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Patriot Viper NVMe 1 TB im Test – Alternative zu Samsung?

Was lange währt, wird richtig gut? Mit zu viel Euphorie ist es ja immer so eine Sache und so spoilere ich es auch gleich mal Beginn: es ist keine Revolution, aber eine solide NVMe SSD für den M.2-Slot geworden. Aber es hat über ein Jahr zwischen der Ankündigung auf der CES 2018 und der echten Markteinführung gedauert. Und das mit den Preisen? Aktuell ist so ziemlich alles im freien Fall und wir müssen abwarten, wo sich das alles noch einpegelt. Und ich konnte mir die SSD besorgen, bevor sie in die Läden kommt.

Eines ist wichtig: Patriot hat zumindest aus den Problemen mit der wirklich höllisch heißen Hellfire (Achtung, Wortspielkasse!) gelernt, so dass man die ansteigende Lernkurve sowohl technisch, als auch optisch bei der neuen Viper gut nachvollziehen kann. Mit dem Phison PS5012-E12 kommt ein neuer Controller zum Zug, der diese Temperaturen durch eine verbesserte Effizienz bereits als Ursache ausschließen bzw. die Messwerte deutlich nach unten drücken soll. Und für die Symptome gibt es bereits ab Werk einen ordentlichen Kühlkörper, der seinem Namen alle Ehre macht, jedoch auch zur Aufmerksamkeit beim Wahl des richtigen Standortes zwingt.

 

Funktionalität und Einsatz

Zur Einsatz kommt der bekannte TLC-Flash von Toshiba. Das ist an sich nichts Besonderes und da ich seit gefühlten Ewigkeiten bereits selbst originale Toshiba-SSDs mit der gleichen 1-TB-Bestückung im täglichen Produktiveinsatz nutze, sollte auch die Langzeittauglichkeit kein Thema sein. Zumal ja der Phison E12 noch einmal eine Ecke besser sein soll.

Doch bevor ich zu den Messergebnissen komme, muss ich noch ein Wort zum Kühler verlieren. Die SSD blieb erstaunlich kühl, selbst im Dauereinsatz. Das, was man da mit maximal 38 °C nach einer Stunde oberflächlich messen kann, ist sogar besser als das der meisten mit den Mainboard-Kühlern gekühlten “nackten” Testobjekte. Allerdings verdient der Einbaustandort dieser SSD eine gehörige Portion Beachtung, denn wenn wir mal ein Blick auf das nächste Bild werfen, dann sehen wir sogar zwei handfeste Probleme, wenn man beim Einbau das Gehirn aus- und die Grafikkarte später einschaltet.

Diese SSD hat im M.2-Slot direkt neben der Grafikkarte nämlich nichts zu suchen (wie eigentlich jede andere SSD auch)! Sehr viele Grafikkarte blasen nämlich auch einen nicht unerheblichen Teil der Abluft nach unten hin in Richtung Motherboard. Setzt man z.B. eine RTX 2080 direkt darauf, steigen die Temperaturen der SSD schnell einmal um bis zu 15 Grad (und mehr). Außerdem lässt die Einbauhöhe des SSD-Kühlers kaum noch eine ordentliche Grafikkartenmontage zu, wie das obige Bild zeigt.

Vorteilhaft ist, dass der Kühler innen hohl ist und die Kühllamellen den Airflow im Gehäuse somit der Länge nach aufnehmen und in Richtung Gehäuserückseite voll durchlassen. Damit kann man wirklich gut leben und diese SSD zudem auch auf Boards einsetzen, die über keine verbauten Kühler für M.2-SSDs verfügen, was sicherlich nicht wenige sind, wenn man man von den teureren Exemplaren absieht.

 

Performance

Die SSD lasse ich mit drei verschiedenen Benchmarks laufen, wobei sich das Ergebnis auch im direkten Vergleich zu anderen SSDs durchaus auch sehen lassen kann. Zum Einsatz kommen CrystalDiskMark, AS SSD und der ATTO Benchmark. Drei unterschiedliche Herangehensweisen, aber das Mainboard war mit Sicherheit nicht der limitierende Faktor. Diese SSD wurde mehrmals gemessen, auch nachdem sehr viele größere und kleinere Dateien gelesen und ge- bzw. überschrieben wurden, bis sie physikalisch so richtig voll war.

Interessant ist, dass die Schreibraten recht hoch ausfallen, was bei vielen SSDs ja leider nicht der Fall ist, auch wenn nur CrystalDiskMark diese Raten mit bis über 3100 MB/s bewertet. Überhaupt ist dieser Benchmark  bei den erreichten Werten recht großzügig:

Auch wenn die Lese- und Schreibwerte in der Summe generell niedriger ausfallen, zeigt der AS SSD Benchmark die gleiche Tendenz, was die hohen Schreibraten betrifft. Das wiederum ist auch eine wichtige Erkenntnis.

Nutzt man hingegen den ATTO Disk Benchmark, dann nähert man sich wieder der 3000er Marke. wobei erneut die Schreibraten partiell höher ausfallen. Damit wird am Ende aus einem Trend ein richtiges Ergebnis, das in allen Benchmarks bestätigt wird und das auch subjektiv mit dem selbst Empfundenen übereinstimmt. Denn im Alltag geht das Schreiben wirklich rasend schnell.

 

Zusammenfassung und Fazit

Diese NVMe-SSD ist fast schon der ideale Part für jeden M.2 Slot. Nur über die reale Ladenverfügbarkeit muss man noch diskutieren. Wenn ich einen endgültigen Preis hätte und belastbar auch bestätigen könnte, wo man sie ein Teil im Falle des Gefallens herbekommt, wäre sicher beim passenden Preis-/Leistungsverhältnis auch ein entsprechender Award drin gewesen. So aber bleibt mir nur die Empfehlung, die Produktangebote in den Shops zu beobachten und die Patriot Viper mal mit auf die Beobachtungsliste zu setzen.

Die UVP von  229 Euro für die  VPN100-1TBM28H mit 1TB ist sicher aufgrund der aktuellen Straßenpreise etwas optimistisch, aber als solche auch nicht zu forsch – man wird also schauen müssen, was da noch geht. Die kleinere VPN100-512GM28H mit einer UVP von 129.00  ist billiger aber auch nicht sehr günstig angesetzt und die ganz kleine VPN100-256GM28H für 79.00 Euro erscheint mir selbst als UVP ein wenig zu teuer, denn da gibt es mittlerweile Angebote wie Sand am Meer. Doch wie man weiß, ist ja eine UVP nie das letzte Wort, Gott sei Dank.

Auch mit Hilfe des Controllers und natürlich der guten Kühlung ist die Patriot Viper M.2 NVMe SSD sicher eine gute Ergänzung für schnelle PCs, wenn Preis und Verfügbarkeit stimmen und mit dem Markt harmonieren. Aber wenigstens konnte ich schon mal ein Sample ergattern und bin am Ende auch selbst nicht unzufrieden damit, denn im Produktiveinsatz ist diese SSD kaum zu schlagen. Mit dieser Erkenntnis kann zumindest ich dann doch ganz gut leben. Als Händler sind Alternate und ggf. auch Mindfactory im Gespräch, wir werden also sehen müssen, wann, wo und wieviel.

Und was ist mit der Alternative, wie es die Überschrift impliziert? Es wäre durchaus eine, leistungsamäßig mit Sicherheit. Wobei wir da aber auch wieder beim Preis angelangt wären, der sich ja demnächst erst noch selbst finden muss. Wenn der allerdings stimmt, dann spräche eigentlich auch nichts dagegen.

 

 

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Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.