Audio/Peripherie Bluetooth Kopfhörer Testberichte

Razer Hammerhead: Hammer-geil oder Sound mit dem Brechhammer?

Das leise Sterben der Klinkenbuchse in Smartphones hat den Markt kabelgebundener Kopfhörer spürbar schrumpfen lassen. Der Fokus ist in Richtung kabelloser Bluetooth-Produkte gerückt und mit „The Dash“ hat Bragi praktisch den Ur-Vater der Apple Airpods durch die Community per Kickstarter finanzieren lassen. In den vergangenen vier bis fünf Jahren hat sich die Technologie stark weiterentwickelt. Mit Bluetooth 5.0 steht eine Technologie zur Verfügung, die nicht nur eine hohe Übertragungsbandbreite, sondern auch eine enorm hohe Energieeffizienz aufweisen.

Während der Markt als Antwort auf das beschriebene „Klinkensterben“ mit einer Flut an Billig-In-Ears reagiert, zeigte das bereits erwähnte Unternehmen Apple, wie es mit hochpreisigen (aber nicht immer hochwertigen) In-Ear Headsets richtig geht. In dessen Schatten stellt sich der Spezialist für Gaming-Peripherie Razer, die sich vermutlich beim Essen eines Apfels – für das Design ihrer „True Wireless Earbuds“ entschieden. In schickem, matten Schwarz gehalten, haben sie eine ähnliche Form wie die Airpods. Aber der Reihe nach.

Verpackung und Ersteindruck

Das Auspacken von Razer-Produkten ist immer ein kleines Erlebnis. Mit all dem knalligen Grün und dem matten Schwarz in Kombination, werden die Augen geschmeichelt, während die Kopfhörer wie auf einem Schaumstoff-Podest präsentiert werden. Der Lieferumfang ist dabei überschaubar, neben dem typischen Papier-Kram ist ein USB-Type-C Kabel zum Aufladen des Kunststoff-Cases, Halterungen aus Silikon, eine Trage-Schlaufe, die Kopfhörer selbst sowie das bereits erwähnte Case – also die Trageschale, die auch als mobile Aufladestation für beide Ohrstöpsel dient.

Das Case wird der Länge nach geöffnet, die Kopfhörer liegen also in der Schale und werden überkreuzt herausgenommen. Auf der Unterseite der Ausbuchtungen sind Pogo-Pins befestigt, über die die Kopfhörer aufgeladen werden. Die matte Oberfläche fühlt sich weich und angenehm an, das Design ist schlicht und einfach gehalten. Razer-Logo auf der Oberseite, eine kleine Indikations-LED auf der Front (sie zeigt den groben Ladestatus der Kopfhörer an), auf der Rückseite der USB-Type-C-Anschluss und auf der Unterseite sind die Import-relevanten Sicherheitssymbole zu sehen. Richtig nützlich und so noch bei keinem anderen Anbieter gesehen: An der Ladeschale lässt sich eine Handschlaufe anbringen, die das Tragen des Cases unterwegs erleichtert. Super praktisch!

Ähnlich wie das Case sind auch die Razer Hammerhead True Wireless in mattem Schwarz gehalten, der 13mm große Treiber wird von einem Kunststoffgehäuse in typischer Apple Airpod-Tropfenform umgeben. Der längliche Körper ist geringfügig abgeflacht und erleichtert damit das Herausnehmen, das Anbringen in den Ohren und das wieder Ablegen der In-Ears in die Ladeschale. Auf der Unterseite sind die beiden Lade-Pins untergebracht.

An der Front der Kopfhörer finde ich das Razer-Logo vor, bei dem es sich um eine Berührung-sensitive Fläche handelt – dazu komme ich gleich noch. Vorher aber noch ein Kritikpunkt an der Verarbeitung. Ich finde es schade, dass die Nähte bei einer genaueren Betrachtung deutlich sichtbar sind. Besonders an der Unterseite des länglichen Körpers erkenne ich die beiden zusammengeklebten Außenschalen. Damit wirken die Hammerhead True Wireless ein wenig „billig“.

 

Komfort, Bedienung und App

Ich habe ja bereits erwähnt, dass Razer sich beim Design der Kopfhörer an Apple orientiert hat. Damit ergeben sich auch die Vor- und Nachteile, die es schon bei den Airpods vorzufinden waren. Durch die fest vorgegebene Form der Kopfhörer, schmiegen sich diese nicht so flexibel an, wie man es von Produkten mit Silikon-Ohrstöpsel her kennt.

