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Palit GeForce RTX 2070 Dual im ersten Test

Die heute bereits getestete GeForce RTX 2070 Founders Edition ist interessanterweise nicht das Objekt, auf das der Chipgigant seinen neuen Fokus setzt. Um die GeForce RTX 2070 dem Käufer auch recht schmackhaft zu machen, müssen es diesmal die Boardpartner mit ihren nicht werksübertakteten Modellen richten. Die Preisvorgabe von Nvidia ist eine UVP von 519 Euro, die allerorts einzuhalten ist. Interessanterweise erhält man dafür sogar schon recht ordentliche Karten.

Die Palit RTX 2070 Dual folgt exakt diesem Strickmuster, wobei man Ihr die zugrundeliegende Kostenersparnis durchaus ansieht. So verzichtet man von Haus aus auf eine Backplate, die aber wohl eh nur optischer Natur gewesen wäre. Aber dazu komme ich gleich noch.

 

Unboxing und Features

Die Palit RTX 2070 Dual ist ein echtes Leichtgewicht und wiegt nur sehr überschaubare 817 Gramm. Sie ist zwar 29,5 cm lang (von Außenkante Slotblende bis hinteres Ende der Lüfterabdeckung), dafür aber nur 11 cm hoch (Oberkante Motherboard-Slot bis Oberkante Lüfterabdeckung) und 3,4 cm schlank, was sie zu einer echten Dual-Slot Karte macht. Eine Backplate gibt es, wie schon gesagt, leider nicht. Die Karte ist aber schön schlank, flach und setzt auf einen durchschnittlichen Kühler mit zwei 8,5cm Lüftern und jeweils 9 Rotorblättern. Ein Fan-Stopp ist natürlich auch mit an Bord, der zudem sehr sanft in den laufenden Betrieb übergeht.

Insgesamt fünf massive, vernickelte Heatpipes transportieren die Abwärme von Heatsink zu den Lamellen. Der 8-Pin und der 6-Pin-Anschluss sind komplett überdimensioniert, wie wir später noch sehen werden. Zumindest für eine ab Werk nicht übertaktete Karte. Doch genau dazu werde ich gleich noch weiter ins Detail gehen. Ansonsten ist die Karte eine eher zurückhaltende Erscheinung, ohne optische Entgleisungen oder echte Highlights. Das kann durchaus auch einen eigenen Charme entwickeln.

 

Performance, Leistungsaufnahme, Temperaturen und Lautstärke

Die Karte boostet ab Werk unter Volllast (Witcher 3 WQHD) im aufgewärmten Zustand bis 1575 MHz, wobei an dieser Stelle bereits bei einer Leistungsaufnahme von ca. 165 Watt das leidige Power Target greift. Die finale Temperatur beträgt im offenen Aufbau 62 bis 63°C, im geschlossenen Gehäuse ca. 66 bis 67°C, wobei die Karte zurückhaltend, aber doch hörbar agiert.

Mit unter 37 dB(A) ist diese Karte selbst bei langanhaltender, voller Last aber noch gut im Rennen, auch wenn es sicher leiser ginge. Aber diese Karte ist ja am Ende nicht umsonst das günstigste RX-2070-Modell von Palit. GPU-Z zeigt uns dann auch schön die Leistungsdaten der Karte im ersten Überblick:

Die Gaming-Performance liegt ohne Werks-OC im Mittel der Vergleichsmessungen ca. 5% unter der Performance der Founders Edition mit leichtem Werks-OC. Die Übertaktung dieser Karte ist etwas limitiert, denn mehr als 114% beim Power Target sind auch hier leider nicht drin. Damit habe ich immerhin 1845 MHz im voll aufgewärmten Zustand halten können, was zu einem Leistungsplus von ca. 6 bis 8% geführt hat. Damit überholt man am Ende nicht nur die FE bei den FPS, sondern wird auch mit Sicherheit kaum lauter.

Die Leistungsaufnahme liegt nun bei ca. 193 Watt, also etwas über den Werten der Founders Edition, wobei man im Werkszustand ohne Übertaktung deutlich sparsamer und effizienter agieren kann. Vergleicht man dies mit einer GeForce GTX 1080, ist die neue Karte als Boardpartner-Variante sogar deutlich sparsamer! Mit ca. 111% Power Target ist man auch mit der Palit RTX 2070 Dual exakt so schnell wie mit der Founders Edition, immerhin.

Die detaillierten Einzelbenchmarks der GeForce RTX 2070 kann man zur besseren Orientierung hier noch einmal nachlesen: Nvidia RTX 2070 Ti Founders Edition im Test – Komplizierte Gleichung mit vielen Unbekannten.

