Grafikkarten Praxis Testberichte

Rettung einer Gainward RTX 2080 Ti Phoenix GS – Wärmeleit-Pads richtig ersetzen | Praxis

Da die originalen Pads von Gainward beim Entfernen meist irreversibel reißen und zudem an der Platine oder dem Kühler richtiggehend festkleben, hatte sich der der Anwender schlau gemacht, beim Hersteller auch die passenden Größen abgefragt und ist danach zum Nachkauf übergegangen. Wir sehen auf dem Bild Pads mit zum Teil extremen und vor allem scharfkantigen Abdrücken (rechts) und weniger ausgeprägten Spuren auf der linken Seite, was schon einmal verdächtig ist.

Betrachtet man zudem den Abdruck der Wärmeleitpaste am Heatsink des Kühlers mit der fehlenden bzw. zu geringen Pastenmenge am linken Rand, dann weiß man jetzt bereits zwei Dinge. Der Anpressdruck ist links zu gering und als Folge dessen wird auch die GPU-Temperatur zu hoch, denn die Kühlung des riesigen TU102 ist nicht mehr optimal gewährleistet. Mal abgesehen davon, dass es viel zu viel Paste ist. Wenn trotz dieser großen Menge kein ganzflächiger Ausgleich zustande kommt, weiß man auch, dass zumindest auf der linke Seite die Pads zu hoch sind.

Die Pads waren übrigens generell zu hoch, wobei sie eigentlich laut Aufdruck genau dem entsprachen, was der Hersteller auch empfohlen hatte. Was der Käufer nicht beachtet hatte: Gainward nutzt in der Höhe stark überdimensionierte Pads mit einem bewusst extrem niedrig gewählten Härtegrad (Shore A), der sogar noch unter 15 liegt (Arctic z.B. 25). In der Tabelle habe ich einmal eine ungefähre Auflistung dessen, was einen erwarten könnte:

SHORE A Beispiel
0 Gelatine (“Wackelpudding”)
10 Weiche Gummibärchen
12 bis 20 Ultra-softe Pads
21 bis 30 Normale Pads
31 bis 40 Harte Pads
50 bis 70 Autoreifen
100 Hartplastik

Das, was Gainward (Palit) selbst als Original-Pads verwendet ist nicht minder fies, nur anders. Das Bild unten zeigt meine Gainward RTX 2080 Phoenix GS, die ähnlich aufgebaut ist und im Original die gleichen Pads nutzt wie diejenigen, die der Nutzer mühsam entfernt hatte. Es sind ultra-softe, extrem klebrige Pads mit Stärken zwischen einem und 2.5 mm bzw. 3 mm. Da steigt man als Laie schnell nicht mehr durch und vor allem bei den Zwischengrößen versagt oft auch der Einzelhandel.

Warum Gainward solche Pads verwendet, erfahrt Ihr auf den übernächsten Seite, jetzt wird erst einmal gereinigt!

 

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M
Mist3r1989

Mitglied

88 Kommentare 19 Likes

Vielen Dank für die Erfahrungen und den Bericht. Ich hab ein ähnliches Problem nach einem Umbau der rog strix oc 3090, unter Wasser habe ich neue Pads drin montiert, die von der Höhe stimmen sollten trotzdem habe ich 10-15 grad schlechtere temperaturen für den vram.
werde mir den Artikel in aller Ruhe wieder zu Genüte führen und versuchen für mich etwas abzuleiten. Ein erneutes Umbau erfordert ja jedesmal ein leeren des Kreislaufes, und befüllung zum testen…. 🤮🤮

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LEIV

Veteran

368 Kommentare 94 Likes

Hätte da grad mal ne allgemeine Frage:
Theoretisch reicht es ja aus, 0.5 und 1mm "Brösel" Pads zuhause zu haben, falls man mal an einer GPU rumbasteln will?

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Igor Wallossek

Format©

5,827 Kommentare 9,059 Likes

Im Prinzip ja. Oder noch ein paar Fujipoly wegen der bessen W/mK und den Brösel für den weicheren Abdruck auf der Platine in Kombination :)

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Megaone

Veteran

152 Kommentare 106 Likes

Nach dem Paddesaster der 3000er Serie hab ich meine 3090 auf Wasserkühlung umgebaut. Hab mich eisern an die Empfehlungen aus dem großen Pad Test gehalten. Allein die Pads haben über 40 Euro gekostet. Aber unterm Strich hat es sich gelohnt.

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ro///M3o

Veteran

219 Kommentare 122 Likes

Sehr gut, in solch verrückten Zeiten ist jede gerettete Karte ein großer Gewinn für Umwelt, Gamer und dessen Geldbeutel 😁✌🏼Super Aktion Igor.

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WeAre138

Mitglied

18 Kommentare 4 Likes

Bei Alphacool (die Pads habe ich noch unverbaut hier) wird die Härte mit/nach ASTM 2240 angegeben, wenn die Information überhaupt irgendwo geschrieben steht. Habe lange gebraucht um einige Infos in PDFs oder auf der Webseite zu finden und das lange nicht zu allen Pads.

Beim "Alphacool Apex Soft Wärmeleitpad 11W/mk 100x100x1mm" wird sie z.B. mit 72 Shore OO angegeben - und die sollten doch soft sein!
Also entweder ist das irgendwie 'ne andere Messmethode, die die anwenden oder ich bin zu doof... Aber du schreibst ja auch von SHORE A und nicht von SHORE OO. Verwirrend für den interessierten Nichttechniker. Kann man das vllt. umrechnen?
Leider fand ich zu meinen hier liegenden Pads "Eisschicht Wärmeleitpad - 11W/mK 120x20x1mm" keinerlei Angaben...

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KyoEvo

Neuling

3 Kommentare 0 Likes

Ich will meine 3080Ti mit dem Alphacool Eisblock Aurora Acryl GPX-N ausstatten. Ist auch mein erstes mal das ich eine Custom´s Wasserkühlung ein baue. An Stelle der mitgelieferten 3W/mk Pad´s habe ich auch vor die Alphacool Apex Soft / Eisschicht Wärmeleitpad 11W/mk zu nehmen.
Aber bei dem Härte-Thema müsste ich ja dann eher die Alphacool Rise Ultra Soft Wärmeleitpad 7W/mk. nehmen die einen Shore von 25 haben.
Die 11W/mk gegenüber den 7W/mk haben mich in Igor´sVideo „Wärmeleitpads im Test auf der NVIDIA GeForce RTX 3080 – GDDR6X-Temperaturen um bis zu 50% niedriger!“ aber von der Leistung mehr überzeugt. Was würdet ihr mir raten? Trotzdem die 11W/mk?

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thebagger

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91 Kommentare 68 Likes

Erst einmal Danke für den informativen Beitrag!

Ist zwar ein kleines bisschen Offtopic aber, ich hab vor ~2,5 Jahren eine 2080 TI auf Wasser umgerüstet und vor ein paar Wochen wieder zurück mit den original Pads (meiner Meinung nach Sauber abgezogen und schön in Folie weggepackt.) Verlieren die Teile auch mit den Jahren ihre Wirkung? Sollte ich da neue draufschrauben?

Ist ne EVGA XC Black Edition / Furmark ~80°C und ~101°C HotSpot.

Fairerweise muss ich anmerken, ich habe den Luftkühler nie getestet vorher.
Falls der Beitrag hier falsch ist gerne verschieben/löschen :)

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f
feris

Mitglied

14 Kommentare 11 Likes

Spannendes Thema. Ich verschlinge immer mehr Artikel hier, denn es macht Lust auf mehr!
Kleiner Vertipper beim Fazit:

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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