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5 Markennetzteile gegen eine RTX 3080 und eine Intel-CPU unter verschärften Bedingungen – kann das gut gehen?

Ich habe lange mit Aris zu diesem Thema gesprochen, denn auch mich erreichen ja täglich viele Mails mit Anfragen, ob denn dieses oder jenes Netzteil mit der Konfiguration X, Y oder Z auch wirklich sicher funktionieren würde. Mangels eine größeren Bandbreite an passenden, neuen Netzteilen habe ich mich da ganz auf Aris verlassen, der sich einen speziellen Testaufbau einfallen ließ. Zum Einsatz als CPU kommt diesmal ein sehr stark übertakteter Core i7-10700K, der vor allem unter Last deutlich mehr Lastspitzen generiert als eine vergleichbare AMD-CPU in diesem Leistungsbereich und natürlich eine GeForce RTX 3080, allerdings als Partner-Karte in der “normalen” 320-Watt-Ausführung.

Dann hat sich Aris fünf populäre Netzteilserien herausgepickt (die in seinem Umfeld noch auch normalem Weg zu beschaffen waren) und sich die jeweiligen Modelle mit 650 Watt, 750 Watt und 850 Watt besorgt. In den Test gelangten so das Seasonic Focus Plus Gold, das Super Flower Leadex V, das weit verbreitete Corsair RMx, das Thermaltake Toughpower PF1 und das XPG Core Reactor. Aris war so clever mit der kleinsten Größe anzufangen, denn wenn die schon funktioniert, ist der Rest dann auch nur noch die übliche Pflichtübung.

Dazu muss man wissen, dass die Netzteile von Corsair, Thermaltake und XPG ja am Ende reine OEM-Produkte sind, die bei den großen chinesischen Fertigern hergestellt werden und auf einheitlichen Plattformen und Designs basieren, die dann in leicht abgewandelter Form ja auch in den Netzteilen der anderen Kunden eingesetzt werden. Da spielt es letztendlich gar keine Rolle, ob nun Channel Well (CWT); Great Wall, AcBel, Sirfa oder wer auch immer. Oftmals erlangt der Spruch “Kennt man einen, kennt man alle” dann mehr Bedeutung, als man allgemeinhin denken mag.

Wenn es nicht gerade absolute Noname-Produkte sind, wie die heute immer noch z.B. bei Mindfactory angebotenen Netzteilkatastrophen von Rhombutech & Co. für deutlich unter 50 Euro, dann kann man den heutigen Test sicher auf viele andere OEM-Clone übertragen. Denn bis auf die Netzteile der Originalproduzenten wie z.B. Seasonic, Superflower oder FSP könnte man auch auf viele Geräte einfach Dolly 650 Watt drucken, denn die Herde der Klon-Schafe and der netzteil-Tränke wird immer größer.

Und um dem Ganzen noch etwas mehr Würze zu geben, setzte Aris die Netzspannung auf nur 100 Volt herunter, was eine zusätzliche Belastung der Netzteile darstellt. Denn je niedriger die Eingangsspannung ist, desto höher ist  am Ende ja die Belastung für das Netzteil. Wenn eines der 650-Watt-Geräte den Test nicht schaffen würde,  hätte man die Spannung ja immer noch auf 115 V und 230 V erhöhen können. Wenn das alles nicht geholfen hätte, bestünde dann die Option auf die 750- bzw. sogar 850-Watt-Modelle zurückzugreifen.

GPU: MSI RTX 3080 VENTUS 3X 10G OC
CPU: Intel i7-10700K
RAM: Corsair CMK16GX4M2B3200C16 VENGEANCE® LPX 16GB (2 x 8GB) DDR4 DRAM 3200MHz
Mainboard: MSI MEG Z490 UNIFY
Eingangsspannung: 100 V (optional 115 V &  230V)
Frequenz: 60 Hz
AC-Quelle: Chroma 6530
Leistungsanalysator: N4L PPA1530
IR-Kamera: Fluke Ti480 Pro
Test Spiel: Shadow Of The Tomb Raider

