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SOUNDGIL CUBE 2.1 im Test – Hi-Fi auf kleinstem Raum neu ausgewürfelt | igorsLAB

So etwas wie Hi-Fi geht auch ohne große Boxen im Kommoden-Format und Hochleistungs-Verstärker, die jedem Ghetto-Gangster im gepimpten Golf die Angstschweißperlen auf die selbstgebräunte Stirn treiben. Das heute getestete System ist dafür nämlich so etwas von anti, dass es mir ein echtes Bedürfnis war, einmal zu zeigen, dass man eben nicht immer die den Dicksten und Längsten haben muss, wenn es um ein gutes Hörerlebnis geht. Dem Einsatz von ordentlichen Breitband-Chassis und einem extrem verwindungssteifen Koprus sei es gedankt, das der Soundgil Cube 2.1 etwas ganz Besonderes geworden ist.

Messung des Frequenzverlaufs

Kommen wir nun zur neuen Messung. Ich habe den Frequenzverlauf wiederum bei 1 KHz auf 0 dB normiert, so dass man einerseits gut den Gesamtverlauf mit allen Zugaben und Frequenzabfällen bewerten kann und andererseits auch nicht ganz die Vergleichsmöglichkeit zu vorangegangenen Messungen verliert. Aber es ist trotzdem anders, weil ja die Glättung (1/1 Oktave) durch die nahezu ungeglättete Darstellung (1/24 Oktave) ergänzt wird. Das alles sieht dann natürlich deutlich “hibbeliger” aus, passt aber auch wesentlich besser zur Realität. Denn eines ist auch klar: es gibt sie nicht, die ideale Kurve.

Wie sehen eine Anhebung im Bereich des Oberbasses bei ca. 150 Hz, was bei solch kleinen Lautsprechern nicht unüblich ist und zudem auch der Crossover-Frequenz beim Übergang zum Tieftöner geschuldet ist. Allerdings sind jetzt die ca. 6 dB in der Spitze nichts, was uns beunruhigen müsste. Es ergibt ein gewisses Völlegefühl im Klangbild, das zumindest in vielen Situationen kaschieren kann, dass das Boxenvolumen nun mal nicht das allergrößte ist. Trotzdem stimmen die im Handbuch erwähnten 55 Hz für die untere Frequenz, wenn man ca. 3 dB als Toleranzbereich ansetzt.

Dies gilt auch nach oben hin, wo bei 20 KHz eigentlich akustisch noch lange nicht Schluss ist. Auch hier liegt man im Bereich um die -3 dB und damit auch gut im Rennen. Die 6-dB-Delle bei ca. 3.7 KHz ist nicht ganz so prall, trägt aber auf Grund der speziellen Eigenschaften unserer Ohren, die genau dort auch am empfindlichsten sind, gar nicht so dick auf. Im Gegenteil, es wird im subjektiven Empfinden sogar als etwas “wärmer” empfunden. Hebt man das im externen EQ mal etwas an, wird der klang deutlich metallischer. Das ist lediglich Badewanne Ultra-Light, mehr nicht.

Schieben wir nun die PR-kompatible Darstellung beiseite und betrachten den ungeglätteten Kurvenverlauf. Hier spielt natürlich auch noch der semi-professionelle Messraum eine Rolle, der zwar keine extremen Auffälligkeiten zeigt, aber sich auch nicht mit millionenschweren Investitionen namhafter Hersteller messen kann. Trotzdem fällt das Gemessene auch hier erfreulich angenehm aus. Es ist wirklich wichtig, diese Sound-Knirpse richtig zu positionieren und gegebenenfalls etwas am Wohnraum zu ändern.

