Grafikkarten Testberichte VGA

AMD Radeon RX 6700XT im Test – Big Navi in mittelgroß aber mit ordentlich Biss und auch etwas Durst

Mit der heute vorgestellten Radeon RX 6700XT rundet AMD das Big-Navi-Portfolio nun vorerst nach unten hin ab. Die Boardpartnerkarten dürfen dann ab morgen vorgestellt werden und auch dafür gibt es bereits Produkte in der Pipeline. Doch dazu zu passender Zeit mehr. Der Navi22-Chip der RX 6700XT ist neu und wir werden ihn uns auch gleich noch genauer betrachten. Generell sind Grafikkarten aktuell aber ein heikles Thema, so dass man sehr stark zwischen technischer und emotionaler Betrachtung trennen muss. Lassen wir deshalb bitte Miner, Scalper und den teilweise schon größenwahnsinnigen Einzelhandel erst einmal beiseite und widmen uns zunächst rein der Technik. Über den Rest schreibe ich am Schluss noch etwas, man kann ja gar nicht anders.

Die Radeon RX 6700 XT als Referenzdesign

Mit den 40 Compute Units (CU) besitzt die RX 6700 XT 2560 Shader und ist damit faktisch eine halbe RX 6900XT. Während der Basistakt der RX 6800 mit 1815 bzw. der Boost mit 2105 MHz angegeben werden, schafft es die RX 6700XT auf 1594 bis 2689 MHz. Die Karte setzt auf 12 GB GDDR6 16 Gbps, die sich aus jeweils 6 Modulen mit 2 GB Größe ergeben. Gemeinsam sind auch das 192-Bit Speicherinterface und der 96 MB große Infinity Cache, der das Bandbreitenproblem lösen soll.

Die RX 6700 XT wiegt nur reichlich 900 Gramm, ist 26,7 cm Lang, 12 cm hoch (11,5 cm Einbauhöhe ab PEG), 3.8 cm dick (2-Slot-Design), wobei noch eine Backplate und das PCB mit insgesamt vier weiteren Millimetern dazukommen. Die Slot-Blende ist geschlossen, trägt 1x HDMI 2.1 und drei aktuelle DP-Anschlüsse. Der USB Type C entfällt. Der Korpus ist aus Leichtmetall, der Radeon-Schriftzug ist beleuchtet und versorgt wird das Ganze über eine 8-Pin- und eine 6-Pin-Buchse. Mehr dazu dann auch noch auf der nächsten Seite beim Teardown.

 

Der Screenshot aus GPU-Z gibt dann noch Auskunft über die restlichen Daten der Karte:

 

Auch hier habe ich noch einmal eine Tabelle für alle Statistiker unter Euch, bevor es dann ab der nächsten Seite wirklich voll losgeht.

Name RX 6900 XT RX 6800 XT RX 6800 RX 6700 XT
Chip Navi 21 XTX Navi 21 XT Navi 21 XL Navi 22 XT
Chip Size 520 mm² 520 mm² 520 mm² n/a
Shader-Cluster 80 72 60 40
Shader/TMUs/ROPs 5.120/320/128 4.608/288/128 3.840/240/96 2560/160/64
RT Units 80 72 60 40
Infinity Cache MB 128 128 128 96
GPU Game Clock MHz 2.015 2.015 1.815 2
FP16 TFLOPS 41.27 37,14 27.88 23.04
FP32/FP64 TFLOPS 20.63/1.29 18.57/1.16 13.94/0.87 11.52/0.72
Fillrate Mtex/Mpix per sec. 644.8/257.9 580.3/257.9 435.6/174.2 432/144
L2 Cache MB 4 4 4 3
Memory Interface 256-bit 256-bit 256-bit 192-bit
Memory Speed Gbps 16 16 16 16
Memory GDDR6 GDDR6 GDDR6 GDDR6
Bandwidth GB/s 512 512 512 384
Memory Capacity GB 16 16 16 12
PCIe Connectors 2× 8-Pin 2× 8-Pin 2× 8-Pin 1× 8-Pin + 1x 6-Pin
TBP Watts 300 300 250 230
Launch-Preis (UVP) 999 Euro 649 Euro 579 Euro n/a

Raytracing / DXR

Spätestens seit der Präsentation der neuen Radeon-Karten ist klar, dass auch AMD Raytracing unterstützen wird. Hier geht man einen zu NVIDIA deutlich abweichenden Weg und implementiert einen sogenannten “Ray Accelerator” pro Compute Unit (CU). Da die Radeon RX 6700XT insgesamt 40 CUs besitzt, ergeben sich somit auch 40 solcher Beschleuniger. Eine GeForce RTX 3070 kommt auf 46 RT Cores. Allerdings sind die RT-Cores anders organisiert und man wird abwarten müssen, was hier Menge gegen Spezialisierung ausrichten kann. Es ist am Ende also erst einmal ein Äpfel und Birnen Vergleich.

