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Sennheiser CX 350BT und CX 150BT im Test – Minimalistische In-Ears mit akzeptablem Klang

Mit der Messung von In-Ears im Labor tue ich mich aktuell immer noch schwer, denn ohne angepasstes Equipment wird so etwas schnell zur Farce. Da muss ich mich aktuell noch auf mein (kritisches) Gehör verlassen, werde aber die üblichen Verbal-Wolken möglichst weitgehend vermeiden. Was mich einigermaßen zufriedengestellt hat, waren die Empfindlichkeit und die Pegelfestigkeit. Es gibt also durchaus Reserven für die nächste Demo. Kommen wir jetzt also übergangslos gleich zur subjektiven Beurteilung der Dinge und lassen die Messkurven einfach links liegen. Die Einschätzung basiert auf der Nutzung ohne App, also einfach Out-of-the-Box.

 

Basswiedergabe

Den Tiefstbass in der Subkontraoktave (16,4 Hz bis 32,7 Hz) testen mit einer Aufnahme von Bachs Toccata und Fuge D-Moll (19 und 25 Hz) sowie der Festival-Ouvertüre 1812 von Tschaikowsky (10 Hz und 12,5 Hz). Das gleiche gilt auch für die unteren Bereiche der Kontraoktave (32,7 bis 65,4 Hz). Die große Basstrommel (Kick Drum), die in der U-Musik ein gern gesehener Begleiter und meist auf ca. 55 bis 60 Hz abgestimmt ist, wird diese Beurteilung dann abrunden.

Der Bass ist gut, tief und doch nicht zu fett. Der Tiefbass ist dabei noch sauber wahrnehmbar und sogar die Subkontraoktave darf (wenn auch zurückhaltender) noch brav mitspielen. Wer hier noch viel mehr Druck wünscht, müsste elektronisch nachhelfen,  verliert aber dann Pegelfestigkeit und vor allem auch Kontur. Etwas mehr geht immer, aber man darf es nie übertreiben. Es wird nämlich nicht wirklich tiefer, sondern nur deutlich lauter bis hin zum Wummern.

Der Oberbass bis 150 Hz, in dem auch die Große Oktave (65,4 bis 130,8 Hz) liegt, beherbergt die Sprachgrundfrequenz der männlichen Stimme und entscheidet sehr stark über die naturgetreue Wiedergabe männlicher Vocals.

Dieser Bereich klingt recht ausgewogen und auch natürlich. Die männlichen Vocals werden gut, relativ warm aber nicht zu prägnant wiedergegeben. Die Instrumente werden zudem kaum verfälscht, schwächeln aber etwas in der absoluten Präsenz. Insgesamt ist die Auflösung gut und lässt Orchesterstücke, Rock, Pop und Jazz aller Couleur recht gut performen. Wichtig ist, dass man die richtigen Ohrstöpsel nutzt und diese auch wirklich sauber abschließen, sonst gibt es akustische Matschepampe, was natürlich generell auch für den Tiefbass und das tonale Oberhaus gilt.

Mitteltonbereich

Die unteren Mitten (auch Grundtonbereich) liegen bei ca. 150 bis 400 Hz. Zusammen mit dem bereits erwähnten Oberbass spielt dieser Bereich eine sehr wichtige Rolle für die subjektiv empfundene Wärme bzw. Fülle des Klangbildes. Die Sprachgrundfrequenz weiblicher Stimmen ist in diesem Bereich zu finden.

Auch hier gibt es kein Grund zur Kritik, es schrammelt und knödelt nichts, im Gegenteil, es bleibt alles ganz gut modelliert. Weibliche Vocals kommen zudem klar auf den Punkt und die Klangfarbe der eingespielten Instrumente ist ebenfalls eher warm und nie kalt oder gar analytisch. Der weitere Verlauf nach oben hin ist ebenfalls frei von Kritik. Die Präzision ist allerdings nur durchschnittlich und macht das System trotz allem zum guten Allrounder in allen musikalischen Lebenslagen.

Die oberen Mitten zwischen 400 Hz bis etwa zwei KHz beinhalten bei einem KHz eine Marke, die immer noch als Referenz für viele Messungen gilt. Das merkt man leider auch oft bei günstigeren Geräten, da die Hersteller oft versuchen, gerade diese Frequenz etwas überzubetonen. Auch beim Gaming spielt dieser Bereich keine unbedeutende Rolle und eine ausgewogene Wiedergabe trägt nicht unwesentlich zu einer guten räumlichen Auflösung bei.