Kumulative Spektren (CSD und SFT)

Das kumulative Spektrum bezeichnet verschiedene Arten von Diagrammen, die Zeit-Frequenz-Eigenschaften des Signals zeigen. Sie werden durch die aufeinanderfolgende Anwendung der Fourier-Transformation und geeigneter Fenster auf überlappende Signalblöcke erzeugt. Diese Analysen basieren auf dem bereits oben dargestellten Frequenzgangdiagramm, enthalten aber zusätzlich noch das Element Zeit und zeigen nun als 3D-Grafik (“Wasserfall”) sehr anschaulich, wie sich der Frequenzgang über die Zeit hin entwickelt, nachdem das Eingangssignal gestoppt wurde. Umgangssprachlich wird so etwas auch “ausklingen” oder “ausschwingen” genannt.

Normalerweise sollte der Treiber nach dem Wegfall des Eingangssignals ebenfalls möglichst schnell anhalten. Einige Frequenzen (oder sogar ganze Frequenzbereiche) werden jedoch immer langsam(er) abklingen und dann in diesem Diagramm als länger anhaltende Frequenzen auf der Zeitachse auch weiterhin erscheinen. Daran kann man gut erkennen, wo der Treiber eklatante Schwächen aufweist, vielleicht sogar besonders “scheppert” oder wo im ungünstigsten Fall  Resonanzen auftreten und das Gesamtbild stören könnten.

Zwei Arten eines kumulativen Spektrums werde ich nun testen:

Cumulative Spectral Decay (CSD)
Der kumulative spektrale Zerfall (CSD) verwendet die FFT und ein modifiziertes Rechteckfenster, um den spektralen Abfall der Impulsantwort zu analysieren. Es wird hauptsächlich zur Analyse der Lautsprecher-Antwort verwendet. Der CSD verwendet normalerweise nur eine kleine FFT-Blockverschiebung (2-10 Samples), um Resonanzen im gesamten Frequenzbereich besser sichtbar zu machen und ist somit ein nützliches Werkzeug zur Erkennung von Resonanzen des Wandlers.

Das Bild beim Soundgil Cube ist recht gut, man sieht allerdings auch sehr schön, wo das oben bereits besprochene, leichte Sounding ansetzt. Die unteren Mitten und der Bass, sowie der Hoch- und Superhochton bleiben wie ein Block etwas länger stehen und damit faktisch auch etwas länger im Ohr. Im Verhältnis zum erreichten Pegel ist dieses Verhalten aber zu relativieren, denn bei ca. 1,5 ms (CSD) sind auch die letzten Piepser wieder verschwunden, nur der Oberbass und das Fundament darunter dürfen noch etwas ausrollen

Short-time Fourier Transform (STF)
Die Kurzzeit-Fourier-Transformation (STF) verwendet das FFT- und Hanning-Fenster, um das zeitlich variierende Spektrum der aufgezeichneten Signale zu analysieren. Hier nutzt man im Allgemeinen eine größere Blockverschiebung (1/4 bis 1/2 der FFT-Länge), um einen größeren Teil des zeitvariablen Signalspektrums zu analysieren, wobei man besonders den Einsatzgebieten wie Sprache und Musik näherkommt.

Im STF-Spektrum sehen wir nun auch sehr schön die sehr ausgewogene Arbeit der Breitbandlautsprecher, die sich in keinem Frequenzbereich auch nur ansatzweise irgendwelche Kapriolen leisten. Wir sehen übrigens auch, dass der Ton bei ca. 3 KHz etwas länger “stehen bleibt”, was die leichte Delle in der Frequenzmessung wieder etwas relativiert. Klanglich ist das definitiv nicht zu beanstanden.

Was als Resümee bleibt, ist ein hervorragendes Einschwingverhalten, denn selbst der trockenste Impuls kommt ohne anzusetzen auf den gewünschten Punkt. Die Breitbandlautsprecher reagieren nahezu verzögerungsfrei und es schleppt sich im Nachgang beim Wegfall des Signals auch nichts nach. Die Impulstreue ist wirklich exzellent und steht dem Ergebnis größerer (und teurerer) Systeme mit Sicherheit in nichts nach, solange man nicht noch einige Nullen am Preis vor das Komma einfügt.

