Grafikkarten Redaktion Testberichte

Nvidia GeForce RTX 3060 Ti – Ampere speckt weiter ab und zeigt auf leisem Wege durchaus seine Krallen

Leistungsaufnahme und Normeinhaltung

Die Maximalwerte einer sehr fordernden Szene sind nicht die ganze Wahrheit, denn die Leistungsaufnahme ist sehr Auflösungs-abhängig. Warum das so ist? Frag die CPU, die in so mancher Situation den schnellen Feger bereits ein klein wenig einbremst. Nicht in jedem Spiel, aber bei einigen passiert es, vor allem in Full-HD. Welche das genau sind, hatten wir ja bereits analysiert, als es um die kombinierte Leistungsaufnahme mit der CPU und deren Einzelauflistungen ging. Rechnet man jedoch die Leistungsaufnahme in WQHD zusammen, die ich in allen Spielen über die gesamte Laufzeit gemessen habe, dann liegt alles wieder bei den angegebenen (knapp) 200 Watt für die TGP, Punktlandung also, denn die CPU limitiert nicht mehr. Zunächst erst einmal das jeweilige Mittel über alle Auflösungen, Spiele und Grafikkarten:

Bei der Leistungsaufnahme gibt es eigentlich keine großen Geheimnisse, denn das, was NVIDIA als TGP für die GeForce RTX 3060 Ti vorgibt, wird weitgehend auch eingehalten. Mit ca. 13 bis 14 Watt im Idle liegt man im brauchbaren Bereich, wenn auch relativ hoch, denn das ging auch schon mal niedriger. Die Teillastbereiche werden relativ sparsam realisiert, was auch am besser geregelten Takt liegen könnte. Allerdings erreicht die Karte bei echter Volllast im Witcher 3 bei Ultra-HD und voller Erwärmung dann um die 205 Watt, also 5 Watt mehr als prognostiziert und in den Specs angegeben.

Die nachfolgende Tabelle zeigt nun die Maximalwerte der jeweiligen Lastszenarien und die gemittelte Gaminglast. Der Wert für Gaming UHD ist der höchste, in Witcher 3 gemessene Wert, weil das Spiel auch heute noch die Speerspitze der Spiele in Bezug auf die Leistungsaufnahme darstellt. Womit wir bei den Vorgaben wären, denn am Ende ist ja per Firmware klar geregelt, was geht sowie maximal und minimal gehen darf. Maximal 220 Watt Power Limit sind für die FE erlaubt, was sich mit der geeigneten Software auch abrufen lässt, aber auch etwas sinnlos ist.

Die Spannungen sind genau dort, wo man sie erwartet, also etwa im Bereich der GeForce RTX 3070 und sie sinken bei steigender Erwärmung des Chips, wenn die Ströme im Gegenzug ansteigen, denn die kann man ja schlecht limitieren, um die TBP exakt einhalten zu können:

Kommen wir nun zur Auslastung des Motherboard-Slots, dessen Belastung von der PCI SIG ja mit 5.5 Ampere spezifiziert würde. Das ergibt bei 12 Volt eine maximale Leistung von 66 Watt. Man sieht sehr deutlich, dass dieser Grenzwert unter voller Last mit 3.5 bis 3.7 A bereits deutlich unterschritten wird, selbst wenn man das maximale Power Limit ausreizt. Das man den 12-Pin nur noch als eine Rail führt, reicht also völlig aus und auch das Balancing ist besser als bei der RTX 3070. Gut, eine Phase weniger am PEG hilft da natürlich.

Der etwas detailliertere Kurvenverlauf für Gaming und Torture sieht so aus, wobei die Intervalle mit den langen 20 ms noch sehr granulär sind.

Transienten und Netzteilempfehlung

Wie ich in meinem Grundlagenartikel “Der Kampf von Grafikkarte gegen Netzteil – Leistungsaufnahme und Lastspitzen entmystifiziert” bereits ausführlich nachgewiesen habe, existieren durchaus auch kurzzeitig höhere Lasten im Millisekundenbereich, die bei ungünstig entworfenen oder nicht zweckmäßig bestückten Netzteilen bereits zu unerklärlichen Abschaltungen führen können. Da hilft dann allein die vom Grafikkartenhersteller oder den Reviewern gemessene TBP (Typical Board Power) für eine stabile Auslegung des Systems nicht wirklich weiter.

Spitzen mit Intervallen zwischen 1 bis 10 ms können bei sehr schnell reagierenden Schutzschaltungen (OPP, OCP) vor allem bei Multi-Rail-Netzteilen zu Abschaltungen führen, obwohl die durchschnittliche Leistungsaufnahme noch in der Norm liegt. Für diese Karte würde ich deshalb als Grafikkarten-Last mindestens 300 bis 320 Watt anteilig an der sekundärseitigen Gesamtleistungsaufnahme des Systems kalkulieren, um genügend Reserven für den Fall der Fälle zu besitzen. Einen kurzen Auszug mit höher Auflösung zeigen uns nun die 20-ms-Messungen (10 μS Intervalle), wie ich sie automatisiert zur Wertermittlung laufen lasse:

Danke für die Spende



Du fandest, der Beitrag war interessant und möchtest uns unterstützen? Klasse!

Hier erfährst Du, wie: Hier spenden.

Hier kannst Du per PayPal spenden.

About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

Folge Igor auf:
YouTube   Facebook    Instagram Twitter