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Stimmen häufen sich: Sterbende Nvidia RTX 2080 Ti Grafikkarten | Update vom 02.11.2018 16:50 Uhr

Derzeit mehren sich in Foren und auf Reddit die Berichte über vermehrt „sterbende“ RTX 2080 Ti-Grafikkarte aus dem Hause Nvidia. Einige Nutzer berichten über Probleme mit Artefakten und Instabilität unmittelbar nach der Inbetriebnahme. Andere Stimmen sprechen von Problemen, die erst nach einigen Tagen auftreten – eine Übertaktung oder sonstige Spannungsmanipulation wurden dabei (angeblich) nicht vorgenommen.

Sowohl im offiziellen Forum als auch auf Social-Media-Kanälen und bei Diskussionsboards wie Reddit finden sich nach dem Marktstart eine steigende Anzahl von Berichten über RTX 2080 Ti-Karten mit Fehlfunktionen. Diese Fehlfunktionen sind Abstürze, ein schwarzer Bildschirm ohne jegliche Bildausgabe, Blue-Screen mit unterschiedlichen Codes sowie Artefakte in Spielen und Grafik-intensiven Anwendungen.

 

NVIDIA GeForce RTX 2080 Ti Founders Edition, 11GB GDDR6, HDMI, 3x DP, USB-C (900-1G150-2530-000)

 

Uns gegenüber konnte Nvidia keine erhöhte RMA-Rate bestätigen und sagt dazu:

We are working with users individually but we are not seeing any broader issues. (Wir arbeiten individuell mit den Anwendern zusammen, sehen derzeit aber keine größeren Probleme).

 

Auf Reddit finden sich mehrere Threads zu diesen Problemen, in denen Nutzer von ihren Erfahrungen mit dem RMA-Prozess berichten. Manche RTX 2080 Ti Käufer hatten das Pech, selbst die ausgetauschte Karte wieder einschicken zu müssen.

Am häufigsten scheint die Founders-Edition der RTX 2080 Ti betroffen zu sein. Jedoch gibt es auch negative Erfahrungsbeichte mit Karten von Gigabyte und Asus. Auch deutsche Nutzer berichten darüber, beispielsweise bei den Kollegen von Computerbase (Quelle 1 und Quelle 2).

Bei unserem Test (hier lesen) der Nvidia-eigenen RTX-Karten konnten wir keine Probleme feststellen. Auch die bisher getesteten Karten der Baordpartner weisen die beschriebenen Probleme nicht auf. Solltet Ihr selbst von dem Problem betroffen sein, dann nutzt unser Forum und berichtet uns davon!

Einige unserer Leser vermuten (siehe Forum) hinter den Problemen fehlerhafte Treiber. Betroffene Nutzer können also versuchen, den Grafikkartentreiber zu deinstallieren und einen aktuellen Beta-Treiber zu installieren. Dazu muss auf der Nvidia-Webseite “Beta Release” ausgewähnt werden.

Zur Quelle

 

Update vom 30.10.2018 um 17:30 Uhr

Wir haben noch einmal im Archiv nachgesehen und die IR-Bilder nachgemessen. Im geschlossenen Gehäuse könnten die ohnenhin sehr heißen GDDR6-Module M6 und M7 Schaden nehmen, weil es gut und gern auch Temperaturen von deutlich über 90°C geben könnte. Diese Module liegen direkt über den internen Leiterbahnen der Stromversorgung zwischen den PWM-Nodes und dem GPU Sockel und werden sowohl durch die Erhitzung dieser Leiterbahnen auf Grund hoher fließender Ströme, als auch der Wärmewanderung aus Richtung VRM deutlich heißer, als unser Messpunkt mit knapp 85°C

Leider gibt es keine offiziellen Specs und Langzeiterfahrungen zu Microns Speichermodulen und deren Temperaturverhalten, aber allein der Umstand, dass bei den vom den Lesern kolportierten schleichenden Tod zuerst Artefakte auftgetreten sein sollen und die Karte nach längerer Abkühlung für eine gewisse Zeit sogar wieder funktionierte, könnte eher auf ein Speicher-, denn auf ein GPU-Problem hindeuten. Zumal auch die betroffenen Boardpartner-Karten meist mit günstigeren Kühllösungen bestückt waren. (IWA)

 

Update vom 01.11.2018 um 17:30 Uhr

Ich habe schnell mal noch eine Superprojektion mit der gespiegelten Vorderseite gemacht, so dass man die sehr flächendeckenden Hotspots sehr gut erkennen kann. Man erkennt sehr gut, dass vor allem zwei der mittleren Speichermodule im Zentrum des Hotspots liegen. (IWA)

 

Update vom 02.11.2018 um 16:50 Uhr

Ich habe mittlerweile mit einigen Boardpartnern sprechen können und den einen oder anderen kleinen Baustein zusammentragen können. Doch blicken wir zunächst einmal ein wenig zurück. Die GeForce GTX 1080 Ti hatte seinerzeit ja auch nur 11 statt der möglichen 12 GB Speicherausbau spendiert bekommen, wobei der Platz für das eine Speichermodul recht clever gewählt wurde. Die freie Stelle liegt nämlich genau da, wo ich den heißesten Punkt gemessen hatte. Zufall?