 

Subjektives Hörerlebnis

Testen wir nun auch subjektiv, was man im Original geboten bekommt. Ich habe den Soundgil Cube nahezu zwei Wochen am Desktop im täglichen Gebrauch spielen lassen, das sollte eigentlich auch für die größten Einspielfanatiker reichen.

Basswiedergabe

Den Tiefstbass in der Subkontraoktave (16,4 Hz bis 32,7 Hz) testen mit einer Aufnahme von Bachs Toccata und Fuge D-Moll (19 und 25 Hz) sowie der Festival-Ouvertüre 1812 von Tschaikowsky (10 Hz und 12,5 Hz). Das gleiche gilt auch für die unteren Bereiche der Kontraoktave (32,7 bis 65,4 Hz). Die große Basstrommel (Kick Drum), die in der U-Musik ein gern gesehener Begleiter und meist auf ca. 55 bis 60 Hz abgestimmt ist, wird diese Beurteilung dann abrunden.

Der Bass ist erstaunlich voluminös, wenn auch nicht tiefblubbernd prägnant. Er ist ein sehr trockener Geselle, der auch bei erstaunlichen 40 Hz noch wahrnehmbar bleibt, wenn die Aufstellung des Subwoofers stimmt. Die nur mittelmäßige Pegelfestigkeit ist hier die eigentliche Spaßbremse, denn in Räumen ab ca. 20m² und mehr wird das Ganze zumindest bei aktionsgeladenen Filmen etwas arg eng. Musik, vor allem in geringeren Abständen zwischen 2 und 3 Metern klappt hingegen richtig gut.

Was natürlich nicht geht, sind akustische Kellerspaziergänge bei basslastigen Orgelwerken, oder das Ausfeilen tiefstgründiger Bass-Orgien diverser Genres. Was aber erstaunlich überzeugend wirkt, sind sehr breitbandige Synthesizer-Werke wie z.B. Isao Tomitas Interpretation von Mussorgskis “Bilder einer Ausstellung”. Das macht dann wiederum richtig Spaß, weil man merkt, dass alles da ist, was man gern hätte, aber kein Gramm mehr.

Der Oberbass bis 150 Hz, in dem auch die Große Oktave (65,4 bis 130,8 Hz) liegt, beherbergt die Sprachgrundfrequenz der männlichen Stimme und entscheidet sehr stark über die naturgetreue Wiedergabe männlicher Vocals.

Dieser Bereich klingt etwas dominanter und stopft etwas die Löcher in der subjektiv empfundenen Gesamtfülle. Allerdings läuft man hier bei einem ungünstigen Aufstellort schnell Gefahr, dass der eigentliche, tiefere Bass zugeschmiert wird. Männliche Vokals klingen dadurch allerdings sehr warm und füllig, was man durchaus mögen kann. Die Instrumente stehen den Vocals in diesem Abschnitt in nichts nach, nur beim Gaming wird es etwas zu viel. Aber dafür sind die Cube ja auch nicht entworfen worden.

Mitteltonbereich

Die unteren Mitten (auch Grundtonbereich) liegen bei ca. 150 bis 400 Hz. Zusammen mit dem bereits erwähnten Oberbass spielt dieser Bereich eine sehr wichtige Rolle für die subjektiv empfundene Wärme bzw. Fülle des Klangbildes. Die Sprachgrundfrequenz weiblicher Stimmen ist in diesem Bereich zu finden.

Weibliche Vocals klingen angenehm und satt, das kann man so lassen. Zumal sie nicht von den etwas tiefer positionierten, männlichen Stimmen weggebügelt werden. Chorwerke erhalten so eine sehr stimmige Basis, auf der es sich dann nach oben hin noch bestens aufbauen lässt.

Die oberen Mitten zwischen 400 Hz bis etwa zwei KHz beinhalten bei einem KHz eine Marke, die immer noch als Referenz für viele Messungen gilt. Das merkt man leider auch oft bei günstigeren Geräten, da die Hersteller oft versuchen, gerade diese Frequenz etwas überzubetonen. Auch beim Gaming spielt dieser Bereich keine unbedeutende Rolle und eine ausgewogene Wiedergabe trägt nicht unwesentlich zu einer guten räumlichen Auflösung bei.

