Editorial News Redaktion

Wie ich zum Amazon Vine Tester wurde, warum man dafür einen starken Charakter braucht und wieso das Finanzamt mit am Tisch sitzt

Ja, ich oute mich mal, ich bin freizeitmäßig auch unter die Klimbim-Tester gegangen. Nach der x-ten Einladung, nun doch auch mal am Vine-Programm teilzunehmen, habe ich mich schlussendlich dann doch breitklopfen lassen. Aber Vorsicht! Amazon Vine, ein Eldorado des unnützen Klimbims, entpuppt sich für die meisten Nutzer als Labyrinth aus Plastik und Pseudo-Innovationen. Doch was passiert, wenn man sich diesem Chaos entgegenstellt und den Wahnsinn mit System besiegt? Willkommen in der Welt des zielgerichteten Testens – hier wird nicht alles wahllos angenommen, sondern weise gewählt: Kabel, Stecker, Adapter und sonstiges Zubehör, das man wirklich braucht. Und man braucht viel, wie mir ein Blick in meine Bestellhistorie der letzten Jahre gnadenlos vorgerechnet hatte.

Der Plan ist so einfach wie genial: Statt sich mit solarbetriebenen Nagelknipsern und selbstumrührenden Kaffeebechern einzudecken, wird nun strategisch bestellt. Jeder neue Artikel hat einen klaren Nutzen und fügt sich nahtlos in das bestehende Ordnungssystem ein. USB-C, HDMI, Lightning – ein wahres Kabelparadies entsteht, in dem jedes Teil seinen Platz und Zweck hat. Der geneigte Vine-Tester, der einst vom Klimbim überrannt wurde, verwandelt seine Wohnung in ein Hightech-Zentrum der Vernunft. Die Schubladen sind kein wildes Sammelsurium mehr, sondern wohlorganisierte Lagerstätten. Der Adapter für den selten genutzten, aber unverzichtbaren alten Laptop? Griffbereit! Das Ladekabel für das inzwischen historische Smartphone-Modell? Natürlich auf Vorrat!

Doch man muss schon abgebrüht sein, um nicht doch dem Klimbim-Wahn zu verfallen. Der wahre Clou liegt, neben der Erkenntnis, wie beim Alkohol und Nikotin standhaft geblieben zu sein, nicht nur in der verbesserten Organisation, sondern in der neu gewonnenen Zufriedenheit. Denn während andere Tester immer noch mit fragwürdigen Erfindungen kämpfen, erlebt der selektive Besteller eine Renaissance der Nützlichkeit. Es ist ein Triumph der Logik über den Konsumrausch, ein Sieg des Verstandes über den Wahnsinn des Überflusses. Charakterfestigkeit vorausgesetzt und ein geschultes Auge für das Notwendige.

Natürlich bleibt die Ironie nicht aus. Während die Nachbarn noch über beleuchtete Toilettensitze lachen, kann ich mir sicher sein, dass ich als Vine-Tester der Zukunft jedem mit dem perfekten HDMI-Adapter aushelfen kann. Und ja, diese kleinen, unscheinbaren Helferlein haben in Wahrheit mehr Wert als der ganze Klimbim zusammen. Und nur mal am Rande: Ohne diese tägliche Morgenlektüre der neu hinzugekommenen Artikel hätte ich das optische HDMI-Kabel, das zwar 10 Meter lang ist, aber sogar fein aufgerollt immer noch funktioniert, nie gefunden.

Amazon Vine wird so zum persönlichen Werkzeugkasten. Jeder neue Testartikel wird sorgfältig ausgewählt, jedes Kabel und jeder Stecker bewusst bestellt. Es ist, als ob man die Kontrolle über den Algorithmus übernimmt und ihm seine Launen austreibt. Die Wohnung bleibt aufgeräumt, die Seele beruhigt, und der Testkönig oder die Testkönigin thront zufrieden inmitten eines Reichs nützlicher Helfer. Man muss nur die liebe Familie fernhalten, sonst bricht das Bestell-Inferno aus. Neue Fahradklingeln, akkubetriebene Luftmatratzenpumpen, Creeper zum Knuddeln und Wischmopps. Das musste ich, um des lieben Friedens willen, auch schon mal mitbestellen. Wobei ich einen nicht unwesentlichen Teil des Haushalt-Bedarfs an Lappen und Sonstigem wirklich kostengünstig umlagern kann.