Doch was hat sich AMD hier ausgedacht? Jeder dieser Beschleuniger ist erst einmal in der Lage, gleichzeitig bis zu 4 Strahl-/Box-Schnittpunkte oder einen einzigen Strahl-/Dreieckschnitt pro Takt zu berechnen. So berechnet man die Schnittpunkte der Strahlen mit der Szenengeometrie (analog zur Bounding Volume Hierarchy), sortiert sie zunächst vor und gibt diese Informationen dann an die Shader zur weiteren Bearbeitung innerhalb der Szene zurück bzw. gibt das finale Shading-Resultat aus. NVIDIAs RT-Cores scheinen da allerdings deutlich komplexer vorzugehen, wie ich es beim Turing-Launch bereits ausführlich erläutert habe. Was zählt, ist allein das Ergebnis und genau dafür haben wir auch passende Benchmarks.

Smart Access Memory (SAM)

AMD zeigte auf der Präsentation der neuen Radeon-Karten bereits SAM, also Smart Access Memory – ein Feature, das ich heute zusätzlich auch zu den normalen Benchmarks aktiviert habe, womit auch ein direkter Vergleich möglich wird. Doch eigentlich ist SAM nicht Neuers, nur verbal schöner verpackt. Dahinter verbirgt sich nämlich nichts anderes als der clevere Umgang mit dem Base Address Register (BAR) und genau dieser Support muss zwingend auch im Unterbau aktiviert sein. Bei moderner AMD-Grafikhardware spielen größenveränderbare  PCI-Bars (siehe auch PCI SIG vom 24.0.4.2008) schon länger eine wichtige Rolle, da die eigentlichen PCI BARs normalerweise ja nur auf 256 MB begrenzt sind, während man bei den neuen Radeon Grafikkarten nun bis zu 16 GB VRAM (hier sind es 12 GB) vorfindet.

Die Folge ist, dass nur ein Bruchteil des VRAM für die CPU direkt zugänglich ist, was ohne SAM eine ganze Reihe von Umgehungslösungen im sogenannten Treiber-Stack erfordert. Das kostet natürlich stets Performance und sollte demzufolge vermieden werden. AMD setzt bei SAM also genau dort an. Neu ist das nicht, muss aber sauber im UEFI implementiert und später auch aktiviert werden. Das wiederum geht nur, wenn das System im UEFI Modus läuft und CSM/Legacy deaktiviert sind.

CSM steht dabei für das Compatibility Support Module. Das Compatibility Support Module gibt es ausschließlich unter UEFI und es sorgt dafür, dass ältere Hardware und Software auch mit UEFI funktioniert. Das CSM ist immer dann hilfreich, wenn nicht alle Hardware-Komponenten zu UEFI kompatibel sind. Einige ältere Betriebssysteme sowie die 32-Bit-Versionen von Windows lassen sich auch nicht auf UEFI-Hardware installieren. Genau diese Kompatibilitätseinstellung verhindert jedoch die saubere und für die neuen AMD-Komponenten benötigte Windows-Variante oft schon bei der Installation.

Zunächst muss man im BIOS nachsehen, ob UEFI oder CSM/Legacy aktiv ist und falls nicht, diesen Schritt unbedingt machen. Erst dann kann man die größenveränderbaren PCI-BARs überhaupt aktivieren und nutzen, doch Stopp – bootet Euer Windows dann überhaupt noch? Wie man einen (älteren) Datenträger von MBR zu GPT konvertiert, damit er unter UEFI sauber erkannt wird, könnte Ihr unter anderem auch im Forum nachlesen, falls es diesbezüglich Fragen gibt, das führt hier jetzt zu weit.
 
Fakt ist, dass AMD hier die Hürden für die Nutzung von SAM recht hoch anlegt und das bisher auch nur spärlich kommuniziert hat. Man setzt für die echte, rein Hardware-basierte Lösung eine aktuelle Zen3-CPU voraus, dazu ein B550- oder X570-Motherboard samt aktualisiertem BIOS. Das mit dem UEFI ist dann wiederum eine kleine, aber ungemein wichtige Randnotiz. Man sollte auch anmerken, dass NVIDIA und Intel bereits eigene, Firmware-basierte Lösungen nutzen bzw. in Zukunft dies noch erweitern wollen. Einer legt vor, die anderen ziehen nach, wobei man es längst hätte tun können.

 

Testsystem und Auswertungssoftware

Das Benchmarksystem ist neu und steht jetzt nicht mehr im Labor, sondern wieder im Redaktionsraum. Ich setze nunmehr auch auf PCIe 4.0, das passende X570 Motherboard in Form eines MSI MEG X570 Godlike und einen selektierten Ryzen 9 5950 X, der wassergekühlt stark übertaktet wurde. Dazu kommt schneller RAM sowie mehrere schnelle NVMe SSDs. Für das direkte Loggen während aller Spiele und Anwendungen nutze ich NVIDIAs PCAD, was den Komfort ungemein erhöht.

