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2 PCs, 1 Schreibtisch, 0 Chaos – Level1Techs DisplayPort 1.4 Dual-Monitor KVM-Switch Review | Usability-Test

Wer viel Zeit im Homeoffice verbringt, kennt das Dilemma: Ein Rechner für die Arbeit, ein Rechner für den Privatgebrauch, beide jeweils mit Monitoren und Peripherie, aber beides muss irgendwie auf den selben Schreibtisch. Das Chaos ist vorprogrammiert, Ergonomie und Produktivität leiden. Abhilfe schafft ein KVM-Switch. Was das ist und wie eine Implementierung davon aussehen kann, sehen wir uns im heutigen Test an.

Konzept eines KVM-Switch 

Das Konzept eines KVM-Switches ist ebenso simpel wie genial. Man schließt ein Set von Peripheriegeräten und alle Rechner an den KVM-Switch an und kann dann mit der Peripherie von Rechner zu Rechner umschalten. Effektiv gleicht das Prinzip einer Weiche. Wer beruflich in Rechenzentren und Serverlandschaften unterwegs ist, für den ist das eben erklärte kalter Kaffee. Oft werden dutzende Server in einem Serverschrank mit ihrem Ausgang für Video und Eingang für Maus und Tastatur an einen KVM-Switch angeschlossen und von dort findet dann jegliche Administration vor Ort statt. Wäre ja umgekehrt auch sehr unpraktisch, wenn jeder Server in einem Rack ein eigenes Set von Maus, Tastatur und Monitor bräuchte.

Oft haben diese Server KVM-Switches dann auch noch die Möglichkeit die Ein- und Ausgaben zu und von Systemen in Ethernet-Frames zu packen, sie damit auch über größere Distanzen im Netzwerk zu senden, und oder bieten auch noch ein Webinterface, sodass sogar die „lokale Administration“ komplett remote erfolgen kann. Der Systemadministrator von heute muss dann wirklich nur noch seinen Schreibtisch verlassen, wenn etwas physikalisch an der Hardware zu tun ist.

Aber genug der Vorrede, wie hilft uns das im Homeoffice zu Hause? Das Prinzip lässt sich genauso auch für Desktop-Computer anwenden, nur eben mit einer geringeren Anzahl an Systemen und mit leicht anderen Anforderungen. So möchte man zu Hause z.B. auch Audio oder schnelles USB haben und vielleicht einen oder mehrere hochauflösende Monitore anschließen. Und genau dabei trennt sich bei vielen Produkten auf dem Markt die Spreu vom Weizen. Entweder nur USB 2.0, kein Audio, nur ein Monitor oder Bildübertragungs-Standards von vor 15 Jahren sind oft Abstriche die man in Kauf nehmen muss. Nicht so bei dem KVM-Switch, den wir uns heute ansehen: der DisplayPort 1.4 Dual-Monitor KVM von Level1Techs.

Verpackung und Design

Bevor wir uns den Funktionen widmen, gibt es kurz ein paar Eindrücke zu Kauferfahrung und Lieferung. Der Verkauf erfolgt ausschließlich über den Store von Level1Techs und die Abwicklung war problemlos. Bei Fragen und nachträglichen Änderungen der Bestellung hilft der Support schnell und freundlich. Der Versand war ebenfalls relativ schnell mit 7 Tagen aus den USA und ist mit 38 USD für heutige Verhältnisse völlig in Ordnung.

Die Verpackung ist schlicht gehalten. Es fällt sofort auf, dass es sich um ein Produkt für den Enterprise-Markt handelt, ohne Schnickschnack. Auf der weißen Box befindet sich lediglich ein einziger Aufkleber, der alle wichtigen Features noch einmal erwähnt, eine beispielhafte Konfiguration veranschaulicht und die verschiedenen Modellvarianten auflistet. Neben dem Modell mit Nummer PAAG-E3122B für 2 Monitore, gibt es auch noch Varianten für 1, 3 und 4 Monitore, die entsprechend diese Zahl an der drittletzten Stelle der Produktnummer haben.

Wenn man nun diese Produktnummern in eine Suchmaschine seiner Wahl wirft, findet man relativ schnell die Website von Rextron, die das Produkt zwar ebenfalls bewerben, aber normalen Endkunden nicht zum Kauf anbieten. Grund dafür ist, dass Rextron der OEM für das Produkt ist, der sich um den Großteil der Herstellung und die Zertifizierungen kümmert. Level1Techs verpasst dem Produkt dann den Feinschliff mit spezieller Firmware und übernimmt den Vertrieb für normale Endkunden in Form des L1KVM. Vor allem für bessere Kompatibilität haben Level1Techs hier einiges an Energie und Hirnschmalz hineingesteckt, die die herkömmliche Variante von Rextron nicht hat.

Auch der Lieferumfang ist spartanisch gehalten. Neben dem L1KVM selbst gibt es ein 12V Netzteil, wahlweise einen zusätzlichen Adapter für den gewünschten Steckdosen-Standard, vier selbstklebende Gummifüße und die Bedienungsanleitung.

Der KVM-Switch an sich ist ebenfalls minimalistisch gehalten und konzentriert sich vor allem auf seine Funktionalität. Auf der Vorderseite finden wir einen USB 2.0 Typ A HID (Human Interface Device)-Port, einen USB 3.0 bzw. USB 3.1 Gen1 Port (fortlaufend nur noch USB 3.0 genannt), zwei weiße LED-Fenster zur Anzeige des aktiven Host-Systems und einen Schalter zum wechseln zwischen den beiden Host-Systemen. Die Konstruktion ist aus schwarz gepulvertem Stahl und bemisst 55 x 160 x 100 mm, wobei natürlich die Längen der angeschlossenen Kabel auf der Rückseite noch berücksichtigt werden müssen.