Aber wenn man nicht aufpasst und sein Leben nicht fest genug im Griff hat, dann verkommt der Traum, kostenlos mit den neuesten und besten Gadgets ausgestattet zu werden, schnell zum raumgreifenden Albtraum. Denn was bekommt man wirklich? Ein Füllhorn an absurden Erfindungen, die niemand braucht, aber jeder Vine-Tester zu haben scheint. Da stapeln sich intelligente Salatschleudern neben beleuchteten Toilettensitzen und Anti-Schnarch-Kissen. Allein die Vorstellung dieser Sammlung genügt, um sich den resignierten Seufzer eines jeden Ehepartners vorzustellen, der über die neueste Lieferung stolpert.

Es zeigt sich: Auch in einem Meer aus überflüssigem Plunder kann man sich ein Inselparadies der Nützlichkeit schaffen. Man muss nur den Mut haben, sich vom Reiz des Neuen zu lösen und den Fokus auf das Wesentliche zu legen. Dann wird aus Amazon Vine kein Klimbim-Kabinett, sondern eine Schatztruhe voller praktischer Alltagshelfer. Wer hingegen als eher charakterloser Vine-Tester-Messi lebt, befindet sich in einem durch und durch surrealen Universum. Einem Universum, in dem der Wert eines Menschen an der Anzahl seiner Rezensionen gemessen wird und die Quadratur des Wohnraums eine ständige Herausforderung darstellt. Einem Universum, das sich von der Idee, durch Produkte glücklicher zu werden, ad absurdum führt. Bleibt nur zu hoffen, dass der nächste Trend minimalistischer wird. Vielleicht kommt dann der Anti-Klimbim-Boom: weniger ist mehr, vor allem weniger nutzloser Kram.

Achso, und noch was: Amazon Vine, das vermeintliche Schlaraffenland für Produkttester, wird schnell zur Quelle von Überraschungen. Denn während man sich noch über den neuesten Hightech-Adapter oder den futuristischen Duschkopf freut, sitzt das Finanzamt bereits im Geiste mit am Tisch und prüft fleißig mit. Stellen wir uns das vor: Da kommt das langersehnte Paket mit dem neuesten Gadget, und bevor man es richtig auspacken kann, springt ein kleines virtuelles Finanzamt-Männchen aus der Verpackung und notiert den Wert. Willkommen in der Ära der digitalen Transparenz, wo selbst die Testprodukte einem offiziellen Beobachter nicht entgehen!

Amazon Vine verpflichtet seine Tester nämlich nicht nur zur ehrlichen Rezension, sondern auch zur gewissenhaften Angabe des Produktwerts beim Finanzamt. Jedes Geschenk hat seinen Preis – und der wird prompt ans Finanzamt gemeldet. Da wird der selbstumrührende Kaffeebecher nicht nur zum Gesprächsstoff im Freundeskreis, sondern auch zum Eintrag in der Steuerakte.Das Procedere ist komplex: Jedes erhaltene Produkt wird dokumentiert, der aktuelle Marktwert ermittelt und dem Finanzamt übermittelt. Für viele ist das ein Schock. Die Idee, dass das Finanzamt mitliest, während man seine neuesten Errungenschaften auspackt und testet, lässt so manchen Produkttester erschaudern. Plötzlich sind die Schubladen voller nützlicher Adapter und Kabel nicht nur praktische Helfer, sondern auch steuerpflichtige Güter. Das sollte man vorher schon wissen, wenn man auf die Jagd geht.

Und während man sich noch mit dem neuesten Adapter vertraut macht, sitzt das Finanzamt virtuell daneben und kalkuliert fleißig mit. Da wird aus dem harmlosen Hobby schnell ein zweiter Job. Die Rezensionen, einst mit Begeisterung geschrieben, tragen nun den Beigeschmack der steuerlichen Verpflichtung. Jede Bewertung erinnert daran, dass am Ende des Jahres ein formaler Bericht wartet. Doch die Krönung dieser surrealen Bürokratie liegt in der Vorstellung, dass das Finanzamt möglicherweise ein eigenes Vine-Tester-Team hat, das den Wert jedes einzelnen Produkts überprüft. Stellt Euch das mal vor: Finanzbeamte, die die neuesten Gadgets ausprobieren und gleichzeitig deren steuerlichen Wert erfassen. Auweia…

Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis: Selbst die scheinbar kostenlosen Freuden des Produkttestens sind nicht frei von Verpflichtungen. Amazon Vine mag die Türen zu einer Welt voller innovativer Produkte öffnen, aber das Finanzamt steht stets bereit, um sicherzustellen, dass jeder Wert korrekt erfasst wird. In einer Welt, in der selbst der kleinste Adapter gemeldet werden muss, wird der Traum vom kostenlosen Testen zur komplexen Herausforderung. Und der Produkttester? Der wird zum Helden des modernen Steuerdschungels und übt sich in Zurückhaltung. Hoffentlich.