Die Messung der Leistungsaufnahme und anderer Dinge erfolgt hier im Speziallabor auf einem redundanten und bis ins Detail identischem Testsystem dann zweigleisig mittels hochauflösender Oszillographen-Technik…

…und dem selbst erschaffenen, MCU-basierten Messaufbau für Motherboards Grafikkarten (Bilder unten), wo am Ende im klimatisierten Raum auch die thermografischen Infrarot-Aufnahmen mit einer hochauflösenden Industrie-Kamera erstellt werden. Die Audio-Messungen erfolgen außerhalb in meiner Chamber.

Die einzelnen Komponenten des Testsystems habe ich auch noch einmal tabellarisch zusammengefasst:

Test System and Equipment
Hardware:
AMD Ryzen 9 5950X OC
MSI MEG X570 Godlike
2x 16 GB Corsair DDR4 4000 Vengeance RGB Pro
1x 2 TByte Aorus (NVMe System SSD, PCIe Gen. 4)
1x 2 TB Corsair MP400 (Data)
1x Seagate FastSSD Portable USB-C
Be Quiet! Dark Power Pro 12 1200 Watt
Cooling:
Alphacool Eisblock XPX Pro
Alphacool Eiswolf (modified)
Thermal Grizzly Kryonaut
Case:
Raijintek Paean
Monitor: BenQ PD3220U
Power Consumption:
Oscilloscope-based system:
Non-contact direct current measurement on PCIe slot (riser card)
Non-contact direct current measurement at the external PCIe power supply
Direct voltage measurement at the respective connectors and at the power supply unit
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, 500 MHz multichannel oscilloscope with memory function
4x Rohde & Schwarz HZO50, current clamp adapter (1 mA to 30 A, 100 KHz, DC)
4x Rohde & Schwarz HZ355, probe (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012, HiRes digital multimeter with memory function

MCU-based shunt measuring (own build, Powenetics software)
Up to 10 channels (max. 100 values per second)
Special riser card with shunts for the PCIe x16 Slot (PEG)

NVIDIA PCAT and FrameView 1.1

Thermal Imager:
1x Optris PI640 + 2x Xi400 Thermal Imagers
Pix Connect Software
Type K Class 1 thermal sensors (up to 4 channels)
Acoustics:
NTI Audio M2211 (with calibration file)
Steinberg UR12 (with phantom power for the microphones)
Creative X7, Smaart v.7
Own anechoic chamber, 3.5 x 1.8 x 2.2 m (LxTxH)
Axial measurements, perpendicular to the centre of the sound source(s), measuring distance 50 cm
Noise emission in dBA (slow) as RTA measurement
Frequency spectrum as graphic
OS: Windows 10 Pro (all updates, current certified or press drivers)

137 Antworten

Lade neue Kommentare

thoemmi

Neuling

5 Kommentare 1 Likes

GeForce Radeon RX 6700XT, sehr schön 😂

Antwort 1 Like

Blueline56

Mitglied

38 Kommentare 8 Likes

Wusste gar nicht, das es schon ne RTX 3070Ti gibt, da ist wohl ein Tippfehler passiert. Ansonsten ne nette Karte, sollte die jemals den Weg zu den Gamern finden und zu normalen Preisen geben.

Antwort Gefällt mir

Igor Wallossek

Format©

5,590 Kommentare 8,640 Likes

14 Seiten in 3 Stunden - das ist kein Spaß :D

Antwort 5 Likes

Blueline56

Mitglied

38 Kommentare 8 Likes

Ist schon klar und war ja auch nicht böse gemeint, nur als Hinweis gedacht....

Antwort Gefällt mir

Igor Wallossek

Format©

5,590 Kommentare 8,640 Likes

Hinweise bitte als PN :)
Das kommt schneller hier ins System

Antwort Gefällt mir

Blueline56

Mitglied

38 Kommentare 8 Likes
L
Launebaer

Mitglied

12 Kommentare 1 Likes

wahrscheinlich kommt nochmal ein MorePowerTool Review der 6700XT mit Sweetspot Analyse? Guter Test, gute Hardware, aber eben Marktbedingt wie alle Karten momentan sauteuer :/

Antwort Gefällt mir

E
Edenjung

Neuling

9 Kommentare 3 Likes

Mega Karte.

Jetzt nur noch in passenden Mengen verfügbar (am besten über AMD direkt) und die lEute die von eine 980ti oder darunter aufrüsten wollen haben ihre Karte gefunden.

Was mich aber bei der ganzen 6000er Reihe begeistert ist das Referenzdesign. Da brauchts kein Custom-Modell mehr.
Einfach nur super.

Antwort 2 Likes

O
Opa_Hoppenstedt

Mitglied

11 Kommentare 3 Likes

Kommt noch ein Video, für die die nicht lesen können?

Antwort Gefällt mir

konkretor

Veteran

130 Kommentare 95 Likes

Schöne Karte aber nicht verfügbar :-(

Antwort Gefällt mir

Danke für die Spende



Du fandest, der Beitrag war interessant und möchtest uns unterstützen? Klasse!

Hier erfährst Du, wie: Hier spenden.

Hier kannst Du per PayPal spenden.

About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

Folge Igor auf:
YouTube   Facebook    Instagram Twitter

Werbung

Werbung