Das kommt alles extrem sauber und sehr schön differenziert. Die Tiefenstaffelung der kleinen Knirpse ist gut, wenn man den Aufstellort richtig wählt. Da muss man noch nicht einmal das DSP bemühen, das ist auch ohne eine echte Freude. Das ist eine wirklich schöne Breitbandlösung, die sich keineswegs vor Mehrwege-Boxen verstecken muss. Im Gegenteil, hier merkt man wirklich der Vorteil einer gut durchdachten Einzelmembran.

Hochtonbereich

Zwischen zwei bis etwa 3,5 KHz ist das menschliche Gehör am empfindlichsten, zumal dieser Bereich der unteren Höhen für die gute Oberton-Wiedergabe der menschlichen Stimme zuständig ist. Dieser Frequenzbereich ist nämlich entscheidend für die Wiedererkennung einer Stimme oder eines Instrumentes; man spricht in diesem Zusammenhang auch von der jeweiligen Klangfarbe.

Die kleine Delle klingt wie so gewollt, denn gerade sie färbt vieles im Oberton sehr warm und weich und schmeichelt den Ohren. Alle Vocals und Instrumente bleiben sehr natürlich und werden souverän und gut moduliert in Szene gesetzt. Entspannt und doch punktgenau, so muss das klingen und es tut dies auch. Ich war anfangs etwas skeptisch, aber egal was ich mir angehört habe, es war kein Mangel festzustellen.

Die mittleren Höhen (3,5 bis sechs KHz) entscheiden über das Ge- oder Misslingen der Sprachwiedergabe als Gesamtbild, denn die S- und Zischlaute (Sibilanten) fallen in diesen Bereich. Die oberen Höhen reichen dann bis ca. zehn KHz, um in den Superhochton überzugehen.

Die Hochton-Auslegung ist ab ca. 5 KHz bis ca. 10 KHz sehr gleichmäßig und völlig schreckfrei, jedoch damit auch etwas langweilig, weil voll berechenbar. Das ist jetzt nicht negativ besetzt, aber es fehlt ein wenig das Knisternde, wenn Bläser oder Streicher zum Finale ansetzen oder direkt ins Mikrofon gehaucht wird. Das klingt fast schon zu gut und etwas arg steril, ist aber eben auch so ein Breitband-Ding. Es gibt viele, die darauf schwören und z.B. Klipsch-Hörner nicht anhören mögen. Ergo ist es sehr subjektiv und damit nicht pauschal zu benoten.

Zusammenfassung und Fazit

Großer Klang auf kleinstem Raum, hervorragende Haptik und eine interessante Optik: Mit dem Cube liefert Soundgil den Beweis, dass guter Klang auch ohne große Volumen möglich ist und man dazu die Physik noch nicht einmal gesetzeswidrig missbrauchen muss. Dem Einsatz von ordentlichen Breitband-Chassis und einem extrem verwindungssteifen Korpus sei es gedankt, dass die Gesamtlösung genauso gut klingt, wie sie aussieht.

Und wer sich nun fragt, wo Geizhals-, Caseking- oder Amazon-Links stehen, wo man das Teil denn eigentlich herbekommt und vor allem auch, was es denn letztendlich kostet – jetzt müssen viele von Euch doch (noch) etwas tapfer sein. Genau das muss ich Euch nämlich später nachreichen, denn der Cube ist aktuell sehr exklusiv und steht zudem hier erst kurz vor der Markteinführung. Also lasst Euch mal überraschen.

Somit habe ich also quasi (mal wieder) einen Vorabtest geschrieben, denn auch Google gibt außer einer einzigen Handauflegeversion in Spanisch keinerlei weitere Informationen zum Produkt her. Ihr habt es somit als Erste gelesen und alle anderen dürfen nun brav hier bei mir abschreiben. Und ich werde natürlich auch ein Update nachschieben, wenn der Handel erst einmal blüht.

 

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Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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