Kommentar

Lade neue Kommentare

konkretor

Veteran

311 Kommentare 321 Likes

Braucht es wirklich noch mehr Plunder und Gadgets in der heutigen Zeit?

Es gibt da ein Buch das nennt sich: Haben oder sein. Das hat mir sehr geholfen von diesem immer mehr Plunder weg zu kommen.

Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich.

Das Finanzamt ist sehr gut die kleinen Bürger auszupressen. Bei den großen Fischen ist es ein zahnloser Tiger.

Wenn Kinder auf die Welt kommen, geht's keine Woche dann hat der Nachwuchs schon ne Steuernummer.

Antwort 7 Likes

RedF

Urgestein

4,798 Kommentare 2,669 Likes

Ich wundere mich bis heute, warum ich dem Finanzamt die gemeinsame Steuernummer, die sie mir selbst geschickt haben, mitteilen muss.

Antwort 10 Likes

Igor Wallossek

1

10,425 Kommentare 19,438 Likes

Doppelte Sicherheit :D

Antwort 2 Likes

RedF

Urgestein

4,798 Kommentare 2,669 Likes

Das wie der Brief von Hermes, dass meine Adresse nicht existiert und deshalb keine Packeilzustellungen möglich sind.

Antwort 4 Likes

e
eastcoast_pete

Urgestein

1,655 Kommentare 987 Likes

Warum? Gehorsamsübung; und Test desselben.

Antwort 2 Likes

Igor Wallossek

1

10,425 Kommentare 19,438 Likes

Was gab's heute bei Vine?

DVD-Laufwerk extern, da brauchte ich dringend ein neues und einen zweiten HDMI 2.1 KVM Switch mit Fernbedienung gabs obendrauf. Die Woche hatte ich noch doppelseitiges Powertape, eine Schraubenkiste mit massenhaft M2 bis M4 (Dauerbedarf), :)

Antwort 6 Likes

D
Don Omerta

Mitglied

52 Kommentare 37 Likes

Hallo Igor, bin auch seit einiger Zeit im Vine-Programm. Das meist dort ist aber China-Crap und ab und zu ist mal was dabei wo auch die Qualität stimmt.
Seit Oktober 2023 und der DAC7 Geschichte, bestelle ich kaum noch. Keiner weiß beim Finanzamt wirklich was los ist und wie mit den privaten Haushalt umzugehen ist. In einen Mydealz-Forum hat ein User am 14 Mai eine Mail bzgl. dieser Angelegenheit vom Bundesfinanzministerium (Referat Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerdialog) eingestellt. Dort natürlich wieder ganz schwammig formuliert, Einzelfallprüfung, Gewinnabsicht usw.
Bezüglich den Rezensionen bin ich da ehrlich, Müll wird von mir gnadenlos angeprangert und gute Qualität gelobt (incl. Fotos oder Vid).
Ich warte mal ab wie das für die privaten in puncto Steuer weitergeht.

Hier mal das besagte Forum, die Mail wurde am 14 Mai eingefügt.
DAC7

Antwort 2 Likes

S
Savage_Sinusoid

Mitglied

20 Kommentare 6 Likes

Wenn das Finanzamt dafür sorgt, dass der Konsument diese Form von Massenverbrauch billigen Tands mit Wegwerfgarantie nicht vollständig externalisieren kann, dann hat der deutsche Staat eigentlich alles richtig gemacht. Ein essenzieller Zweck von Steuern ist nicht zuletzt das Steuern.