Und weil es gerade einmal so schön herumlag, hat Aris aus der Seasonic Focus Plus Gold Modelreihe auch das 550-W-Gerät ausprobiert, das auch dann noch gut funktionierte, solange die GPU im reinen 2D-Modus war. Spätestens im Menübildschirm des Spiels kam aber dann der gefürchtete Klack und das System schaltete ab. Schade. Womit wir zum Gradmesser der Stabilität gekommen wären. Neben dem üblichen Lasttest, den ja alles Netzteile auch im Zertifizierungsprozess oder Aris’ gründlichen Netzteiltests absolvieren müssen, hatte ich ihm den integrierten Benchmark von Shadow of the Tomb Raider empfohlen, da ich dort extreme Lastwechsel, eine sehr unterschiedliche Lastverteilung von CPU und GPU, sowie eine echt fieses Menü nachweisen konnte. Das ist im Hinblick auf die Stabilität viel wichtiger als die extreme Dauerlast in Witcher 3 oder Metro Exodus.

Aris konnte dann häufig beobachten, dass die Lastanzeige des Power Analyzers für das Gesamtsystem sekundärseitig (also für die gesamten Komponenten) von 200 W auf bis zu 480 W anstieg. Ein weiterer interessanter Punkt ist, dass dieses Spiel das System auch im In-Game-Menü (Grafik-Einstellungen) stark belastet, da es keinen FPS-Limiter gibt. Er konnte dort auch noch satte 415 bis 420 Watt Last messen! Das sind aber die normalen Lasten, die Transienten im ms-Bereich liegen natürlich deutlich höher und stoßen dann in genau die Bereiche vor, die ich auch für diese Grafikkarten schon messen konnte.

Testergebnis und Zusammenfassung

Ich hatte ja bereits die 650-Watt-Modelle der Straight-Power-Serie von Be Quiet! getestet, in Gold und Platin. Sogar mit einer MSI RTX 3090 Gaming X Trio und einem übertakteten Intel i9-10900K. Das lief stabil und sorgenfrei, wenn die Kabel richtig angeschlossen waren. Darüber hinaus betreibe ich seit geraumer Zeit einen Core i9-10900K zusammen mit einer GeForce RTX 3090 FE and einem Corsair RM650X ohne jegliche Probleme. So gesehen, könnte es alles recht entspannt ausfallen.

Und bei diesem Test? Alle getesteten Markennetzteile waren in der Lage, das gewählte System zu unterstützen, selbst bei einer Eingangsspannung von nur 100 V. Dieser spezielle Spiele-Benchmark, Shadow Of The Tomb Raider, stellt eine hohe Belastung für das Netzteil dar, da er viele transiente Lasten erzeugt. Auch das stellte die Stromversorger vor keine Probleme. Lediglich das 550-Watt-Modell schaltete ab, was eigentlich auch zu erwarten war. Mit Netzteilen unter 600 Watt sollte man also den Selbstversuch mit einer GeForce RTX 3080 FE oder Radeon RX 6800 XT gar nicht erst wagen. Es kann eigentlich nur schiefgehen.

Aris ist nicht der Vielschreiber, sondern lässt bei vielen Experimenten einfach die Kamera mitlaufen, was gar keine so schlechte Idee ist. Da hat man dann auch alle Katastrophen oder unerwarteten Ausfälle mit auf dem Bild, was bei einem reinen Foto-Freak wie mir eher die Ausnahme ist. Deshalb verlinke ich auch Aris’ komplettes Testvideo mit freundlicher Genehmigung, damit Ihr Euch ein eigenes Bild machen könnt, wie so ein Test abläuft. Der Video-Kanal von Aris ist interessant und verbirgt so manche kleine Perle, die der YouTube-Algorithmus mangels Mainstream-Tauglichkeit nicht sonderlich reich belohnt. Das sollte aber keinen abschrecken, einmal durch die vielen Videos zu blättern und etwas herumzustöbern. Und ein kleines Abo hat sicher auch noch niemandem geschadet. Aber genug der Werbung unter Freunden, einfach mal selbst gucken!

 

 

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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