Razer versucht diesen Umstand mit einer Art „Mini-Kondom“, einer umschließenden Silikonhülle für den Ohr-Teil, zu verbessern. Das Anbringen ist kinderleicht, ich brauche nur auf die Aussparungen am Audioschacht sowie die Öffnung für das Mikrofon zu achten. Der Sitz der In-Ears im Ohr wird damit verbessert, wer kleine Ohren hat, könnte die Gesamtgröße als zu voluminös empfinden. Grundsätzlich empfinde ich den Halt der Hammerhead True Wireless als gut, beim Komfort zieht Razer aber zumindest im Vergleich zu In-Ears mit Silikon-Ohrstöpseln den Kürzeren.  

Das Pairing der Headphones funktioniert grundsätzlich problemlos: Um die Hammerhead True Wireless mit dem Smartphone zu verbinden, müssen diese in der Ladeschade platziert werden, während der Deckel geöffnet bleibt. Ist die passende Razer-App installiert, ist vor der der Benutzung ein Update durchzuführen. Natürlich lassen sich die Kopfhörer auch ohne Update mit dem Smartphone verbinden, als Nutzer muss ich dann aber eine geringere Laufzeit in Kauf nehmen.

   

Natürlich installiere ich die App und führe auch das Update durch. Dieses dauert vier Minuten, die Hammerhead True Wireless müssen dafür in der Ladeschale mit offenem Deckel verbleiben. Ist der Akkustand beider Komponenten zu niedrig, wird das Update verweigert, dann ist Warten und vor allem das Aufladen der In-Ears angesagt.

Die App ist eine durchaus nette Dreingabe, die einige nützliche Funktionen umfasst. Wenn ich die App mit einigen anderen Programmen der Mitbewerber vergleiche, ist der Funktionsumfang aber eher überschaubar. Als sehr praktisch empfinde ich die individuelle Anzeige des Akkustandes beider Kopfhörer, denn unter Android wird der durchschnittliche Akkustand beider In-Ears nur gebündelt angezeigt.

Enttäuscht bin ich von dem Equalizer bzw. dem nicht vorhandenen Equalizer, denn Razer implementiert lediglich zwei Pre-Sets um den Bass und die Höhen zu „boosten“. Eine feine, manuelle Justierung fehlt komplett.

Über die App kann ich die Sprachausgabe der Kopfhörer verändern, wozu ein Sprachpaket heruntergeladen und installiert werden muss. Ansonsten erhalte ich über die Software Zugriff auf das Tutorial, kann Feedback an Razer senden und die FAQ lesen. Außerdem kann ich mit einem Fingertipp die Kopplung der Hammerhead True Wireless aufgeben.

Ich empfehle, sich das Tutorial anzusehen, denn Razer implementiert eine Touch-Steuerung mit Mehrfachbelegung der beiden berührungssensitiven Flächen:

Mit einem einfachen Drücken/Berühren des Razer-Logos kann ich Musikstücke pausieren und wiedergeben. Auch Telefonanrufe nehme ich über einen einfach ausgeübten Druck aus. Drücke ich die Fläche jedoch zwei Mal, springe ich zum nächsten Song oder Video (YouTube App) oder kann zu einem neuen Anruf wechseln, während das laufende Telefonat gehalten wird.

Dreimaliges Drücken spielt den vorherigen Song oder das vorherige Video ab. Drücke und halte ich das Razer-logo, wird der Sprachassistent aktiviert oder ein Anruf abgelehnt. Deutlich komplexer ist die Aktivierung des Gaming Modes, in dem ich drei Mal die Fläche betätige und diese beim letzten Tippen für zwei Sekunden halte.

Der Gaming Mode verringert die Latenzzeit, während der Bass ein wenig erhöht wird. Damit laufen Videos absolut Lippensynchron und auch Schüsse in Spielen geben das akustische Feedback in Echtzeit wieder. Diese Umsetzung hat mir außerordentlich gut gefallen, denn der Unterschied ist hörbar. Nur die Bedienung könnte etwas einfach sein. Dank des Tutorials konnte ich die richtige Drücken- und Halten-Abfolge aber virtuell üben, Razer visualisiert den Vorgang entsprechend.

Um eine Fehlbedienung zu vermeiden, gibt es einen Delay von ca. 0.5 Sekunden. Dennoch konnte ich hin und wieder Falscheingaben feststellen, beispielsweise, wenn ich liegend meinen Kopf auf dem Arm abstützte. Kam nicht so häufig vor, aber unerwähnt lassen wollte ich das auch nicht.

 

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About the author

Jakob Ginzburg

Redaktion | Geschäftsführung | Vermarktung

Meistens eher im Hintergrund unterwegs, kümmere ich mich um den Geschäftsbetrieb und schreibe hin und wieder News sowie Reviews.

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