Die doppelseitige Bestückung der Quadro P6000 , mit jeweils 12 Modulen pro Seite, die übrigens das gleiche PCB wie die GTX 1080 Ti nutzt, wies bereits damals recht hohe Temperaturwerte auf, nur dass die P6000 mit maximal 225 Watt (Stresstest, sonst typisch <200 Watt) ja fast schon ein heruntergetaktetes Sparbrötchen ist. Jetzt habe ich mich natürlich gefragt, warum keiner der Boardpartner auf seinem eigenen PCB-Layout nicht einfach den heißesten Chip genau dorthin verlagert, wo jetzt die freie Stelle klafft und dafür die betroffene Stelle frei lässt.

Die Antwort war eigentlich logisch: “Die Positionierung ist durch den Pin-Out des ASIC begrenzt, wir können da absolut nichts tun”. In der Elektronik ist die Pinbelegung (“Pin-out”) eine Referenzfestlegung über die verfügbaren Pins einer Komponente und deren genaue Funktionen bzw. Belegung. Da die GPU auf einem LBGA Package sitzt und die Pinbelegung zudem fest definiert ist, lassen sich nicht einfach Leiterbahnen über ein gewisses Maß hinaus verlängern oder gar über Kreuz legen.

Der ASIC der RTX 2080 Ti besitzt zudem auch nur Pins für 11 statt 12 Module. Damit dürfte zusätzlich auch geklärt sein, dass das Auflöten eines 12. Moduls einfach nichts bringt, weil die Verbindungen quasi ins Leere laufen.

Darüber hinaus hat man uns nebenbei versichert, bei den eigenen Kühlern der höherwertigen Modelle nach Möglichkeit keine Wärmebrücken im Kühler zwischen dem Heatsink für die Speichermodule und einem VRM Heatsink zuzulassen, sondern hier eine sehr strikte thermische Trennung vorzunehmen. Neben der leichten Verlagerung der Spannungswandler weg vom Speicher, versuchen auch die meisten Hersteller, so viel Fläche wie möglich in die Kühlung einzubeziehen (Spulen, Kondensatoren).

Doch selbst einfache Karten, wie z.B. die PNY RTX 2080 Ti XLR8 versuchen noch eine radikale thermische Trennung zwischen VRM und Speicher. Der Trick bei der XLR8 besteht darin, die Spannungswandler separat mit einem eigenen VRM Heatsink zu kühlen, der thermisch komplett vom eigentlichen Kühler und dessen Heatsink enkoppelt ist.

Hier bläst der Lüfter direkt auf einen ordentlichen Rippenkühlkörper, der neben den VRM auch die SMD-Kondensatoren und Spulen aktiv kühlt.

Doch trotz dieser Trennung und drei Lüftern sieht man den von uns ausgemachten Hotspot immer noch, selbst wenn deutlich unter 80°C beim Stresstest im geschlossenen Gehäuse keine echte Gefahr mehr darstellen und der VRM-Bereich deutlich besser gekühlt wird.

Das ist hier also eher wie Chillen am Amtsschreibtisch. Man beachte außerdem die Temperaturen der anderen Speichermodule! Mehr möchte ich das Ganze eigentlich auch nicht mehr auskommentieren.

Ob der Speicher jetzt ursächlich für die meisten RMA-Fälle verantworlich ist, kann und will ich mir in der Beurteilung gar nicht anmaßen. Allerdings ist der Kühler der Founders Edition für eine OC-Karte mit den Leistungsaufnahmedaten einer RTX 2080 Ti schlichtweg unterdimensioniert.

Wenn man zudem bösartig wäre (was ich nicht bin) und dann unterstellt, dass die RTX 2080 Ti eigentlich nur später noch nachgeschoben wurde, weil man die RTX 2080 für zu langsam erachtete, die Kühlerentwicklung im Vorlauf aber schon durch war, dann ergäbe sich exakt diese logische Erklärung, warum dieser Kühler auf der RTX 2080 noch einigermaßen performt, auf der RTX 2080 Ti jedoch so böse in die Knie geht.  (IWA)

 

 

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