Mobile Testberichte

Nokia 8 im Test: Top-Technik für unter 270 Euro


Wie gut lässt sich eigentlich ein High-End-Smartphone aus dem Jahr 2017 im noch jungen Jahr 2019 nutzen? Muss es immer das Neueste vom Neuen sein oder wird man für vergleichsweise wenig Geld auch mit „Last Gen“ noch glücklich? Wie viel Smartphone bekommt man für knapp 270 Euro? Genau das habe ich anhand des Nokia 8 versucht herauszufinden.

Über Jahre stand der Smartphone-Markt nahezu still und echte Innovationen musste man mit einer Lupe suchen. Nicht nur, dass die mobilen Taschen-Computer sich in ihrem grundlegenden Design wie ein Ei dem anderen glichen, sie boten auch einen nahezu identischen Funktionsumfang. Klar, hier und dort gab es auch innovative Ausreißer wie HTC mit dem druck-sensitiven Rahmen. Oder Oppo mit der dreh- und bei späteren Modellen mit einer herausziehbaren Kamera. Und selbst Samsung hat dank einem beidseitig abgerundeten Display frischen Wind in den Smartphone-Markt gebracht. Die verbaute Hardware unter der Haube wurde hingegen von Jahr zu Jahr um einige wenige Prozentpunkte (meistens im Benchmark) in ihrer Leistung gesteigert, kämpfte aber seit eh und je mit hoher Wärmeentwicklung und einer überschaubaren Akkulaufzeit.

Das Mi Mix (one) von Xioami läute dann vor einigen Jahren die erste große Design-Revolution an: Nahezu rahmenlose Bildschirme. Ob mit einer kleinen Unterlippe oder mit der „Notch“, also einer Aussparung im Bildschirm – plötzlich hatte jeder Hersteller ein solches Smartphone-Design im Produktportfolio. Selbst Apple sprang auf den Zug auf und verabschiedete sich essentiellen Bedienelementen, die der Home-Taste.

Und genau an dieser Design-Schwelle positioniert sich das Nokia 8. Kein Rahmenloser Bildschirm, keine Notch, dafür aber eine Home-Taste inklusive integriertem Fingerabdruck-Scanner. Das Gesamtbild ist also sehr klassisch gehalten, so wie man es von der letzten Smartphone-Generation gewohnt ist. Der 5,3-Zoll große 16:9-Bildschirm löst in mit 1.440 x 2.560 Pixel, also QHD auf und wird all diejenigen begeistern, denen 6- und noch mehr Zoll einfach zu viel bei einem Smartphone sind. Zwei Touch-empfindliche Tasten neben dem Home-Button ermöglichen den Zugriff auf die klassischen Android-Funktionen. Dem Betriebssystem widme ich mich gleich noch im Detail.

Neben dem Lautsprecher und dem Nokia-Logo – hach, hier kommen Erinnerungen hoch – ist an der Front auch eine 13-Megapixel Kamera für Video-Telefonie und Selfies verbaut. Auf der Rückseite sind gleich zwei, 13-Megapixel Kamera angebracht, wobei sich eine davon nur für Monochrome Aufnahmen verantwortlich zeigt. Auf die Qualität gehe ich ebenfalls später ein. Seitlich vom Bildschirm befinden sich der Ein/Aus-Schalter sowie die Lautstärke-Tasten – beide lassen sich gleichzeitig drücken, es handelt sich also nicht um einen Wippschalter. Auf der Unterseite findet sich der USB Type-C-Anschluss mit voller USB 3.1-Protokoll und OTG-Untersetzung. Damit können Speichermedien, Maus und Tastatur sowie andere USB-Geräte bis 5V angeschlossen werden.

Neben dem USB-Port befindet sich eine kleine Öffnung für das Mikrofon sowie ein einziger Lautsprecher. Hier zeigt sich die erste Schwäche vom Nokia 8: Das Klangbild ist absolutes Mittelmaß, ein echter Musikgenuss – wie es beispielsweise bei einem HTC Smartphone mit eingebautem BoomSound vorherrscht – gibt es zu keinem Zeitpunkt. Dafür verbaut Nokia aber eine 3,5mm-Klinke und ermöglicht so den Anschluss des Smartphones an Boxen und Kopfhörer. Adapter für USB-Type-C sind also nicht nötig – absoluter Pluspunkt!

Das Gehäuse, es handelt sich bei meinem Testgerät um die Variante in dem überaus hübschen „Polished Blue“, besteht aus Aluminium und wurde in mehreren Durchläufen glattgeschliffen. Dadurch schmeichelt es durchaus der haltenden Hand, ist aber auch durchaus rutschig und sehr, sehr anfällig für Fingerabdrücke. Leider verzichtet Nokia auf eine besondere Versiegelung, wodurch sich selbst bei besonders achtsamen Gebrauch feine und auch weniger feine Kratzer ansammeln. Eine optional erhältliche Hülle ist hier Pflicht! Da das Smartphone schon eine Zeitlang auf dem Markt verfügbar ist, gibt es eine große Auswahl an Hüllen und Protektoren, so dass man schnell fündig wird.

 

Aus 7 mach 9

Seit dem Bestehen von Android gibt es ein leidiges Thema, mit dem sich insbesondere die Nutzer konfrontiert sehen, die ihr Smartphone nicht jedes Jahr gegen ein neues Modell austauschen: Updates. Und eventuell wird bei diesem Gedanken dem ein oder anderen Leser dieses Reviews ein kalter Schauer über den Rücken laufen, doch das Thema ist überaus wichtig. Während das iPhone von Apple in regelmäßigen Abständen über mehrere Jahre mit System- und Software-Updates versorgt wird, müssen die Nutzer einiger Android-Smartphones in die Röhre schauen.

Das Nokia 8 wird ab Werk mit Android 7.1.1 ausgeliefert und verfügt über das blanke, kaum modifizierte Android. Die Modifikationen wiederum betreffen nur einige wenige Apps wie die Kamera und ein Feedback-Tool, das hin und wieder aufpoppt und den Nutzer frägt, ob er denn mit dem Gerät zufrieden sein. Oder ob man spezifisches Feedback senden möchte.

Beim ersten Verbindungsaufbau mit dem Internet wird ein Update auf Android 8 angeboten. Nach dem Einspielen poppt eine weitere Meldung, diesmal mit dem Hinweis zum Update auf Android 9 auf, das ich natürlich auch ohne Zögern installiere habe. Und nicht nur das – auch Sicherheitsupdates werden zügig eingespielt. 11 Tage nachdem Google das Februar-Sicherheitspaket veröffentlicht hat, erfolgte der Rollout auf dem Nokia 8. Damit ist das Smartphone auf Augenhöhe mit den Google Pixel-Modellen. Selbst einige High-End-Smartphones aus dem Jahr 2018 warten noch heute auf Android 9 oder Sicherheits-Patches. Hier zeigt sich Nokia vorbildlich!

Es ist auch davon auszugehen, dass die Versorgung mit den Sicherheits-Patches weiterlaufen wird. Ob Android 10, wenn es denn mal kommt, ebenfalls den Weg auf das Nokia 8 finden wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt genauso ungewiss, wie die Süßspeise des kommenden Betriebssystems.