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QNAP TS-453D in Betrieb genommen und ausprobiert: Facelift trifft neue Intel-CPU

Einrichten und Online gehen

Ich will auf den beiden SSDs das Betriebssystem bzw. dessen Bestandteile und die Apps sowie deren Daten liegen haben. Dafür binde ich die Flash-Speicher im RAID 0 an. Die beiden 8 TB HDDs sind für die Videodaten gedacht und sollen im RIAD 1 die Daten auf beiden Platten spiegeln. Das Einrichten geht schnell von der Hand, die Anwendung “Speicher & Snapshots” bietet umfangreiche Möglichkeitten, die Festplatten zu partisionieren und eben als RAID zu verknüpfen. Einzelne Datenträger und ihre entsprechenden Steckpläte sind übersichtlich ausgeschildert, weiterführende Informationen zum Zustand der HDDs und SSDs werden inklusive der individuellen Betriebstemperatur in Echtzeit dargestellt.

Die Logitech BRIO wird sofort erkannt.

Stellenweise fällt mir jedoch die holprige deutschsprachige Übersetzung ins Auge. Statt “belegtem Speicherplatz” gibt es hier “abonnierten Speicherplatz”. Das habe ich bereits in meinem Test zum TerraMaster NAS (TerraMaster F4-210 im Test: Datenhoheit für den kleinen Geldbeutel und bei geringen Ansprüchen) kritisiert, auch bei QNAP sehe ich Potential für Optimierungen.
Was mir wiederum sehr gefällt sind die eingebauten Überwachungsmechanismen von Speicher & Snapshots. Ich kann einen internen Leistungstest durchführen, die Festplatten nach fehlerhaften Sektoren scannen oder die Nutzung sowie Belastung des Speichers über Zeit protokolieren. QNAP stellt also selbst den Einsteiger-NAS-Modellen Funktionen bereit, die sich eher an erfahrene Anwender richten.

QNAP bietet viele Anwendungen für den Profi-Einsatz, darunter die Integration der Amazon AWS Dienste

Für die Einrichtung und Konfiguration des Speichers benötige ich knapp eine Stunde, wobei sowohl der initialisierende Testlauf (zwingend erforderlich) als auch das Formatieren der HDDs mit eingerechnet sind. Wer sich für ein Tin-Volume entscheidet, ist sogar noch schneller mit der Einrichtung fertig. Ist das Volume erstellt, lege ich noch einen Ordner auf dem neu geschaffenen Speicher an.

Nach dem Speicher widme ich mich der Kamera. Zum Einsatz kommt eine Logitech BRIO. Das derzeitige Top-Modell aus dem Logitech-Produktportfolio unterstützt eine 4K-Aufnahme bei 30 fps oder 1080p bei 60 fps und bietet fünf Zoom-Stufen. Unter Windows (kostenlose Software steht zum Download auf der Logitech-Seite bereit) kann optional HDR aktiviert werden, das in Kombination mit der automatischen Beleuchtungserkennung für gut aussehende Videokonferenzen sorgen soll. Ganz wichtig: Dieser Funktionsumfang steht nur unter Windows zur Verfügung. Nicht jedoch mit der QNAP QUSBCam2-Software.

Leider setzt die Software wahlweise auf das H.264 Coding, mit dem nur 5 fps bei 1080p und maximal 10 fps bei 720p möglich sind. Will ich 1080p und 30 fps haben, muss ich zu Motion JPEG als Codec nutzen. Positiv ist hingegen, dass ich die Kamera ohne Probleme beim ersten Lauf einrichten und im Netzwerk freigeben konnte. Hier kommen sogar Laien zurecht, die Anwendung ist praktisch selbsterklärend. Auch wenn QUSBCam2 eine Echtzeitdarstellung hat und bereits in dieser einfachren Form für eine Überwachung benutzt werden könnte, so gibt es keine Möglichkeit der Aufnahme.

Hierfür ist die Survelliance Station zuständig. Das ist eine ausgelagerte Anwendung, die auf der QNAP TS-453D läuft, aber extern verwaltet wird. Über Konten, inklusive eigenem Kennwort und Regeln, können sich dann Benuzter in der Software einloggen und auf die angeschlossenen Kameras zugreifen. Als Administrator (das Login ist zum QTS-Login identisch) wähle ich den Speicherort für die Aufnahmen aus, binde die Kamera per IP-Adresse ein und passe auf Wunsch sogar den Sichtberreich der Kamera an. Letzteres ist besonders für Überwachungskameras mit einem Weitwinkel interesseant, sollten bestimme Bereiche aus rechtlichen Gründen nicht aufgenommen werden.

Ist die Aufnahme einmal gestartet, läuft dies ununterbrochen wieter, solange auch die NAS “online” ist. Je nach individueller Konfiguration werden die Aufnahmen automatsich gelöscht bzw. durch neue Aufnahmen ersetzt. Die Wiedergabe und Sichtung des aufgezeichneten Materials erfolgt über den integrierten “Monitor”, die unter Windows eine kostenlose Anwendung voraussetzt. Die Oberfläche bzw. das Design der Anwendung hat einen Retro-Style, um nicht zu sagen, dass sie altbacken aussieht. Auf der Haben-Seite steht, dass die Funktionen umfangreich und verständlich deklariert sind. Da Design eine Geschmacksfrage ist, überlasse ich es euch, über die Software zu urteilen und gehe lieber auf einen essentiellen Punt ein.

 

Technische Limitierungen

Der Einsatz einer USB-Webcam als Überwachungskamera funktioniert also. Doch es gibt auch einige limietierungen, die nicht nur das bereits erwähnte Protokoll betreffen, sondern aus der Natur einer Webcam heraus entstehen. So muss die Beleuchtung ausreichend hell sein, da Webcams keine IR-Lampen haben und bei Dunkelheit nicht “sehen” können. Ein Office zu überwachen, in dem sowohl Tageslicht, als auch Kunstlicht en masse vorhanden ist, stellt kein Problem dar. Eine Lagerhalle mit dunklen Gängen und Ecken ist hingegen eine Herausforderung, für die professionelleres Equipment benötigt wird. Dieses kann durchaus mit QNAP TS-453D betrieben und verwaltet werden, bedarf aber auch einer gründlichen Planung und Einrichtung.

Bei wenig Licht sind die Details kaum zu erkennen.
In gut ausgeleuchteten Räumen kann die NAS aber zur Überwachung eingesetzt werden.

Ebenfalls nicht unerwähnt lassen möchte ich den Performance-Bottleneck, der durch die 4 GB Arbeitsspeicher entsteht. Zum einen kann das System aufgrund des fehlenden Dual-Channel-Betriebes das volle Potential nicht entfalten. Zum anderen belegt QTS beim gleichzeitigen Ausführen von mehren Aufgaben, Hintergrundprozessen und Routineabläufen gerne bis zu 92% des vorhandenen Speichers. Besonders ein Neustart des NAS dauert damit unnötig lange. Meine Empfehlung ist, entweder ein passendes Arbeitsspeichermodul möglichst günstig nachzukaufen oder direkt zu der 8 GB-Ausführung des QNAP TS-453D zu greifen.

Über 80% RAM-Auslastung ist fast ein Dauerzustand
Hin und wieder stößt die NAS an ihre Grenzen.
 

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