Grafikkarten News

Die Gewinner der Grafikkarten-Krise: Hardware-Broker ersetzen den Großhandel – Exklusive Angebots- und Preisliste

Leere Regale, horrende Preise, lange Wartelisten und noch längere Gesichter beim genervten Endkunden. Und doch tauchen immer wieder einmal einige wenige Stück auf diversen Handelsplattformen auf oder es gibt vereinzelt auch Fertig-PCs mit bereits verbauten Grafikkarten zu kaufen. Doch wo kommen diese Bestände her, wenn selbst die offiziellen Distributoren der Grafikkartenhersteller abwinken und trocken liegen? Es gibt, das wissen sicher nicht alle, auch eine Art Paralleluniversum des normalen Großhandels, wo ganz legal Lücken gefüllt und Bestände den Eigentümer wechseln, ohne dass die herkömmlichen Vetriebs- und Handelswege genutzt werden.

© 2021 igorsLAB

Dabei ist das Prinzip und Geschäftsfeld der sogenannten Hardware-Broker noch nicht einmal neu. Kannte man solche Dienstleister vor Jahren eigentlich nur im Zusammenhang mit der Auflösung größerer, gebrauchter  Hardwarebestände weltweit agierender Unternehmen wie z.B. HP oder Dell, so nutzen diese Dienstleister mittlerweile die eigene Infrastruktur und den Kundenbestand vermehrt dazu, neue Hardware aufzuspüren, zu vermitteln und zu liefern.

Mir wurde heute eine Liste zugespielt, die die Ergebnisse einer Anfrage speziell nach Grafikkarten wiederspiegelt und die aktuelle Preise und Verfügbarkeiten (Lagerbestand, Erwartet) dieser Plattform recht eindrucksvoll aufzeigt. Die geringen Zahlen der Einheiten sind insofern erschreckend, als dass es sich hier im einen der größten, weltweit agierenden osteuropäischen Broker handelt, bei dem auch deutsche Firmen gern einkaufen. Dass überhaupt Grafikkarten verfügbar sind, liegt natürlich auch an deren Preisen. Hier kauft als Firma wirklich nur, bei dem die Hütte brennt.

Die in der Liste aufgeführten Preise sind alle DAP (Delivered At Place), keine Kunden-Endpreise. Bei DAP trägt der Verkäufer alle Kosten und Gefahren bis zum vereinbarten Bestimmungsort, wo er die Ware auf dem ankommenden Beförderungsmittel unentladen, aber entladebereit zur Verfügung stellt. So muss z.B. bei einem Lkw der Container, Hänger oder die Plane geöffnet sein und die Sicht auf die Fracht freigegeben sein. DAP eignet sich somit auch für Großtransporte, bei denen der Entlade-, d.h. Übernahmevorgang, am besten vom Empfänger organisiert werden soll. Die eigentlichen Entladekosten und die Gefahr der Entladung trägt dann später aber der Käufer.

Nur bleiben Großtransporte bei Grafikkarten aktuell ein echtes Wunschdenken, denn die Stückzahlen sind homöopathisch gering. Bei diesen kleineren Mengen, da lohnt sich z.B. auch Luftfracht, endet die Beförderung erst mit der Entladung. Dann aber trägt der Verkäufer die entsprechenden Kosten und Gefahren bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls. Sofern sich bei der Entladung oder der Einfuhrabfertigung Probleme oder Kosten ergeben, gehen sie ab dem vereinbarten Liefer-Zeitpunkt oder -Zeitraum zulasten des Käufers.

Die aktuelle Preisliste von gestern sieht dann so aus:

 

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T
Toacon

Veteran

265 Kommentare 86 Likes

Das ist wirklich einfach verrückt. Danke für diesen Einblick.

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k
karre

Mitglied

21 Kommentare 20 Likes

Mit einer 1050Ti lässt sich gut Umsatz machen. Irre..

Wenn ich sehe, wie man mir drei rx580 auf Kleinanzeigen förmlich aus den Händen gerissen hat .. sogar eine defekte wurde mir mehr geboten, als ich wollte .. (und ich hatte schon 60€ angesetzt) .. einfach nur Irre derzeit

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konkretor

Veteran

125 Kommentare 92 Likes

Solche Excel Listen kenne ich noch von früher aus dem Distribution Geschäft. Da wurden immer alle begehrten Waren in eine Liste gepackt und täglich mit Preis und Bestand verschickt. Oft auch Grauware. Nicht für die EU bestimmt sondern für den US Markt/Asien.

Das dies jetzt mit den Grakas passiert. Ist ganz schlecht für uns Endkunden. Kann sein das die Ware erstmal zirkuliert in dem Kreis und dann irgendwann zu absurden Preisen im Endkunden Markt landet.

@Igor Wallossek Danke fürs veröffentlichen

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halfevil333

Veteran

120 Kommentare 54 Likes

Ja, ziemlich interessanter Einblick.
Und ziemlich verrückt, kann mich meinen Vorrednern da nur anschließen. In letzter Zeit hab ich gelegentlich mal nach den Gebrauchtpreisen für die von mir hauptsächlich genutzten GraKa´s geschaut. Für die XFX RX590 Fat Boy wird gebraucht mehr als 400,- aufgerufen. Und für die gleiche XFX 5700XT Thicc III müsste man jetzt 3x soviel gebraucht zahlen, als sie damals neu gekostet hat. Wirklich irre!