Die Bühne und die subjektiv empfundene Qualität der räumlichen Auflösung sind auf hohem,  wenn auch nicht auf allerhöchsten Niveau, was mit Sicherheit dem Preis und der Ausführung geschuldet ist. Ein Orchester wirkt (rein subjektiv betrachtet) trotzdem noch weit genug aufgestellt und es ist möglich, einzelne Instrumente bei unterschiedlichen Gesamtpegeln noch einigermaßen klar und eindeutig zu lokalisieren. Die Sprachwiedergabe erfährt in diesem Bereich ebenfalls keinerlei Einbußen, egal wie viele Quellen gemischt werden.

Hochtonbereich

Zwischen zwei bis etwa 3,5 KHz ist das menschliche Gehör am empfindlichsten, zumal dieser Bereich der unteren Höhen für die gute Oberton-Wiedergabe der menschlichen Stimme zuständig ist. Dieser Frequenzbereich ist nämlich entscheidend für die Wiedererkennung einer Stimme oder eines Instrumentes; man spricht in diesem Zusammenhang auch von der jeweiligen Klangfarbe.

Die Wiedergabe ist in diesem Bereich ebenfalls frei von größerer Kritik und die Sprachverständlichkeit sowie die Qualität der Vocals sind akzeptabel. Allerdings fehlt es hier etwas an Kontur und Differenziertheit, was das ganz große Aufspielen deutlich einschränkt. Das Gebotene ist an sich ja nicht schlecht, aber eben auch nicht wirklich Spitzenklasse.

Die mittleren Höhen (3,5 bis sechs KHz) entscheiden über das Ge- oder Misslingen der Sprachwiedergabe als Gesamtbild, denn die S- und Zischlaute (Sibilanten) fallen in diesen Bereich. Die oberen Höhen reichen dann bis ca. zehn KHz, um in den Superhochton überzugehen.

Hoch- und Superhochton sind gut, auch wenn es etwas dick aufträgt und leicht rauscht. Sibilanten und Atemgeräusche werden noch gut abgebildet, jedoch nicht überbetont. Es klingt auch nie spitz oder irgendwie metallisch, sondern recht natürlich.  Saiteninstrumente werden nicht hörbar verfälscht und eher filigrane Streicher werden auch nicht zu Blockflöten degradiert. Selbst ein Schlagzeug bleibt ein solches, bis hin zum sanft gestrichenen Jazz-Besen.

Zusammenfassung und Fazit

True Wireless wird nicht geboten, was man aber aufgrund der Treiber auch verschmerzen kann. Denn es sind keine Hi-Fi-Kopfhörer, sondern eher mobile Nackenhörnchen, die einem die Zeit zu verkürzen helfen, wenn man, wie aktuell gerade durch den lästigen Virus bedingt, mal wieder etwas mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen muss und sich trotzdem nicht in den Lieblings-Sessel verkriechen möchte. Man ist damit bestens erreichbar und fürs Home-Office und die Mucke zwischendurch reicht das alles bestens aus.

Da kann man dann auch schon mal auf AptX verzichten, denn es wird wohl eher auf die Standfestigkeit des Akkus ankommen. Womit ich dann auch schon zum Fazit komme. Es sind eher minimalistische Spaßkopfhörer, mit denen man zumindest ganz gut telefonieren kann. Für den angepeilten Preis ist der CX 350BT trotz der Features maximal sehr guter Durchschnitt. Hier kann man sich die 30 Euro Aufpreis fürs AptX eigentlich schenken und gleich zum kleineren Produkt greifen, das eigentlich auch das ehrlichere Produkt ist. Sicher, man zahlt auch hier noch die Marke mit, aber die Basics müssen stimmen. Wenn, dann würde ich fairerweise zu den deutlich günstigeren CX 150BT greifen, die dem Straßenpreis durchaus gerecht werden können und deshalb auch die Empfehlung bekommen.

Die einzige echte Kritik geht allerdings in Richtung der Abstufung aller Ohrpolstergrößen, weil man hier in der Mitte einfach zu große Sprünge findet. Und ein schlecht sitzender Stöpsel nervt nicht nur, sondern es beeinträchtigt auch den Klang. Es ist somit Pech für Sennheiser, dass ausgerechnet ich als Tester in das schwarze Loch der Größen gefallen bin, aber man sollte schon bei der Wahrheit bleiben. Eine bessere Mittelgröße würde wirklich helfen, auch wenn meine Frau als Zweit-Testerin voll zufrieden war.

 Man kann diese In-Ears also durchaus empfehlen, aber echte Schnäppchen sind sie beide nicht, vor allem nicht die CX 350BT.

 

Sennheiser CX 350BT schwarz (508382)

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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