Wir sehen anhand der detaillierten Kurven auch sehr schön, dass die Spikes, also die Lastspitzen, mit weniger als 209 Watt auch sehr überschaubar bleiben:

Jetzt kommt allerdings auch ein gewisses Aber deshalb, weil Palit das Load-Balancing etwas zu optimistisch ausgelegt hat. Im normalen Gaming oder Torture-Loop liegt man am Mainboard-Anschluss mit 5.6 Ampere schon knapp über der Normgrenze von 5.5 Ampere, aber noch innerhalb etwaiger Messtoleranzen. Beim OC mit 114% Power Target sind es jedoch als Mittelwert bereits 6.6 Ampere mit Spitzen von fast 11 Ampere!

Da wird natürlich erst einmal nichts abfackeln, aber erstens ist eine Norm da, um verflixt nochmal auch eingehalten zu werden, zweitens traue ich z.B. den dünnen 4-Layer Low-Cost-Mainboards der SI keinen Meter über den Weg (wo meist noch nicht einmal der Reserve-Pin mit 12V beschaltet wird) und drittens sind solche sinnlosen und überflüssigen Spitzen dann auch im Audio-Zweig hörbar. Man kann Scrolling also auch hören. Dagegen ist Spulenfiepen wie Heimaturlaub.

Ich habe Palit umgehend informiert, denn es ist am Ende ja auch nichts, was sich nicht einfach per BIOS-Update wieder beheben ließe. Denn man muss auch keine 83 Watt über das Mainboard abfeiern, während sich ein 8-Pin und ein 6-Pin gemeinsam bei insgesamt nur 110 Watt fröstelnd auf der Zugspitze oben langweilen. Das ist einfach nur gedankenlos, sorry.

 

Die nachfolgenden Messwerte der tabellarischen Übersicht wurden praxisnah alle im geschlossenen Aufbau ermittelt und mit den anderen Rahmendaten ergänzt:

 
Palit GeForce RTX 2070 Dual
Palit GeForce RTX 2070 Dual OC (114% PT)
 
Max. Boost:
1575 MHz 1845 MHz  
Leistungsaufnahme:
165 Watt 193 Watt  
Performance:
-5 bis -6% zur FE +2 bis +3 % zur FE  
Temperatur:
<= 66°C <= 74°C  
Lufterdrehzahlen: < 1422 U/min < 1620 U/min  
Lautstärke: < 36 dB(A) < 37 dB(A)  
Abmessungen: 29,5 (L) + 11,0 (H) + 3.4 (T) cm    
Gewicht: 817 Gramm    
Preis (UVP): 519 Euro    

 

Zusammenfassung und Fazit

Nvidias kurzfristige, aber sehr nachdrückliche Bitte an die Boardpartner, man möge doch auch Karten auf dem Niveau der UVP von 519 Euro inkl. MwSt. anbieten, hat auch bei Palit getragen. Allerdings ist die Palit GeForce RTX 2070 Dual bei weitem nicht so großzügig ausgelegt worden, wie z.B. die GeForce RTX 2070 Armor von MSI. Nur sehe ich die Palit-Karte eher als wirklich preisgünstiges Angebot als die MSI -Karte, deren Preis so kaum sicher zu halten sein wird. Ich gehe mal stark davon aus, dass MSI noch ein günstigeres Modell darunterschiebt, denn die Armor ist einfach zu gut ausgestattet.

Trotzdem kaufen? Warum eigentlich nicht, wenn es unbedingt eine ordentliche Karte für 1440p sein soll? Allerdings sollte man sich schon sehr sicher sein, ein brauchbares Mainboard als Untersatz zu besitzen, wenn man sich beim OC die 6.6 Ampere am Slot wirklich antun will. Oder man wartet auf ein BIOS-Update, das so sicher sein wird wie das Amen in der Kirche. Oder man wartet auf die hauseigenen Bling-Bling-Modelle von Palit. Oder… Irgendeinen Grund für oder gegen ein Produkt findet sich immer, deshalb höre ich an dieser Stelle auch erst einmal auf. Ich würde mich eh nur noch wiederholen…

 

 

Aufgrund des sehr späten Samplings, das erst am Vortag des Launches erfolgte, muss ich die kompletten Einzeltests später nachreichen. Diese Kurztests sind das Resultat einer längeren Nacht- und Tag-Aktion bis zum Launchtermin, da ich einerseits die dem Kollegen zur Verfügung stehende Founders Edition reichlich unspektakulär fand und diese andererseits für den Markt auch aus meiner Sicht keinerlei Relevanz besitzt.

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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