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Nvidia GeForce RTX 2080 und RTX 2080 Ti im Test – Gaming, Turing-Benchmarks und neue Erkenntnisse

Der neue Kühler der Founders Edition setzt statt des Radiallüfters auf zwei 8,5-cm-Axiallüfter mit jeweils 13 Rotorblättern. Das eigentliche Gehäuse besteht aus einem Materialmix aus Aluminium-Blech, ABS und Aluminium-Guss und lässt sich, zumindest nicht ohne Gewalt oder spezielles Fachwissen, auch nicht wirklich komplett zerlegen. Beide Karten verfügen zudem über einen ähnlichen Kühler, der netto ohne Wärmeleitpads immerhin 935 Gramm bei der GeForce RTX 2080 FE und 948 Gramm bei der GeForce RTX 2080 Ti FE auf die Laborwaage brachte.

Ich habe die Backplate und die Platine entfernt und den Kühler erst einmal aus Zeitgründen nicht weiter zerlegt bzw. überlegt, wie man ihn wohl komplett auseinandernehmen könnte. Da auch andere dasselbe Problem hatten, habe ich Nvidia gefragt. Die Antwort war gewohnt präzise unpräzise:

“We don’t want to encourage guys to do this though because of concerns they break something”

Ok, das war es also… Nun ja. Mittlerweile wissen wir allerdings auch, dass Nvidia einen Teil der oberen Kühlerabdeckung in der Mitte angeklebt hat und man schon einen Heißluftfön bräuchte, um dies alles abzulösen. Betrachten wir lieber das gute Stück deshalb erst einmal nur von unten:

GeForce RTX 2080 FE

Der Kühlerboden der größeren Karte aus Aluminiumguß weicht aufgrund des anderen Platinenlayout etwas ab, was letztendlich wohl auch den kleinen Gewichtsunterschied erklärt. Der obere Aufbau mit Vapor-Chamber, Kühlfinnen und Lüftern ist aber dann wieder identisch.

GeForce RTX 2080 Ti FE

Nvidia bezieht die Backplate mit ins Kühlkonzept ein, was gut und wichtig ist. Vor allem hinter den Speichermodulen kann man noch einmal etwas Wärme mittels passender Wärmeleitpads abführen. Das große Pad unterhalb der GPU hätte man sich allerdings auch sparen können. Labormessungen konnten für mich keinen Unterschied mit und ohne Pad belegen, im Gegenteil. Eine komplett aufgewärmte Backplate ist unter Umständen sogar heißer als der Bereich unterhalb des GPU-Sockels! Dann aber heizt die Backplate mit etwas Pech sogar über das Pad die Platine mit auf.

GeForce RTX 2080 FE

Auch bei der Backplate gibt es dann Platinen-bezogene Unterschiede zwischen beiden Karten in der Folierung und der Positionierung der Wärmeleitpads, wie man ganz deutlich sehen kann:

GeForce RTX 2080 Ti FE
Kühlsystem im Überblick
Art des Kühlers: Luftkühlung
GPU-Kühlung Vapor Chamber
Kühlfinnen: Aluminium, vertikale Ausrichtung, nicht geneigt
Heatpipes Vapor Camber
VRM-Kühlung: Über den Montageframe
RAM-Kühlung Über den Montageframe
Lüfter: 2x 8,5 cm Lüftermodule (9 cm Öffnung), 13 Rotorblätter
keine semi-passive Regelung
Backplate ja, mit Kühlfunktion

 

Lüfter-Drehzahlen und Geräuschentwicklung (“Lautstärke”)

Auf einen semi-passiven Modus hat man nicht verzichtet, was bei 17 Watt im Idle auch noch locker realisierbar ist. Die Lüfterkurve hat Nvidia eher konservativ gewählt. Nach einem sehr kurzen Zeitraum konstanter Kühlung während der Aufwärmphase gehen die Drehzahlen später oberhalb von 68 Grad deutlich nach oben. Wir erkennen zudem deutlich, wie empfindlich die Karte auf ein geschlossenes Gehäuse reagiert. Um die Temperaturen möglichst auf gleichem Niveau zu halten, müssen die Lüfter im geschlossenen Gehäuse auch beim Erreichen der Zieltemperatur stets deutlich höher drehen.

Diese Aussage betrifft natürlich auch die GeForce RTX 2080 Ti FE, denn es ist ja ein sehr ähnlicher Kühler:

Reserven, um die Lüfter niedriger drehen zu lassen, besitzt die Karte übrigens keine, aber man könnte sie durchaus noch etwas lauter (und kühler) hinbekommen, um beim Übertakten höhere Boost-Taktraten zu erhalten. Aber will man das wirklich? Schauen wir im direkten Vergleich noch einmal auf die Tabelle:

  GeForce RTX 2080 FE
GeForce RTX 2080 Ti FE
Lüfterdrehzahlen Open Benchtable Maximum 1907 U/min (Gaming, Peak) 2136 U/min (Gaming, Peak)
Lüfterdrehzahlen Open Benchtable Average 1887 U/min (aufgewärmt) 2122 U/min (aufgewärmt)
Lüfterdrehzahlen Closed Case Maximum 1959 U/min (Gaming, Peak) 2281 U/min (Gaming, Peak)
Lüfterdrehzahlen Closed Case Average 1942 U/min (aufgewärmt) 2274 (aufgewärmt)
Geräuschemission (Luft) Average 39,6 dB(A), Closed Case 41,9 dB(A), Closed Case
Geräuschemission (Luft) Idle 31,3 dB(A) 31,8 dB(A)
Klangcharakteristik / Höreindruck eher rauschend, kaum tieferfrequente Anteile eher rauschend, kaum tieferfrequente Anteile

Die  GeForce RTX 2080 FE bleibt über das ganze Frequenzband relativ unaufgeregt und die Lüfter erzeugen ein eher angenehmes Raumen. Die Motorgeräusche erzeugen einen gewissen drehzahlabhängigen Peak, den man gut im Spektrum erkennen kann. Das Gleiche gilt natürlich für beide Karten mit diesen Lüftern.  Bei der GeForce RTX 2080 erkenne ich übrigens noch einen drehzahlunabhängen Peak knapp oberhalb des Motor-Peaks, den ich nicht genau lokalisieren konnte. Man kann ihn aber nur messen, nicht wirklich hören.

Die Nebengeräusche der Spannungswandler sind sichtbar, gehen aber im Klangteppich fast unter. Der erreichte Wert von knapp unter 40 dB(A) ist für eine Dual-Slot-Karte sicher gut, aber auch noch nicht wirklich leise, jedoch deutlich leiser als eine GeForce GTX 1080 Ti FE mit ähnlicher Verlustleistung.

GeForce RTX 2080 FE

Die GeForce RTX 2080 Ti muss noch einmal 55 Watt mehr abführen, was man dann (leider) auch deutlicher wahrnehmen kann. Die knapp 42 dB(A) sind noch kein echter Laubsauger, so fair muss man bleiben. Aber wirklich leise ist das jetzt nicht mehr. Doch auch Nvidia kann die Physik nicht neu erfinden – das ist eine unumstößliche Tatsache, die man akzeptieren muss. Mit zwei Slots und flachem Kühler geht das einfach nicht mehr besser.

GeForce RTX 2080 Ti FE

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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