Apropos Rückseite, hier spielt sich die Musik ab. Neben dem Anschluss für das Netzteil befinden sich hier drei weitere USB 2.0 Typ A HID Ports, die zusammen mit den linken beiden Displayport-Ports, einer 3,5 mm Klinke und dem USB 3.0 Typ A Port ganz rechts die Console-Downlinks bilden, wo später die Peripherie-Geräte angeschlossen werden. Die mittig bzw. rechts angesiedelten 3,5 mm Klinken, Displayport- und USB 3.0 Typ B-Ports sind hingegen die Uplinks, an welche später die Hostsysteme angeschlossen werden.

Das klingt jetzt alles komplizierter als es ist, aber das Prinzip ist einfach. 2 PCs werden mit DP, USB und Audio angeschlossen und der Anwender kann umschalten, welchen der beiden mit der angeschlossenen Peripherie gesteuert wird. Auf der Unterseite gibt es lediglich einen Aufkleber mit Produkt-, Seriennummer und FCC-Zertifizierung und 4 eingestanzte Vertiefungen für die Anbringung der Gummifüße.

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FritzHunter01

Moderator

211 Kommentare 136 Likes

@skullbringer danke für das Review! Sehr gut erklärt und ich denke, dass es für einige hier in der Community sehr hilfreich war... und, es ist zur Abwechslung mal ein ganz anderes Thema... Zumindest wurde hier nicht über Einhörner (GPUs) gesprochen! :ROFLMAO:

Grüße
FritzHunter

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Arnonymious

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47 Kommentare 19 Likes

Danke für das schöne Review.
Wie schaut das eigentlich mit Eingabelatenzen aus? Zumindest bei meinem Schreibtisch wäre einer der Rechner die Mühle zum Zocken - fiese Latenzen wären also unfein.
Funktioniert GSync auch "durch" den KVM Switch hindurch?

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Guest

Das wollte ich auch eben fragen. Gerade mit VSR gab es in der Vergangenheit bei KVMs doch immer wieder Probleme.

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Moeppel

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595 Kommentare 183 Likes

$440 sind natürlich eine absolute (und abschreckende ;) ) Ansage.

Umgerechnet wären das immer noch gut 320€ ohne MwSt. bzw. fast 400€ nach Import.

Bis Dato habe ich auf KVM Switches verzichtet, da die Spezifikationen meist unterirdischer Natur hinsichtlich ihrer Standards sind. Bei etwas wo L1Tech bzw. Wendell speziell involviert ist, mache ich mir dahingehenden nahezu keine Sorgen.

Allerdings hat mein Hauptpanel dann auch schon wieder [email protected]/165hz, was über der [email protected] Spezifikation liegt 😪

EDIT: DSC wird scheinbar unterstützt, heißt also das [email protected]/165hz kein Problem darstellen.

EDIT2: Bisweilen gibt's wohl auch andere 1.4 DP KVMs von bspw. DeLock für ca. 150€. Wie es hier hinsichtlich Sync aussieht, keine Ahnung.

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Anakyra

Mitglied

23 Kommentare 0 Likes

Ein stolzer Preis, zumal man bei Defekten immer das Problem mit dem im Ausland ansässigen Händler hat. Aber bestellbar ist das ganze derzeit auch nicht "sold out". Pre-order ab Mitte März wieder.
Die Vorteile gegenüber einem hier gekauften KVM Switch wie dem ATEN CS1922 halten sich auf dem Papier in Grenzen.

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SaschaT

Mitglied

11 Kommentare 2 Likes

Wie wäre es mit einem Delock DisplayPort 1.4 KVM Switch 8K 30Hz mit USB 3.0 und Audio?
Für 160 € muss man aber logischerweise mit ein paar Abstrichen leben.

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M
Moeppel

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595 Kommentare 183 Likes

Auf den habe ich oben ebenfalls verwiesen.

Der KVM hat aber nur einen DP Out, somit wäre nur ein DP Endgerät, sprich Monitor ansteuerbar. Ob die HDMI und DP out gleichzeitig nutzbar sind, weiß ich nicht. Falls ja, wäre es vermutlich allensfalls eine Spiegelung statt Desktoperweiterung. Wäre zumindest meine Vermutung.

Sprich das ganze ist nur eingeschränkt vergleichbar, was dann auch möglicherweise die Preisdifferenz erklärt.

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S
SaschaT

Mitglied

11 Kommentare 2 Likes

HDMI und DisplayPort lassen sich laut Datenblatt nicht gleichzeitig nutzen.

Dafür unterstütz der Display Port "MST"(Multi-Stream-Transport).
Über MST sollten z.B. 3 Displays mit UHD möglich sein, jedoch nur 1x60Hz und 2x30Hz

Kommt eben wie immer auf den Verwendungszweck und das verfügbare Budget an ;-)

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skullbringer

Veteran

143 Kommentare 122 Likes

Danke, gute Hinweise! Tatsächlich funktioniert G-Sync und Adaptive Sync problemlos und auch Input Lag ist absolut gar keiner zu bemerken. Als langjähriger FPS-Spieler wäre mir das sofort aufgefallen.

Man bekommt hier wirklich vollwertiges Displayport 1.4, ohne Scaling, Konvertierung o.ä.. Von der Weiche im Kabel bekommen die Hostsysteme also effektiv nichts mit ;)

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I
Irolas

Mitglied

12 Kommentare 4 Likes

Gibt es das Modell auch für den Anschluss an mehrere PCs? Wenn ich das richtig verstanden habe (bitte korrigieren, wenn ich da falsch liege), dann sind alle auf der Packung abgebildeten Geräte für nur zwei PCs, aber mehrere Monitore.

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Xaver Amberger (skullbringer)

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