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Wenn der Redakteur zum Entwickler wird – ein Hotspot muss kein Kühlproblem sein | igorsLAB

Es gibt immer wieder Dinge, die fallen einem geradezu vom Himmel in den Schoß und zeitgleich dem Absender auch ein wenig auf die Füße. Grundregel Nummer Eins ist dabei aber immer, dass man als aufmerksamer Beobachter und Tester stets kooperativ bleibt und nicht gleichgültig einfach sein Pensum abarbeitet. Besser machen statt meckern ist hier der beste Weg und genau den habe ich heute auch gewählt...

Gutes kann man besser machen

Mit den Pads ist das so eine Sache, denn hier geht gute Qualität schnell ins Geld. Von Haus aus werden bereits Pads mit 4 W/(m*k) verwendet, was gut aber nicht am besten ist. Auch wenn es nur Cent-Beträge sind, bei Stückzahlen von mehreren Hunderttausenden sind das am Ende schon richtige Summen, die da zusammenkommen können. Deshalb hat der Hersteller nur das Pad auf dem kleineren Kühlframe für die VRM (im Bild ganz links) durch ein besseres mit nunmehr 6 W/(m*k) ersetzt.

Meine Messungen habe ich hingegen noch mit dem originalen Pad gemacht, so dass dies noch als Verbesserung zusätzlich zu den bisher 9 Grad Absenkung obendrauf kommt. Bis zu zwei weitere Grad wären laut R&D noch drin und ich glaube das jetzt einfach mal. Gute Pads haben noch nie geschadet und wegen eines so kleinen Streifens wird wohl auch niemand so schnell bankrottgehen.

 

Mehr Kühlfläche for free? Fast

Der Eintrittspreis für den nächsten kleinen Schritt entspricht dem Gegenwert für ein weiteres 3-mm-Pad an der Rückseite zwischen Platine und Backplate. Die paar Cent müssen drin sein und auch hier wird der Hersteller noch vor dem Start der Massenproduktion nachziehen. Wenn auch nicht so komplett, wie ich es geplant hatte, aber immerhin wird man es tun. Schauen wir uns mal die Backplate an, die man von innen mit einer fiesen Kunststofffolie beklebt hat.

Natürlich erwartet man von Kleber, dass er klebt, aber das, was da verwendet wurde, ist bösartiger Industriekleber der fiesesten Art. Ich habe den Bereich für das Pad aus der Folie mit einem Cutter zunächst sauber ausgeschnitten, denn Folie isoliert und stört den Wärmefluss extrem. Dann musste ich schon ein richtiges Lösungsmittel aus der eisernen Reserve verwenden, um diesen Klebstoff überhaupt abzubekommen. Aber man kann ja hinterher auch lüften.

   

Das Pad mit seiner Dicke von 3 mm passt wirklich exakt zwischen Backplate und Platine. Der Anpressdruck ist ausreichend, aber das Pad erzeugt noch keine überflüssigen Spannungen. Die Wirkung des Pads und die Einbeziehung der Backplate als neue Kühlfläche ist wirklich erstaunlich. Ich habe nach unterschiedlichen Zeiträumen gemessen und man sieht sehr eindrucksvoll, wie viel Wärme die Backplate der Platine über das Pad noch “entziehen” kann!

Bereits nach 5 Minuten ist die ansonsten ca. 45°C warme Backplate ordentlich mit im Geschäft und man sieht auch schön, von wo die Wärme zugeführt wird:

Bereits nach 10 Minuten hat die Backplate ihre “Betriebstemperatur” erreicht:

Nach 15 Minuten ist das “Endstadium” quasi erreicht und die Änderungen sind nur noch marginal. Was jedoch am meisten verblüfft, ist die Temperatur der Platine, die ich knapp neben den heißesten beiden VRMs gemessen habe! Waren es vorher im Originalzustand ohne neues BIOS und Pads ca. 100°C an dieser Stelle (der andere, noch heißere Messpunkt ist durch das Pad ja verdeckt), sind es nun fast 17 Grad weniger! Das ist bereits ein halbes Universum am Kühlerhimmel!

 

Zusammenfassung

Take your time and not your life. Am Ende bin ich zwiegespalten, denn ich darf fürs Review ja noch einmal von vorn anfangen. Als Kompensation und um die entstandene Review-Lücke zu füllen, gibt es dann heute eben diesen kleinen Artikel, der zudem auch zeigt, dass das Leben eines Redakteurs nicht zwingend darin besteht, geile Spiele und Hardware für lau zu bekommen und tiefenentspannt bunte Pixelsuppe mit RTX On zu schlürfen. Das hier ist wirklich oft genug harte Arbeit, die zudem auch nicht an der Uhr scheitern darf. Redaktionsromantik ist stets nur ein Wunschtraum geblieben.

Kann man so einer Karte dann eigentlich noch einen Kauftipp geben, oder überschreitet man damit schon die Grenzen der Objektivität und Unvoreingenommenheit? Genau das ist die Gratwanderung, die man täglich zu absolvieren hat. Nur wenn ich ehrlich sein soll, Spaß macht das genaue Hinsehen trotzdem immer wieder.  Und statt eines bunten Stickers für den Hersteller belohnt man sich selbst am Ende des Tages eben mit einem guten Getränk. Dann ist auch der Seelenfrieden schnell wiederhergestellt. 🙂

 

 

 

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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