beigaben findet man diesbezüglich leider nicht.

Wichtig bei AMDs Radeon RX 5700 (XT) ist das richtige Reinigen der GPU und das saubere Entfernen aller Rückstände der Wärmeleitpaste, die ja eigentlich gar keine ist. Das verwendete Phasenwechsel-Polymer-Pad ist mit jeder Menge sogenannter Graphit-Filler versetzt worden, um die thermische Leitfähigkeit zu erhöhen. Leider ist das Material dadurch auch elektrisch leitfähig und der kleinste Rest-Krümel kann später zu bleibenden Schäden auf der Platine führen! Also bitte vorsichtig abtragen und alles auch sofort entfernen!

Für die Ränder haben sich auch Ohrstäbchen bewährt. Bitte keinen fusseligen Lappen oder gar Küchenpapier verwenden. Statt normalem Brennspiritus oder anderen Lösungsmitteln darf maximal noch Isopropanol verwendet werden, aber nichts anderes. Die grob vorkonfektionierten, sehr soften 0.5-mm-Pads sind schnell angepasst und aufgelegt. Bitte mit der klebenden Seite auf den Kühlerboden heften. Die Wärmeleitpaste ist einfach zu applizieren und die mitgelieferte Menge reicht locker für bis zu vier Anwendungen. Es genügt ein dünner und gleichmäßiger Auftrag mit einem Spatel. Tropfen und Kleckse sind suboptimal.

Zusammenschrauben und fertig ist der Lack? Auch hier schraubt man erst die vier Schrauben an der GPU seitenweise alternierend und in kleinen Schritten so fest, wie es geht und erst danach nach außen hin die anderen Schrauben, um Spannungen im PCB zu vermeiden. Dann kann es auch schon losgehen. Und: Stopfen nicht vergessen! Eine Backplate gibt es mit dazu, also frei aufs Haus.

Testsystem und Messmethoden

Das Testsystem und die -methodik habe ich bereits seit Jahren sehr ausführlich beschrieben und verweise deshalb der Einfachheit halber jetzt nur noch auf diese detaillierte Schilderung. Wer also alles noch einmal im Nachhinein ganz genau nachlesen möchte, ist dazu gern eingeladen.

Interessierten bietet die Zusammenfassung in Tabellenform schnell noch einen kurzen Überblick:

Testsysteme und Messräume
Hardware:
Intel Core i7-9900K
MSI MEG Z390 Ace
G.Skill TridentZ DDR4 3600
1x 1 TByte Toshiba OCZ RD400 (M.2, System SSD)
2x 960 GByte Toshiba OCZ TR150 (Storage, Images)
Be Quiet Dark Power Pro 11, 850-Watt-Netzteil
Kühlung:
Alphacool Eisblock XPX
5x Be Quiet! Silent Wings 3 PWM (Closed Case Simulation)
Thermal Grizzly Kryonaut (für Kühlerwechsel)
Gehäuse:
Lian Li PC-T70 mit Erweiterungskit und Modifikationen
Monitor: Eizo EV3237-BK
Leistungsaufnahme:
berührungslose Gleichstrommessung am PCIe-Slot (Riser-Card)
berührungslose Gleichstrommessung an der externen PCIe-Stromversorgung
direkte Spannungsmessung an den jeweiligen Zuführungen und am Netzteil
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, 500 MHz Mehrkanal-Oszillograph mit Speicherfunktion
4x Rohde & Schwarz HZO50, Stromzangenadapter (1 mA bis 30 A, 100 KHz, DC)
4x Rohde & Schwarz HZ355, Tastteiler (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012, Digitalmultimeter mit Speicherfunktion
Thermografie:
Optris PI640, Infrarotkamera
PI Connect Auswertungssoftware mit Profilen
Akustik:
NTI Audio M2211 (mit Kalibrierungsdatei)
Steinberg UR12 (mit Phantomspeisung für die Mikrofone)
Creative X7, Smaart v.7
eigener reflexionsarmer Messraum, 3,5 x 1,8 x 2,2 m (LxTxH)
Axialmessungen, lotrecht zur Mitte der Schallquelle(n), Messabstand 50 cm
Geräuschentwicklung in dBA (Slow) als RTA-Messung
Frequenzspektrum als Grafik
Betriebssystem Windows 10 Pro (1903, alle Updates), Treiber Stand 07.10.2019