Antwort Gefällt mir

Tronado

Urgestein

3,895 Kommentare 2,048 Likes

Plunder hat fast jeder zu Hause, gerade habe ich mit der Frau vor dem Urlaub die Kleiderschränke ausgemistet.
Da fliegen einige hässliche Hemden, zu enge Hosen, nie oder einmalig getragene Kleider in den Spendensack.
Wenn man die Anschaffungspreise der entsorgten Sachen addiert, wären das ein bis zwei Woche Urlaub für uns außerhalb der Saison. Da hätte man natürlich mehr von gehabt. Alle Kabelsammelkisten, alte Handys und PC-Sachen von 2003-2014 sind längst verschenkt oder entsorgt, das habe ich mir abgewöhnt. Nur mit dem Luftkühlersammeln habe ich Probleme, im Keller liegen sicher noch sechs oder sieben. :)

Antwort 4 Likes

T
Tom42

Mitglied

36 Kommentare 20 Likes

Tja, das ist der 'Geldwerte Vorteil', der muss versteuert werden :devilish:

Antwort Gefällt mir

Steffdeff

Urgestein

774 Kommentare 724 Likes

Ich wusste gar nicht das du Freizeit hast!
Hat dein Tag mehr als 24 Stunden?😉

Ach ja, die Anzahl von Amazon Käufen beläuft sich bei mir auf 0 !
Ein Leben ohne den großen Versandriesen scheint also möglich.
😀

Antwort 1 Like

echolot

Urgestein

1,083 Kommentare 832 Likes

Wenn man die Ladenhüter nicht loswird, ist das der nächste Vertriebsweg. Praktisch.

Antwort 2 Likes

Case39

Urgestein

2,543 Kommentare 962 Likes

Vine Nein Danke. Noch mehr Plunder braucht meine Wohnung nicht, dafür hab ich meine Frau.
Dazu das Finanzamt im Nacken...man kann sich das Leben schon selber zur Hölle machen😂

Antwort 4 Likes

aluis

Neuling

6 Kommentare 5 Likes

Bei mir findest du garnichts, sogar meine Kellerbox ist komplett leer. Was bin ich froh, ein Minimalist zu sein. Ich trenne mich seit vielen Jahren konsequent von Dingen, welche ich nicht wirklich zum Leben brauche. Das hat sooo viele Vorteile.

- Putzen macht Spaß
- man sucht niemals irgendwas
- ein nationaler Umzug ist mit Umzugsunternehmen an einem (!) Tag möglich inkl. einräumen
- Freiheit

Tyler Durden: "Die Dinge, die du besitzt, besitzen am Ende dich."

Antwort 5 Likes

Case39

Urgestein

2,543 Kommentare 962 Likes

@aluis +1 Ich leide jeden Tag🙄

Antwort 2 Likes

Tronado

Urgestein

3,895 Kommentare 2,048 Likes

Bewundernswert. Das könnte ich sicher auch schaffen, aber meine Frau niemals. :)

Antwort 2 Likes

e
eastcoast_pete

Urgestein

1,655 Kommentare 987 Likes

Frage, auch an @Igor Wallossek: bleibt Ihr dann "Vine Reviewer" wenn ihr einige negative Bewertungen und Rezensionen schreibt? Oder werdet ihr da abgestraft und aus dem Programm geschmissen?
Ich bin kein "Vine Reviewer", allerdings hatte ich schon mehrfach die Erfahrung gemacht, daß Amazon 1 oder 2 Star Bewertungen (mit Review/Text dazu) abgelehnt hat, weil sie irgendwelche Regeln verletzt haben sollen. Darin ging's zB um irreführende Beschreibungen im Text der Produktseite (falsche Angaben zum Herkunftsland und zur Menge); sowas mag der Amazon/AWS Bot scheinbar gar nicht.

Antwort Gefällt mir

Igor Wallossek

1

10,425 Kommentare 19,438 Likes

Da kann ich dich schon mal beruhigen, ich habe schon einige 1-Sterne Rezensionen abgegeben und auch fachlich begründet. Bisher hat sich bei mir keiner beschwert. Schlimmer ist deren Bilder-KI, die eine Tonerkartusche für Gelb scheinbar als Pe*is interpretiert hat und die Bewertung aus "ethischen Gründen" nicht veröffentlicht hat. Ich habe das Bild einfach mit einem Blaufilter eingegrünt und schon wurde es akzeptiert :D

Man darf aber keine Mitbewerberprodukte offen benennen :D

Antwort 4 Likes

echolot

Urgestein

1,083 Kommentare 832 Likes

Das war dann die Pornhub KI. Die verwenden da vielleicht auch so Tonerkartuschen😄🤷‍♂️

Antwort 4 Likes

Danke für die Spende



Du fandest, der Beitrag war interessant und möchtest uns unterstützen? Klasse!

Hier erfährst Du, wie: Hier spenden.

Hier kannst Du per PayPal spenden.

About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

Folge Igor auf:
YouTube   Facebook    Instagram Twitter

Werbung

Werbung