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g
gastello

Veteran

329 Kommentare 107 Likes

Wer Hardware einkauft, muss normalerweise zu einem zertifizierten Partner gehen. Dabei legen die Hersteller Endkundenpreise fest. Konditionen werden durch den Umsatz im jeweiligen Land bestimmt. Der Partner erhält dafür seinen Status und Rabatte, die er an Endkunden weiter geben darf. Somit bleibt dem Kunden die Möglichkeit Preise auch zu verhandeln.

Broker arbeiten anders, sie sind keine Partner der Unternehmen sondern unabhängige Händler, die zuweilen gesamte Bestände (Quellen sind denen weitgehend egal) aufkaufen. Positiv für Hersteller ist das Broker zuweilen auch komplette Restbestände aufkaufen, wenn diese bspw. eine neue Gen auf den Markt bringen. Was stellenweise in der Vergangenheit auch schon der Fall war. Sie werden deshalb geduldet, legen aber ihr eignes Preisniveau fest (Honorar, Verdienst, Gewinn usw.) was sich zusätzlich zur Knappheit, auch im derzeitigen Markt widerspiegelt. Es geht also nicht nur um Scalping.

Normalerweise handeln Broker mit oder hauptsächlich mit Refurbished Hardware, wobei man dort unter ähnlichen Bedingungen wie im Handel Garantien gewährt bekommt, aber zusätzlich bis zu 15% sparen kann. Leider spielt der gesamte Markt total verrückt (Knappheit, covid usw.) und natürlich lässt sich mit der neuen Gen auch gutes Geld verdienen. Nvidia und AMD haben aus meiner Sicht was ihre Versprechen angeht Lieferketten aufrecht zu erhalten und Referenzhardware zur UVP über Partnershops anzubieten, komplett versagt. Aber beide hatten im Vorfeld bis auf die hauseigenen Shops behauptet, es gäbe keine Einschränkungen. Vermutl. werden die Preise bis Mitte 2022 oder sogar darüber hinaus auf gleichem Niveau bleiben.

Das heißt eine komplette Gen (RTX3000 und RX6000) geht fast zu an den Spielern vorbei. In einem Jahr würde ich persönlich, zwei Jahre alte Hardware tatsächlich nur noch von einem Broker einkaufen. Für mich gehört das beiden Herstellern um die Ohren gehauen. Preise hochjubeln und eigene Vorgaben bzw. Empfehlungen wie UVP, sind nur noch Schall und Rauch. Da wird kräftig daran mitgearbeitet, dass die Hardware extrem verteuert wird und sich andere Sündenböcke gesucht. Pfui...

@Igor
...nette Liste...!:)

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g
gastello

Veteran

329 Kommentare 107 Likes

Wir haben vor kurzem ein System aufgelöst. Uns wurden aus Kroatien für 4xR7 pro Stück 1500 Euro geboten. Vermutlich von einem Broker oder ggf. Miner der die Hardware weiterverkauft oder dann selbst weiterverwendet, und daran auch noch verdient. Es ist derzeit komplett verrückt. Eingekauft hatten wir pro Stück für knapp 800 Euro (als die Welt noch normal war..:)).

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P
Phelan

Neuling

9 Kommentare 7 Likes

Wenn ich mir die "incomming" Zahlen so ansehe :unsure:

Da hat man ja in Foren Gewinnspielen bessere Chanchen auf eine aktuelle Grafikkarte :sneaky:

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halfevil333

Veteran

120 Kommentare 54 Likes

So durchgeknallt war es in meinem PC-Schrauber-Leben bisher echt nicht.
Da kann ich nur froh sein, dass ich bisher nie eine Graka geschrottet habe und alles, was ersetzt wurde, trotzdem noch vorhanden und in tadellosem Zustand ist.
Und mit der 5700XT bin ich immer noch gut bedient, da ich keine Anwendungen habe, die etwas höheres verlangen. Hoffe, das bleibt erst mal so.

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big-maec

Veteran

170 Kommentare 88 Likes

Ah jetzt ja, hatte im anderen Forum schon nachgefragt was die Händler für EK Preise haben. Wenn es nicht mehr über den normal Weg geht, ist so einiges klarer. Die Zeiten werden wohl nicht besser, der Generation Z hat man vorausgesagt das jedes Baby, was ab diesem Jahr auf die Welt kommt, ein Gamer wird.

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W
WedgeAntilles

Neuling

6 Kommentare 8 Likes

Wenn du dir die Geschäftszahlen von Nvidia ansiehst merkst du, dass von den exorbitanten Preisen bei Nvidia wenig bis nichts ankommt.
Der Umsatz und der Gewinn haben sich quasi gleich entwickelt. Ja, Gewinn hat sich minimal besser entwickelt als der Umsatz - aber das ist zwangsläufig so.
Unterm Strich hat verkauft Nvidia mehr, macht aber pro Stück den gleichen Gewinn - daher haben sich Umsatz und Gewinn prozentual gleich entwickelt.
Würde Nvidia an den hohen Kartenpreisen verdienen würde der Gewinn deutlich überproportional zum Umsatz steigen.
Also bei einer Umsatzverdoppelung eine Verdreifachung des Gewinns z.B.

Es mag bequem und schön sein den schwarzen Peter Nvidia zuzuschieben - die Bilanzen belegen jedoch das Gegenteil.

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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